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Die Welt · 1914-04-17 · 16 (17.4.1914) · p. 392

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
16 (17.4.1914)
Article
Katalog der Salo Cohnschen Schenkungen - Bücher aus der Sammlung S. H. Halberstam, Bielitz [Rezension]
Date
1914-04-17
Page
392 (sequence 1)
Language
German
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392 DIE^ELT Katalog der Salo Cohnschen Schenkungen. Von Dr. Bernhard Wachstein, Bibliothekar der israelitischen Kultus- Gemeinde Wien. 11. Bücher aus der Sammlung S. H. Halberstam, Bieiitz. XIII u. 17S Seiten, mit 14 Abbildungen. Verlag Gilhofer und Ranschburg. Wien 1914. Den Freunden der hebräischen Bibliographie wird das Erscheinen dieses neuesten Werkes des rühmlich bekannten Verfassers überaus willkommen sein. Dieser zweite Teil des Kataloges enthält zwar nur 415 Nummern, also etwas weniger als die Hälfte der im ersten Teil angeführten Werke, dessenungeachtet ist das Verzeichnis dieser Bücher von höchstem Interesse. Sind ja viele Inkunabeln und Frühdrucke darunter, und nicht wenige haben Seltenheitswert. Wie der Titel schon besagt, verdankt die Bibliothek der Wiener Kultusgemeinde auch diese Hebraica-Sammlung der Munifizenz des bekannten Vertreters der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Herrn Salo Cohn. Dieser wurde auf die Wichtigkeit der Sammlung durch Herrn Oberrabbiner Dr. M. G ü d e rr. a n aufmerksam gemacht. War der erste Katalog ein Teil der Bibliothek eines Chassidim-Rabbis, *) so ist der vorliegende Katalog ein Teil der Bibliothek eines M a s k i 1 und eines Gelehrten moderner Art. Die Anlage des Kataloges ist eine derart zweckmäßige, daß man über die Drucker, Druckorte und Zensoren der einzelnen Bücher sogleich informiert ist. Auch für die Geschichte der Approbationen fällt manches ab. Werfen wir in das Werk selbst einige Blicke, so werden uns insbesondere folgende Bücher der Beachtung würdig erscheinen. Als ältestes Druckwerk in dieser Sammlung stellt sich uns Nr. 87 dar, ein im Jahre 1477 in Bologna gedruckter Psalmentext mit einem Kommentar David Kimchis. Das Wesen solcher Arbeiten bringt es mit sich, daß oft eine Zeile das Resultat einer langwierigen Forschung ist. So hat der Verfasser über die Zeit des Druckes mancher dieser Schriften eingehende Untersuchungen anstellen müssen. Bei fünf Werken konnte Wachstein nur feststellen, daß sie vor 1490 gedruckt sein müssen. Hier handelt es sich vorwiegend um italienische Drucke. — Nr. 13 Responsen des Sal. Adereth, die Textprobe zeigt uns die Eigenartigkeit der Typen. Nr. 290 More Nebuchim des Maimonides, dieses schöne Exemplar ist mit Randbemerkungen versehen. Die ersten zehn Blätter enthalten über den Zeilen Worterklärungen in italienischer Sprache. — Nr. 229: Gebetzyklus für das ganze Jahr nach römischem Ritus. Ein Druck der Soncinaten (Soncino-Casalmaggiore 1485/86). In mehrfacher Hinsicht interessant. Initialen in Holzschnitt. — iNr. 190 Hebräisch-italienisch-arabisches Wörterbuch. Neapel 1488. Ein Werk, das das lebhafteste Interesse der Fachmänner findet. — Nr. 8 Abudrahim: Ueber die Gebete, Riten und Gebräuche. Editio princeps (Lissabon 1489) mit Impressum in poetischer Fassung. — Nr. 52 ist gleichfalls eine editio princeps (Neapel 1489), und zwar des bekannten Werkes Chobath Halebaboth von Ibn Bakuda. — Nr. 50 Pentateuchkommentar des Bach je ben Ascher, Neapel 1492, sowie Nr. 51 Kad Hakemach vom selben Verfasser, Konstantinopel 1515, sind wegen ihrer Holzschnitte ganz besonders beachtenswert. — Ein überaus schönes Exemplar ist Nr. 70, Pentateuch, Ixar 1490—1495, wovon S. 43 a und 43 b von einem Holzschnitt titelblattartig umrahmt ist und auch S. 47 a (Dekalog) Holzschnittverzierung aufweist. — Nr. 48: Heilkunde des A vice n n a, aus dem Arabischen übertragen von Joseph Lorki und Nathan Hamathi. Neapel 1491. — Nr. 289: Mi sehn eh Thora des Maimonides, wie uns die Textprobe lehrt, ein sehr vorzügliches Exemplar unbekannten Druckes. Wachstein hält es für Konstantinopler Inkunabel. — Nr. 343: Tierfabeln und Parabeln des Ibn Sahula (Fano 1505?), ein auch wegen seiner Holzschnitte besonders wertvolles und interessantes Buch. — Nr. 257: Megillath Setharim, eine sogenannte Purim^Gemara, Pesaro, zwischen 1507 und 1520. — Nr. 379 Talmud Jeruschalmi, Venedig zirka 1523, am Rande einige Worterklärungen in italienischer Sprache und Schrift. Eine ganze Anzahl von Werken ist mit handschriftlichen Anmerkungen Halberstams versehen. Eine weitere Anzahl von Büchern weisen Besitzer von Bedeutung auf. Es sei noch erwähnt, daß auch das Buch des polnischen Dichters Adam M i c k i e w i c z über Polen und die polnischen Emigranten in *) Vgl. Bücherbesprechungen in Nr. 4, Jahrg. 