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Die Welt · 1914-05-22 · 21 (22.5.1914) · p. 507

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
21 (22.5.1914)
Article
Der Reichstagsabgeordnete Dr. Müller (Meiningen) über den Zionismus
Date
1914-05-22
Page
507 (sequence 2)
Language
German
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LT 507 Nr. 21 D1E3aEE_. Gesinnungsgenossen! Bestellt rechtzeitig die Herzl-Gedenknummer der „Welt“ Herr Mumm hatte hierbei den bekannten Bericht des Kaiserlichen Vizekonsuls in Jaffa im Auge, der auf die zionistische Kolonisationsarbeit in Palästina hingewiesen und die „Welt“ den deutschen Kaufleuten als Insertionsorgan empfohlen hatte. W i r haben uns in unserer Denk- und Handlungsweise niemals durch die Rücksicht auf den Antisemitismus beeinflussen lassen. Seine Angriffe kümmern uns nicht, und von seinen Lobsprüchen wissen wir nur zu gut, daß sie -nicht ehrlich gemeint sind. Oesterreich Zum böhmischen Nationalitätenkampfe (Von unserem Berichterstatter.) a.— Niemals stand die Frage des nationalen Friedens in Böhmen so stark im Vordergründe des politischen Interesses wie gegenwärtig. Der böhmische Ausgleich ist seit den bedenklichen Erscheinungen während des Balkankrieges das Sorgenkind der Regierung und die Vorbedingung der Arbeitsfähigkeit des österreichischen Abgeordnetenhauses. Wer das Schreckenswort „der nationale Boykott“ kennt, weiß, was uns Juden der böhmische Friedensschluß bedeutet und man darf mit Genugtuung konstatieren, daß gegenwärtig dank der bewußt-jüdischen Aufklärungs- und Erziehungsarbeit in Böhmen die verderbliche Beteiligung der Juden am Nationalitätenhader auf deutscher oder tschechischer Seite auf ein Häuflein assimilatorischer Führer und auf einzelne von Juden geschriebene Preßorgane beschränkt ist, unter denen sich die „Neue Freie Presse“ besonders hervortut. Deshalb sei die freche Erfindung der Wiener Antisemiten entlarvt, die anläßlich der gegenwärtig in Wien geführten Obmännerverhandlungen die Fortdauer des böhmischen Nationalitätenkampfes auf die Juden schieben. Die „Reichspost“ wagt es im Leitartikel zu schreiben: Es ist wie ein tragisches Verhängnis, daß zur selben Zeit, da die Blicke der beiden christlichen Nationen Böhmens gebannt an den deutsch-tschechischen Gegensätzen hängen, ihr gemeinsamer Gegner, das Judentum, auf ihre Kosten einen Erfolg zum andern häuft und in dem Lande, in dem heute sonst jedermann unter den Folgen des nationalen Zwistes leidet, der einzige ist, der die natürlichen Güter dieses Landes fröhlich genießt. Dem deutschen und dem tschechischen Bauer lastet der nationale Unfriede wie ein schweres Unglück auf dem Rücken, die Industrie des Landes hat in Hunderten von Kundgebungen nach dem Frieden als nach einer wirtschaftlichen Notwendigkeit gerufen, der Ausbau des Verkehrs stockt, das Geistesleben verarmt in der lärmenden Unruhe des politischen Haders; die besten Elemente beider Völker ziehen sich mißmutig aus dem öffentlichen Leben zurück — nur einer befindet sich wohl, lächelt, triumphiert, streift Gewinne ein und herrscht: der Jude.“ Wie dumm und niederträchtig die Mär ist, daß sich die böhmischen Juden vom Nationalitätenkampfe zwischen Deutschen und Tschechen „mästen“, ist am besten durch das Ergebnis der letzten Volkszählung gekennzeichnet. Während die Zahl der Juden im Gesamtreiche innerhalb eines Jahrzehntes um rund 90000 gestiegen ist, fiel die Zahl der böhmischen Juden um rund 7000 Seelen. Was diese Ziffer bedeutet, wird aber erst verständlich, wenn man erwägt, daß sich die Judenheit Galiziens trotz Not, Auswanderung und Abfall im gleichen Zeiträume um rund 63 000 Köpfe vermehrt hat, und wenn man daran denkt, wie furchtbare Krisen ein Volk erschüttert haben müssen, wenn auch nur der natürliche Zuwachs ausbleibt. Es ist für gewöhnlich nicht unsere Sache, den Antisemiten gegenüber „Abwehr“ zu treiben. Aber es ist doch von Zeit zu Zeit nötig, die politische Moral der Judenhasser in krassen Beispielen aufzuzeigen und ihren Lügen kurze Beine zu machen. Birnbaum-Feier a.