Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 18 (1.5.1914)
- Article
- Die Chagigah in Rechoboth
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 444 (sequence 2)
- Language
- German
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444 &IE2&ELT Nr. 18 Dann aber sind wir bald auf dem weiten Spielplatz hinter der hübschen Dorf Synagoge. Ein Zug junger Jemeniten marschiert in Reih’ und Glied vorbei. Es ist einer der Jemenitenvereine aus Jaffa. Zum erstenmal beteiligen sie sich an der Chagigah als besondere Gruppe. Freudenschüsse ertönen. Die Jugend tummelt sich auf schmucken Pferden. Man besichtigt die bescheidene Ausstellung, die von verschiedenen Instituten, Kaufleuten und Kolonisten beschickt ist. Die Masse sieht diesmal in besonders freudiger Erwartung der Festrede entgegen. Haben doch die Veranstalter bekannt gegeben, daß S o k o 1 o w sprechen wird. Die ihn hier hören wollen, sind fast alle gewissermaßen seine vertrauten Freunde: sie lesen ihn seit Jahrzehnten in der „Hazephira“. Als Sokolow die Tribüne besteigt, wird er von dem tausendköpfigen Publikum mit brausendem „Jechi Sokoko- 1 o w" (Es lebe Sokolow!) begrüßt. Er beginnt seine Ansprache in schlichten Worten. Es tue ihm leid, dem Publikum auch nur Minuten zu rauben. Denn kostbar seien diese Minuten, besonders für diejenigen, die aus dem fernen Galuth nach Erez Israel gepilgert sind, um hier ein neues jüdisches Leben zu sehen. Diese würden auch bald ein Stück Altneuland, die Auferstehung des antiken Juden, der auf dieser Scholle und unter diesem hellblauen Himmel vor Jahrtausenden wandelte, zu sehen bekommen. Was aber lehrt uns diese große Erscheinung? Hier gibt Sokolow eine feinsinnige Analyse des Galuth, in dem das jüdische Volk als notwendige Organe im Lebenskämpfe die passiven Tugenden, die des Erduldens und der Anpassung, entwickeln mußte. Im Gegensatz dazu ist der junge Jude in Palästina, der sich hier ein eigenes Leben schaffen will, darauf angewiesen, alle aktiven Energien in seiner Seele wachzurufen, alle tätigen Tugenden zur Entfaltung zu bringen. In diesem Sinne ist das älteste Kulturvolk zugleich das jüngste der Völker. Die Jugend, die wir hier vor uns sehen, hat alle Fertigkeiten des Leibes und des Geistes sich zu eigen zu machen gesucht, nur die Kunst des Kriechens und des Katzbuckelns versteht sie nicht. Dies führt dazu, daß mitunter die ältere Generation die jüngere nicht mehr versteht. Die älteren Palästinenser sollten sich aber ihre eigene Jugend in Erinnerung rufen, um zu einer gerechten Würdigung der jetzt aufwärtsstrebenden Generation zu gelangen. Gerade Rechoboth ist der geeignete Platz für solche Betrachtungen. Es ist geweihter Boden. Seit Jahrzehnten müht man sich hier um das jüdische Siedlungswerk. Was wir hier sehen, ist nicht die Frucht weniger Augenblicke, sondern rastloser Anstrengungen ungezählter Männer und Frauen. Gleichwohl sei dies im Grunde nur ein Anfang; die eigentliche Arbeit soll erst beginnen. Wir dürfen uns daher heute mit Recht frohen Gefühlen hingeben. Unsere Betrübnis ist es bloß, daß wir hier noch ein kleines Häuflein von einigen tausend Juden sind, während Millionen Brüder und Schwestern draußen im Galuth leben müssen. Laßt uns dafür sorgen, daß am Ende ein freies, glückliches Volk hier leben könne! Lauter Beifall unterbrach den Redner und erscholl besonders mächtig zum Schluß der Rede. Als Sokolow die Tribüne bereits längst verlassen hatte, umstand ihn noch eine lange Weile die dicht gedrängte Menge, über die Worte sinnend, die er gesprochen, und dem Banne sich hingebend, den eine herrliche Natur im Verein mit emsiger Kulturarbeit hier bot. Nur langsam ging man auseinander. Die Spiele begannen . . . iDiuiiiuiiiiiiinniiiiiui AUS DER BEWEGUNG AUSWEIS 'Schekel 5674 Gesamteingänge bis 20. April 1914 Order of Ancient Maccabeans.JL 2060.40 Vereinigte Staaten von Nordamerika, Federation of American Zionists (Spezif. folgt) . . „ 2028.05 Kanada Federation of Zionists Societies of Canada (Spezifikation folgt).„ 726.75 Argentinien. Comite Central del Partido Sionista en (Spezifikation folgt),. Argentina 589.61 Holland. Nederlandsche Zionistenbond: Ortsgruppe Twente . „ Noord Brabant. „ Amsterdam. Misrachi. Ohne Spezifikation. Fl. 43.80 „ 57.60 97.80 „ 118.20 „ 1.80 „ 27.60 Fl. 346.80 „ , 578.80 Griechenland. Societe Sioniste, Corfu . „ Nordau, Saloniki. - M. 100.— - ,. 160.— , . 260 — Rumänien. Federatiunea Zionistilor din Romania (Spezif. folgt) , , 80 — Westösterreich. Zionistisches Zentralbureau für Westösterreich (Spezifikation folgt)., , 36.46 Südafrika. South African Zionist Federation (Spezif. folgt) . . , , 33.76 Spezifikation folgt . Rußland. Spezifikation folgt - Aegypten. Deutschland Italien. - - - „ 4 — . . .. 3.21 M. 6440.44 Hebräische Universitäts- Bibliothek Jerusalem Von verschiedenen Freunden der Universitätsidee werden Fragen über die Universitätsbibliothek an uns gerichtet, die hier kurze Beantwortung finden sollen. Da ist zuerst die immer wiederkehrende Frage, ob die Bibliothek nur hebräische oder nur jüdische Bücher annehme. Gewiß müssen wir alle jüdischen und hebräischen Bücher erwerben. Aber für die wissenschaftlichen Forschungsinstitute, aus denen die Universität erwachsen wird, und für den ganzen Universitäts-Unterricht bedürfen wir aller Bücher in jeder Sprache und aus jeder Wissenschaft und jeder Literatur. Selbstverständlich ist die fachwissenschaftliche Literatur die allerwichtigste. Aber auch der Belletristik bedürfen wir durchaus. Eine zweite Frage, die ebenfalls schon jetzt beantwortet werden muß, geht dahin, ob es denn notwendig oder auch nur wünschenswert ist, daß schon jetzt Bücher an die Sammelstelle abgeführt werden. Es müsse doch genügen, wenn man später nach erfolgter Gründung der Universität Bücher sammele und der Biblio- 535348484853484853484848485353