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Die Welt · 1914-05-08 · 19 (8.5.1914) · p. 460

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
19 (8.5.1914)
Article
Grundsteinlegung zu einem neuen jüdischen Hospital in Jaffa
Date
1914-05-08
Page
460 (sequence 2)
Language
German
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460 Nr. 19 DIE3§gELT zu jener Zeit, als sich die große jüdische Oeffentlichkeit noch in der Maienblüte der Assimilation befand, gar nicht leicht, Gelder für Palästina und zumal für das werktätige Jaffa, dem der Nimbus des Thorah-Studiums abging, zu bekommen. Schon schien es, daß alle Mühe vergeblich sei, da gelang es dem edlen Palästinafreunde Zadoc Kahn, dem Oberrabbiner von Frankreich, von der Baronin Hirsch einige Tage vor ihrem Ableben den für den Erwerb des Bauterrains nötigen Betrag zu erhalten. Seither hat Jaffa ein jüdisches Hospital. Es hat viel Segen gestiftet und Unzähligen geholfen, ihre Gesundheit wiederzuerlangen. Liest man die Jahresberichte, so wundert man sich über die große Zahl der Kranken, die das Hospital aufnimmt. Schreiber dieser Zeilen hatte als Patient und sonst Gelegenheit, den inneren Betrieb des Krankenhauses verschiedentlich zu beobachten und kann bezeugen, daß die Verwaltung, sich alle Mühe gibt, ihrer Aufgabe in vollstem Maße gerecht zu werden. Gleichwohl hat dieses Hospital einen Fehler: das Gebäude ist alt und baufällig und auch die Gründer und Leiter sind etwas gealtert. Sie haben sich mit der neuen Einwanderung, die bald zehn Jahre vor sich geht, nicht abfinden können. Sie haben geglaubt, daß die alten patriarchalischen Zustände immer fortdauem würden. Inzwischen siedelten sich aber immer neue Mengen in der Stadt und den Kolonien an, neue Stadtviertel wurden errichtet, Schulen entstanden, die heute in Jaffa allein mehr als 2000 Schüler zählen, allmählich bildeten sich neue Formen auch auf dem Gebiete der Verwaltung und der sozialen Arbeit heraus, — die alten Gründer aber, die zum Teil prächtige Menschen sind, standen der ganzen Umwandlung der Lebensverhältnisse fast verständnislos gegenüber. Letzten Endes ergab sich für die neue Generation die Notwendigkeit, — auch ein neues Hospital zu bauen. Aehnlich erging es übrigens auch den Jaffaer Deutschen. Sie zählen in Jaffa, Sarona und Wilhelma kaum 2000 Seelen. Die jährlichen Unterhaltungskosten ihres jetzigen alten Hospitals betragen nicht viel mehr als 6000 Frcs. Und sie schreiten jetzt an einen Neubau, der ca. SO 000 Frcs. kosten wird. Allerdings errichten sie auch eine besondere Abteilung für die einheimische, arabische Bevölkerung, was wir uns, bei aller Liebe für die Araber noch nicht leisten können, da für unsere eigenen Kranken noch nicht genügend gesorgt ist. Das für das neue jüdische Hospital nötige Terrain hat der Jüdische Nationalfonds erworben. Es befindet sich in Chewra Chadascha, also anschließend an Tel-Awiw, und hat eine bevorzugte Lage. Es ist 4,50 m höher als die vorgelagerten Bauplätze und liegt an zwei Straßen. Es wird ein Plateau hergestellt, das ca. 22 m über dem Meeresspiegel liegend, vier von den geplanten Gebäuden tragen soll. Ein fahrbarer Verbindungsweg wird das Plateau durchqueren und auf dem Reststück in einer Serpentine absteigen. Man wird vom Krankenhause die Aussicht auf die Altstadt und das Meer rundum haben und die kühlen Seewinde werden den Gebäuden zu allen Jahreszeiten frische Luft zuführen. Der Entwurf, der vom Architekten Richard Michel herrührt, sieht vier zweigeschossige und ein eingeschossiges Gebäude vor. Die zweigeschossigen Gebäude kommen, wie bereits angedeutet, auf das Plateau. Ein Nordbau und ein Südbau haben je 45,30 X 15,80, und ein Ambulatorium und ein Wirtschaftsgebäude haben je 15,80 X 15,80 