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Die Welt · 1914-05-01 · 18 (1.5.1914) · p. 440

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
18 (1.5.1914)
Article
[Kommentar]
Date
1914-05-01
Page
440 (sequence 2)
Language
German
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440 D1E3qEELT- - - Nr. 18 jüdische Kolonien von gleichem landwirtschaftlichen Typus sich zur Anstellung eines gemeinsamen Agronomen vereinigen. Agr. A. B r i 1 macht Vorschläge zur Bekämpfung der Gommose, einer Krankheit der Orangenbäume. Ing. Agr. Hermann von der landwirtschaftlichen Versuchsstation Atlit schreibt über die zweckmäßige Fütterung des Geflügels. Tier- Arzt Samsonof empfiehlt die in Aegypten angewandten Methoden zur Bekämpfung der Rinderpest. Es folgt der Schluß des Aufsatzes über die Herstellung von Kompost, ferner eine Ergänzung zu dem in einem früheren Hefte erschienenen Artikel über Gartenbau. Eine vielseitige Chronik, die Rubrik „Fragen und Antworten" und eine literarische Rundschau vervollständigen den reichen Inhalt des Heftes. In Nr. 37 des „Moment“ schlägt ein „Zionsfreund" als Gegengewicht gegen die judenfeindliche Hetze gewisser christlich-arabischer Kreise in Palästina die Gründung einer j ü - disch-arabischen Kulturgesellschaft vor, die die älteren und modernen Kulturen der semitischen Völker erforschen, den theoretischen Antisemitismus (der sich ja, wie Ernest Renan hervorhob, gegen die Araber noch in höherem Maße als gegen die Juden richtet) mit wissenschaftlichem Rüstzeug bekämpfen und eine kulturelle Annäherung zwischen den Juden und Arabern anstreben soll. Der Artikelschreiber ist der Meinung, daß eine solche Gesellschaft eine große Anziehungskraft auf die intellektuellen Kreise beider Völker ausüben und zur Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Arabern und Juden auch auf praktisch-gesellschaftlichem Gebiete wesentlich beitragen würde. Die Peßachnummer der in Lemberg von der Organisation der Zionisten Galiziens herausgegebenen jiddischen Tageszeitung „Tagblatt“ enthält eine Begründung der Notwendigkeit der zionistischen Landespolitik von Adolf Stand, die Darstellung einer Ritualmordhetze in Schitomir in Polen im Jahre 1753 von Dr. Meier Bai aban, eine Betrachtung der irländischen Freiheitsbestrebungen von Dr. Leon Reich, eine Charakteristik Israel Zangwills von Dr. S. F. F i n k e 1 - stein, eine Schilderung der traurigen Verhältnisse der Juden in Rußland von Moses Kleinmann. Die Nr. 90 bringt einen Aufsatz über den Liebergang russischer Bauern zum Mosaismus von Dr. E. F. Waschitz. Die Nr. 91 gibt eine Charakteristik des verstorbenen Luzian Brunner von Adolf Stand. Die Nr. 94 veröffentlicht einen Aufsatz über den Antisemitismus im deutschen Wandervogel von M. F. S e i d m a n n. Die Nr. 95 enthält Betrachtungen über zionistische und assimilatorische Ideologie von Moses Frostig. Die in Lemberg in polnischer Sprache zweimal im Monat erscheinende Jugendzeitschrift „Haschachar“ hat unter der Redaktion der Frau Sophie Loewenherz ihren VIII. Jahrgang mit der Herausgabe einer von Naftali Siegel redigierten hebräischen Beilage begonnen. In Nr. 1 schildert u. a. Frau Mirjam Zipper das Purimfest in Palästina. WELTCHRONIK imimimiiiiiuimmimmiimiMiiiniwimwHWiiMiiwmimiiiitmiiwMiiii ^4% IllilllllUllllillllllUllllllllllllllllllll UCalCr IClUl Die Wiener Tagespresse über Lucian Brunner (Von unserem Berichterstatter.) a.