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Die Welt · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · p. 415

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Article
Eine Gesamtvertretung der palästinensischen Arbeiterschaft
Date
1914-04-24
Page
415 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 17 DIEEaKELT 415 IV. Der vereinigte Arbeitervorstand. 1. Seine Obliegenheiten: a) Die Sammlung der Kräfte der Arbeiter; b) gemeinsames Arbeiten der Organisationen; c) das Recht der Kontrolle gegenüber den vereinigten Organisationen; d) Klärung der Fragen der Kolonisation und der Arbeit; e) Vertretung der Gesamtheit der Arbeiter nach 2. Jede Organisation ist autonom in ihrer Arbeit und dem vereinigten Vorstand verantwortlich. 3. In allen Angelegenheiten, die von allgemeiner Bedeutung für die Arbeit und die Kolonisation sind, ist der Beschluß des vereinigten Vorstandes bindend für alle Organisationen der Arbeiter. 4. Zu jeder Sitzung des Vorstandes arbeiten die einzelnen Organisationen einen Bericht über ihre Tätigkeit aus. Jemenftenfürsorge Am 9. Nissan fand in den Räumen des Palästina-Amtes in Jaffa eine Beratung der Jemenitenkoinmission statt. Aus den erstatteten Berichten ging hervor, daß man die' Ergebnisse der Jemeniteneinwanderung mit gutem Recht als befriedigend bezeichnen darf. Besonderes Interesse weckte der Bericht aus Pethach-Tikwah, wo ca. 90 jemenitische Familien wohnen und sich mit wenigen Ausnahmen als gute Arbeiter bewähren. Nach diesem Berichte, der von einem aschkenasischen Arbeiter erstattet wurde, übertreffen mitunter die jungen Jemeniten die Aschkenasim an gediegener Arbeitsleistung. Ebenso rühmend wurde der liebevolle Fleiß hervorgehoben, mit der dort die Jemeniten jede Spanne Erde um ihre Häuschen ausnützen. Die Kommission kam einstimmig zu dem Beschlüsse, daß man die in Zukunft zu erbauenden Jemenitenhäuser mit mindestens einigen Dunam Boden umgeben müsse. In der nächsten Zeit ist die Errichtung neuer Jemenitenhäuser in folgenden Kolonien vorgesehen: Pethach- Tikwah, Rechoboth, Jibnael, Merchawja, Rischon le-Zion und Chedera. Die nächste Sitzung der Jemenitenkommission wird in einem Monat stattfinden und sich mit einer Reihe noch ungelöster Fragen, darunter der Seßhaftmachung der städtischen Jemeniten, befassen. Aus Pethach-Tikwah Mit der diesjährigen Orangenernte sind wir zufrieden. Auch die Marktpreise waren günstig. Wenn wir jetzt noch gute Niederschläge haben werden, können wir auch einer guten Mandelernte entgegensehen. Leider gibt es noch immer eine größere Zahl jüdischer Arbeitsloser. In Arbeiterkreisen bemerkt man es mit Unmut, daß in den Bojaren bekannter Zionisten nur wenige Juden Arbeit finden. Auffallend ist die Zunahme der jüdischen Arbeiterinnen, deren Zahl jetzt 74 beträgt. Es wurde unter ihnen in letzter Zeit der Gedanke erörtert, eine besondere Vereinigung der palästinensischen Landarbeiterinnen zu schaffen. Die Behörden haben die Kolonie aufgefordert, die Namen der Wächter anzugeben, damit sie als Mitglieder der Gendarmerie amtlich bestätigt werden. Bis nun wurden vier Wächter bestätigt, darunter auch der bekannte M. S c h a p i r a, den seine vielen Verehrer ins Goldene Buch des Nationalfonds eingetragen haben. Die Bausaison beginnt wieder, und es werden jetzt in unserer Kolonie zwanzig neue Häuser gebaut. — Im letzten Jahre wurden aus der hiesigen Bibliothek ca. 7000 Bücher, darunter 6264 hebräische, entliehen. — Mr. J. C o w e n aus London hat einen jährlichen Beitrag von 500 Frcs. für die hiesige landwirtschaftliche Mittelschule, die sich andauernd gut entwickelt, gezeichnet. Aus Tel-Awiw Am 2. Nissan