m. Dieser Plan zeigt, daß die Initiatoren hier etwas Ganzes schaffen wollen. Der Nordbau soll im Erdgeschoß eine chirurgische Abteilung mit 18 Betten enthalten. Getrennte Eingänge für Männer und Frauen. Je ein Tagraum, eine Liegehalle nach der Seeseite, eine Teeküche, einen Operationssaal mit Nebenräumen, ein Wärterzimmer, ein W. C. — Ins Obergeschoß kommt eine Abteilung für Nervenkranke, Hallen, Terrassen, Räume für hydropathische, gymnastische und elektrische The- Der Südbau soll im Erdgeschoß eine Abteilung für Geburtshilfe und Kinder enthalten; in der Abteilung für Geburtshilfe zwölf Betten, ein Zimmer für Gebärende mit anschließendem Operationszimmer, Tagraum, Nebenräume; in der Kinderabteilung zehn Betten, ein Ammenzimmer, Reserveräume. Im Obergeschoß Abteilung für Frauenkrankheiten. Der dritte Bau enthält Ambulatorium: im Erdgeschoß Pförtner, ein Wartezimmer, zwei Sprechzimmer, eines für den Augenarzt mit Dunkelzimmer, Operationszimmer, Apotheke mit Laboratorium und Toiletten. Im Obergeschoß: Sitzungssaal für Konferenzen, zwei Bureauräume für die Verwaltung, Bibliothek, zwei Zimmer als Wohnung für einen Arzt. Das vierte Wirtschaftsgebäude hat einen Keller für Vorräte und Desinfektionsanlage. Im Erdgeschoß befinden sich Abfertigungsräume, Küche, Spülküche, Anrichte, Waschküche, Plättstube, Wäschekammern, Kleiderkammer. Ins Obergeschoß kommen Wohn- und Schlafräume für das Personal. Außer diesen vier Bauten auf dem Plateau kommt etwas niedriger ein Isoliergebäude von 31,40 X 5,50 m. Fünf Systeme mit je einer Vorhalle, ein Krankenzimmer mit zwei Betten, ein Wärterzimmer, ein W. C. — Für Erweiterungen sind Räume reserviert. — Dieser -Entwurf hat volle Zustimmung bei der medizinischen Gesellschaft; sowie bei der Baukommission und den Stiftern gefunden. Wie bereits erwähnt, hat der J. N F. das Terrain, welches 20 000 Frcs. kostete, zur Verfügung gestellt. Außerdem spendeten größere Beträge: Herr Wischniak aus Moskau 30000 Francs, Frau §.chub aus Moskau 20 000 Frcs., aus dem Nachlaß des Gesinnungsgenossen Koppelmann aus Petersburg 40 000 Frcs. Dank diesen Spenden werden bereits in diesem Jahre die Erdgeschosse vom Nordbau und vom Ambulatorium zur Ausführung gelangen. Bei der Grundsteinlegung wurden Ansprachen gehalten vom Chacham Baschi, den Herren Scheinkin, Ko h n und Dr. Puchowsky. Mit der Legung des ersten Steines wurde Dr. Ru pp in als Vertreter des J. N.-F. betraut. An unsere Leser! Die Zionisten der ganzen Welt werden in einigen Wochen den zehnten Todestag Theodor Herzls begehen. Die „Welt“ als erste zionistische Schöpfung Herzls sieht es als ihre vornehme Pflicht an, zum zehnten Todestage Herzls eine besondere Hcrzl- Gedenknummer herauszugeben. An unsere Freunde und Leser richten wir die Bitte, sich für eine starke Verbreitung der Herzl-Gedenknummer einzusetzen. Kein Zionist soll verabsäumen, rechtzeitig ein Exemplar zu bestellen. Die Herzl-Gedenknummer erscheint am 3. fuli d. J. Der Preis beträgt für Nichtabonnenten. Deutschland in allen übrigen u. Oesterr. - Ung. Ländern in einfacher Ausführung M. 0.60 M. 0.70 auf holzfreiem Papier, gebd. „ 1.— ,, 1.20 Den zionistischen Gruppen, Vertrauensmännern und Kolporteuren berechnen wir die Nummer in einfacher Ausführung bei Abnahme von 10 Exemplaren mit 25 50 100 in Deutschland u. Oesterr.-Ung. M. 5.50 „ 13.50 „ 25.— „ 45.- in allen übrigen Ländern M. 650 ., 1550 „ 28.— „ 50.— Die Abonnenten der „ Welt“ erhalten die Herzl- Gedenknummer gratis.Jedoch kann nur jenen Abonnenten eine pünktliche Zustellung der Nummer gewährleistet werden, die mit der Einzahlung des Abonnementsbetrages nicht im Rückstände sind. Verlag „DIE WELT“, Berlin W15, Sächsische Str. 8.

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