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Die Welt · 1914-05-15 · 20 (15.5.1914) · p. 490

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
20 (15.5.1914)
Article
Bielitz [Nachricht]
Date
1914-05-15
Page
490 (sequence 2)
Language
German
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490 DIEX&ELT Nr. 20 war, zeigten die Zustimmungskundgebungen der Anwesenden und insbesondere die Worte des Herren Richter, eines der Gründer des Vereines. — Der zionistische Jugendklub, der jahrelang das Schmerzenskind der arbeitenden Zionisten war, beginnt jetzt bereits das jüdische Leben der Stadt zu beherrschen. Am 29. April gab es einen schönen Vereinsabend, zu dem der Klub auch Gäste eingeladen hatte. Groß war die Zahl derer, die der Einladung Folge geleistet hatten. Rudolf Kohn hielt ein Preßreferat, Dr. Aschermann sprach über das palästinensische Schulwerk. Es folgte eine Debatte, die durch die gehaltvollen Ausführungen des Privatdozenten an der Wiener Universität, Dr. Geiger, ein besonderes Gepräge erhielt. — Eine intensive Tätigkeit entfaltet die Ortsgruppe Bielitz-Biala des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Es hat sich ein Komitee konstituiert, bestehend aus den Damen: Schmelz (Präsidentin), Lindner, Dora Rabinowitz, Reich. Steiner. Schnabel, das bis zum heutigen Tage bereits mehr Mitglieder geworben hat als selbst unsere Reichshauptstadt Wien besitzt. Für die nächste Zeit ist eine Spitzenausstellung sowie ein öffentlicher Vortrag in Aussicht genommen. Galizien Tarnow. Am 8. Mai ist hier unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse Moses Aron Neiger im 70. Lebensjahre gestorben. Er war eine überaus interessante Persönlichkeit unter den Orthodoxen der älteren Generation. Tiefes jüdisches Wissen und wahrhafte Frömmigkeit paarte sich in ihm mit einer glühenden Anhänglichkeit an die zionistische Idee. Mit nimmermüdem Eifer entwickelte er eine propagandistische Tätigkeit in chassidischen Kreisen, aus denen er unserer Organisation Scharen begeisterter Bachurim zuführte. Es war rührend, den Mann mit weißem, patriarchalischem Bart Spenden für den Nationalfonds sammeln zu sehen. Ehre seinem Andenken! — Dem verwaisten Sohn Moses Arons, unserem lieben und tüchtigen Joachim Neiger, sprechen die hiesigen Gesinnungsgenossen das herzlichste Beileid aus. Rumänien Ein neuer jüdischer Almanach Anfang September soll ein neuer jüdischer Almanach „Bar Kochba“ in rumänischer Sprache erscheinen. Die Redaktion bittet die jüdischen Schriftsteller, die zur Mitarbeit bereit sind, sich mit der Redaktion des Almanachs, Adresse: E. J. Waldmann, Jassy Str. Cucu 8, in Verbindung zu setzen. Bulgarien Die IX. Landeskonferenz der bulgarischen Zionisten (Von unserem Berichterstatter.) (Schluß des Berichts aus voriger Nummer.) Auch die Frage der Agitation wurde diesmal auf eine gesunde Basis gestellt, indem1 ein bezahlter Sekretär dem Zentralbureau zur Verfügung gestellt wird. Für diesen Zweck wurden von unseren Gesinnungsgenossen dem! Zentralbureau; für die zwei kommenden Geschäftsjahre 6000 Frcs. gesichert. Dies «muß mit besonderer Befriedigung als Zeichen der Opferwilligkeit der bulgarischen Zionisten hervorgehoben werden. Die Aufgabe des ständigen Sekretärs wird es sein, das Land zu bereisen, überall organisatorisch und agitatorisch zu wirken und eine Art Kontrolle über die Tätigkeit der einzelnen Vereine auszuüben. Ein weiterer wichtiger Punkt der Beratungen der IX. Landkonferenz war das Referat des Herrn Dr. M. Romano über Palästina. Der Referent gab einen geschichtlichen Ueberblick über die bisher in Palästina geleistete Arbeit und besprach eingehend die Kulturfrage. Der Referent führte ferner aus, da das .Actions-Comite eine Aktion für das hebräische Schulwerk in Palästina ohne Mandat vom Kongresse durchgeführt habe und es Stimmen gebe, welche diesen Schritt der Leitung tadeln, so müsse die Konferenz Stellung zu dieser Frage nehmen. Nach eingehender Debatte wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: 1. Dem zionistischen Actions-Comite soll volles Vertrauen für seine Schulpolitik in Palästina telegraphisch ausgesprochen werden. 2. Die Lehrerorganisation Merkas-Hamorim soll ebenfalls telegraphisch beglückwünscht werden. 