Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · p. 535

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Article
[Kommentar]
Date
1914-05-29
Page
535 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
table
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316625-3316647--60983-3354686
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 22 535 &IE3§£ELT Klar ist, daß ein derartiger Zustand für die Dauer unhaltbar ist. Dies begreifen bereits die führenden Kreise der Kolonien, und wir hören, daß die Organisation der judäischen Kolonien an ihre Mitglieder einen Aufruf erlassen hat, in den türkischen Staatsverband einzutreten. Hoffentlich wird dieser Aufruf Erfolg haben." Die letzte Nummer des „Jewrejski Student“, des russischen Organs der zionistischen Studenten aus Rußland („Hechawer“), ist zum größten Teil der am 1. Juni beginnenden Konferenz dieser Organisation gewidmet. Die Tagesordnung dieser überaus beachtenswerten Konferenz der zionistisch-akademischen Jugend aus Rußland, die wir in einer der letzten Nummern der „Welt“ bereits veröffentlicht haben, zeigt, daß der Konferenz eine überaus verantwortungsvolle Arbeit bevorsteht. In einem Leitartikel mit der Ueberschrift „Heidelberg“ begrüßt das Blatt die bevorstehende Tagung und führt u. a. aus: „Die Aufgaben der Heidelberger Konferenz sind verschiedenartig und verantwortungsvoll. Sie soll über die Bedeutung des gegenwärtigen sogenannten „unparteiischen Nationalismus“ aufklären, der oft unter dem Namen des „Jiddischismus“ auftritt, und unsere Beziehungen zu ihm wie zu den ihm nahestehenden Gruppen innerhalb der Studentenschaft normieren. Sie soll ferner die Grenzen festsetzen, die uns trennen und Direktiven erteilen, wo und wann es möglich sein wird, gemeinsam vorzugehen. Die Konferenz soll ferner unsere Studentenschaft über ihre Aufgaben und Pflichten in Palästina aufklären und auf diese Weise den „Hechawer“ zu der schöpferischen Tätigkeit heranziehen, die uns in das Land unserer Zukunft führt. Che Konferenz soll den Weg zeigen, auf dem wir eine interne, kulturell-erzieherische Gruppenarbeit vollbringen können. Das Niveau des jüdischen Wissens ist leider in den letzten Jahren in den Reihen unserer Studentenschaft ein sehr niedriges geworden, und es ist unsere vornehmste Aufgabe, für unsere Vereine ein entsprechendes Programm auszuarbeiten. Wenn wir kurz die Hauptaufgaben der bevorstehenden Beratung der ostjüdischen Studenten zusammenfassen wollen, so lassen sie sich durch drei Momente kennzeichnen: Gegenwartsarbeit, Palästina und Organisation. Es ist vorauszusehen, daß die Frage des sogenannten „unparteiischen Nationalismus“, mit den Problemen der Gegenwartsarbeit so eng verknüpft, die lebhaftesten Auseinandersetzungen hervorrufen, ja vielleicht unsere Konferenz in zwei Lager teilen wird. Natürlich fürchten wir uns nicht vor ideellen Kämpfen innerhalb unserer Organisation, die die gesamte zionistische Studentenschaft aus Rußland umfaßt. Es wäre aber höchst erwünscht, daß, um einen ruhigen Verlauf der Verhandlungen zu erzielen, ein für allemal zwei Momente festgestellt werden: Das prinzipiell-theoretische und das taktische Moment. Man kann den Jiddischismus oder das Alljudentum als schädlich anerkennen, und doch aus taktischen Gründen mit seinen Vertretern Zusammenarbeiten, wenn unsere Interessen zusanunenfallen oder wenn wir vor einem gemeinsamen Feind stehen. Selbstverständlich darf man dabei die prinzipiellen Distanzen nicht vergessen. Daß die Fragen der Palästinaarbeit eins der Hauptmomente der Beratung sein werden, ist selbstverständlich. Die Palästinaarbeit ist nicht mehr eine Arbeit der fernen Zukunft, sondern