Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1914-05-08 · 19 (8.5.1914) · p. 461

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
19 (8.5.1914)
Article
Jaffaer Chronik
Date
1914-05-08
Page
461 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316625-3316644--60600-3354150
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 19 461 &IE2§KELT Jaffaer Chronik In den Monaten Februar und März wurde im Jaffaer Hafen der größte Teil der diesjährigen Orangenproduktion des Landes nach England und anderen europäischen Absatzgebieten, sowie nach Amerika und zum Teil sogar nach Australien verladen. Zu Beginn des Monats Februar waren die erzielten Preise in Liverpool, dem Hauptabsatzgebiet, sehr ungünstig; diese besserten sich aber gegen Ende des Monats und während des Monats März, so daß gegen den Schluß sogar recht gute Preise bezahlt wurden, was einen sehr guten Einfluß auf den Jaffaer Markt hatte. Die Exporteure kamen dadurch in die Lage, ihre bei Beginn der Saison eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Für die Orangenkistenfabrikation wurden bedeutende Holzmengen eingeführt, so daß sehr große Vorräte vorhanden sind, von denen ein beträchtlicher Teil wohl erst in der nächsten Saison verarbeitet werden wird. Die Mehlzüfuhren aus europäischen und türkischen Häfen haben in Anbetracht der günstigen Aussichten für eine gute Getreideernte sehr abgenommen. Da die Spätregen rechtzeitig eingetroffen sind, rechnet man auf eine sehr gute Getreideernte und somit auf ein recht reges Exportgeschäft in Gerste nach England. Die eingetroffenen Spätregen kommen auch den Sommersaaten, wie Sesam und Mais, sehr zustatten. ln letzter Zeit ist eine starke Abwanderung des arabischländlichen Elements nach Nord- und Südamerika zu verzeichnen. Nachdem in früheren Jahren die christliche Bevölkerung, und zwar hauptsächlich aus den Städten Bethlehem und dem benachbarten Bedschala, das Hauptkontingent stellte, folgen jetzt auch die mohammedanischen Landleute aus der Umgebung von Jerusalem. Die Ursache der starken Auswanderung ist der Mangel an geeigneter Beschäftigung. Die Auswanderung der arabischen Bevölkerung findet ein gewisses Gegengewicht in der Zuwanderung des jüdischen Elements, doch vollzieht sich diese meist nach der Stadt Jaffa und den benachbarten jüdischen Kolonien. Zweite Palästinawanderfahrt jüdischer Turner und Studenten*) (Von einem Teilnehmer.) III. Alexandrien, 23. April 1914. r. k.— Peßach waren wir in Jerusalem. Als junge Zionisten hatten wir uns auf eine gewisse Enttäuschung vorbereitet. Wir haben doch mehr gefunden, als wir erwartet hatten. Auch uns, die wir in der Gegenwart und — Zukunft wurzeln, hat die große Vergangenheit unseres Volkes in ihren Bann geschlagen. Die letzte Woche war den jüdischen Kolonien gewidmet: Erst sahen wir die Musterwirtschaft des N.-F. Ben-Schemen, dann gings nach Rechoboth zur Chag i g a h. Nachdem wir Karra, Kastinie und E k r o n besucht hatten, marschierten wir zum Schluß nach dem vornehmen Rischon le-Zion, in dessen prächtigem Palmengarten wir uns von den letzten Strapazen erholen konnten. Dann noch ein Tag in Jaffa, und wir gingen an Bord des „Baron Gail". Was wir gesehen haben, hat uns mit neuer Zuversicht erfüllt. Die Aufnahme, die wir fanden, war seitens der älteren Kolonisten ungemein herzlich, und gar erst die arbeitende Jugend empfing uns in einem Sturm der Begeisterung, der auf uns „zivilisierte" Europäer oft wie ein Naturereignis wirkte. Vergl. Nr. 15 und 16 der „Welt". Die Schüler des hebräischen Gymnasiums in Jerusalem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.