Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 21 (22.5.1914)
- Article
- New York [Nachricht]
- Date
- 1914-05-22
- Page
- 515 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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Nr. 21 515 E>IE3§KELT Palästina irgendeine Sprache oder eine Institution aufzuzwingen. Von jetzt an sind alle Anstrengungen der Federation und des Schulkomitees auf die Propaganda für die Schulen in Palästina gerichtet. Man erwartet, daß eine große Summe noch vor der Versammlung der Federation, die vom 28. bis 30. Juni in Rochester stattfindet, und bei der Dr. Schmarja L e v i n unser Ehrengast sein wird, gesammelt werden kann. New York. Michael S a 1 i t, Mitglied des Exekutiv-Komitees der Federation of American Zionists, geht nächte Wache nach Palästina, um dort über den Landkauf der „Ersten New Yorker Achusah“ Unterhandlungen zu führen. Mr. Salit ist Präsident der New Yorker Achusah, die schon mehr Kapital besitzt, als zum Kauf der Kolonie nötig ist; er selbst ist ziemliich vermögend und beabsichtigt, in einigen Jahren nach Palästina überzusiedeln. — David Pollock, ein eifriger Zionist aus Chicago, ist am 7. Mai nach Palästina abgereist, und zwar als Vertreter eines Syndikates, das sich dafür interessiert, in Palästina eine Tuchfabrik zu etablieren. Mr. Pollock war vor drei Jahren in Palästina. — Mr. M. Antonov, ebenfalls aus Chicago, reist in diesem Monat nach Palästina als Vertreter der Chicagoer Achusah. Mr. Antonov war mehrere Jahre ein eifriges Mitglied der „Knights of Zion". — Die Federation of American Zionists ist von dem Philanthropen Nathan Straus benachrichtigt worden, daß er ihrer Jahresversammlung in Rochester beiwohnen will. Bisher hatte sich Mr. Straus damit begnügt, in Palästina auf eigene Faust zu arbeiten; er hatte es deshalb abgelehnt, sich auf ein gemeinsames Wirken mit der zionistischen Organisation in Amerika einzulassen. Sein Brief an die Federation beweist einen uns willkommenen Wechsel in seiner Haltung. Brasilien Rio de Janeiro. Die zur Zeit herrschende politische Krise, die es schwer macht, größere Versammlungen zu veranstalten, hat den hiesigen Verein „Tifereth-Zion“ nicht abgeb alten, die Peßachfeier festlich zu begehen. Vor einem Publikum von etwa 150 Personen sprach Herr Chaim Horovitz über die Bedeutung des Peßach als nationaler Feier. Der Redner geißelte die modernen assimilatorischen Bestrebungen, welche auch in Brasilien vorherrschend sind, obwohl alle Konfessionen in den brasilianischen Republiken vollständige Gleichberechtigung genießen. In kurzen Worten streifte Herr Horovitz alle wichtigen Begebenheiten im zionistischen Leben und kam zuletzt auf den Sprachenkampf in Palästina und seine Wirkungen zu sprechen. Hierauf ergriff Herr Feinberg das Wort und wies auf die Wichtigkeit der nationalen Erziehung hin. Er schilderte, in welcher Unwissenheit die hiesigen Kinder erzogen werden; so sei es zu erklären, daß die nächste Generation für das Judentum verloren geht. Der Vortragende stellte es als eine wichtige Pflicht der hiesigen Ortsgruppe hin, eine jüdische Schule zu gründen, um die stets anwachsende jüdische Bevölkerung nicht der Assimilation auszuliefern. Beide Redner ernteten stürmischen Beifall. LITERARISCHE RUNDSCHAU “/trn „Haschilcah“. Monatsschrift für Literatur, Wissenschaft und Leben. Redigiert von Dr. Joseph Klausner. 