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Die Welt · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · p. 417

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Article
Einigungsbestrebungen der ungarischen Juden
Date
1914-04-24
Page
417 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 1? 417 Ungarn iliiiiiiliil^ Einigungsbestrebungen der ungarischen Juden (Von unserem Berichterstatter.) 1.1.— Es sind bereits mehr als D/» Jahre verflossen, seitdem wir an dieser Stelle zuletzt über die Einigungsbestrebungen der Juden in Ungarn berichteten. Wir müssen daher die Geschichte dieser Bewegung kurz rekapitulieren. Am 20. Februar 1912 wurde auf Initiative des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Szabadka, Dr. Adolf Klein, eine jüdische Landesversammlung abgehalten, in der mit großer Begeisterung beschlossen wurde, die Einigung der in drei Organisationen zersplitterten jüdischen Gemeinden des Landes mit allen zu Gebote stehenden Mitteln anzustreben. Es wurde nach landesüblicher Art ein Hunderterkomitee und ein geschäftsführender Ausschuß eingesetzt, um den Vereinigungsbestrebungen die Wege zu ebnen. Es scheint aber, daß die geschäftsführenden Herren sich der Sache nicht mit dem erforderlichen Ernst und Eifer angenommen haben. Das Hunderterkomitee wurde nicht einberufen, und der geschäftsführende Ausschuß tat nichts weiter, als daß er beim Kultus- und Unterrichtsminister, gemäß den Traditionen der alten Kehillapolitik, in Audienz erschien. Der Minister gab zu verstehen, daß noch überhaupt keine Vorarbeiten geleistet, keine Entwürfe ausgearbeitet worden seien, daß der bloße Wunsch nach der einheitlichen Autonomie sich noch nicht in den weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung zu einer einmütigen Willensäußerung verdichtet habe. Der geschäftsführende Ausschuß behandelte aber die Angelegenheit auch fernerhin in der gleichen schläfrigen Art. Der tatkräftige Initiator der Bewegung, Gemeindepräsident Dr. Klein, ließ jedoch die Sache nicht auf sich beruhen. Ohne Mithilfe der geschäftsführenden Herren veranstaltete er in mehreren Städten jüdische Volksversammlungen zur Propagierung der Vereinigungsbestrebungen. Es war dies ein glücklicher Gedanke, die breiten Schichten der Judenheit ohne Unterschied der religiösen Richtung für die Bewegung zu interessieren. Im geschäftsführenden Ausschüsse befinden sich aber Persönlichkeiten, die keine Berührungspunkte mit den jüdischen Volksmassen haben, ja, es hat sich auch eine Persönlichkeit vorgedrängt, der die Hauptschuld an der jetzigen unerquicklichen Situation des ungarischen Judentums zuzuschreiben ist. Wir meinen den Redakteur Szabolcsi, der alle jugendfrischen positiv jüdischen Bestrebungen bekämpft. Er führt auch gegen die Orthodoxie und deren Organisationen einen überaus gehässigen Kampf. Als aber die Einigungsbestrebungen trotzdem an Boden gewannen, spielte er sich mit einem plötzlichen Frontwechsel als Vorkämpfer der Einigungsbestrebungen auf. Das bloße „Wirken“ dieses Herrn genügt, um die auch bei vielen Orthodoxen vorhandenen Sympathien für die Einigungsbewegung zu verscherzen. Vor kurzem trat nun ein Wendepunkt in der Bewegung ein. Der Initiator Dr. Klein und sein Hauptmitarbeiter Rabbiner Dr. Bernhard Singer glaubten der Sache einen Dienst zu erweisen, wenn sie sich vom geschäftsführenden Ausschüsse zurückzogen. Sie traten aus und beabsichtigen, die ins Stocken geratene Bewegung selbständig weiterzuführen. Unter dem Titel „Autonomia“ gründeten sie eine Halbmonatsschrift, die vornehmlich sich die Propagierung der einheitlichen Autonomie zum Ziele gesetzt hat. Ob die Bewegung ihr Ziel erreichen wird, ist fraglich. Jedenfalls ist es erfreulich, daß sich Männer gefunden haben, die, unbekümmert um die offiziellen „Israeliten“, sich zu einer dem Gesamtwohl der ungarischen Judenheit dienenden Bewegung zusammengetan und den Mut gehabt