Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 18 (1.5.1914)
- Article
- Verein für Statistik der Juden Galiziens [Nachricht]
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 441 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 18 441 zu verzeichnen hat, Dr. Michael Ringel und Dr. Menachem Schnorak gelungen, einen „Verein für jüdische Statistik" in Lemberg ins Leben zu rufen, dem Vertreter aller jüdischen politischen Parteien beigetreten sind. Von der konstituierenden Versammlung, die am IS. April im Saale der Kultusgemeinde stattgefunden hat, wurden Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Diamand zum Vorsitzenden, Dr. Michael Ringel zum Stellvertreter, in den Ausschuß von Zionisten Moses F rostig und Dr. Max Rosenfeld gewählt T Aa ■ ■ i% illllUlllllUIlUllUlUlllliUlllllllllullllIllll Ungarn „Judenreine“ Wahlkreiseinteilung (Von unserem Berichterstatter.) 1.1.— In einem Jahre läuft die jetzige Legislaturperiode des ungarischen Abgeordnetenhauses ab. Die Neuwahlen werden bereits auf Grund der neuen Wahlreform stattfinden, die eine Erweiterung des bestehenden Wahlrechts vorsieht. Die Wahlrcform hat auch zu einer Aenderung der längst als reformbedürftig empfundenen Wahlkreiseinteilung geführt. Sonderbarerweise — unerforschlich sind die Wege aller „liberalen“ Regierungsparteien — wurde aber im Wahlreformgesetze der Regierung allein das Recht eingeräumt, die Wahlkreiseinteilung vorzunehmen. Man kann sich leicht denken, wie die neue Wahlgeometrie ausgefallen ist. Budapest entsendet statt der bisherigen neun — einundzwanzig Deputierte. Die von Juden bewohnten Bezirke sind gerade in der Mitte durch eine Scheidelinie getrennt worden, so zum Beispiel der Stadtteil, wo sich zumeist aus Galizien und Rußland stammende Juden angesiedelt haben, oder der sehr stark von Juden bevölkerte — im Volksmunde wegen seines raschen „amerikanischen" Aufblühens „Chicago" genannte Stadtteil. Unförmige Wahlkreise wurden geschaffen, nur um die Bildung jüdischer .Majoritäten unmöglich zu machen. Diese Absicht tritt mit einer solchen Deutlichkeit zutage, daß sie unmöglich wegzudisputieren ist. Die Budapester Judenschaft aber tut so, als ginge sie die ganze Angelegenheit nichts an. Kein Mensch hat sich zur Wahrung der jüdischen Interessen gerührt. Da es sich nicht darum handelte, gegen den Zionismus Stellung zu nehmen, hielt es weder die neoioge Landeskanzlei, noch die orthodoxe Zentralkanzlei, noch irgendeine andere Körperschaft, die sonst vorgibt, gesamtjüdische Interessen zu vertreten, für notwendig, einzugreifen. Da speziell diese Verordnung über die Wahlkreiseinteilung nur durch ein Gesetz abgändert werden kann, ist für unabsehbare Zeiten die Bildung jüdischer Majoritäten und somit die Interessenvertretung einer geschlossenen jüdischen Bevölkerung von 200000 Seelen unmöglich gemacht. Dies ist das traurige Fazit der amtlichen Wahlgeometrie und der politischen Unreife unserer Judenschaft. imniiiiiiiiimtiimniiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiii iiiüuuuiuiiuiuumiiittiiiiiiitiiiiiiiiuiiii uanen Oberrabbiner Dr. Colombo über Palästina und Zionismus (Von unserem Berichterstatter.)!.