29. Band. Juli-Dezember 1913. Unsere führende hebräische Monatsschrift ist hier erst kürzlich gelegentlich einer Besprechung des vorigen Bandes gewürdigt worden; ich kann mich also diesmal mit einer kürzeren Anzeige begnügen, zumal für eine ausführliche Erörterung der einzelnen Artikel hier nicht Raum ist. Hermann Cohens Philosophie hat Dr. J. K l a t z k i n in einer längeren Arbeit analysiert, wobei die intimen Beziehungen dieses Systems, besonders der Ethik, zum Judentum hervorgehoben wurden. Ch. N. B i a 1 i k publizierte einen Artikel über das jüdische Buch, der eine nähere Ausführung des der letzten hebräischen Sprachkonferenz erstatteten Referates darstellt. Bialik hatte da bekanntlich den Antrag gestellt, eine Art Kanon der gesamten jüdischen literarischen Produktion zu schaffen, eine Zusammenfassung desjenigen aus unserm bisherigen Schrifttume, was wir der Zukunft weitergeben wollen. Dr. Klausners anziehend geschriebene Reisebilder aus einer „werdenden Welt“, dem neuen Palästina, führt uns diesmal nach Galiläa. Wir erfahren über die kulturellen Zustände der wenig bekannten galiläischen Kolonien interessante Details und Klausner verschweigt auch die unangenehmen Tatsachen nicht. So beklagt er insbesondere, daß das Hebräische in Galiläa nur von den Arbeitern gesprochen wird, während die Kolonisten, obwohl sie in der Schule hebräisch erzogen worden sind, jiddisch oder arabisch sprechen. Klausner führt die Gleichgültigkeit gegenüber der hebräischen Sprache auf die Armut und gedrückte Lage der galiläischen Bauern zurück, die meist nur Getreide bauen. — Neuaramäische Erzählungen, geschrieben in jenem Idiom, das noch heute im Nordwesten Mesopotamiens von Juden und Christen (Nestorianem) gesprochen wird und eine Art aramäischen Jargons darstellt, veröffentlicht A. Z. I d e 1 s o h n. Eine hebräische Uebersetzung ist Zeile für Zeile gegenübergestellt und ermöglicht das Verständnis des merkwürdigen Textes, den Idelsohn auch philologisch erklärt. — Von den übrigen Aufsätzen nenne ich eine Arbeit M. S. Rappaports über das jüdische Recht in der israelitischen Literatur, J.- Ch. >IIIII»IMIII»III»IIIIII«IIIIIIIIIIIII>IIIIIMIIIIIIIMlIIIIII»»II»»IIl»II»»I»l»»»»»»I»»»NMII»MIlIMI»lMIMIl>lII»,»,,»U - T a vv j e w s Abhandlung über bib’.ische Zitate im talmudischen Schrifttum, S. R'ubaschews Artikel über Samuel Primo, dem Schreiber und Vertrauten Sabbatai Zewis, S. Bernfelds Untersuchung über Namenerklärungen in der Bibel. Von den novellistischen Beiträgen verdient besonders 5. J. Agnons Skizze „Die schwarze Chuppa“ hervorgehoben zu werden. Da lebt die Welt eines Totengräbers auf, ein merkwürdiges Durcheinander der Alltagswirklichkeit und jener, die in der Phantasie des Leichen Wächters lebt: Schmilzt der Schnee, so sammeln tote Mädchen die schmelzenden Wasser und waschen ihre Leichenkleider, scheint die Sonne auf, dann strahlt sie auch unter der Erde, Leben und Tod sind ja ein Reich, und ihm selbst, dem Leichenwächter, bedeutet der Tod nur die Vereinigung mit jenem Mädchen, dessen Gesicht er einst unter dem Leichentuche sah und von dem er seither nicht zu träumen aufgehört hat .... — Von A. Klatschka enthält der Band einen Roman „Im Städtchen“, die Geschichte eines jungen Arztes, der in einen jüdischen Marktflecken verschlagen wird. Ein Großstädter seiner Bildung nach, ist er doch im tiefsten seines Wesens mit der Jüdischkeit des kleinen Ortes verbunden und unter dem Eindruck der neuen Umgebung werden alte Erinnerungen in ihm so lebendig, daß er innerlich eine völlige Wandlung zum Chassid durchmacht. Aber wer einmal die Grenze überschritten hat, kann hier nicht mehr zurück, und der junge Arzt geht an dem Konflikt zwischen Großstadt und Kleinstadt, Europa und Jüdischkeit zugrunde. — David Schimonowitz, den wir bisher nur als Lyriker kannten (vgl. „Welt“ 1912, Nr. 18), hat einen Roman geschrieben, „Die Zeit verfehlt“, die Tragödie eines jungen Menschen, der das Erwachen Palästinas erlebt, und es nicht ertragen kann, daß dieses Land der Träume und der Sehnsucht zur harten Wirklichkeit unserer Tage wird. — Noch sei auf eine fein beobachtete Skizze „Sergej Mamutow“ von Schofmann hingewiesen. Nun die Gedichte. Sch. G i n z b u r g hat ein großes Poem ,,Im Turme“ geschrieben, in dem er in Rosenfeldschen Farben das Ungeheuer Amerika schildert, dem er eine idyllische Schilderung Palästinas entgegensetzt. Der hebräische Dichter fühlt tausendmal intensiver als ein anderer das qualvoll Entsetz-