3. Die Delegierten werden verpflichtet, nach ihrer Heimkehr für den Zentralfonds zu sammeln und die gesammelten Summen ohne Aufschub dem Zentralkomitee zu übersenden. In bezug auf die Genternde- und Schulpolitik der zionistischen Organisation Bulgariens kam auch die Frage des Verhältnisses zu Herrn Dr. Ehrenpreis in Zusammenhang mit seiner Demission zur Debatte. Folgende Resolution wurde ein stimmig angenommen: „Nach eingehender Debatte über die Frage des Großrabbiners Dr. Ehrenpreis ist die IX. zionistische Konferenz zur einstimmigen Feststellung gekommen, daß seit der VIII. Konferenz, wo über dieselbe Frage verhandelt wurde und die zionistische Organisation Bulgariens Stellung nahm, bisher keine Aenderung im Verhalten des Herrn Dr. Ehrenpreis eingetreten ist, welche zur Aenderung des von der VIII. Konferenz gefaßten Beschlusses Anlaß gäbe. Die Konferenz geht daher über diese Angelegenheit zur Tagesordnung über.“ England London. In erfreulicher Weise haben mehrere Prediger der Londoner Gemeinde von der Kanzel auf die Bedeutung der „Palestine Society“ hingewiesen. So haben unser Gg. Dr. Hochman in seiner Synagoge, New West End, und Rev. S. Lipson in der Hammersmith-Synagoge bemerkenswerte Ansprachen gehalten. Vereinigte Staaten von Nordamerika Die Amerikareise des Herrn M. Berlin (Von unserem New-Yorker Berichterstatter.) Der Generalsekretär der zionistischen Föderation „Misr a c h i“, Herr M. Berlin, hat soeben seine überaus erfolgreiche amerikanische Tournee zu Ende geführt. Die gesamte jüdische Presse ist sich darüber einig, daß die unermüdliche Tätigkeit des Herrn Berlin in den Vereinigten Staaten von Amerika für eine große Anzahl jüdischer Gemeinden den Beginn neuen nationalen Lebens bedeutet. Noch niemals haben solche imposante Kundgebungen der orthodoxen Kreise, mit den angesehensten Rabbinern an der Spitze, für den zionistischen Gedanken stattgefunden, wie anläßlich der Besuche des Herrn Berlin. Mit einem Schlage hat die zionistische Föderation „Misrachi“ in Amerika eine starke und lebensfähige Organisation geschaffen, womit ein lang gehegter Wunsch weiter orthodoxer zionistischer Kreise in Erfüllung ging. Es ist Herrn Berlin gelungen, dem „Misrachi“ einige Tausend Mitglieder zuzuführen und größere Summen für kulturelle und kolonisatorische Zwecke des „Misrachi“ zusammenzubringen. Dank seiner Agitation ist es auch gelungen, zum erstenmal eine Konferenz des „Misrachi“ in Amerika, in Cincinnati, einzuberufen. Ueber die Konferenz werden wir noch besonders berichten. New York. Die Federation of American Zionist s teilt uns mit, daß ihre XVII. Jahresversammlung, zu der auch der „Order Bnai Zion“ die „Knights of Zion“, die Misrachi-Föderation und die „Daughters of Zion“ ihre Delegierten senden, vom 28. bis zum 30. Juni in Rochester, N. Y., stattfinden wird. Die Konvention hat diesmal besonders wichtige Aufgaben zu erfüllen, da sich infolge der Reisen der Herren Prof. Schatz, Dr. Oppenheimer, Mayer Berlin und Dr. Z o 11 s c h a n, infolge der Bezalel-Ausstellungen und der Propaganda, die auch von verschiedenen bekannten Zionisten Amerikas in diesem Jahre sehr energisch betrieben' wurde, die Situation dort sehr verändert hat. Nicht wenig hat auch das Interesse, daß der Sprachenkampf in Palästina erregt hat, dazu beigetragen. Es wird nun Sache der Konferenz sein, diese Stimmung auszunutzen und die zionistische Arbeit in Amerika auf noch weitere Kreise auszudehnen. Zu diesem Zweck muß eine straffere Organisation der Propaganda durchgeführt und die zionistischen Institutionen in jeder Weise gefestigt werden. Die Versuche, die bereits in dieser Richtung von den Herren Barondeß, Goldberg, Kallen, Zolotkoff, Lipsky, Rosenblatt. Shuhnan, Bregstone, Sprayregen, de Haas und Dr. Pool und von den Damen Madame Pevsner und Miß Szold unternommen wurden, verdienen unsere vollste Anerkennung. Wir werden demnächst in der Lage sein, das Programm der Tagung zu veröffentlichen. Cincinnati. — Eine Misrachi Convention findet in dieser Stadt vom 1. bis zum 4. Mai statt. Sie wird die erste Convention der neugegründeten „Federation of Misrachi Societies“ sein. Viele Führer des amerikanischen orthodoxen Judentums werden erwartet. Baltimore. — Dr. Meyer Berlin hat im Laufe seiner Propagandatoumee in der Synagoge der Chisuk Emunah Gemeinde eine glänzende Rede über die Beziehungen zwischen der Orthodoxie und dem Zionismus vor einer großen Versammlung gehalten. De Rede galt der Förderung der Misrachi-Bewegung in dieser Stadt.

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