fand in der Aula des Hebräischen Gymnasiums die Generalversammlung der Mitglieder und Einwohner statt. Es wurde die Konzession zur Gründung einer Bäckerei erteilt. Ferner wurde der Betrag von 10 000 Frcs. als Beteiligung zu den Baukosten eines modernen Hotels in Tel-Awiw einstimmig bewilligt, da die Nachfrage nach einem europäischen Hotel bei dem steigenden Touristenverkehr andauernd sehr groß ist. Man rechnet, daß für dieses Unternehmen etwa 100000 Frcs. erforderlich sein werden, wovon A. P. C., Palästina-Industrie-Syndikat und Tel-Awiw je 10 000 Francs beisteuern, während der Rest durch Anteilscheine von je 1600 Frcs. aufgebracht werden soll. Die Versammlung befaßte sich auch mit den Hypothekbeleihungen. Man sieht eine Gefahr darin, daß einige wenige Gläubiger viele Häuser beleihen, so daß sie im Falle einer Krisis zuviel Macht über diese städtische Siedlung erlangen könnten. Von seiten des Waad wurde vorgeschlagen, die Zahl der zulässigen Beleihungen seitens eines Gläubigers auf fünf Grundstücke zu beschränken. Dieser sowie ein anderer Vorschlag des Waad zur Regelung des Umzugstermines wurde nicht genehmigt. Die Preise der Wohnungsmieten steigen hier unaufhörlich, was auf die zunehmende Einwanderung jüdischer Familien aus Rußland und insbesondere auf den starken Andrang von Schülern aus Rußland zum Hebräischen Gymnasium zurückzuführen ist. Dies hat aber auch die Bautätigkeit befruchtet, und der herannahende Sommer wird wohl eine rührigere Bausaison als im letzten Jahre zeitigen. Kleine Nachrichten Der amerikanische Botschafter Morgeiithau hat auf Grund einer besonderen Erlaubnis aus Konstantinopel Dienstag, am 11. Nissan, in Hebron das Innere der „Mearath Hamachpelah“ besucht. Die Festrede bei der Chagigah in Rechoboth, die Dienstag, am IS. Nissan, stattfand, hielt Herr Nahum So ko - 1 o w. Wir werden über die Chagigah noch ausführlich berichten. Am 3. Nissan sprach J. B e 1 k i n d in einer Synagoge in S a f e d über die Gründung einer Gesamtorganisation der palästinensischen Judenheit. Es wurde eine Ortsgruppe gebildet. Der Leiter der Schule des Hilfsvereins in Safed, R. Soffermann, hat demissioniert, da Herr Ephraim Cohn schon in den untersten Klassen der Volksschule acht Unterrichtsstunden wöchentlich für die deutsche Sprache gefordert hat. Eisenbahnen in Palästina Die Notwendigkeit des Baues von Eisenbahnen in Palästina hat sich in den letzten Jahren infolge des stetig anwachsenden Fremdenverkehrs als ein immer dringenderes Bedürfnis herausgestellt, dem die Hedschasbahngesellschaft durch Anlage einer Anzahl von neuen Bahnstrecken im Innern des Landes gerecht zu werden versucht. Es handelt sich dabei teils um die Verbindung großer Handels- und Ausfuhrplätze und deren Anschluß an die Hauptlinien, teils um die Schaffung einer schnellen, bequemen Reisemöglichkeit für Touristen. Zum Zwecke der Erschließung eines Teiles des Ostjordanlandes hat die Hedschasbahn eine Verbindung des am Jordan beginnenden, zum Teil mit mächtigen Eichen bestandenen Gebirgslandes Adschlun mit dem östlich davon liegenden Hoch- und Steppenland, dem H a u r a n , geschaffen. Die betreffende Zweigstraße, die gegen Ende des vorigen Jahres dem Betrieb übergeben wurde, ist 35 km lang und verbindet die zwei wichtigsten Orte jener Gegend, die an der Hauptlinie der Hedschasbahn gelegene Stadt D e r a a mit dem alten B o s r a. Deraa ist Gabelpunkt der Linie Haifa—Damaskus und Damaskus—Medina. Das im Innern des Hauran gelegene Bosra ist der Mittelpunkt des großen Getreidehandels, der von dort zum Export nach der Küste des Mittelmeeres gelangt.

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