Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 23 (5.6.1914)
- Article
- Sitzung des Zentralkomitees für Westösterreich
- Date
- 1914-06-05
- Page
- 558 (sequence 2)
- Language
- German
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558 Nr, 23 blE^ELT Als Vorsitzender begrüßt Dr. I^arl Pollak die erschienenen Mitglieder des Zentralkomitees und erstattet einen kurzen Bericht über die seit der letzten Tagung geleistete Arbeit, in dem er vor allem auf die vom Actions-Comite eingeleitete Reorganisation des Bureaus hinweist. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem damit zusammenhängenden Ausbau der „Jüdischen Zeitung“ gewidmet; es wurde nach längerer eingehender Debatte von den mährischschlesischen Zentralkomitee-Mitgliedern der „Jüdischen Zeitung“, als dem Zionistenorgan für den mährisch-schlesischen Distrikt, die weitgehendste Unterstützung in jeder Hinsicht zugesagt. Sodann wurde zur Kenntnis genommen, daß Dr. Wilhelm Stein zum Sekretär der gesamten westösterreichischen Organisation gewählt worden ist; es wurde ihm als Direktive mitgegeben, sich wohl vor allem der zionistischen Arbeit im innerösterreichischen Distrikt zu widmen, aber auch einen engeren Zusammenschluß der westösterreichischen Distrikte zu erzielen. Die weitere Diskussion beschäftigte sich mit der Arbeit des Nationalfonds in Palästina und unterzog sie einer eingehenden Kritik, die mit der Annahme von Resolutionen endete, in welchen verlangt wird, daß das Engere Actions- Comite als Vertretung der zionistischen Organisation die Arbeit des Jüdischen Nationalfonds in Palästina genau kontrolliere. Die Herren Dr. Ehrlich und Alexander Geller berichteten über das Uebereinkommen, daß das Zentralkomitee mit der Versicherungsgesellschaft „Anker“ getroffen hat; nach kurzer Debatte wird der .Vertrag genehmigt. In der Nachmittagssitzung entspann sich eine lebhafte Diskussion über das Budget des Zentralkomitees, in der besonders zum Ausdruck kam, daß eine Zusammenfassung der Arbeit, das gemeinsame Ziel aller westösterreichischen Distrikte, möglich sei, in erster Linie auf dem kulturellen Gebiet, für das der böhmische Distrikt im letzten Jahre mustergebend geworden ist. Eingehend wurde über die Herzl-Feier und die damit zusammenhängende Sammlung für den Herzl-Wald besprochen, da man allgemein der Ueberzeugung war, daß der zehnjährige Todestag Herzls in großzügiger Weise gefeiert werden müsse. Es wurde beschlossen, grpße Veranstaltungen im Juni und Juli und im Herbst in ganz Westösterreich durchzuführen, und vor dem Todestage Herls Trauergottesdienste abhalten zu lassen, wobei über die Bedeutung Herzls gesprochen werden soll. Vom Engeren Actions-Comite wurde die Herausgabe einer populären Broschüre über Herzl verlangt. Im Zusammenhang mit den Herzl-Feiern soll eine intensive Tätigkeit für den Herzl-Wald entfaltet werden; hierbei soll das Zentralkomitee im Einvernehmen mit dem Jüdischen Nationalfonds Vorgehen. Sekretär Leo Herrmann erstattete Bericht über die augenblickliche Lage der Zionistischen Organisation, wies vor allem auf die Konsequenzen hin, die wir aus dem Siege im Kampf für das hebräische Schulwerk zu ziehen hätten und besprach die Notwendigkeit einer energischen Fortsetzung der Sammlung für das hebräische Schulwerk. Die Propaganda dürfe aber nicht nur für einmalige Spenden betrieben werden, sondern soll dem Zentralfonds und dem Schulfonds dauernde Beiträge sichern; die Entwicklung unserer Arbeit und auch die Taktik des Hilfsvereins bringe es mit sich, daß wir vor sehr großen finanziellen Ausgaben stehen, und es müsse sich entscheiden, ob unsere Organisation nicht allein im Feuer des Kampfes, sondern auch in der Stille der friedlichen Arbeit den wachsenden materiellen Anforderungen, wie sie die Ausdehnung unserer gesamten Arbeit in Palästina mit sich bringt, entsprechen kann. In der Angelegenheit der Agitation für den Schekel wur^e von allen anwesenden Mitgliedern des Zentralkomitees einstimmig anerkannt, daß in der allernächsten Zeit die Arbeit in intensivster Weise aufgenommen werden müsse. Jeder Distrikt, jeder Verein, jeder einzelne Zionist habe alle Kräfte anzuspannen, dieses Schekeljahr zu einer imponierenden Kraftprobe zu gestalten. Mit einer Dankeskundgebung für das E. A. C., das in anerkennungswerter Weise die Reorganisation des Wiener Zentralbureaus auf sich genommen hat und auch weiterhin die Arbeit in Westösterreich tatkräftig unterstützen will, schloß die Sitzung des Zentralkomitees. Es ist zu hoffen, daß die vom Zentralkomitee gegebenen Anregungen im Verein mit der Neugestaltung der Parteiorganisation in Westösterreich der Arbeit stärkende Impulse bringen wird. Aus den Wiener Organisationen a.