Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · p. 416

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Article
Eisenbahnen in Palästina
Date
1914-04-24
Page
416 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316625-3316642-3353686--60350-3353810
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

416 Kr. 17 blE3^ELf Eine weitere Linie, die am 1. Januar dem Betrieb übergeben wurde, ist die 17,5 km lange Zweigstrecke Haifa — Akko der Hauptlinie Haifa—Damaskus. Akko, dessen zerfallene Festungsmauern heute noch Kunde geben von einer ruhmreichen Zeit, ist Sitz eines Mütessarifs, hat aber heute weder politisch noch wirtschaftlich große Bedeutung. Es wird von größeren Dampfschiffen fast gar nicht mehr angelaufen und nur im Sommer von einer großen Menge ägyptischer Nilbarken besucht, welche die reiche Wassermelonenernte der Akkoebene zum Export verladen. Die Stadt selbst zeichnet sich gegenüber allen Küstenstädten Palästinas durch größere Reinlichkeit aus, was sie einer wohlorganisierten Stadtverwaltung verdankt. Eine dritte, weitaus wichtigere Zweiglinie der Hedschasbahn ist die gegenwärtig noch im Bau befindliche Strecke Aphule — Nablus — Jerusalem. Während die Zwischenlinie Haifa—Akko fast gar keine technische Schwierigkeiten bot und ganz im Flachlande verläuft, ist diese Strecke eine Gebirgsbahn, die mit großen Steigungen und sehr engen Kurven angelegt ist. Der Zweck der 78 km langen Linie Aphule—Nablus, deren Absteckung im Oktober v. J. beendet wurde, ist die Verbindung von Jerusalem als Pilgerort auch der mohammedanischen Gläubigen mit der Linie Haifa—Damaskus—Medina und der Transport von Oel, Seife und Getreide dieser an Industrie reichsten Gegend Palästinas. Die Abzweigung der Linie nach Jerusalem erfolgt in der Gabelstation Aphule. Die Bahn durchquert die Jesreel-Ebene, passiert die aus dem Buch der Richter bekannten historischen Stätten von Megiddo und T a a n a c h und erreicht nach ca. 17 km die Stadt Dschenin. Bis dorthin wurde die fertige Bahnstrecke letzthin dem Verkehr freigegeben. Die Bahnlinie biegt bei Dschenin in ein enges Tal mit vielen Windungen ein und erklimmt in großen Steigungen von fast durchschnittlich 18—20 zu Tausend die ersten Höhenrücken des galiläischen Gebirges. Sie erreicht nach einem Weg von 12 km das Dorf ’Arabe. ’Arabe liegt in der Nähe verschiedener größerer Dörfer und erhält eine Bahnstation dritter Klasse. Die Linie wendet sich nun in südöstlicher Richtung weiter und steigt von Kilometer 34 ab in eine Ebene hinab, die rings von hohen Bergen eingeschlossen ist. Unterhalb des Dorfes el'-Fundukumije (Pentaconium), das die Bahn bei Kilometer 42 erreicht, befindet sich die zweite Station im Bau. urpi TfHR AXJIIC ▼V Erl* 1 V1 liVV/Dl IHl Deutschland Tagung des Jüdischen Landgemeinderates für das Großherzogtum Oldenburg Unter dem Vorsitze des Großherzoglichen Landrabbiners Dr. Mannheimer fand am Sonntag, dem 19. April, die diesjährige Sitzung des Jüdischen Landgemeinderates zu Oldenburg statt, bei welcher einige wichtige Beschlüsse gefaßt wurden. Der Landgemeinderat faßte unter anderem folgende Resolution: „Der Jüdische Landgemeinderat für das Großherzogtum Oldenburg spricht sein tiefes Bedauern und seine Mißbilligung aus über die vor kurzem in den nichtjüdischen Tageszeitungen veröffentlichte „Erklärung“ einer Anzahl Juden, welche geeignet war, das Ansehen der deutschen Juden in den Augen Andersgläubiger herabzusetzen und den Zwiespalt innerhalb der Judenheit zu erweitern und zu verschärfen.