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Die Welt · 1914-05-08 · 19 (8.5.1914) · p. 464

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
19 (8.5.1914)
Article
Spanien und die Juden
Date
1914-05-08
Page
464 (sequence 1)
Language
German
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464 D1E&ELT Nr. 19 möchten auch in Italien eine jüdische Frauenvereinigung gründen und haben sich zu diesem Zwecke mit einigen Personen hier in Verbindung gesetzt. Aber es ist leicht vorauszusehen, daß dieser Plan vollkommen scheitern wird — an der Gleichgültigkeit der jüdischen Frauen Italiens, ln den wenigen Tagen des internationalen Kongresses wird es wohl unmöglich sein, etwas zu erzielen; überdies werden ja die ausländischen Damen genug mit den Referaten und Diskussionen der Tagung zu tun haben. Auch hat die jüdische Presse Italiens bis jetzt noch keine Anstalten gemacht, um die jüdische Frau für die jüdische Arbeit zu gewinnen. Ullllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllll Spanien |i Spanien und die Juden Die philosemitische Bewegung in Spanien, von der in der letzten Zeit ziemlich viel in der Presse die Rede war, nahm im Jahre 1904 ihren Anfang. In diesem Jahre kam der spanische Senator Dr. Pulido zur Sommerfrische nach dem Orient und war sehr erstaunt, dort eine ganze Bevölkerung anzutreffen, die seine Sprache sprach und die sich vollständig als zu Spanien gehörig betrachtete. Er erkundigte sich danach und erfuhr, daß er Sephardim vor sich .hatte. Wieder nach Spanien zurückgekehrt, ließ Dr. Pulido in der Presse seine Reiseeindrücke erscheinen, die sehr großen Eindruck machten. Der etwas romantische Charakter dieser ganzen Bewegung schloß allerdings von vornherein die Annahme aus, daß sie zu einem greifbaren Resultat führen würde. Und doch wäre es ungerecht, zu behaupten, daß sie gänzlich erfolglos geblieben sei. Sie hob in Spanien die Stimmung zugunsten der Juden und überzeugte die Regierung von der Notwendigkeit, sich um die Interessen der Sephardim außerhalb der Heimat zu kümmern. Anläßlich des Krieges der Balkanländer gegen die Türkei haben die spanischen Konsuln der kriegführenden Länder den ausdrücklichen Befehl erhalten, alles zu tun, was in ihrer Macht stehe, um Leben und Gut der Sephardim zu schützen. Außerdem hat der Meinungsaustausch Pulidös und seiner Anhänger die öffentliche Meinung in Spanion für andere praktischere Unternehmungen vorbereitet, die nur auf den günstigsten Moment warteten. Gemäß dem französisch-spanischen Vertrage über Marokko übernahm Spanien das Protektorat über ein Gebiet, in dem 25 000 Sephardim wohnen. Die spanische Regierung hat den Juden ihres marokkanischen Gebietes Religionsfreiheit gewährt und hat sie unter ihren Schutz genommen; es wurden spanisch-hebräische Assoziationen gegründet, deren Ehrenpräsidium sogar König Alfons XIII. übernahm. Die Regierung hat den bekannten Orientalisten Dr. Y a h u d a nach Madrid berufen und hat ihn beauftragt, eine Reihe von Vorträgen über das interessante Thema „Jüdische Zivilisation auf der Halbinsel und die augenblickliche Lage der- Sephardim" zu halten. Dr. Yahuda hat bereits einige Vorträge gehalten, die großen Beifall gefunden haben. Bekannte Politiker der verschiedenen Parteien, ehemalige Minister, Kongreß- und Senatsmitglieder, Diplomaten, Offiziere und sogar Priester haben diese Vorträge mit großem Interesse verfolgt. Nachdem sich nun die Regierung von dem Erfolg dieser Vorträge überzeugt hat, plant sie für die Universität Madrid die Schaffung eines Lehrstuhls für hebräische Wissenschaft und Literatur. Sie will dadurch die jüdischen Studenten, besonders diejenigen, die aus dem spanischen Marokko stammen, nach Madrid ziehen, und hat die Absicht, diesen Lehrstuhl Dr. Yahuda