— Die neugegründete Hausierersektion des „Jüdischen Volksvereines für die Leopoldstadt“ hielt ihre konstituierende Versammlung ab, in welcher nach Vornahme der Ausschußwahlen mehrere Berufsgenossen die traurige Lage der jüdischen Hausierer besprachen. Es ergab sich* die Notwendigkeit der Etablierung einer Rechtsschutzsektion und einer Kreditorganisation, die auch sofort ins Leben gerufen wurden. Die Herren Dr. P 1 a s c h - k e s und Oberingenieur Stricker entwickelten das Aktionsprogramm für die nächste Zeit. — Der zionistische Zentralverein hat nun auch im IX. Bezirke eine eigene Sektion gegründet, an deren Spitze idie .Herren Börsenrat Brecher und Staatsbahnrat Fried stehen. Die Tätigkeit der Sektion wurde mit einer sehr zahlreich besuchten Versammlung eröffnet, in welcher die Herren Fried, Dr. A b e I e s und Dr. Emil Stein referierten. — Der gegenwärtig in Wien weilende Sekretär des Actions-Comites, Herr Leo Herrmann, besprach in . zahlreichen Vereinsversammlungen die Lage im Zionismus. Bielitz. Die neugegjründete Ortsgruppe des Verbandes jüdischer F rauenfür Kulturarbeit in Palästina, die sich im Laufe weniger Wochen zur zweitgrößten Gruppe dieses Verbandes in Oesterreich aufgeschwungen hat, veranstaltete vom 23.—25. Mai eine Ausstellung von palästinensischen Spitzen und Bezalel-Gegenständen. Ini Rahmen der Ausstellung sprach Fräulein Thieberger (Prag) über die Ziele des Verbandes und Herr Dr.-Ing. Felix (Andrichau) über Palästina. Beide Vorträge versammelten ein zahlreiches Publikum. Karlsbad. Die nach Karlsbad kommenden Gesinnungsgenossen werden aufmerksam gemacht, daß der jüdische Volksverein „Zion“ in Karlsbad seine wöchentlichen Zusammenkünfte regelmäßig in Kirschs Restaurant Linkoln, Egerstraße, jeden Donnerstag abends 8 Uhr abhält. öst.-Nowosie!itza. Die Gründung einer hebräischen Schule bildete hier schon mehrmals den Gegenstand eingehender Beratungen, doch kam man bisher aus dem Stadium der Beratungen nicht hinaus. Die Schwierigkeit bestand in der Beschaffung des Schullokals. Die Herren Brüder Karl und Emanuel Tauber in Czemowitz haben jetzt in edler und uneigennütziger Weise in ihrem Hause in Nowosielitza ein allen Anforderungen der Hygiene entsprechendes Schullokal für die hebräische Schule "gratis zur Verfügung gestellt. Kaum war das Schullokal gesichert, so hat sich ein rühriges Komitee aus der Mitte der zionistischen Ortsgruppe gebildet, das als Lehrer den ausgezeichneten hebräischen Pädagogen Herrn J. Weißstaub gewann. Am 5. Mai wurde die hebräische Schule in feierlicher Weise eröffnet, und 50 Kinder aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung haben bereits in der Schule Aufnahme gefunden. Der Unterricht, der „ibrith b’ibrith“ erteilt wird, löst allgemeine Zufriedenheit aus, und es kann schon jetzt mit Befriedigung konstatiert werden, daß die Schule nicht nur die Unterstützung der Zionisten, sondern auch die vollste Unterstützung der orthodoxen Juden findet. Bei einer vor kurzem abgehaltenen Sitzung des Schulvereins wurde beschlossen, für das zweite Semester hebräische Abendkurse einzuführen und einen hebräischen Kindergarten ins Leben zu rufen. Die Vorarbeiten hierfür sind bereits im Gange. Bukowina N.-F.-Spende der Bnei-Brith-Loge in Czernowitz g.— Die hiesige Bnei-Brith-Loge verständigte das zionistische Landeskomitee, daß sie beschlossen habe, für den Jüdischen Nationalfonds den Betrag von 1000 Kr. zu spenden, der in vier Raten ausbezahlt werden wird. Dieser Schritt der Loge, der hoffentlich auch anderwärts Nachahmung finden dürfte, ist, abgesehen von der intensiven Aufklärungs- und Propagandatätigkeit des zionistischen Landeskomitees, vor allem dem derzeitigen Präsidenten der Loge, Herrn Großgrundbesitzer Nathan Horowitz, zu danken. Bukowinaer zionistisches Landeskomitee g.— Das Landeskomitee setzt die Arbeit in der Provinz intensiv und mit Erfolg fort. In der letzten Zeit wurden ca. 20 neue Ortsgruppen ins Leben gerufen. Daneben wurden die bereits bestehenden gefördert und gestärkt. Ganz ausgezeichnet arbeitet das N.-F.-Ressort. Den vereinten Kräften der Leiter H. B. F1 o h r und Professor J. Salomon, ist es gelungen, die Nationalfondseingänge im letzten Jahre um 150 °o zu steigern. Ferner wurde ein halbes Tausend Büchsen angebracht. Das Landeskomitee hat neuerdings beschlossen, den Sekretär des E. A. C., Herrn Dr. Geyer, der sich in der Bukowina großer Beliebtheit erfreut, zu einer Tournee durch das Land zwecks Schekelagitation einzuladen. Kotzman. Der jüdischnationale Verein „Dorszej Zion“ veranstaltete anläßlich des Scheidens seines bisherigen Obmanns Herrn Dr. Jakob Berger aus Kotzman am 9. d. M. einen Abschiedsabend, Namens des Vereins begrüßte der Ob-