Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 22 (29.5.1914)
- Article
- Die innerpolitische Lage der Türkei
- Date
- 1914-05-29
- Page
- 538 (sequence 2)
- Language
- German
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538 Nr. 22 die^elt Pascha, der Kriegsminister. Diese Männer bilden heute ein Triumvirat, das die Geschicke der Türkei lenkt. Wenn nicht ungeahnte Ueberraschungen eine völlig andere Lage schaffen, so wird man für die nächste Zukunft damit rechnen können, daß der Kern der jetzigen Regierung am Ruder und das Komitee die herrschende politische Partei bleibt. Es wird zwar von neuen oppositionellen Parteien gemunkelt, doch sind bisher keine ernsten Anzeichen dafür vorhanden. Die „Entente Liberale" ist, wie schon gesagt, vernichtet, und so könnte höchstens von seiten der Araber einige Opposition in der Kammer gemacht werden. Doch hat sich die Stimmung der arabischen Kreise in letzter Zeit sichtlich beruhigt. Die Regierung hat es durch geschickte Schachzüge (Ernennung arabischer Senatoren, Berufung von Arabern in höhere Beamtenstellen und ähnliches) offenbar verstanden, die Unzufriedenheit der Araber zu beschwichtigen. Viel Zeit hat die neue Kammer auch wahrlich nicht zum Anhören oppositioneller Reden. Sie wird nur etwa zwei Monate tagen und sie soll in dieser Zeit über nicht weniger als 400 provisorische Gesetze beraten und beschließen. — Die Stellung der Regierung gegenüber dem Parlament ist übrigens nicht nur durch den Mangel einer organisierten Opposition, sondern vor allem durch zwei positive Erfolge erleichtert: die Wiederbesetzung Adrianopels und die große französische Anleihe. Der Sturz des Kabinetts Kiamil war ja gerade deshalb für die Opposition verhängnisvoll, weil Kiamil und die Seinen sich mit dem Verlust Adrianopels abgefunden hatten. Die Wiedereroberung der Stadt durch die gewaltsam ans Ruder gelangte Komiteeregierung schaffte dieser sogar das Vertrauen des Volkes und der Armee, zerschmetterte die „Entente Liberale" und bahnte dem jugendlichen Enver Bey den Weg ins Kriegsministerium. Daß nun auch die große Anleihe von 800 Millionen Franken glücklich zustande gebracht wurde, hat dem Finanzminister Djavid Bey den Dank der öffentlichen Meinung eingebracht und die Stellung der Regierung noch mehr befestigt. Den monatelang darbenden Regierungsbeamten — etwa 30000 an der Zahl — wurden ihre Gehälter ausgezahlt, die schwebenden Schulden werden getilgt und die Regierung behält noch beträchtliche Summen für öffentliche Arbeiten Zur finanziellen Gesundung der Türkei ist freilich noch ein weiter Weg, und es ist fraglich, ob sie ohne neue Änderungen der politischen Landkarte erreicht werden kann. Fürs erste aber ist die Regierung geborgen und darf mit Ruhe der Eröffnung der Kammerdebatten entgegensehen. R. L. AUS DER BEWEGUNG Mitteilungen des Zentralbureaus Sitzung des Actions-Comitees Am 7. und 8. Juni findet im Zionistischen Zentralbureau zu Berlin eine Sitzung des Großen Actions-Comites statt. Am Abend vorher tagt der Arbeitsausschuß für die hebräische Universität in Jerusalem. Am 9. Juni finden im Anschluß an die Sitzungen des Actions-Comites Sitzungen des Jüdischen Nationalfonds und der Siedlungsgesellschaft Erez Israel statt. Hebräische Universitätsbibliothek Bis zur Legalisierung der zu gründenden Universitäts-Gesellschaft wird dem Jüdischen Kulturfonds „Kedem“ die legale Vertretung für die hebräische Universitätsbibliothek übertragen. Kongreßprotokoll Das stenographische Protokoll des XI. Zionistenkongresses ist soeben erschienen. Das Protokoll wird auch diesmal wieder in zwei Ausgaben herausgebracht, einer gewöhnlichen auf holzhaltigem Papier, die broschiert 1,50 M. kostet, und einer besseren, auf gutem, holzfreiem Papier, die nur in Leinwand gebunden zum Preise von 3,— M. abgegeben wird. Dazu kommt in beiden Fällen das Porto, das für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 20 Pf., für alle übrigen Länder 50 Pf. pro Exemplar beträgt. Wir ersuchen die Vereine und Organisationen dringend, für eine möglichst weite Verbreitung des Kongreßprotokolls Sorge zu tragen. Die propagandistische Wirkung des Kongreßprotokolls wird noch vielfach unterschätzt, und es wird noch lange nicht genug Wert darauf gelegt, einen möglichst weiten Kreis durch das Studium dieses Protokolls zu einer intensiven Beschäftigung mit den Fragen der zionistischen Bewegung zu veranlassen. Bestellungen sind unverzüglich an den Jüdischen Verlag, G. m. b. H., Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, zu richten. Aufruf der Tachkemoni-Schule Das Komitee der Tachkemoni-Schule sendet uns einen Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: „Dank der Fürsorge der verschiedenen Körperschaften wurden in Werke ins Leben gerufen, die von einschneidendem Einfluß für die Zukunft unseres alten Heimatlandes werden können, gelten sie ja nicht zum geringsten Teile dem Unterricht und der Erziehung unserer heranwachsenden Jugend. Von allen diesen Schöpfungen verdient in erster Reihe die Tachkemoni-Schule in Jaffa die Liebe und Unterstützung aller Juden. Der Zweck dieser Schule ist ein doppelter: der palästinensischen Jugend eine thoratreue, nationale Erziehung in der Sprache unserer Väter zu gewähren, sie auf diese Weise im Sinne des überlieferten Judentums, ausgestattet mit gründlicher Kenntnis unserer r"nn zu bodenständigen Bürgern Palästinas auszubilden und ihnen gleichzeitig, entsprechend der Devise fix "T7 Dy rmn eine profane Bildung zu geben, die sie in den Stand setzt, den Anforderungen der Zeit in jeder Hinsicht gerecht werden zu können. Welch schönere Zukunft können wir uns für unsere Jugend denken, als sie in diesem Sinne heranwachsen zu sehen, und welch bessere Gewähr hätten wir wohl für die Erhaltung unserer Nachkommen für das Judentum, als wenn sie auf diese Weise während der ganzen Zeit, da sie der Obhut des Lehrers in der Schule anvertraut sind, mit der Liebe zur min und zum heiligen Lande erzogen werden. Eine Unterrichtsanstalt, die sich eine solche Aufgabe stellt und in ihrem Lehrermaterial die Gewähr dafür bietet, daß dem Schüler das jüdische Gesetz in Wort und Tat vor die Augen geführt wird, muß die Sympathie aller gewinnen. Wenn man bedenkt, welche verschiedenartige Strömungen sich gerade auf dem Gebiete des Erziehungswesens geltend machen, dann bedarf es keiner besonderen Begründung für die Notwendigkeit des Bestehens der Tachkemoni-Schule. Das seit Jahren bestehende Werk soll nun weiter ausgebildet werden. Die Mittelschule wollen wir in ein Gymnasium umgestalten, neue, gute Lehrkräfte werden wir anstellen und Kurse in handelswissenschaftlichen und landwirtschaftlichen Fächern einrichten. Außerdem hoffen wir, für unsere Anstalt baldigst ein würdiges, schönes Schulhaus zu errichten. Das Grundstück ist bereits seit einigen Jahren angekauft, und 01484823532353534823534853484848