Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 23 (5.6.1914)
- Article
- Die Memoiren des Ascher Levy aus Reichshofen im Elsaß [Rezension]
- Date
- 1914-06-05
- Page
- 564 (sequence 1)
- Language
- German
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Kr. 23 LT 565 auch im Hause des mährischen Landesvorstehers, des R. Meir Lazarus. Fast tut es uns leid, daß Ascher Levy nicht noch mehr in der Welt herumgetrieben wurde, damit er uns auch etwas über die Juden außerhalb Deutschlands, Böhmens und Mährens berichte. Aber Ascher Levy war froh, als er sich sein eigenes Haus errichten durfte, denn jetzt hatte er endlich Gelegenheit, sich ein kleines Zimmerchen einzurichten, in dem er ständig lernen konnte, einen Mazzosbackofen zu bauen, damit er sich die Mazzos nach der strengen Vorschrift für jeden Sederabend frisch backen könne, und eine kleine Badestube anzulegen. Seine tiefe Frömmigkeit spricht auch sonst aus jeder Zeile des Buches. Ascher Levy war ein frommer, gelehrter Jude, voll liebevoller Pietät gegen Lehrer und Verwandte, und dieser Pietät danken wir eine ganze Reihe genealogisch hoch zu bewertender Angaben. Aus dem Gesagten ergibt sich von selbst, daß das Buch von hohem Interesse ist, um so mehr, als die Gebersetzung eine durchaus angemessene, die Anmerkungen sehr instruktiv sind. Dem Buche ist ein Namensregister beigefügt. Die buchtechnische Ausstattung ist sehr ansprechend. Prag. S. H. Lieben. A. Goldstein: Programm für jüdisch-nationale Vortragsthemen. Verlag Wostok, St. Petersburg. (Russisch.) Durch die Herausgabe dieser Broschüre hat der Autor einem in zionistischen Kreisen Rußlands lebhaft empfundenen Mangel abgeholfen. Man braucht nicht viele Worte darüber zu verlieren, welche Bedeutung für die zahlreichen Ortsgruppen und die einzelnen in der Propaganda tätigen Gesinnungsgenossen ein kurzer Umriß über die zionistischen Vortragsthemen haben kann. Allerdings ist bereits vor zehn Jahren ein ähnliches Werk erschienen, daß seinerzeit vom jüdisch-nationalen Publikum mit großer Genugtuung aufgenommen wurde. Bei der Entwicklung der jüdisch-nationalen Bewegung aber und bei der Erweiterung unserer Probleme gerade während der letzten zehn Jahre ist es klar, daß ein vor zehn Jahren erschienenes Buch den gegenwärtigen Ansprüchen nicht gerecht werden kann. Es muß gesagt werden, daß der Autor der - "zionistischen Propaganda und Aufklärungsarbeit einen großen Dienst mit seiner Broschüre erwiesen hat. Das Büchlein zerfällt in achtzehn kurze Abschnitte, enthaltend Quellenangaben über Zeitungsartikel und Werke, die die zionistisch-nationalen Probleme behandeln. Durch die übersichtliche Anordnung der Themen wird es den Ortsgruppen und den einzelnen Gesinnungsgenossen ermöglicht, sich in der vorhandenen zionistischen Literatur zurechtzufinden und die ihn besonders interessierenden Fragen gründlich studieren zu können. Besonders klar sind die kurzen Einleitungen, die einem jeden der Themenabschnitte vorangehen und in kurzen Umrissen einen Ueberblick über das betreffende Gebiet gewähren. Das Büchlein kann der wärmsten Aufnahme der östlichen zionistischen Kreise sicher sein. Es wäre sehr erfreulich, wenn ein ähnliches Werk recht bald auch dem deutschlesenden Publikum geboten werden könnte. Die Emanzipation der Juden in Schleswig-Holstein, von Dr. jur. Victor, Wandsbek. Herausgegeben vom Verbände der Jüdischen Gemeinden SchleswignHolsteins. Verlag von Martin Philipsen in Hamburg. 65 Seiten. Preis 1,50 M. Schutzjudentum, Beschränkung des Wohnaufenthaltes, Ausschließung von bestimmten Berufen — wenn die heutige Generation von derartigen Dingen hört, dann denkt sie an die dunkelsten Zeiten des Mittelalters. Und doch ist es erst ein halbes Jahrhundert her, seitdem das Emanzipationsgesetz von 1863 die Juden in schleswig-holsteinischen Landen von allen diesen Drangsalierungen befreite und ihnen die Möglichkeit eines menschenwürdigen Daseins eröffnete. Noch im Jahre 1858 mußte ein Jude die Stadt Ahrensburg verlassen,' weil er, entgegen den geltenden Bestimmungen, eine außerhalb Ahrensburg ansässige Jüdin geheiratet hatte. Dr. Victor hat sich ein großes Verdienst damit erworben, daß er uns in fesselnder Darstellung über die Geschichte der Juden von ihrer ersten Niederlassung in Schleswig-Holstein bis zu ihrer Emanzipation berichtet und vor unseren Augen ein Bild der Kämpfe entrollt, die unsere Väter in zähem Ringen um ihre Menschenrechte geführt haben. Wiewohl mit anerkennenswertem Fleiß alles Material — und vieles ist sicherlich nicht leicht erreichbar gewesen — verwertet ist, so macht doch die von aller wissenschaftlichen Trockenheit weit entfernte schwungvolle Darstellung und die Liebe zu dem Gegenstand, die aus jedem Worte des Verfassers spricht, die Lektüre dieser Schrift zu einem hohen Genuß. Von großem Interesse sind die eingehenden Berichte über die Diskussionen in den holsteinischen Ständeversammlungen, die zahlreichen Eingaben und Streitschriften, in denen die Juden Holsteins in nimmer ermüdendem Eifer auf der Forderung ihres Rechtes bestanden, ohne eine Konzession auf Kosten ihres Judentums zu machen. Während sich überall in Deutschland der auf den Juden ruhende Druck zu lösen begann, während im benachbarten Hamburg seit 1848 die volle Emanzipation bestand, warf das Jahr 1851 die holsteinischen Juden mit der Beendigung des Aufstandes gegen Dänemark in den Zustand völliger Rechtlosigkeit zurück, und aus ihren Mitkämpfern, an deren Seite sie im Befreiungskampf gelochten hatten, wurden wieder ihre Bedrücker. Und inmitten aller dieser Kämpfe tun die Gleichberechtigung sehen wir die aufrechte Gestalt eines unermüdlichen Streiters, des Altonaer Arztes Ludwig Salomon St ein he im, des mit den höchsten Gaben des Geistes und Charakters ausgestatteten Religionsphilosophen, dessen prächtiges Bild der Schrift Victors beigegeben ist. Seine ausführlich wiede rgegebene Polemik mit dem liberalen Emanzipationsgegner Karl Gutzkow, dem Dichter des „Uriel Acosta", ist auch heute noch von aktueller Bedeutung. Unter den Arbeiten, die die Bausteine zu einer zusammenfassenden jüdischen Geschichtsschreibung der Zukunft zu liefern bestimmt sind, dürfte die Schrift Victors einen ehrenvollen Platz einnehmen. Hamburg. Dr. Besser. Erneuern Sie sofort Ihr Abonnement, da Sie sonst keine Garantie für die pünktliche Zustellung der Nummern haben. 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