anzubieten. So liegen augenblicklich in Spanien die Verhältnisse in bezug auf die Juden. Ich glaube, daß die ganze jüdische Welt eine freudige Genugtuung über diese den Juden so günstige Entwicklung empfinden wird, die den Juden, welche unter spanischer Hoheit stehen, ein glücklicheres Los schaffen kann. Ich selbst bin, als Nachkomme einer alten jüdischen Familie aus dem 15. Jahrhundert, stolz darauf, meinen Brüdern in aller Welt diese frohe Botschaft bringen zu können. Madrid. R. Cansinos-Assens. Zu diesem Berichte schreibt uns Herr Dr. A. S. Yahuda in einem Briefe aus Madrid vom 22. April: „Ich habe weder für Immigrationspläne noch für sonstige phantastische Pläne Interesse. Mein einziger Wunsch ist, daß die Regierung die marokkanischen Juden in jeder Beziehung fördert, und wenn ich hier bleiben sollte, wozu ich mich noch nicht entschlossen habe, würde ich natürlich als meine Aufgabe betrachten, der Wissenschaft des Judentums in weitgehendstem Maße zu dienen." uriCQicniqna Das Schicksal Salonikis - (Von unserem Berichterstatter.) r.— Wie vorauszusehen war, geht Saloniki, seit es unter griechischer Herrschaft steht, langsam zurück und mit ihm unsere große und mächtige jüdische Gemeinde, da fast der ganze Handel in den Händen unserer Glaubensgenossen liegt. Die gewaltigen Umwälzungen auf dem Balkan, die sich in den letzten zwei Jahren mit unerhörter Schnelligkeit vollzogen haben, haben bewirkt, daß Saloniki, dessen Handel sich unter der türkischen Herrschaft auf ein sehr großes Gebiet erstreckte, jetzt vollständig von allen seinen Absatzgebieten abgeschlossen ist. Saloniki hat das ganze Hinterland, wo bisher alle Waren in Massen abgesetzt werden konnten, verloren, und infolgedessen erfüllt die von Tag zu Tag deutlicher werdende Abnahme aller Geschäftsbeziehungen die Einwohner mit großer Sorge. Das geschäftliche Leben stockt vollständig; Saloniki, die ehemalige Königin unter den Städten des Orients, ist zu einem langsamen Absterben verurteilt. Unsere Kaufleute und Handwerker wandern aus. Hunderte von unseren Glaubensgenossen gehen nach anderen Orten, wie Smyrna und Konstantinopel, um sich dort eine neue Existenz zu schaffen, und nehmen die Kapitalien mit, die unser Land befruchten und unseren Handel heben sollten. Der Kredit, der sich auf viele Millionen belief, nimmt ab, und unsere Kaufleute arbeiten ohne Nutzen. Die Angestellten beeilen sich in anderen Städten unterzukommen. Auch die kapitalkräftigen Elemente der anderen Nationen verlassen unsere Stadt, so daß der geschäftliche Ruin unvermeidlich ist. Die Entwicklung ist, so lange Saloniki von seinem Hinterlande abgeschnitten ist, unabänderlich, und deshalb denkt man bei uns daran, die Auswanderung in eine bestimmte Richtung zu lenken. Die hiesige jüdische Presse schlägt die Gründung einer Auswanderungsbank vor. Ein Informationsbureau für Palästina wird sich in nächster Zeit in unserer Stadt etablieren. Amerika iiiiiiiiiiiiiiuiniiiiniiniiiinuiüiiiuiii „Bezalel“-Ausstellungen (Von unserem Berichterstatter.) Io.— Professor Boris Schatz, der Gründer und Leiter der jüdischen Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem, hat in einer Reihe amerikanischer Städte Ausstellungen der Erzeugnisse dieser Anstalt arrangiert. Die letzte Ausstellung des „Bezalel" in Amerika wurde am 15. April in der Clinton Hall in New York geschlossen. „ Bezalel"-Ausstellungen fanden ferner statt in New York in dem großen Madison Square Garden, in Baltimore, Chicago, St. Louis und Cincinnati. Andere Städte konnten nicht mehr besucht werden, da zu viele Waren verkauft worden waren und die Käufer die erworbenen Gegenstände der Ausstellung nicht länger überlassen wollten. 02010001010202010200230023 513132025

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