haben, die Lösung dieser schwierigen Frage selbständig in die Hand zu nehmen. Die „Autonomia“ erscheint auch in deutscher und in jiddischer Ausgabe und wird hoffentlich das Interesse für jüdische Angelegenheiten in weiteren Kreisen erwecken. Es ist erfreulich, daß eine gesunde jüdische Bewegung jetzt in das richtige Geleise geraten ist. Man kann nunmehr ihrem weiteren Geschicke mit Interesse entgegensehen. [ Rußland lllllllllllllllllllllllllltlillllllllllillllllllllll Massenausweisung von Juden aus Kiew In Kiew wurden vor einigen Tagen drei Mädchengymnasien geschlosse n , weil sie an jüdische Mädchen unberechtigterweise Zeugnisse ausstellten, die den Familien der betreffenden jüdischen Mädchen die Wohnberechtigung in der Stadt Kiew verschafften. Infolge der Schließung der drei Gymnasien wurden jetzt etwa 4’0 0 jüdische Familien aus Kiew ausgewiesen. lilllllilllllllllllillllilllllilllllilllil Bulgarien illiiiiiiiiliiüiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Jüdisches Schul- und Gemeindewesen (Von unserem Berichterstatter.) Das Leben der bulgarischen Juden beginnt nach dem Kriege allmählich in das alte Geleise zu kommen und bekommt sein gewöhnliches Gepräge. Die Ereignisse der letzten zwei Jahre, welche das Land so mächtig erschüttert haben, übten einen großen Einfluß in materieller wie in moralischer Hinsicht auch auf das Leben der bulgarischen Juden aus. Der jüdische Städter Bulgariens hat sich in diesem schweren Kriege an Ausdauer und Opfermut dem autochthonen Bulgaren ebenbürtig erwiesen, und in der öffentlichen Meinung Bulgariens gibt es wohl keine Stimme mehr, welche die Tüchtigkeit des jüdischen Soldaten anzweifelte. Die Zeiten, wo die Juden in Bulgarien als ein Reservoir von Wählerstimmen für die regierenden Parteien betrachtet wurden und deswegen stets zur Zielscheibe für die Ausfälle der oppositionellen Parteien dienten, sind längst vorbei. Der Hauptverdienst an der Wandlung in dem politischen Verhalten der Juden gebührt dem aufklärenden Wirken der zionistischen Partei. Schon seit den ersten Anfängen der zionistischen Tätigkeit hat sich die zionistische Partei Bulgariens die Demokratisierung der jüdischen Gemeinden und die Nationalisierung der Schulen angelegen sein lassen. Aber erst nach harten Kämpfen ist es den Zionisten gelungen, an Stelle der früheren Allianceschulen überall jüdische Schulen mit dem Programm der bulgarischen Elementarschulen und Gymnasien und einem ausgedehnten Unterricht des Hebräischen einzuführen. Als Ruhestörer verschrien, konnten dennoch die Zionisten zuletzt ihren Plan durchführen, und die Idee der eigenen, den Bedürfnissen des bulgarischen Judentums angepaßten Schulen findet fast von keiner Seite mehr Widerspruch. Leider ist es den Zionisten noch nicht gänzlich gelungen, die materielle Grundlage dieses Schulwerks in solcher Weise zu gestalten, daß die Schulen nicht von der Willkür einer wohlhabenden Minorität, den sogenannten Notabein, abhängen. So z. B. haben die Philippopeier Notabein den Notstand der Gemeinde während des Krieges ausgenutzt, um dem zionistischen Schulkomitee die Schließung der Progymnasialklassen abzupressen. Dieser Uebelstand hätte nur durch die von den Zionisten schon bis in die Kämmer durchgeführte Gesetzesvorlage beseitigt werden können, nach welcher die Steuerpflicht der Juden den jüdischen Institutionen gegenüber geregelt wäre. Wie der Unterrichtsminister auf Intervention von Herrn Dr. Ehrenpreis die Gesetzesvorlage im letzten Moment zurückzog, ist hinreichend an dieser Stelle erörtert worden. Daß Dr. Ehrenpreis auch kurzerhand die Gemeindewahlen, welche im Januar dieses Jahres stattfinden sollten, durch das Ministerium auf unbestimmte Zeit verschieben und von den Gemeindekomitees mit schon abgelaufenem Mandat sich ein gefügiges Konsistorium 29448212425185441864 0201530201010001000000000001

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