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Die Welt · 1914-05-08 · 19 (8.5.1914) · p. 464

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
19 (8.5.1914)
Article
Der jüdische Gemeindetag gegen den Boykott
Date
1914-05-08
Page
464 (sequence 2)
Language
German
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Nt. 19 463 Der jüdische Gemeindetag gegen den Boykott (Von unserem galizischen Berichterstatter) w.— Der wirtschaftliche Boykott nach dem in Russisch- Polen geschaffenen Muster ist seit Monaten auch in mehreren Städten Galiziens durchgeführt. Vom ersten Tage an vertraten die Zionisten den Standpunkt, die ganze Judenheit müsse sich möglichst rasch auf der gemeinsamen Grundlage der wirtschaftlichen Abwehr zusammenfinden. Die Assimilanten meinten, dies sei nicht richtig, es könne eher Schaden bringen, der Boykott sei „totzuschweigen". Die Boykottbewegung aber hat nicht geschwiegen, sie ist indessen groß und mächtig geworden. Nun beginnt man sogar dort, wo sonst Friedhofsstille zu herrschen pflegt, in den kleinen galizischen Kultusstuben, einzusehen, daß endlich etwas geschehen muß. Und so hat der Kultusrat in Saiöbor vorgeschlagen, der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Lemberg möge eine Tagung der Vertreter aller Kultusgemeinden des Landes und der jüdischen Parteien einberufen, damit diese Versammlung im Namen der ganzen Judenheit des Landes gegen die Boykottagitation Stellung nehme. Der Kultusrat in Sanok hat die Einberufung einer Kultusgemeindenkonferenz verlangt, die eine Landesorganisation der jüdischen Gemeinden schaffen soll. Der Vorstand der Lemberger Kultusgemeinde hat beschlossen, einen jüdischen Gemeindetäg einzuberufen, der sowohl über die Frage der Organisation der Kultusgemeinden wie über die Abwehr des Boykotts schlüssig werden soll Vorher werden die jüdischen Reichsrats- und Landtagsabgeordneten zu einer Beratung zusammentreten. Die Bestrebungen zum Zusammenschluß der jüdischen Kultusgemeinden dauern bereits mehrere Jahre. Im Jahre 1908 fand eine Reichskonferenz der jüdischen Gemeinden Oesterreichs in Wien statt, die die Bildung eines jüdischen Gemieindebundes für Oesterreich beschloß. Da kam aber der Widerstand der galizischen Kahalmachthaber unter Führung Samuels von Horowitz. Im Winter desselben Jahres wurde nach Lemberg eine Konferenz der Kultusgemeinden Galiziens einberufen, man entdeckte einen galizischen Provinzpatriotismus und Bedenken der orthodoxen Judenheit: die in Wien eingeleitete Aktion verrann im Sande. Der Boykott erst mußte das Gewissen wachrufen und indirekt diese wichtige jüdische Tat veranlassen. UWMIllll^ Ungarn iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim Eine „historische" Darstellung des palästinensischen Sprachenkampfes (Von unserem Budapester Berichterstatter.) 1.1.— „Magyar-Zsidö Szemle" (Ungarisch-Jüdische Rundschau, nicht zu verwechseln mit der zionistischen „Zsidö Szemle'*) ist eine jüdisch-wissenschaftliche Vierteljahrsschrift, die einzige ihrer Art in Ungarn. Die Zeitschrift verirrt sich bisweilen auch auf höchst unwissenschaftliche Wege. So veröffentlicht im Aprilheft der liberale Rabbiner Dr. Ludwig Venetianer eine Darstellung des palästinensischen Sprachenkampfes, die wir hier in Kürze wiedergeben wollen, um zu zeigen, wie hierzulande die „historische" Darstellung eines liberalen Rabbiners (Dr. Venetianer doziert an der Landes- Rabbmerschule jüdische Geschichte!) aussieht. Nach der Skizzierung der Vorgeschichte und des ersten Beschlusses des Kuratoriums, schreibt Dr. Venetianer: „Hierauf brach der Krieg los. Die zionistischen Mitglieder des Berliner Kuratoriums des Hilfsvereins (!), Ginsberg, Levin und Tschlenow, brachten