— Die ahnungslosen Zeitungsleser mochten recht erstaunt sein, als sie die Nachrufe der liberalen Blätter für Lucian Brunner lasen. Er wurde ja zeitlebens totgeschwiegen und nur gelegentlich den Abonnenten als Sonderling oder Radaumacher vorgestellt. Jetzt wird er als mutiger und erfolgreicher Gegner der christlichsozialen Reaktion geschildert und „die bedeutendste Episode seiner Tätigkeit als Gemeinderat", der Kirchenbauprozeß, mit allem Nachdrucke als ein dauerndes Verdienst gewürdigt. Die „Neue Freie Presse" weiß es plötzlich diesem Manne zu danken, daß durch seine ganz selbständig geführte Aktion die Christlichsozialen gezwungen wurden, einen großen, einseitig konfessionellen Zwecken gewidmeten Posten aus dem Gemeindebudget zu streichen, und die „Z e i t" fügt der Beschreibung seines mutigen Kampfes verschämt bei: „Im Jahre 1901 legte Brunner sein Mandat nieder. Er behauptete, die Liberalen hätten ihn im Stich gelassen" . . . Die von Juden geschriebene „Arbeiterzeitung" findet, daß er eine Erscheinung war, die „trotz unleugbarer Begabung nur als Reaktion gegen den einstigen (!) Antisemitismus zu begreifen ist". Der Wiener Antisemitismus scheint also für die Herren Adler, Austerlitz, Ellenbogen und Konsorten nur mehr eine historische Reminiszenz zu sein — und es gab doch erst vor ein paar Wochen Gemeinderatswahlen. — Die Wiener Judenhasser aber wissen, daß mit Lucian Brunner ein tapferer und starker Gegner dahingegangen ist, und es ehrt ihn über das Grab hinaus, wenn das „D e u t s c h e Volksblatt" von ihm sagt: „Er war einer der größten Hetzer gegen das antisemitische Regime in Wien." Arthur Schnitzler und die Stadt Wien a.-- Der Antisemitismus spielt der Wiener Gemeindeverwaltung mitunter arg mit und verleitet die Stadtväter zu Dummheiten, die im Auslande ein homerisches Gelächter auslösen. Zwei Wiener Dichter wurden mit Preisen gekrönt. Der (in Wien noch nicht sehr bekannte Holzer und Arthur Schnitzler, der sich bereits einer gewissen über Wien hinausgehenden Berühmtheit erfreuen soll. Der Wiener Bürgermeister war über die Zuerkennung eines Preises an den jüdischen Poeten entrüstet und gratulierte bloß Herrn Holzer. Der unterbliebene Glückwunsch der Stadt Wien an Arthur Schnitzler ist wirklich ein köstliches Intermezzo, da es doch keinen zweiten neueren Schriftsteller gibt, der so sehr die Jungwiener Kunst in seinen Werken verkörpert, wie gerade der Verfasser der „Liebelei“, des „Zwischenspiel", des „Anatol" und des „Jungen Medardus". Die Wiener Gemeinderegierung lenkte mit der Ignorierung Schnitzlers nur die Aufmerksamkeit darauf, wie stark das Ansehen der Wiener Kunst mit zahlreichen Namen schaffender Juden verknüpft ist. Man braucht nur Namen wie Hofmannstal, Mahler, Goldmark zu nennen und des Spaßes halber zu erwähnen, daß das Urwiener „Fiakerlied" ein Jude ersann. Ein seltenes Jubiläum a.— Die Wiener „Chewra Kadischa" beging das seltene Jubiläum des 150 jährigen Bestandes. Aus diesem Anlasse fand im Leopoldstädter Tempel ein Festgottesdienst und im größten Festsaale Wiens ein Bankett statt, an welchem gegen 1000 Gäste teilnahmen. Der Präsident der „Chewra Kadischa", Herr Salo Kohn, spendete aus Anlaß der Jubelfeier den Betrag von 100 000 Kronen für wohltätige Zwecke. Verein für Statistik der Juden Galiziens (Von unserem galizischen Berichterstatter) w.— Die österreichische und galizische Statistik berücksichtigt lediglich die mosaische Konfession, die Juden als Volk kennt sie nicht. Dies bedeutet ein großes Hindernis für alle jüdischen wirtschaftlichen und politischen Bemühungen. Nun ist es endlich den Bemühungen unserer Freunde, der Herren Dr. Jakob Korkis, Sekretär der Lem'berger Handelskammer, der bereits so manche Leistung auf diesem Sebiete ^78408994880621811524632853^ 69500148298498

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