“ Die Verteilung des Staatszuschusses für die einzelnen Synagogengemeinden des Großherzogtums wurde in der vom Vorsitzenden beantragten Weise vorgenommen. Durch diesen Staatszuschuß werden 12 Religionsschulen erhalten, es werden Lehrer selbst in die entlegensten Dörfer zum Religionsunterricht gesandt. Außerdem wurden wieder zwei Waisenkinder vom Waisenverein untergebracht. Es wurde lobend betont, daß unsere religiösen und Gemeindeverhältnisse sehr gut geordnet sind, daß durch die Opferwilligkeit der Gemeinden die kleinen Gemeinden auf Kosten der großen erhalten werden, und daß die religiösen Verhältnisse besonders in der Hauptgemeinde Oldenburg sich in hervorragender Weise entwickelt Anläßlich der Sitzung des Landgemeinderates fand am selben Nachmittag ein „J u d e n t a g“ statt, welcher von Damen und Herren aus allen Gemeinden des Großherzogtums sehr zahlreich besucht war. Auf ein Huldigungstelegramm, welches die Versammlung an den in Bad Kissingen zur Kur weilenden Großherzog abzusenden beschloß, traf abends folgende Antwort des Großherzogs ein: „Für den mir namens der jüdischen Gemeinden des Großherzogtums dargebrachten Huldigungsgruß und die guten Wünsche für meine Gesundheit spreche ich meinen herzlichsten Dank aus. Friedrich August.“ Der Vorsitzende, Herr Landrabbiner Dr. Mannheimer, erteilte dem Redner, Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee aus Berlin, zu seinem Vortrage über das Thema „Zeitfragen innerhalb der Judenheit“ das Wort. Der Redner, welcher in 1 inständigem Vortrage die Versammelten zu einer unbeschreiblichen Begeisterung hinriß, sprach vom wahren und falschen Judentume, von der oft verkehrten Auffassung des Wortes „Pietät“, warnte im Anschluß an die Duisburger Affäre vor Animosität gegen die Ausländer, die ja so zahlreich im Lande Oldenburg angesiedelt seien' und zur Wiederbelebung des Judentums viel beitrügen, er mahnte die Juden zur Charakterfestigkeit gegen Abtrünnige und gegen Mischehen und zum Zusammenschlüsse gegen solche, welche als Juden das Ansehen des Judentums in den Augen Andersgläubiger herabsetzen. Die Tagung beschloß mit Rücksicht auf die bekannte Resolution des „Wandervogels“, jüdische Wandervogel-Vereine zu gründen, da es charakterlos sei, nach dieser Resolution weiter dem „Wandervogel“ anzugehören. Die Versammlung verlief harmonisch und ohne jede Störung. Oesterreich [will iiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiuniiiiiiiiniiui IlllllllllUIIIIIIIIIIIIIllllillll Eine neue Partei für die Anerkennung der jüdischen Nationalität (Von unserem galizischen Berichterstatter) W.— Die Reichsratsabgeordneten Ernest Breiter und Heinrich Reitzes begründen in Galizien eine radikal-demokratische Partei. Ernest Breiter war stets der einzige polnische Politiker, der rückhaltlos die jüdische Nationalität anerkannt hat. Dazu gehört in der galizisch-polnischen politischen Welt kein gewöhnlicher Mut. War er schon wegen der Unerschrockenheit, mit der er alles Faule im Lande bekämpfte, verhaßt, war er wegen seiner Unabhängigkeit ein Dom im Auge nicht nur des Polenklubs, sondern auch der polnischen Sozialdemokratie, so genügte seine Stellung zum Judentum, um ihn zum nationalen Verräter zu stempeln. Dessenungeachtet half er unterdrückten Juden und stand besonders der zionistischen Partei in ihrer landespolitischen Tätigkeit treu zur Seite. Heinrich Reitzes ist außerhalb der zionistischen Reihen der einzige jüdische Politiker im Lande, der stets eine die jüdischen Interessen wahrende Haltung einzunehmen wußte. Wäre schon um der Persönlichkeiten willen die neue Partei sympathisch, so ist sie dies um so mehr, als sie in ihrer Proklamation, die einen Programmentwurf darstellt, die Anerkennung der jüdischen Nationalität verlangt. Es ist dies die erste Partei, von den Zionisten abgesehen, die in Oesterreich sich diese Forderung zu eigen macht. Es wäre zu wünschen, daß ihr Anhang unter den Polen möglichst groß werde, ln vielen Fällen werden die Zionisten mit ihr vereint Vorgehen können.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.