die zionistischen Organisationen der ganzen Welt in Bewegung, welch« gegen das angeblich auf die hebräische Sprache zu verübende Attentat lebhaften Protest erhoben. Unter dem Eindrücke der Bewegung der Zionisten (!) inszenierten die Schüler und die Lehrer der palästinensischen Schulen des Hilfsvereins einen Streik, die drei zionistischen Mitglieder dankten ab, die Zeitungen befaßten sich mit dieser Sache als mit einer Frage von weitgehender politischer Bedeutung, da die Zionisten die Stellungnahme des Hilfsvereins bezüglich der Unterrichtssprache am Technikum in Haifa als eine Stellungnahme im Interesse der deutschen Politik bezeichneten. Dieser letztere Verdacht rief auch die Vertreter der französischen und amerikanischen Interessen vor die Schranken (!), durch deren Erklärungen die Zionisten derart aufgestachelt wurden, daß sie jede gemäßigtere Erwägung und alle Vermittlungsvorschläge rundweg ablehnten." Es folgt nun der Beschluß vom 22. Februar d. J., und hierzu äußert sich Herr Dr. Venetianer wie folgt: „Da diese Beschlüsse mit Zustimmung des amerikanischen Komitees gefaßt wurden, welches zur Erhaltung des Technikums den größten Beitrag leistet, konnten die Zionisten gar nichts dagegen tun (!), obwohl bereits früher Professor Philippson im Namen des Hilfsvereins (!) den Zionisten einen im wesentlichen identischen (!) Vermittlungsvorschlag machte, von dem sie jedoch nichts hören wollten/' Es darf uns nicht wundernehmen, daß diese sonderbare Darstellung mit folgenden Ratschlägen abschließt: „Im Interesse der palästinensischen hebräischen Kultur wäre es erwünscht, daß die zionistische Leitung — trotz des Punktes, der die drei ausgetretenen Zionistenführer in das Kuratorium wieder aufzunehmen nicht geneigt ist (!) — mit weiser Mäßigung sich dem Beschlüsse füge usw.“ So lautet in Kürze die „magyarisch-jüdisch-wissenschaftliche" Schilderung des palästinensischen Sprachenkampfes. Der Artikelschreiber und der Redakteur der „M. Zs. Sz." Dr. Blau aber lehren Geschichte am Budapester Rabbinersemi- IIl!lil!lli!!!i!!l!!!lIi!!l!!l!l!!III!l!!! Italien nimüiiinüiiiiiniiiiiiiiiiiifiiniiniiiiinn Der Kongreß der jüdischen Gemeinden Italiens in Rom (Von unserem Berichterstatter.) 1.— Das Zentralkomitee des „Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens“ hat soeben ein „Communique" versandt, in dem es mitteilt, daß der seit langem geplante Kongreß der jüdischen Gemeinden Italiens für den 11. Mai festgesetzt worden ist. Es war die höchste Zeit, diesen so lange geplanten und immer wieder aus nichtigen Gründen verschobenen Kongreß einzuberufen. So z. B. ist die Oberrabbinatsfrage in Tripolis noch immer nicht gelöst, auch erfordert die allgemeine Lage der tripolitanischen Juden eine baldige Klärung. Außer diesen Fragen soll vor allem die Schaffung einer gesetzlichen Repräsentanz des italienischen Judentums, die Organisation der kleineren mittellosen Gemeinden und vieles anere zur Sprache kommen. Der internationale Frauenkongreß in Rom und die jüdischen Frauen 1.— Mitte Mai findet in Rom der internationale Kongreß der Frauenorganisationen aller Länder statt, in dem über alle Fragen, welche die Stellung der Frau im politischen, sozialen und Berufsleben betreffen, verhandelt werden soll. Wie die „Setfiman a" zu berichten weiß, werden an diesem Kongresse auch mehrere Delegierte der jüdischen Frauenorganisationen Deutschlands und Englands teilnehmen. Außerdem wünschen die jüdischen Frauenorganisationen bei dieser Gelegenheit in Rom eine besondere Versammlung der jüdischen Frauen einzuberufen. Die Leiterinnen der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland und England

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