Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 20 (15.5.1914)
- Article
- Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums [Nachricht]
- Date
- 1914-05-15
- Page
- 483 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 20 Dü :elt 483 Ausländern. Das ist außerordentlich erfreulich, da die Absolventen der Lehranstalt dazu berufen sind, Führer und Erzieher des jüdischen Volkes zu werden. Ein Zurückdämmen der jüdischen Ausländer an den Universitäten wird also notwendigerweise auch eine Einschränkung der Wirksamkeit der Lehranstalt zur Folge haben. Das Kuratorium der Lehranstalt sah sich infolgedessen veranlaßt, zu der Frage der Zulässigkeit von Ausländern an den deutschen Universitäten Stellung zu nehmen und beschloß, sich diesbezüglich mit dem Verband deutscher Juden, der in der Angelegenheit gleichfalls Schritte zu unternehmen gedenkt, ins Einvernehmen zu setzen. Dr. Birnbaum - Jubiläums - Bankett Das Dr. Nathan Birnbaum-Jubiläums-Kömitee teilt uns mit, daß aus Anlaß des 50. Geburtstages Dr. Birnbaums am Sonnabend, dem 16. d. M., im „Logenheim“, Friedrich« straße 131c, zu Berlin, ein Bankett zu Ehren des Jubilars stattfindet. Beginn: Y Uhr abends. Berlin. Anläßlich des 50 jährigen Jubiläums von Dr. Nathan Birnbaum veranstaltete der Hebräische Klub am 7. Mai eine Versammlung. Herr Dr. M. Jardeni - Berlin schilderte die geistige Entwicklung Matthias Achers und seinen Gedankengang und würdigte ihn als einen der ersten Bannerträger der jüdischnationalen Bewegung im Westen. Wenn auch Nathan Birnbaum jetzt abseits von dem großen von ihm selbst gezeigten Wege wandelt, so soll dies auch Zionisten und Hebraisten nicht hindern, ihn als einen alten Lehrer und Meister zu ehren und seiner markanten Persönlichkeit, seinem Idealismus sowie seiner Bedeutung im Werdegang unserer Renaissance gerecht zu werden. Berlin. Die Generalversammlung des Arbeitsamtes für jüdische Akademiker fand am 3. Mai in Berlin statt. Der bisherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Das Amt des ersten Vorsitzenden übernahm wie in den Vorjahren Herr Geheimer Sanitätsrat Dr. Maretzki. Oesterreich Oesterreich und die Türkei a.— Wie erinnerlich, hat der Österreichische Minister des Aeußem, Graf Berchtold, anläßlich der Wiener Tagung der österreichisch-ungarischen Delegationen im November des verflossenen Jahres ein Expose gehalten, daß einen sehr bemerkenswerten Passus über die Orientpolitik Oesterreich-Ungarns und seine Beziehungen zur Türkei enthielt. Der Minister begrüßte mit freudiger Genugtuung, daß das osmanische Reich nach dem ungünstigen Ergebnisse des Balkankrieges seine Vitalität erwiesen habe. Der Wegfall kostspieliger und stets gefährdeter europäischer Reichsteile biete der Pforte Gelegenheit, die große Aufgabe der Reorganisation ihrer ausgedehnten asiatischen Provinzen durchzuführen. Oesterreich-Ungarn sei durch traditionelle freundschaftliche Beziehungen, wie durch vielfältige kommerzielle Interessen mit der Türkei verbunden und nehme an ihrer Regeneration lebhaften Anteil. In der Debatte über das Expose des Grafen Berchtold wurde von verschiedenen Mitgliedern der beiden Delegationen diese Aeußerung des Ministers gewürdigt und hervorgehoben, daß der kleinasiatische Orient als eine sehr wichtige wirtschaftliche Interessensphäre der Monarchie zu betrachten ist. Die ausgezeichneten Beziehungen des Reiches zur Pforte nicht minder als handelspolitische Motive lassen es als wünschenswert erscheinen, daß das Donaureich an dem Aufschwünge des kleinasiatischen Orients hervorragend mitwirke. Besonders eingehend über diesen Gegenstand sprach damals der Delegierte L a n c z y, und die Regierung nahm gerne Gelegenheit, ihre Stellungnahme zur Frage der wirtschaftlichen Orientpolitik noch prägnanter zum Ausdruck zu bringen. Erneuern Sie sofort Ihr Abonnement, da Sie sonst keine Garantie für die pünktliche Zustellung der Nummern haben. Es haben nur jene Abonnenten unseres Blattes Anspruch auf eine kostenlose Zustellung der Herzi-Gedenknummer die mit der Einzahlung des Abonnementsbetrages nicht im Rückstände sind. — Verlag „Die Welt“ BERLIN W15, Sächsische Str. 8. Der Sektionschef des Ministeriums des Aeußem Graf Wickenburg sagte nämlich in der ungarischen Delegation wörtlich: „Mit großer Freude haben wir die Erklärung des Delegierten Lanczy in der Richtung zur Kenntnis genommen, daß unsere Interessen in Kleinasien nicht vernachlässigt werden dürfen. Dies Land hat vom wirtschaftlichen Standpunkte eine große Wichtigkeit für uns. Wir beabsichtigen, solche Bestrebungen gewissenhaft zu unterstützen und dies mit um so größerer Berechtigung, als unsere Ziele in diesen Gebieten ja wahrhaftig ausschließlich wirtschaftlicher Natur sind." Auch anläßlich der gegenwärtig ln Budapest tagenden diesjährigen Delegationen behandelte Graf Berchtold in diesem Sinne die Wechselbeziehungen zwischen der Erstarkung der Türkei und der wünschenswerten handelspolitischen Betätigung Oesterreichs in den kleinasiatischen Provinzen. Er sagte: „Wir können die ökonomische Aufschließung des türkischen Länderbesitzes, von welcher ein wirtschaftlicher Aufschwung und damit im Zusammenhang auch eine politische Konsolidierung der Türkei zu erwarten ist. nur freudig begrüßen und sind, was uns betrifft, bereit, insofern sich österreichische und ungarische Unternehmerkreise an dieser A u f s c h 1 i e ß u n g beteiligen wollen und eine staatliche Ingerenz Platz greifen kann, unsere Unterstützung im vollen Maße zur Verfügung zu stellen.“ Diese wiederholten und sehr präzisen Aeußerungen kompetenter Regierungsfaktoren über die große Anteilnahme der dem osmanischen Reiche eng befreundeten Monarchie an der fortschreitenden Regenerierung der Türkei seien hier verzeichnet. Die vom Zionismus angestrebte kulturelle und wirtschaftliche Erschließung Palästinas liegt auf der Linie der gesunden Orientpolitik Oesterreich-Ungarns, und der jüdische Untertan des Habsburgerreiches, der sich an dem zionistischen Palästinawerke beteiligt, handelt durchaus patriotisch. Dies sei gegenüber den häßlichen und unaufrichtigen Wühlereien gewisser assimilatorischer Kreise gegen den „vaterlandsfeindlichen Zionismus“ — sie sind uns auch in