— Anläßlich des 50. Geburtstages von Dr. Nathan Birnbaum veranstaltete der akademische Verein „Jüdische Kultur“ in Wien, dessen Gründer und Ehrenmitglied Birnbaum ist am 1L Mai, in eiraem Saale der Wiener Universität einen Festabend. Den einleitenden Vortrag hielt Herr Dr. Johannes W e r t h e i m. Herr Dr. M. Prager las aus Birnbaums Schriften. Ungarn Von der Israelitischen Landeskanzlei (Von unserem Berichterstatter.) 1.1.— Die jüngste Nummer der „Zsidö Szemle“ veröffentlicht einen Artikel von unserem Gesinnungsgenossen Dr. Josef Schönfeld, der ein grelles Streiflicht auf die Verhältnisse der ungarischen Judenschaft wirft. Diese gliedert sich bekanntlich in eine neologe und eine orthodoxe Landesorganisation. (Eine Mittelpartei, die sogenannten „Status quo ante-Gemeinden, beabsichtigen jetzt eine eigene Organisation zu bilden.) Die neologe Organisation besteht aus Gemeinde- Distrikten, deren Präsidenten aus eigener Mitte alljährlich einen Herrn zum Präsidenten der Landeskanzlei wählen sollen, der seinen Wohnsitz in Budapest haben muß. Dies besagt der § 71 des Kongreßstatutes. Laut jahrelangem Usus wird nun gewöhnlich der Präsident des Gemeinde-Distriktes für den Budapester Landbezirk zum Präsidenten der Landeskanzlei gewählt. Gegenwärtig bekleidet diese Stelle Herr Dr. Moriz M e z e i, ein „liberaler“ Politiker, gewesener Abgeordneter und Ausschußmitglied der jetzigen Regierungs- Wie erwähnt, muß der Präsident alljährlich neu gewählt werden. Herr Dr. Mezei unterzog sich jedoch seit dem Jahre 1908 keiner Neuwahl, seine Präsidentenrechte sind daher im Jahre 1909 erloschen und seither entbehrt seine Präsidentschaft jeder rechtlichen Unterlage. Ja er kann nicht einmals als Gemeindedistrikts-Präsident gelten, da nach § 59 des Kongreßstatutes die Gemeindedistrikts-Präsidenten in jedem dritten Jahr neu zu wählen sind. Der Budapester Gemeinde-Distrikt wurde aber seit sechs Jahren nicht einmal einberufen, geschweige denn, daß im Distrikte Neuwahlen vorgenommen wurden. Der Budapester Gemeindedistrikt funktioniert seit sechs Jahren überhaupt nicht und existiert nur auf dem Papier. Er hat demnach keinen Präsidenten, und dieser kann also nicht einmal Mitglied, viel weniger Präsident der Landeskanzlei sein. Herr Dr. Mezei aber ist ein liberaler Politiker und ein alter Praktiker dazu. Eine Einberufung des Budapester Gemeindedistriktes hält er nicht für notwendig, und auch eine Neuwahl zum Präsidenten der Ländeskanzlei scheint ihm überflüssig. So konnte nun das Unerhörte geschehen, daß an der Spitze einer Landes-Zentralstelle des Judentums eine Persönlichkeit steht, der die Befugnis, Funktionen auszuüben, seit Jahren nicht mehr zusteht l Die Landeskanzlei fungiert aber weiter als Landes- Zentralstelle und richtet über Tote und Lebende im Judentum. Neben dieser großen Unregelmäßigkeit erscheint es wie eine Lappalie, daß die Landeskanzlei im Vorjahre die Stelle eines Vizepräsidenten kreierte, obwohl ihr das Recht, eigenmächtig neue Stellungen zu schaffen, nicht zusteht. Da weder der Präsident, noch der Vizepräsident ihre Funktionen auf rechtlicher Grundlage ausüben, steht die ganze Landeskanzlei

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