Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 19 (8.5.1914)
- Article
- Die IX. Landeskonferenz der bulgarischen Zionisten
- Date
- 1914-05-08
- Page
- 470 (sequence 2)
- Language
- German
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470 Nr. 19 DIE^gELT der anstelle des gefallenen Sohnes einen zweiten Jüngling auf denselben Posten schickte, brach im Saale ein Sturm der Begeisterung los. Als Dritter sprach Herr Karl Herbst (Sofia) in bulgarischer Sprache. In seiner begeisternden Art rief er die Versammelten zur Arbeit. In geistreicher Rede charakterisierte er die Paradoxe der Assimilation und besprach eingehend den Kampf mit dem Hilfsverein wegen der Unterrichtssprache in Palästina. Die temperamentvolle Rede des Herrn Karl Herbst wurde wiederholt von anhaltendem1 Applaus unterbrochen. Von grundlegender Bedeutung für die Arbeit der IX. Konferenz ist die Reorganisation der Leitung. Bisher wurde die Arbeit in der Weise durchgeführt, daß die Zentrale gewöhnlich in einer Stadt und die Abteilungen für Kulturarbeit und Nationalfonds in zwei anderen Städten ihren Sitz hatten. Dadurch wurden die Kosten der Leitung höher, und, was die Hauptsache ist, es fehlte oft an Einheitlichkeit der Arbeit. Dieser Konferenz ist es gelungen, ein Komitee zu bilden, dessen sämtliche Mitglieder in Philippopel wohnen. Somit ist von jetzt an ein Zentralbureau geschaffen, dessen drei Abteilungen, administrative, kulturelle und Nationalfonds- Abteilung zusammen das Plenum des Zentralbureaus bilden werden. Zum Vorsitzenden des so beschaffenen Zentralbureaus wurde Herr Dr. Marco Romano gewählt. Die übrigen Mitglieder sind: die Herren Dr. H. Rimalowsky, Ascher Ehrlich und Rechtsanwalt Albert Romano (Kulturabteilung), Dr. jur. Nessim Benaroya, MoTse Annavi und Nessim Mitzani (Nationalfonds). Die administrative Abteilung wird vom Vorsitzenden des Zentralbureaus Herrn Dr. Marco Romano und den Herren Moise Annavi und Albert Romano gebildet. (Schluß des Berichtes in nächster Nummer.) Dr. Ehrenpreis und der Gemeindekongreß (Von unserem Berichterstatter.) r.— Wie ich in meinem vorigen Berichte mitteilte*), haben die nicht wiedergewählten Gemeindekomitees ein Konsistorium gewählt. Das so entstandene Konsistorium hat jetzt eine Konferenz der Gemeindevorsteher einberufen, um Wege zu finden, Herrn Dr. Ehrenpreis auf seinem Posten zu behalten. Nun haben diese Bemühungen einen gewissen Erfolg gehabt. Auf Ersuchen von Dr. Ehrenpreis hat das Ministerium die Wahlen für einen Gemeindekongreß angeordnet. Man könnte glauben, daß Dr. Ehrenpreis endlich den richtigen Weg betreten und eingesehen hat, daß die zionistische, d. h. demokratische Anschauung die einzig richtige für den Fortschritt der bulgarischen Judenheit ist. Hat er doch bisher der Einberufung eines auf demokratischer Basis gewählten Gemeindekongresses sich widersetzt, mit der Begründung, er könne es nicht dulden, daß ein Gemeindekongreß sich mit seiner Person beschäftige. Nun ist er ein freier, von den Parteien unabhängiger Mensch, sein Posten in Stockholm ist gesichert, und er kann sich den Luxus leisten, einen demokratisch gewählten Gemeindekongreß einzuberufen, welcher für die zukünftige Entwicklung der bulgarischen Juden und — wer weiß — vielleicht für ihn selbst von großem Nutzen sein könnte. Der dreiwöchentliche Termin für die Wahlen ist noch nicht offiziell bekannt gegeben, und wenn er bekannt gegeben wird, werden vielleicht nur noch zwei Wochen oder weniger übrig bleiben, um die Bevölkerung mit den Zielen und Aufgaben des Kongresses bekannt zu machen. Das Programm des Kongresses? Ganz einfach. Mittel zu finden, um Herrn Dr. Ehrenpreis den Posten in Bulgarien zu sichern. Die Hauptlinien sind bereits vorgezeichnet: Erhöhung des Gehalts und lebenslängliche Pension. Woher aber die nötigen Mittel nehmen? Konnte