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Die Welt · 1914-06-05 · 23 (5.6.1914) · p. 557

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
23 (5.6.1914)
Article
Dritte Konferenz des "Hechawer"
Date
1914-06-05
Page
557 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 23 557 MES^ELT in der nächsten Nummer einen ausführlichen Bericht über die überaus bedeutsame Konferenz. Aus der poale-zionistischen Bewegung Der II. Verbandstag des jüdischen Handelsangestellten- und Privatbeamtenverbandes Der II. Verbandstag des Verbandes der jüdischen Handelsangestellten und Privatbeamten Oesterreichs fand am 2. Mai in Lemberg statt. Es waren 10 Ortsgruppen durch 17 Delegierte, der Verbandsvorstand durch 6 Mitglieder vertreten. Außerdem waren je ein Vertreter der jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion und des Zentralkomitees der Organisation der jugendlichen Arbeiter erschienen. Der Verbandstag wurde durch den Verbandsobmann Locker eröffnet, der auf die Schwierigkeiten und Erfolge der vergangenen Arbeitsperiode hinwies. Nach der Wahl des Präsidiums ergriff der Vertreter der poale-zionistischen Partei, Dr. Max Rosenfeld, das Wort zu einer längeren Ansprache, in der er das Verhältnis der Partei zur Gewerkschaft der Angestellten besprach und dem Verbandstage die Glückwünsche der Partei-Exekutive überbrachte. Im Namen des Zentralkomitees „Jugend" begrüßte Tunis. Hierauf wurde der Einlauf verlesen, in welchem sich schriftliche und telegraphische Begrüßungen vom Wiener poale-zionistischen Verbandsbureau, von vielen Ortsgruppen und poale-zionistischen Organisationen, sowie von Jugendvereinen und einzelnen Personen befanden. , Hierauf ergänzte J. Kandel den gedruckten Bericht des Verbandsvorstandes. (Ein Auszug dieses Berichts erschien in Nr. 18 der „Welt".) Seinen interessanten Ausführungen entnehmen wir folgendes: Beigetreten sind im ganzen 1482 Mitglieder, und haben mit der Zahlung der Beiträge begonnen. Infolge der Krise, der Auswanderung und des unregelmäßigen Erscheinens des Fachorgans haben nicht alle Mitglieder ihre Pflichten erfüllt. So haben 131 Mitglieder nach 6—12 Monatsbeiträgen, 73 nach mehr als 12 Beiträgen zu zahlen aufgehört. 63 °/o der Zahlenden gehören der III. Beitragsklasse, 33 «/(> der II. und nur 4 o/o der I. Klasse an. Das ist ein deutlicher Beweis dafür, daß die Gewerkschaft bei Fixierung der Mitgliedsbeiträge mit den Verhältnissen in den einzelnen Ländern rechnen muß. Der galizische Provinzangestellte kann unmöglich dieselben Beiträge leisten, die vom Wiener Angestellten verlangt werden. Die kulturelle Arbeit wird in (den meisten Städten gemeinsam mit den poale-zionistischen Vereinen geführt. Der Wiener „Zentralverein" ist aus Galizien fast ganz verdrängt. Nur in Lemberg, Krakau, Stanislau, Kolomea und Drohobycz existieren dessen Gruppen auf dem Papier und zeigen gar keine Aktivität. Unser Verband ist also gegenwärtig tatsächlich der einzige Vertreter und Führer der klassenbewußten jüdischen Angestellten. Den Kassenbericht erstattete Drimer. An Beitrittsgebühren sind 1482 Kr., an Beiträgen 6356,89 Kr. an Pressefonds 496,43 Kr. vereinnahmt. Die Ortsgruppen erhielten an Verwaltungsquoten 1690,94 Kr., das Fachblatt kostete 926,50 Kr., an Unterstützungen wurden ausgegeben 557,62 Kr. Nach einer längeren Debatte wurde dem abtretenden Verbandsvorstande einstimmig das Vertrauen und der Dank des Verbandstages ausgesprochen. Nachmittags referierte J. Kandel über „Organisation und Presse“. Von den zu diesem Punkte gefaßten Beschlüssen seien erwähnt: Die Einsetzung spezieller Referenten im Verbandsvorstand für die einzelnen Agenden, wie Beiträge, Agitation, Kulturarbeit, Mitgliederkataster Widerstandsfonds, Rechtsschutz und Stellenvermittlung, Fachorgan; die Schaffung eines speziellen Fonds für das Fachblatt durch feste Verpflichtungen der einzelnen Ortsgruppen; der Verbandsvorstand wird beauftragt, die Frage der Organisationsformen und -möglichkeiten der nach Wien wandernden Kollegen zu studieren und die endgültige Entscheidung zu treffen. Nach einem Referate Rottenstreichs (Kolomea) über den Widerstandsfonds, wurde beschlossen, die Spezialbeiträge für diesen Fonds bei Mitgliedern und auch sonstigen Angestellten und Freunden des Verbandes