Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 17 (24.4.1914)
- Article
- Zentralfonds 1914
- Date
- 1914-04-24
- Page
- 411 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 17 411 DIE3§£ELT Gaiizi en Moses Horovitz.Kr. 100.— Samml. des Vereins „Przedswit Haschachar (2. Rate) (Spez. folgt) . „ 251.52 Kr. 351.52 JL 295.28 Przemv sl: Akad. Verb. „Agudath Herzl“ . . Kr. 300.— JL 252.— a N. N.’.Kr. 35.— Kleine Spenden: Dr. S. Spann, J. Neumann, Fluhr, Dr. Rappaport . . „ 60.— Kr. 95.— JL 79.80 Kleine Spenden: Samml. M. Tartakower, Samml. M. Friedmann, Inz. B. Zimmermann .Kr. 33 — JL. 21.72 Südslawische Länder Agram: Clara Jacobi Barmaper (Spez. folgt) . JL 124.15 Karlstadt: Dr. V. Reiner, S. u. H. Kramer, Blau, Rechnitzer, Dr. Weiss, Gostl, Herman, Moses Erich, "Wakler, O. Rechnitzer, Straus, Ivo .... Kr. 121.— „ 101.64 Ungarn Samml. des Herrn Paul Bergstein.M. 5.04 Südafrika Grahamstown: Sammlung .... £ 31.12.6 JL 692.60 Bloemfontein: Sammlung . . . . „ 50.16.— „1016.— Cape Town: Sammlung.,,106. 3.0 ,,2123.— Oudtshoorn: Sammlung.,, 6. 1.6 ., 126.60 Port Elizabeth: Sammlung .... ,,300.-—.— .,6000.— Zentralfonds 1914 In den vorhergehenden Nummern ausgewiesen.M. 243 839.32 Dazu Ausweis dieser Nummer . „ 13 193.02 Insgesamt bisher eingegangen M.257 032.34 LUCIAN BRUNNER Das Grab über Lucian Brunner hat sich kaum geschlossen, und es ist eine harte Pflicht, sein Wirken in einer Stunde abzuwägen, da uns Wehmut und Bitterkeit übermannt ob des Schicksales dieses charaktervollen und echten Menschen, dem der Segen des Erfolges nicht gegönnt war und den der Tod hämisch hinwegraffte, just als er nach vielen Enttäuschungen in der jungjüdischen Gemeinschaft mit erneuter Schaffenslust und großzügig für sein Volk zu wirken begann. Lucian Brunner war, so dünkt uns, zu einem großen österreichischen Politiker berufen. Er hatte, wie nicht leicht ein zweiter, den Mut der Ueberzeugung, er war von ungewöhnlicher Begabung und erlesener Bildung, er verfügte über eine kraftvolle und volkstümliche Beredsamkeit, er trug eine jugendliche Begeisterung in der Brust — wie oft mußte man den Sechzigjährigen bewundern — er war wirtschaftlich unabhängig und aufopferungsfähig. Aber diesem Demokraten vom alten Schrot und Korn gingen einige Talente ab, die in dieser Welt des verlogenen Scheines und der gleißenden Phrase unerläßlich sind. „Europens übertünchte Höflichkeit“ blieb ihm zeitlebens fremd, und er sagte den Leuten mit friedlichem Gleichmut die ungeschminkte Wahrheit ins Gesicht. Er war ferner außerstande zu kompromissein, gleich seinen einstigen Kombattanten sich zu häuten, erst „Demokrat“ zu sein, dann „Deutschliberaler“, späterhin „Deutschfreiheitlicher“, schließlich „Freiheitlichsozialer“, „Deutschdemokrat“ oder „Deutschwirtschaftlicher“ zu werden und sich in wohlberechneter Bezirksmeierei zu ergehen — kurz es fehlte ihm, was man heute mit einem dirnenhaft frechen Worte „die politische Schmiegsamkeit“ nennt . . . Er war ein Politiker, kein Rechner. Er trat für ein Programm ein, nicht für Chancen. Er blieb der alte Demokrat und wurde kein Demagoge. Die Berufspolitiker und die Bankdrohnen, die Mandatsjäger und männlichen Primadonnen des öffentlichen Lebens waren schlecht dran. In politischen Körperschaften und am Versammlungspodium, bei Verwaltungsratssitzungen und Bankberatungen machte er ihnen das Leben sauer. Ihn zu verleumden oder öffentlich zu bekämpfen wagten sie nicht, weil er tapfer und makellos war und weil sie vor seinem Gelde Respekt hatten. Sie ließen ihn also gewähren, stellten sich ihm einfach nicht und suchten ihn dafür um so geschäftiger als „komischen Kauz“, „Eigenbrödler“ oder „eigensinnigen Sonderling“ lächerlich zu machen. Damit haben sie nun tatsächlich diesen Mann, der sich aufs Schöntun, Scharwenzeln und auf Gunstbuhlerei nicht verstand, in eine gewisse Isoliertheit gedrängt, und er zog sich schließlich zurück, nachdem er noch manche liebliche Erfahrung mit Krethi und Plethi gemacht hatte, die mit der Rechten sein demokratisches Programm beschworen, während die Linke stumm ein Almosen verlangte — —. Als er sich späterhin als demokratischer Nationaljude und Zionist wieder zu betätigen begann, wurde das alte Rezept hervorgeholt und das schöne Wort „Luzionisten“ geprägt. Aber jetzt stand ein ganzes Volk hinter ihm, eine Jugend, die diesen geschworenen Feind des „israelitischen“ Spießbürgertums und der Assimilation liebte, jetzt war er Mitarbeiter von Männern wie Böhm, Ehrlich, Margulies, Pollak, Schalit, Stricker, Weisengrün, jetzt konnte ihn diese unsaubere und hinterlistige Beschimpfung nicht anfechten. Seine reichen Kenntnisse, seine Opferwilligkeit und seine unermüdliche Arbeitskraft stellte er (davon wird noch zu sprechen sein) in den Dienst bewußtjüdischer Aktionen und widmete die Mußestunden dem Studium der Bibel und unserer Geschichte, die er von Jugend auf liebte. Aus dieser für das jüdische Volk so fruchtbaren und ihn beglückenden Arbeitsperiode ist er nun jählings infolge einer Blutvergiftung fortgerissen worden. Die öffentliche Tätigkeit Lucian Brunners begann bekanntlich im Wiener Gemeinderate, dem er bis zum Jahre 1901 angehörte. Es war in den Jahren, da sich der Stern Dr. Karl Luegers über Wien erhob und der Judenhaß Orgien feierte. Brunner war der einzige unter den sogenannten liberalen Gemeinderäten, der den Christlichsozialen mutig entgegentrat. Und mit welchem Elan, mit welcher Kraft, vor allem mit welchem in dieser assimilatorischen Gesellschaft unerhörtem Judenstolze! Die deutschnationalen Israeliten, die nichts unversucht ließen, ihre Abstammung vergessen zu machen und sich in teutonischem Hurranationalismus überboten, krümmten sich ordentlich auf ihren Bänken, wenn Brunner er war wohl der erste Jude, der sich bei der Volkszählung zur jüdischen Nationbekannt hatte - keine Gelegenheit verstreichen ließ, den Antisemiten gegenüber sein Judentum nachdrücklichst zu betonen. Es kam dann zu dem historischen Ki rchenbauproz e s s e. Durch seine mit prachtvoller Energie bis zum Verwaltungsgerichtshofe geführte Beschwerde setzte er durch, daß die Gemeinde Wien Steuergelder, die doch