doch ein Lehrerseminar nicht ins Leben gerufen werden, weil die Mittel fehlten, mußte sich doch Dr. Ehrenpreis an das Ausland wenden, „um ein Waisenhaus für die Kinder der im Kriege gefallenen jüdischen Soldaten zu errichten, da das Gros der Bevölkerung arm ist und die Notabein *) S. Nr. 17 der „Welt". für solche Aktionen nicht zu haben sind". Aber die Not schafft die Mittel. Die Judengemeinde in Sofia besitzt ein prachtvolles Terrain im Zentrum der Stadt, auf welchem sich die jüdischen Schulen befinden. Nun sollen die Schulen irgendwo in ein entlegenes nichtjüdisches Viertel verlegt werden, und auf dem Terrain soll ein Gebäude errichtet werden, dessen Einkommen zur „Sicherung" des Herrn Dr. Ehrenpreis dienen soll. Die bulgarischen Zionisten haben sich freilich für einen Gemeindekongreß andere Aufgaben vorgestellt. Es drängt sich nun unwillkürlich die Frage auf: wem eigentlich Dr. Ehrenpreis hier so unentbehrlich ist? Die Antwort ist einfach: den wenigen Notabein, die einen Führer und Fürsprecher nötig haben und denen die demokratisierende und nationalisierende Strömung des Zionismus nicht paßt. Vor zwei Jahren ist eine Union Israelite Bulgare zur Bekämpfung der bulgarischen zionistischen Organisation nicht zustande gekommen; jetzt sehen wir eine neue Farce. Es soll eine neue zionistische Organisation ins Leben gerufen werden, deren Mitglieder, schekelzahlende Antizionisten, unter gütiger Mithilfe von „Zionisten" eine „Eroberung der Festung von innen" vollbringen sollen. Glaubt man denn wirklich auf diese Weise gegen eine tatkräftige und opferwillige Bewegung, wie sie der Zionismus in Bulgarien darstellt, kämpfen zu können? England English Zionist Federation. — Die Executive hat den Bericht einer Sonderkommission angenommen, der eine Reihe von Vorschlägen betreffs der Bildung und Verwaltung von zionistischen Jugendvereinen enthält. In jeder Stadt sollen die Ortsgruppen sich bemühen, Jugendvereine zu gründen, die selbständige Organisationen sein sollen und nur die Hälfte der gewöhnlichen Jahresbeiträge an die Federation abliefern dürfen. Der Zweck der Jugendvereine soll hauptsächlich sein, eine literarische und kulturelle Tätigkeit zu entfalten, aber sie sollen auch besondere Tum- und Sportabteilungen bilden, die auch einen zionistischen Namen tragen werden. Es ist zu hoffen, daß diese Vorschläge bald verwirklicht werden und daß die jüngere Generation in England in noch höherem Maße zur Mitarbeit für die Erreichung unseres Ideals herangezogen wird. Vereinigte Staaten von Nordamerika New York. Die Federation of American Zionists hat ein besonderes Komitee, bestehend aus den Herren Professor Richard Gottheil, Prof. Israel Friedländer, Dr. J. L. Mayers, Dr. M. M. Kaplan, Louis Lipsky, E. W. Lewin-Eppstein und Fräulein Henriette Szold ernannt, um die öffentliche Propaganda für die neuen Schulen in Palästina zu organisieren. Die erste große Versammlung findet hier in der Cooper Union in einigen Tagen statt. Herr Joseph Bacondess, Nasi des Orden Bnei Zion, ist eben von seinen zwei großen Propagandatoumeen im Süden und Westen zurückgekehrt. Die Mitglieder der Ezra Comp. Nr. 12 werden ihm in Anerkennung seiner hohen Verdienste ein Bankett anbieten. Schluß des redaktionellen Teiles Die „Universelle" Cigaretten-Maschinen-Industrie System Otto Bergsträßer Aktiengesellschaft, Dresden-Löbtau, teilt uns mit, daß sie die gesamte Einrichtung und Patentrechte der Präcisions-Maschinen-Fabrik, G. m. b. H., Dresden-A., 21, übernommen hat. Wegen der bisher von der Präcisions-Maschinen-Fabrik annoncierten Astra-Cigaretten-Maschine und den sonst von der Präcisions-Maschinen-Fabrik bisher gebauten Maschinen und Apparaten würden sich eventuelle Interessenten infolgedessen jetzt an die „Universelle" Cigaretten-Maschinen- Industrie zu wenden haben. DE.R LUS DER ZEIT