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Die Welt · 1914-06-05 · 23 (5.6.1914) · p. 560

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
23 (5.6.1914)
Article
Antwerpen [Nachricht]
Date
1914-06-05
Page
560 (sequence 2)
Language
German
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560 Nr. 23 D1E3q£ELT Und bis in den späten Abend hinein waren überall die blauweiß bebänderten jüdischen Blumen zu sehen. Der finanzielle Erfolg — es wurden ca. 1700 Eres, für den J. N.-F. aufgebracht — erreicht lange nicht den moralisch nachhaltigen Eindruck, den diese schöne zionistische Demonstration auf die Antwerpener Judenheit ausübte. Holland ’s Gravenhage. Der Vorstand der Ortsgruppe ’s Gravenhage des Holländischen Zionistenbundes bittet höflichst - diejenigen Zionisten, welche diesen Sommer einige Zeit in Scheveningen verbringen werden, sich mit dem Sekretariat, Feranhenslog 120, in Verbindung zu setzen, damit man sich über eventuell abzuhaltende Propagandaveranstaltungen beraten kann. Schweiz Sitzung des Landeskomitees Am 10. Mai tagte in Zürich das Landeskomitee des Schweizerischen Zionistenverbandes. Die Sitzung befaßte sich in erster Linie mit der Vorbereitung des diesjährigen Delegiertentages, der Sonntag, den 21. Juni, nach Bern einberufen wurde. Als Tagesordnung wurde festgesetzt: 1. Eröffnung und Wahl des Tagesbureaus. 2. Berichte des Landeskomitees: ß) Tätigkeitsbericht: Ref.: Dr. Pinkus. b) Kassabericht: Ref.: Dr. Strauß und Revisoren. c) Nationalfonds-Bericht: Ref.: W. Simon. d) Shareclub: Ref.: M. Levy. 3. Antrag auf Statutenänderung, §§ 0, 10, 20. 4. Generaldebatte, Dechargeerteilung, Abstimmung über Punkt 3. 5. Eventuelle Anträge der Ortsgruppen. 6. Wahlen: a) Vorort. b) Landeskomitee. c) Nationalfonds-Kommissär^ d) Revisoren. 7. Die gegenwärtige Lage des Zionismus. Ref.: Dr. Pinkus. 8. Eventualia. Vereinigte Staaten von Nordamerika Order B'nai Zion Die Jahresversammlung des Order B’nai Zion wird in Providence R. vom 21. bis zum 23. Juni stattfinden. Mr. Joseph Barondess ist Großmeister des Ordens, der in 52 Städten besteht und 3000 Mitglieder hat. iiifliiM FEUILLETON Die Ausgrabungen in Palästina Von Dr. Rudolf Leszynsky Unerfüllbare Hoffnungen und unberechtigte Vergleiche beeinträchtigen das Interesse, das die Ausgrabungen in Palästina verdienen, und der Gleichgültigkeit entspricht die mangelnde Kenntnis von dem, was die junge Wissenschaft der Palästina-Archäologie nun wirklich geleistet hat. Der unwissende Araber glaubt heute noch, daß die Europäer bei ihren Grubungen auf der Suche nach der Krone und dem Siegel Salomons sind, und es mag manchen gebildeten Europäer geben, der von ähnlichen Schätzen träumt und dem die palästinensischen Ausgrabungen erst einen Beweis ihrer Berechtigung gegeben hätten, wenn man die Gesetzestafeln Mosis, die Bundeslade oder zum mindesten doch Briefe Davids und Salomos zutage gefördert hätte. Die elenden Scherben und Mauerreste, die man in Palästina gefunden hat, haben in den Augen des großen Publikums wenig Wert. Wenn man von Ausgrabungen etwas hört, dann denkt man unwillkürlich an ägyptische Kolossalstatuen, an Hieroglyphen und Papyri, an babylonische Tempel und keilinschriftliche Bibliotheken, an hellenische Tempel und Götterbilder. Gegenüber all diesen beredten Zeichen hoher menschlicher Kultur verstummen die Schutthaufen des armen, kleinen Palästina, nicht, weil sie uns überhaupt nichts zu sagen hätten, sondern weil die Frage, mit der man an sie herantritt, verkehrt und falsch gestellt ist. Für die allgemeine Weltgeschichte hat Palästina nur ein nebensächliches Interesse, für die israelitische und jüdische Geschichte steht es im Mittelpunkt, und dieselben Ausgrabungen, die dem Kunsthistoriker nichts bringen, schaffen den notwendigen Untergrundfür die künftige Darstellung der jüdischen Geschichte. In alter Zeit begann man die Erzählung von dem Leben des jüdischen Volkes mit der Weltschöpfung, mit Adam und Eva, mit der Sinnflut und Noa. Heute hat die Geologie das erste Wort. Sie erzählt uns die mannigfaltigen Geschicke des palästinensischen Bodens vom Tertiärzeitalter an, da das Land als ein gleichförmiges Hochplateau aus dem Wasser emporstieg, um nie wieder von den Fluten bedeckt zu werden. Sie erzählt weiter, wie der große Riß, der durch das ganze Land hindurchgeht, entstand, die Jordanspalte und das tote Meer, damals noch ein einziger großer Binnensee. Die Eiszeit, die hernach über die Welt kam, scheint für Palästina nur eine Regenzeit gewesen zu sein, denn nirgends finden sich die für die Eiszeit charakteristischen Gletschertöpfe und Moränen. Eine Periode folgt der anderen. Das mittelländische Meer, das noch die ganze Küstenebene bedeckt hatte, tritt zurück, auch der große Binnensee nimmt allmählich die Formen des toten Meeres an. Das Land gliedert sich. Erdbeben und Wassermassen reißen in das Hochplateau die tiefen Rinnen der Wadis, die das Land durchfurchen, und endlich nach ungezählten Jahrtausenden ist die Formation des Landes beendet. Nur einmal noch, viel später, erlebt Palästina ein furchtbares geologisches Phänomen: am toten Meer beginnt der Boden zu sinken. Der Nachhall der entsetzlichen Katastrophe ist die Erzählung der Bibel von dem Untergang der frevelhaften Städte Sodom und Gomorra. Inzwischen war — gegen Ende dieser Zeit, die man das Diluvium nennt — der Mensch in Palästina erschienen. Die Spuren seiner Existenz finden wir noch in den roh behauenen Steinen, die er sich als Waffe und als Werkzeug anfertigte, und an der Hand der Funde können wir die Entwicklung verfolgen, die die palästinensische Bevölkerung genommen hat. Allmählich wird die Bearbeitung der Geräte besser. Die anfänglich unhandlichen Faustkeile werden dünner und länger. Schaber, lange Messer und Sägen, Lanzen- und Pfeilspitzen werden verfertigt. Ein peues Material, Knochen, wird verwandt, um Nadeln herzustellen, vielleicht um damit die Felle, in die man sich kleidete, zusammenzunähen. Das ist von allen diesen Resten der ersten menschlichen Kultur alles, was man gefunden hat. Es ist bezeichnend, daß 4007443291656636

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