sie ist eine vollberechtigte Gegenwartsarbeit des Judentums, die sich von der Arbeit im Gahrth nur durch ihre positive schöpferische Kraft und ihre Ewigkeitswerte unterscheidet. Unsere Studentenschaft kann für Palästina noch vieles leisten, wenn sie selbstbewußt und gemäß den Bedürfnissen des Landes ihr Leben so gestaltet, daß Palästina für sie selbst das Land ihrer Zukunft ist. Die Aufgaben der Heidelberger Konferenz überschreiten bei weitem den Rahmen ähnlicher Beratungen. Unsere Arbeit in Heidelberg wird nicht nur die zionistische Jugend verfolgen, sondern auch die gesamte zionistische Organisation. Hauptsächlich aber werden unseren Verhandlungen die Zionisten in Rußland lauschen, die im „Hechawer“ die zukünftigen aktiven Kräfte und zum Teil auch die zukünftigen Führer des russischen Zionismus sehen. Es ist kein Zufall, daß unsere Konferenz mit einer aufblühenden Epoche im Zionismus zusammenfällt. Denn der „Hechawer“ selbst ist ein lebendiger Beweis dieses Frühlings in unserer jüdisch-nationalen Gedankenwelt. Wir hoffen zuversichtlich, daß die Konferenz alle unsere Erwartungen rechtfertigen wird, daß sie uns neue Hoffnungen geben wird, neue Ideen, die neues Leben hervorrufen, und daß sie fester denn je die Mitglieder des „Hechawer“ zusammenschließen wird. WELTCHRONIK Konferenz jüdischer Emigrationsgesellschaften Am 16. Mai sind in St. Petersburg Vorsteher mehrerer Emigrationsgesellschaften zu einer Konferenz zusammengetreten. Verhandlungsgegenstand war die in Hamburg am 5. Juni bevorstehende Zusammenkunft der in Rußland tätigen Emigrationsvereine mit den Vertretern der deutschen Schifffahrtsgesellschaften Hamburg-Amerika-Linie und Norddeutscher Lloyd in Sachen der jüdischen Auswanderungsverhältnisse. Präsident B. Mandel berichtete über den Gang der vom „Verein für die Regelung der jüdischen Emigration“ eingeleiteten Verhandlungen mit den Vertretern der deutschen Schiffahrtslinien einerseits und den jüdischen Emigrationsvereinen andererseits. Wie aus der Korrespondenz hervorgeht, sind die deutschen Schiffahrtsgesellschaften bereif, den gerechten Wünschen der jüdischen Emigrationsvereine entgegenzukommen und etwaige Reformvorschläge, die Verhältnisse in den Kontrollstationen, Häfen und bei der Ueberfahrt betreffend, gemeinschaftlich mit den Vertretern der jüdischen Emigrationsvereine durchzuberaten. Andererseits haben auf eine Anfrage seitens des „Vereins für die Regelung der jüdischen Emigration“ folgende jüdische Vereine ihre Bereitschaft erklärt, an den Beratungen in Hamburg teilzunehmen: Minsker Hilfsverein für jüdische Emigranten, jüdische Emigrationsgesellschaft (Kiew), Warschauer Informationsbureaa, Kiewer Abteilung des „Vereins für die Regelung der jüdischen Emigration“, Lodzer Informationsbureau. In der Konferenz wurden detaillierte Berichte über die Lage in den Kontrollstationen an der russisch-deutschen Grenze verlesen und die entsprechenden Wünsche formuliert, die in Hamburg vorzubringen wären. Nach längeren Debatten und nach Wahl einer Kommission wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die St. Petersburger Konferenz jüdischer Emigrationsvereine mit Anteilnahme namhafter in der Oeffentlichkeit tätiger Persönlichkeiten begrüßt die vom „Verein für die Regelung der jüdischen Emigration“ ergriffene Initiative, eine Zusammenkunft in Sachen der jüdischen Ausvvanderungsverhältnisse mit den deutschen Schiffahrtsgesellschaften herbeizuführen, und fordert alle an der jüdischen Emigration Interesse nehmenden Kreise auf, diese Initiative zum Wohl der jüdischen Emigranten zu unterstützen.“ 48183723221

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.