Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 23 (5.6.1914)
- Article
- Die Konstituierung der "Ungarischen Ito"
- Date
- 1914-06-05
- Page
- 555 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 DIE^ELT 555 Gesinnungsgenossen! Bestellt rechtzeitig dieHerzl-Gedenknummer der „Welt“ beschließen. Die Versammlung kam auch bald auf ein anderes Thema, ohne in dieser Frage einen Beschluß zu fassen. Von Interesse war das Auftreten des Herrn Jakob Krauß aus Wien, des einzigen ausländischen Itoisten. Er tadelte die ungarischen Itoisten, weil sie den jüdischen Nationalismus vernachlässigen. Kaum berührte er diese Frage, da wurde er vom Vorsitzenden, dem Präsidenten der neologen Landeskanzlei, Herrn Moritz Mezei, unterbrochen. „Uns ist das Judentum als Religionsgenossenschaft heilig und erhaben genug; weiter gehen wir nicht. Wir sind Magyaren und wollen Magyaren bleiben!“ Krauß verwahrte sich dagegen, daß er vaterlandslose Gesinnung propagieren wolle und suchte der Versammlung zu beweisen, daß in Osteuropa die Frage, ob die Juden ein Volk seien, nicht mehr diskutiert werden könne. Er führte ferner aus, daß die projektierten Siedlungen unbedingt einen nationaljüdischen Charakter haben müssen. Er wurde aber am Weiterreden verhindert und mußte seine Rede schleunigst beenden. Es wurde mitgeteilt, daß die all weltliche Itokonferenz entgegen den verschiedenen Blättermeldungen nicht in Budapest, sondern in Antwerpen stattfinden wird. Die ungarischen Itoisten scheinen eben einen gelinden Schauer vor der Begegnung mit anderen nationaljüdischen Territorialisten zu haben. In der Schlußrede erwähnte der Vorsitzende, Herr Moritz Mezei, daß er von den Zionisten in der letzten Zeit mehrfach angegriffen worden sei. Man glaube, daß er ein Feind des Zionismus sei. Dies sei aber nicht richtig. Wenn der Zionismus sich von der Nebenströmung (!), dem jüdischen Nationalismus lossagen wolle, werde er in ihm seinen guten Freund erkennen können. Es liege ihm fern, die Legalisierung der Statuten der zionistischen Länderorganisation zu vereiteln, nur mögen die Zionisten an ihren Statuten erst die Modifikationen vornehmen, welche die Landeskanzlei wünscht Italien Die internationale Tagung der jüdischen Frauen in Rom (Von unserem Berichterstatter.) I.— Der internationale Kongreß der allgemeinen Frauenorganisationen, der dieser Tage in Rom tagt, hatte auch viele jüdische Frauen angezogen, die bekanntlich einen regen Anteil an der Frauenbewegung nehmen. Da dies vorauszusehen’ war, wollten die in Deutschland und Amerika arbeitenden jüdischen Frauenorganisationen die Gelegenheit benützen, eine besondere Tagung der jüdischen Frauen zu veranstalten, um eine Aussprache über Mittel und Wege der Organisierung der jüdischen Frauen und Mädchen in allen Ländern zu gemeinsamer Arbeit zu pflegen: es sollte die Grundlage zur Konstituierung von Landesvereinigungen in allen Ländern geschaffen werden. (Bis jetzt bestehen solche nur in Deutschland, Amerika und England.) Die Tagung fand am 28. Mai statt. Es erschienen Vertreterinnen aus Deutschland, Frankreich, Amerika, England, insgesamt etwa 100. Außerdem beteiligten sich an den Sitzungen auch verschiedene angesehene Damen der jüdischen Gesellschaft Roms. Nach Referaten von Frau Bertha Pappenheim, der Vorsitzenden des „Jüdischen Frauenbundes für Deutschland“ und Miss American, der Vorsitzenden des „Jüdischen Frauenbundes“ von Amerika sprachen