— Vor kurzem hielt der hochangesehene Oberrabbiner von Livorno, Dr. Samuele Colombo, Rektor des Livornoer Rabbiner-Seminars, eine interessante Predigt über die heutigen Strömungen im Judentum, in der er auch die Frage des jüdischen Nationalismus berührte. Dr. Colombo ist ein Schüler und Fortsetzer der bekannten mystischen Richtung im italienischen Judentum, die durch den berühmten Elia Benamozegh begründet wurde, den Verfasser von vielen bedeutenden Werken in italienischer und französischer Sprache über den jüdischen Mystizismus und über die jüdische Ethik. (Sein hinterlassenes großangelegtes Werk „Israel et rHumanite“ ist vor kurzem in Paris bei Leroux mit einer Einleitung des bekannten französischen Gelehrten Hyacinthe Loyson erschienen.) Dr. Colombo führte etwa folgendes aus: In unseren jüdischen Zeitschriften wird seit einigen Monaten ein lebhafter und interessanter Kampf über die Frage ausgekochten : „W elches ist und welches muß unser wahres Vaterland sein? Welches ist die Heimat, an der wir, als Juden, mehr hängen müssen: Italien oder Palästina?" Unser Vaterland, antworten die einen, ist Palästina und kein anderes, unser altes und zukünftiges Vaterland; Italien und die übrigen Länder sind für uns nur Exilländer. Unser Vaterland, antworten die anderen, ist Italien und kein anderes; Palästina ist bereits seit Jahrhunderten nicht mehr unsere Heimat. Sowohl die einen als die anderen — meint Dr. Colombo — hätten Unrecht. Wie könnte Israel seiner Heimat Palästina vergessen, da es, als es sich ins Exil begab, den feierlichen Schwur tat, es nie zu vergessen, und da all unsere Gebete eine fortwährende Sehnsucht nach dieser Rückkehr sind? Andererseits sei uns von unseren Weisen geboten, auch unserer Pflichten gegenüber den Ländern des Exils eingedenk zu sein. Der jüdische Nationalismus könne und dürfe nicht zu einer Verleugnung dieser Pflichten führen. Ein Jude aber, der aus mißverstandenem Patriotismus an der Renaissance von Palästina nicht mitarbeiten wolle, verleugne das religiöse Judentum. Bibel und Talmud seien einig in dem Gedanken, daß außerhalb Palästinas kein volles jüdisches Leben möglich sei. Die Juden müssen Palästina als ihre natürliche Heimat betrachten; wollten sie auch ihre Herkunft vergessen, ihre Gastländer werden sie ihnen immer in Erinnerung bringen. Denn noch heute empfinden die Völker die in ihrer Mitte lebenden Juden — auch die assimiliertesten und getauften — als ihrer Nation fremd. Andererseits müsse die Tatsache des Wiederauflebens des jüdischen Palästina bestimmend sein: ein kleiner Bruchteil unseres zerstreuten Volkes brauchte nur in die alte Heimat zurückzukehren, damit diese ihre alte Fruchtbarkeit wiedergewann und blühende und verheißungsvolle Kolonien entstanden. Viele berufen sich auf den universellen Charakter des Judentums, das sich nicht in die engen Grenzen einer Nationalität einschränken lasse, und sehen in der Zerstreuung sogar eine Art Vorsehung, damit die Juden ihre Mission unter den Völkern erfüllen. Wenn man auch diesen universalistischen Charakter der jüdischen Religion nicht ganz in Abrede stellen kann, so dürfe man nicht vergessen, daß sie vorzüglich die Religion eines besonderen Volkes und eines besonderen kleinen Landes sei. Dieses kleine Land ist das Land dieses Volkes, in dem es sich entwickelt und behauptet hat, in Sem es gekämpft und regiert, genossen und gelitten, gedacht und gebetet hat. Der Redner schließt seine mit edler Begeisterung vorgetragene Rede mit dem Wunsche, daß schließlich alle Juden einsehen mögen, daß die einzige Lösung der Judenfrage die Renaissance des Judentums durch das Wiederaufleben Palästinas ist. Statistik der italienischen Juden 1.— Erst vor kurzem ist die Statistik der Bevölkerung Italiens für das Jahr 1911 veröffentlicht worden. Die Statistik teilt die Bevölkerung auch nach Religionen ein, aber bekanntlich besteht in Italien kein Zwang zur Angabe der Religion, und besonders die Juden machen hiervon einen weiten Gebrauch. Deshalb ist den Zahlen dieser offiziellen Statistik — was die Juden anbetrifft — nicht viel zu trauen. Ungeachtet dessen ist es interessant zu wissen, wie viele Juden Italien „offiziell"