Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 17 (24.4.1914)
- Article
- Die Hetze der "Unità Cattolica"
- Date
- 1914-04-24
- Page
- 419 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 17 419 DJE3qEELT -sehen Völker anfangen, mit mehr Ernst ihren Blick diesem Lande zuzuwenden, das so wichtig für die Geschichte unserer Religion ist. Wie wird cs mit Palästina enden? Können die katholischen Völker der ganzen Welt dieser großen jüdischen Bewegung nach Palästina gleichgültig Zusehen? Ist es vielleicht angebracht, daß die katholischen Mächte sich jetzt um Ehren und Privilegien herumzanken, während der grimmigste Feind des Christentums Tag für Tag, Stunde tür Stunde einen Schritt weiter zu der politischen und religiösen Erneuerung der jüdischen Rasse macht?" Frankreich IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Zu den Kammerwahlen (Von unserem Pariser Berichterstatter) b.— In der eben abgelaufenen Legislaturperiode zählte die französische Kammer sechs jüdische Abgeordnete: joseph Reinach, Theodore Reinach, Klotz, Picard, A. Hesse und Javal. Von denselben war H. Klotz mehrmals Minister der Finanzen und des Innern; H. J. Reinach war Vizepräsident der Armeekommission und hat als solcher an dem Zustandekommen der verschiedenen Wehrgesetze des letzten Jahres einen hervorragenden Anteil genommen; Herr Th. Reinach ist der bekannte Führer der Alliance. — In der letzten Zeit haben sich die jüdischen Abgeordneten, mit Ausnahme vielleicht der beiden in der obigen Aufzählung zuletzt genannten, unter dem Einflüsse des nationalistischen Windes, der zurzeit weht, bedenklich den reaktionären Ideen genähert. Bezeichnend für die „Bekehrung" des Herrn J. Reinach ist z. B., daß im „Figaro" eines schönen Tages von ihm gesagt wurde, „früher sei man in seiner Verkennung so weit gegangen, daß manche ihn gar für einen Juden hielten"! Jedenfalls hat auch nicht ein einziger sich veranlaßt gesehen, gegen die rechts- und vertragswidrige Behandlung der französischen Juden seitens Rußlands zu protestieren. So in einer jüdischen Frage öffentlich Stellung zu nehmen, kann man von den heutigen französischen Juden nicht verlangen. Seitens der nationalistischen Presse wird die Judenhetze diesmal weniger heftig betrieben als es bei den früheren Wahlkämpfen der Fall war. Natürlich werden im Kampfe gegen die einzelnen jüdischen Kandidaten alle die Verleumdungen und Beschimpfungen hervorgeholt, an die das Publikum nachgerade gewöhnt ist. Aber der früher übliche Kreuzzug gegen die Juden ist ausgeblieben. Und mit gutem Grunde! Der ganze Wahlkampf dreht sich nämlich letzten Endes um die Steuerfrage, und da gerade die reaktionären Kreise hierbei krampfhaft ihre Taschen zuhalten, ist die sonst so beliebte Attacke gegen die jüdischen „Ausbeuter" beim besten Willen nicht möglich. Um so stärker wird dagegen das „Fremden"problem ausgeschlachtet. Kandidaten aller Parteien, auch der sich hier als besonders international aufspielenden sozialistischen, setzen Maßregeln gegen die Ausländer auf ihr Programm. Zeitungen aller Richtungen veröffentlichen spaltenlange Artikel gegen die unerwünschte Einwanderung. Die großen unpolitischen Tageszeitungen nehmen scheinbar unparteiische Artikel auf, durch die in hinterlistiger Weise in den weitesten Kreisen des Kleinbürger- und Beamtentums gegen die Juden Stimmung gemacht wird. Im „Journal" z. B. leitete der Abgeordnete Denais seine Wahlagitation mit einem großen Artikel über „Die Fremden bei uns“ ein. In scheinbar objektiver Darstellung werden da alle fremden Elemente unter die Lupe genommen, und es ergibt sich wie von selbst die Schlußfolgerung, daß für die Aufnahme aller anderen Ausländer schließlich eine ökonomische Ursache vorliege, während nur die Juden gerade die Berufe ausüben, für welche die eingeborenen Franzosen genug Anwärter stellen. Ein kurzer Hinweis auf die diplomatische Seite der Frage gibt zu verstehen, daß die anderen zudem auf den Schutz ihres Heimatlandes zählen könnten, wogegen Maßregeln gegen russische Juden keinen Komplikationen seitens des befreundeten Zarenreiches begegnen würden. In solch raffinierter Weise wird der Judenhaß, den man nicht offen anrufen kann, mit allen Argumenten des Eigennutzes genährt und für Wahlzwecke ausgebeutet. Die genannten sechs Abgeordneten bewerben sich sämtlich wieder um ihr Mandat, und ihre Wiederwahl erscheint gesichert. Anders verhält es sich mit den sonstigen jüdischen Kandidaten, die sich an allen Ecken und Enden und für alle möglichen Parteien aufstellen. Wir erwähnen darunter nur den Bankier Drevfus, Sohn des rumänischen Generalkonsuls, der soeben durch die Verleihung eines hohen rumänischen Ordens ausgezeichnet worden ist. Herr Drevfus kandidierte bereits vor vier Jahren in einem Cevennendepartement, wo die jüdische Kandidatur den Erfolg hatte, Katholiken und Protestanten, die sich vorher bekämpften, zu einigen. Im vierten Pariser Arrondissement, dem Judenviertel, kandidiert unter sozialistischer Flagge Herr Ehrlich, jedoch ohne Aussicht auf Erfolg. Wir bemerken noch, daß im Senat zurzeit drei Juden sitzen, die Herren Cremieux, F. Dreyfus und Strauß. Amerika iiliiiliilliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiliillliii Die jüdische Einwanderung nach den Vereinigten Staaten 1912/13 Soeben ist der neue Jahresbericht des Generalkommissars für Einwanderungswesen erschienen. Der Bericht umfaßt den Zeitraum vom 1. Juli 1-912 bis 1. Juli 1913. Die allgemeine Einwanderung nach den Vereinigten Staaten betrug in dem An unsere Leser! Zum 20. Tammus, dem 10. Todestage Theodor Herzls, wird die „ Welt” eine Herzl- Gedenknummer erscheinen lassen. Durch Beiträge namhafter Autoren und eine des Anlasses würdige Ausstattung wird das zionistische Zentralorgan — die erste Schöpfung Herzls — unserem unvergesslichen Führer den Tribut der Dankbarkeit und Verehrung darbringen. Die Herzl-Gedenknummer erscheint am 3. fuli d. f. Der Preis beträgt für Nichtabonnenten; in Deutschland in allen übrigen u. Oesterr.-Ung. Landern in einfacher Ausführung M. 0.60 M. 0.70 auf holzfreiem Papier, gebd. „ 1.— „ 1.20 Den zionistischen Gruppen, Vertrauensmännern und Kolporteuren berechnen wir die Nummer in einfacher Ausführung bei Abnahme von in Deutschland in allen übrigen u. Oesterr.-Ung. Ländern 10 Exemplaren mit M. 5.50 M. 6.50 25 „ 13.50 „ 15.50 50 „ 25.— >, 28.— 100 „ „ 45.- „ 50.— Bestellungen—gegen Voreinsendung des Betrages— erbitten wir rechtzeitig. Verlag „DIE WELT” Berlin W15 Sächsische Str. 8.