Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 20 (15.5.1914)
- Article
- Die Wahlen zum Parlament
- Date
- 1914-05-15
- Page
- 487 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 20 D1E2&ELT 487 PALÄSTINA- RUND SCHAU tmmmimmmmimmimm Die Wahlen zum Parlament Bei den Wahlen in das türkische Parlament, die am 21. April stattfanden, wurden Ragheb Naschischibi, F e d i e 1 A 1 a m i und Said Husseini gewählt. Die Wahl wurde durch 152 vorher gewählte Wahlmänner vollzogen, unter denen sich 9 Juden befanden, und zwar 8 in Jerusalem und einer in Jaffa. Die Wahl von Husseini und Naschischibi hat zur Folge, daß sie ihre Mandate im Medschliß Umumi niederlegen müssen. Wie verlautet, werden sich zwei jüdische Kandidaten um diese Mandate bewerben, und bei der zunehmenden Bedeutung des Medschliß- Umumi für die Entwicklung des Landes wäre die Erlangung dieser zwei Mandate für die palästinensische Judenheit von Bedeutung. Unser Jerusalemer Schulwerk (Von unserem Berichterstatter.) Es geht vorwärts. Das neue Semester, das nach dem Peßachfeste begann, bietet die Probe auf das Exempel. Zu beweisen war, daß unser Schulwerk ein Bedürfnis für die Jerusalemer jüdische Bevölkerung war. Der Beweis wurde deutlich erbracht und lehrt uns zwingend: wenn unser Schulwerk noch nicht errichtet wäre, es müßte schleunigst geschaffen werden. Anders ist die starke Zunahme der Schüler in unseren Schulen nicht zu verstehen, zumal wir weder durch die Presse noch persönlich für unsere Schulen agitiert haben. Und daß wir die von einer gewissen Seite leider nicht mehr ungewohnte, aber noch immer ethisch und pädagogisch recht zweifelhaften Lockmittel nicht angewandt haben, versteht sich von selbst. Neu ist bloß ein Kindergarten, der mit dem Beginn des Sommersemesters eingerichtet wurde und gleich von 127 Kindern besucht war. Im ganzen beträgt jetzt die Zahl der Schüler in unseren Schulen: in der Mädchenschule. 227, davon neue 65 im hebräischen Gymnasium . . . . . 170 „ „ 30 in der Knabenschule.165 ,, „ 66 im Kindergarten ..127 „ 127 Lehrerseminar und Handelsschule ... 91 „ „ 29 Abendkurse für Mädchen.70 „ „ 20 Abendkurse f. Jünglinge (neu eingericht.) 50 ,, „50 Kursus für Kindergärtnerinnen .... 22 „ „ 9 922, davon neue 396 Die neuen Schüler des Jerusalemer Gymnasiums sind zumeist Kinder sephardischer oder bucharischer Eltern, für die fast ausnahmslos das ganze Schulgeld entrichtet wird. Früher pflegten diese Kreise ihre Kinder zumeist nach Beirut in die Jesuitenschulen oder gar in die Schulen der Mission zu schicken. Gottlob, daß sie davon mehr und mehr abkommen. Wieviel uns von verschiedenen Gesichtspunkten aus daran liegen muß, diese Kinder des Landes in jüdischem Geiste zu erziehen, braucht nicht erst gesagt zu werden. Wie stark besucht unsere Mädchenschule ist, geht am besten daraus hervor, daß dort bereits eine Parallelklasse errichtet werden mußte, da in der betreffenden Klasse bereits über 70 Mädchen Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In seiner Broschüre „Palästina und palästinensischer Zionismus" sagt Dr. Paul Nathan: „Eltern — auch in Palästina — haben ein Verständnis dafür — wenn man sie nur frei entscheiden läßt, — jene Schulen für ihre Kinder auszusuchen, durch die das Fortkommen der jungen Generation am besten gewährleistet wird." Diesen an sich sehr richtigen Worten wäre allerdings noch hinzuzufügen: „und ihre Erziehung zu charaktervollen Menschen und ganzen Juden“. In dieser Beleuchtung gesehen, hat das neue Schulwerk, das durch den Idealismus und den Opfersinn der jüdischen Volksmassen entstanden ist, von der jüdischen Bevölkerung Jerusalems ein sehr rühmliches Zeugnis erhalten. Wenn die weitere Entwicklung auch nur in dem Maße wie bisher fortschreitet, so eröffnet sich unserem Schulwerk eine Perspektive, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Eine besondere Bedeutung kommt den Abendkursen zu. Unsere Seminaristen, die sieben bis acht Stunden am Tage Unterricht empfangen, erteilen abends unentgeltlich Unterricht in den Kursen für Hebräisch und Rechnen. Sowohl die Kurse für Mädchen als auch für Jünglinge dauern allabendlich je zwei Stunden, und die Besucher der Kurse sind, nach dem Stand ihrer Kenntnisse, in verschiedene Klassen geteilt. So bestehen in den Kursen für Mädchen fünf, in den neu eingerichteten Kursen für Jünglinge drei Klassen. Ueberhaupt herrscht unter den Seminaristen ein ernster, reger Eifer für unsere geistigen Güter. Es bestehen unter ihnen zwei Selbstbildungsvereine, einer für das Studium der Bibel und einer für das der Naturkunde, um sich in der freien Zeit mit diesen beiden Gegenständen noch besonders intensiv zu befassen. Außerdem hält ein namhafter Schriftsteller einmal wöchentlich einen literarischen Vortrag. Schreiber dieser Zeilen hatte in letzter Zeit wiederholt Gelegenheit, im hebräischen Lehrerseminar zu weilen. Es ist jetzt eine jüdische Musteranstalt im besten Sinne des Wortes. David J e 11 i n s Geist und seine stille Gelehrtennatur ist in allem zu spüren. Und beobachtet man diese Jugend bei den Unterrichtspausen, so versteht man es, wie sie mit einem solchen heiligen Eifer für die hebräische Sprache eingetreten ist. Noch bedeutsamer aber ist es, daß die schlichten Jeruschalajim- Juden sich weder durch Bakschisch noch durch Versprechungen ködern lassen. Hierosolyma locuta est. Kleine Nachrichten Der türkische Wesir für Post- und Telegraphen wesen bereist gegenwärtig Syrien und Palästina, um den Stand der seiner Verwaltung unterstehenden Behörden zu studieren und die etwa notwendigen Reformen in die Wege zu leiten. In Jaffa besuchte er in Begleitung des Herrn M. Disengoff Tel-Awiw und das Hebräische Gymnasium, wo ihm ein herzlicher Empfang bereitet wurde. Der Vorstand der judäischen Kolonien wandte sich mit einem Rundschreiben an die Kolonisten, worin er sie auffordert, die türkische Staatsangehörigkeit anzunehmen. Im Rundschreiben wird darauf gewiesen, daß jetzt seitens der Regierung in dieser Frage ein großes Entgegenkommen gezeigt wird, und es wird mit Recht daran erinnert, daß wir erst durch Erlangung der vollen Bürgerrechte zu einer uneingeschränkten Betätigungsmöglichkeit sowohl für das Land als auch für unsere eigenen Interessen gelangen können. Ein Formular, das die nötigen Anweisungen enthält, ist dem Rundschreiben beigelegt. In der „Hacheruth“ wird darauf hingewiesen, daß nach den neuen Verordnungen die jüdischen Wohlfahrtsanstalten 999999999999