noch unter anderen Madame Hochstaedter für Frankreich, Miss Spielberg für England und für die italienischen Frauen Signora Castelli-Calderoni und Signora R a v ä. Schließlich wurde der „Internationale Bund der jüdischen Frauen Vereinigungen“ als konstituiert erklärt. In die Leitung wurden gewählt: Frau Bertha Pappen h ei m (Deutschland), erste Vorsitzende, Miss American (Amerika), erste Vizepräsidentin, Miss Spielberg (England), zweite Vizepräsidentin. Zur Generalsekretärin wurde Frau Henriette May gewählt. Griechenland Eine neue jüdische Vereinigung in Saloniki (Von unserem Berichterstatter.) r.— Die Notwendigkeit, sich mit den vielen Problemen zu beschäftigen, die durch den Wechsel des politischen Regimes an die große jüdische Gemeinde unserer Stadt herangetreten sind, hat zur Gründung einer neuen jüdischen Organisation geführt, die den Namen „Ahduth“ trägt. Die Liga wird alle jüdischen Kräfte und Bemühungen in sich vereinigen, um einen festen Block gegen alle Feindseligkeiten und Ungerechtigkeiten zu bilden. Die „Ahduth“ wird sich mit der Verbesserung der augenblicklich sehr unsicheren Lage der Juden in Saloniki beschäftigen. Sie wird z. B. eine Kasse einrichten, um den kleinen Kaufleuten, die eine schwere Krisis zu überstehen haben, einen Kredit zu gewähren, und wird versuchen, die jüdische Auswanderung aus Saloniki, die täglich größere Dimensionen annimmt, zu organisieren. Aber ihre Haupttätigkeit wird sich auf das politische Gebiet erstrecken, indem die Liga es sich zur Pflicht macht, die Rechte und Interessen der Juden zu wahren. Sie wird besonders bemüht sein, bei den kommenden Gemeinde- und Parlamentswahlen so viel jüdische Vertreter, als es der Zahl und Bedeutung der jüdischen Bevölkerung entspricht, in die betreffenden Körperschaften zu entsenden. Die Mitgliederzahl der „Ahduth“, die von Tag zu Tag wächst, beträgt heute schon 700. Amerika Ernennungen jüdischer Persönlichkeiten Die Mitgliederliste des neuen „Federal Reserve Board“, der von Präsident Wilson eingesetzt wurde, enthält den Namen eines bekannten jüdischen Finanzmannes New Yorks, nämlich Mr. Paul Warburg, der die Firma Kuhn, Loeb & Co. leitet. Mr. Warburg, dessen Bruder Felix Warburg der Schwiegersohn Jakob Schiffs ist, gilt als eine Autorität in allen finanziellen Angelegenheiten. Gleich seinem Bruder hat er ein großes Interesse für alle jüdischen kommunalen Angelegen- Ein ähnliches Ehrenamt ist kürzlich Mr. Charles B. Strecker in Boston verliehen worden, der vom Präsidenten zum Unterschatzsekretär der Vereinigten Staaten gemacht worden ist. Mr. Strecker, der durch seine Tätigkeit auf jüdischem Gebiet sehr bekannt ist, ist der erste Jude in Massachusetts, dem eine solche Ehre zuteil wird. Er wurde im Jahre 1011 bekannt, als er zum „State Auditor“ in Aussicht genommen war, und ein Jahr darauf wurde er „Presidentiel Elector“ in Massachusetts. Er war auch als Delegierter auf der Baltimore Convention, die Mr. Wilson zum Präsidenten wählte. Mr. Strecker interessiert sich für viele jüdische Organisationen und ist ein Anhänger des Zionismus. Argentinien Die jüdische Bevölkerung in Argentinien In Argentinien wird nächstens eine Volkszählung, die dritte seit dem Bestehen der Republik, stattfinden. Bei der ersten Zählung im Jahre 1868 wurde die Religion der Bürger nicht berücksichtigt. Die zweite Zählung im Jahre 1895 zeigte, daß es in Argentinien 6085 Juden gab. Diesmal sind die