1912 der „Welt“, S. 121. Nr. 16 hebräischer Uebertragung (von Dr. Moses Ascarelli) sich in der Bibliothek Halberstams vorfindet (Nr. 267). Die Verlagsbuchhandlung hat diesen Katalog ebenso prächtig wie den ersten ausgestattet. Auch ihr wie insbesondere Herrn Salo Cohn, der im Sinne seiner Vorfahren die jüdische Wissenschaft in generöser Art fördert, gebührt der Dank aller Freunde des jüdischen Schrifttums. Wien. Dr. G. Freudmann. Martin Hartmann: Der islamische Orient. Berichte und Forschungen. Band III. Unpolitische Briefe aus der Türkei. Leipzig, Verlag Rudolf Haupt. Wenn hier etwas ausführlicher über ein Buch referiert werden soll, das bereits vor mehr als zwei Jahren erschienen ist, so geschieht dies deshalb, weil das Buch für den Leserkreis dieser Zeitschrift von ganz besonderem Interesse ist. Die Leser mögen also dem Referenten, der das Buch erst in diesen Tagen zu Gesichte bekommen hat, die verspätete Anzeige zugute halten. Diese „Briefe“, wie H. seine Aufzeichnungen nennt, die in einem vierzigtägigen Aufenthalt (2. September bis 11. Oktober 1909) in der Türkei entstanden sind, verdienen nur insofern die Bezeichnung unpolitisch, als ihr Verfasser nach seiner Angabe keiner Partei angehört und von niemand ein Stichwort empfängt. Sonst sind seine Beobachtungen, obwohl sie ursprünglich auf bloße wissenschaftliche Erkenntnis eingestellt sind, in eminentem Sinne politisch. Sagt er ja auf Seite 134: . . so sehr mir die Minäer, Sabäer und Himjaren am Herzen liegen, so steht mir doch die Erfassung des Islams in allen seinen Erscheinungen von den Ursprüngen und deren Wurzeln in der Welt der absterbenden beiden Großmächte Vorderasiens bis zu den jüngsten Erschütterungen näher . . . Hier ist der Kampf in seinen schärfsten Phasen, in beständigen Krisen zu beobachten . . .** Nicht ohne Berechtigung sagt Hartmann in einer neueren Publikation: „. . . Die Studierstube genügt nicht. Man muß selbst sehen. Daß ich zu sehen imstande bin, habe ich bewiesen in meinen ,Unpolitischen Briefen aus der Türkei* ... in denen ich die Entwicklung, die wir jetzt.erleben, mit vollkommener Klarheit vorausgesagt habe.“ — Daß er zu sehen imstande ist, ergibt sich für mich auch aus einer Charakterisierung Nahum S o k o 1 o w s, der zufällig auf einer Wegstrecke sein Reisegefährte war. „Ausgezeichneter Beobachter und gewandter Eindringer in fremde Umwelt, hatte dieser vielerfahrene Literat auch in Konstantinopel reiche Beobachtungen gesammelt.“ (S. 179.) Bei so feinem Einfühlen verschlägt es wenig, daß H. gelegentlich die „Welt“ mit einem anderen Namen nennt. (Seite 233.) Wie nicht anders zu erwarten ist, klingen in diesen Aufzeichnungen vom Jahre 1909 die Erinnerungen an Abdul Hamid nach. U. a. wird ihm nachgesagt, daß er ein besonderes Augenmerk „auf die Ausmerzung der Tüchtigen“ hatte (S.66); daß er „die ganze Staatsmaschine in Unordnung brachte und das Volk bis in die Knochen dadurch korrumpierte, daß Kerle, die Angeber- und Schergendienste leisteten, mit Beförderungen, Orden und Geld reichlich bedacht wurden**. (S. 189); daß er selbst „das Theater haßte und fürchtete als einen Ort gefährlicher Gedankenbomben“ (S. 225); daß er mit der pompösen Gründung der „Universität** im Jahre 1901 nichts als Sand in die Augen seiner europäischen Freunde streuen wollte (S. 205). Wenn gelegentlich eines bedeutenden Mannes Erwähnung geschieht, so wird häufig in Parenthese hinzugefügt: verbannt zur Zeit Abdul Hamids. Ab und zu erfahren wir auch, wie dennoch in der Zeit des Terrors die Flamme edler Begeisterung genährt wurde. Von einem armenischen Buchhändler in Pera, dessen kleiner Laden Jahre hindurch der Mittelpunkt reger geistiger Bewegung war, wird erzählt, daß er „die Briefe, die aus der Provinz und Aegypten kamen, in seinen Schuhen versteckte; war der Augenblick gekommen, so zog er sie in einem Winkel vor, gab sie zu lesen und ließ sie dann wieder an ihren Platz wandern**. (S. 135.) Merk-

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