in der Höhe von 50 Hellern jährlich regelmäßig im Januar einzuheben. Für das Jahr 1914 wurden die Monate August und September für diesen Zweck bestimmt. Hierauf referierte L o c k_e r über die Sieben-Uhr-Sperre. Redner konstatierte, daß die gesetzliche Acht-Uhr-Sperre, für welche die Angestellten bereits so viele Opfer gebracht (haben, im Laufe, der wirtschaftlichen Krise in vielen Orten wieder außer Uebung gekommen sei. Während also in diesen;Orten der Kampf für die Acht-Uhr-Sperre wieder von neuem begonnen werden muß, sind in den Hauptstädten (speziell in bestimmten Handelszweigen) die Bedingungen für die Einführung der Sieben-Uhr-Sperre ziemlich günstige. Eine entsprechende Resolution wurde einstimmig angenommen. Hierauf wurden die Wahlen vorgenommen. In den Verbandsvorstand wurden gewählt: Fels, Obmann; J. Kandel und Epstein, Vizeobmänner; Leibowitsch, Drimer, Tag, Wellner, Herz, Wiznitzer, Gunzig und Locker. Außerdem wurden Ersatzmänner, eine Kontrolle und ein Schiedsgericht gewählt. Die V. Jugend-Konferenz Die V. Konferenz der jüdischen jugendlichen Arbeiter¬ und Handelspraktikanten - Organisationen fand am 31. Mai, 1. und 2. Juni in Lemberg mit folgender Tagesordnung statt: Eröffnung, Bericht des Zentralkomitees; Die Methoden unserer Bildungsarbeit; Die physische Hebung der jüdischen arbeitenden Jugend; Organisation und Presse; Wahlen; Even- Wir werden über den Verlauf dieser Konferenz ausführlich berichten. H erzl - Biograp hI e Wie uns der Jüdische Verlag mitteilt, befindet sich die Friedemannsche Herzlbiographie bereits in Druck und wird zum Delegiertentag der deutschen Zionisten (14./15. Juni) erscheinen. Verfasser und Verlag besitzen bereits eine Reihe anerkennender Zuschriften von Sachkennern, die die Arbeit im Manuskript kennen gelernt haben. Deutschland Vor dem deutschen Delegiertentag hb. Das Hauptinteresse der Zionisten Deutschlands ist augenblicklich auf den in zwei Wochen stattfindenden Delegiertentag gerichtet, mit dem sich die zionistische Presse eingehend beschäftigt. Bei der Betrachtung der Aufsätze, die die Wünsche, Klagen und Hoffnungen bei diesem Anlaß in den unserer Bewegung dienenden Zeitungen Vorbringen, sieht man deutlich wie zwei große Probleme des Zionismus sich herauskristallisieren. Man diskutiert einmal über den jüdischen Nationalismus, seine Vertiefung und die Art seiner Propagierung theoretisch, und beschäftigt sich zweitens mit der praktischen Arbeit in Palästina. Die nächste Nummer der „Jüdischen Rundschau“ wird speziell dem Anteil der deutschen Zionisten an der Palästinaarbeit gewidmet sein. Recht bemerkenswert und bezeichnend für die Struktur der deutschen Juden ist das Ringen um die tiefere Erfassung der nationaljüdischen Idee, die vielfach in unseren Organen zum Ausdruck kommt. Die Forderung einer nationalen Verinnerlichung, die mit der zweifellos nationaler gewordenen Agitation nach außen parallel gehen soll, ist daraus zu erklären und um so mehr zu befürworten, als in der Tat nur dadurch die von dem Gedanken des Nationalismus und Zionismus gepackten jungen Leute ihn sich erarbeiten und zum Lebensinhalt machen können. Es ist nichts Zufälliges, daß augenblicklich, zur Zeit, wo Ideen der Selbsterziehung, der Freiheit und des Rechts der Jugend im deutschen Boden neu sprießen und keimen und der bisher ideallosen assimilatorisch gesinnten jüdischen Jugend hohe Ziele zu verheißen scheinen, auch der Zionismus in Deutschland sich seiner Pflicht, die Jugend zu gewinnen, von neuem bewußt wird und ihr in höherem Maße Genüge zu leisten sich bemüht. Oesterreich Sitzung des Zentralkomitees für Westösterreich Am 24. Mai fand in Wien eine Sitzung des westösterreichischen Zentralkomitees statt, an der folgende Herren teilnahm en: Dr. Karl Pollak, Dr. Jakob Ehrlich, Dr. Emil Stein, Oberingenieur Robert Stricker, Dr. Isidor Margulies, Dr. Fritz Eckstein, Rabbiner Dr. S. Friedmann, Troppau; Eduard Schwarzbart, Olmütz; Dr. Albert Schönhof, Brünn; Josef Süßmandel, Mähr.-Ostrau; Dr. Emil Margulies, Leitmeritz. Als Gäste Herr Adolf Böhm, Dr. Leopold Friedmann (i. ö. D. K.), Alexander Geller für das Zionistische Zentralbureau, Berlin, Sekretär Leo Herrmann und Sekretär Dr. Wilhelm Stein.

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