Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 16 (17.4.1914)
- Article
- Der B. J. C. im letzten Wintersemester
- Date
- 1914-04-17
- Page
- 390 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 16 390 DIE^EELT in der Ausländerfrage eine Audienz im1 Kultusministerium hatte und gewisse Zusagen betreffs derjenigen Ausländer erhielt, die in Deutschland ansässig sind und ihre Vorbildung auf einer deutschen Schule erhalten haben. Die gesamte Politik des Präsidiums fand die einmütige Zustimmung des XIII. Kartelltages, der vom 25. bis 30. Dezember in Königsberg stattfand.“ Oesterreich II. Verbandstag der jüdischen Turn- und Sportvereine Galiziens W.— Am 29. März hat in Lemberg der II. Verbandstag der jüdischen Turn- und Sportvereine Galiziens, bei Beteiligung von über 30 Delegierten, Vertretern des Zentralkomitees der Zionisten Galiziens, des Vereins der hebräischen Schulen Galiziens und der Bukowina, der Hochschüler-Verbindungen und -Vereine, unter Vorsitz des Begründers der jüdischen Turnbewegung in Galizien Ing. Isidor Zinn, seine Beratungen abgehalten. Der Präsident des Organisationskomitees des Verbandes der jüdischen Turn- und Sportvereine Galiziens, Dr. Heinrich Stern er, erstattete den Tätigkeitsbericht. Im Lande wirken bereits 28 jüdische Tum-, Sport- und Schomrim- (Scouting-)Vereine mit 2493 aktiven Mitgliedern, hiervor 408 Am Tage der Konferenz fand in Lembergs größtem Saale das jährliche Schauturnen des Vereins „Dror" statt. Zu dieser Veranstaltung, die den durchschlagenden Sieg des Gedankens der physischen Wiedergeburt des Judentums bezeugte, waren über 6000 Zuschauer, darunter alle führenden Persönlichkeiten, erschienen. Das jüdische Lemberg konnte bis nun auf eine Veranstaltung dieser Art kaum hinweisen. Czernowitz. Am 22. März veranstaltete der hebräische Schulverein „Saphah ibriah“ eine originelle und interessante Feier. Nach einem geistvollen Vortrage von Herrn Dr. Osias Thon, Krakau, über die kulturelle Zukunft der Juden trugen Zöglinge des hebräischen Kindergartens und Schüler der hebräischen Schulkurse Gedichte und Lieder in hebräischer Sprache vor, die von dem Leben unserer alten Volkssprache ein beredtes Zeugnis ablegten. Das Hauptverdienst um die schönen Leistungen hat der Leiter der Schule, Herr Stadler, und der Vereinsobmann, Herr Goldfeld. Dorna-Kandreny. Am 22. März sprach Herr M. Reifer, Czernowitz, delegiert vom Bukowinaer zionistischen Landeskomitee, in einer zionistischen Volksversammlung, die sehr gut besucht war. Nach dem Vortrage wurde für das hebräische Schulwerk gesammelt. Frößnitz (Mähren). Unser Verein hielt am 2. d. M. im Jüdischen Kasino seine 17. Generalversammlung unter Vorsitz des Obmannes Gg. Julius Neumann ab. Den Rechenschaftsberichten entnehmen wir, daß im abgelaufenen Vereinsjahre über 30 Vorträge stattgefunden haben. Hervorzuheben wäre ein Zyklus von sieben Vorträgen unseres Gg. Herrn Rabbiner Dr. Goldschmied über „Jüdische Literatur und Geschichte“. Der N.-F. hatte ein Ergebnis von 4700.— Kr. aufzuweisen, was einer Durchschnittsziffer pro Kopf der jüdischen Gemeinde von 3.— Kr. entspricht. Es wurden vier Eintragungen in das „Goldene Buch“ vollzogen. Dem Vereine ist ein Shareklub angegliedert, welcher 19 Aktien der P. L. D.. C. angekauft hat. Auch dem Zentralfonds wurden namhafte Beiträge zugeführt. Zu erwähnen wäre noch die Gründung einer Jüdischen Volksbibliothek, welche nach kaum halbjährigem Bestand bereits über 400 Werke umfaßt. Bei den vorgenommenen Wahlen in den Vorstand des Vereins wurden wiedergewählt: Gg. Julius Neumann zum Vorsitzenden, Siegfried Pollak zu dessen Stellvertreter, Leo Beer und cand. jur. Max Sborowitz; neugewählt: die Ggg. Rudolf Berger, Bernhard Ruhdörfer und Salomon Steckler. Im Laufe dieses Vereinsjahres »fanden die Neuwahlen in die Kultusgemeindevertretung statt, bei welchen elf Vertrauensmänner der jüdischnationalen Partei gewählt wurden. Zum XI. Kongreß in Wien hatten wir zwei Mandate, welche von den Herren Dr. Viktor Altar und Julius Neumann bekleidet wurden. Zaleszczyki. Die jüdisch-akademische Jugend unseres Städtchens hat sich zusammengetan, um eine akademische Verbindung „Kadimah“ zu gründen. Obwohl die Behörde große Schwierigkeiten machte, ist es unseren unermüdlichen Bestrebungen schließlich doch gelungen, die Verbindung ins Leben zu rufen, die die Aufgabe hat, die bisher hier geleistete nationale Arbeit zu konsolidieren. Frankreich Paris. Zu der von der Französischen Zionisten-Föderation am 19. März d. J. veranstalteten Versammlung (worüber wir in Nr. 14 der „Welt“ berichtet haben), wird uns mitgeteilt, daß Herr Dr. D. Jacobson, Vizepräsident der französischen Föderation, in seiner Rede keineswegs gesagt habe, „Paul Nathans gute Beziehungen zum Zionismus seien für ihn wichtiger als 100 000 Schekelzahler und 10—15 000 Juden in Rußland“. Vielmehr hat Herr Dr. Jacobson ausgeführt: „Bei den gegenwärtigen europäischen Lage können gewisse Persönlichkeiten, wie Rothschild, Schiff oder selbst Paul Nathan, für die Verwirklichung unserer Bestrebungen mehr tun als 100000 Schekelzahler ohne Geld- und sonstige Mittel in Osteuropa.“ Belgien Antwerpen. Am 31. März sprach Herr Dr. Schmarja L e v i n in Antwerpen vor einer Zuhörerschaft von etwa 2000 Personen über das Thema: „Die Juden im Orient.“ Der Präsident der Belgischen Zionisten-Föderation, Herr Sally Wolf f, begrüßte den Redner in einer herzlichen Ansprache. Dr. Levin sprach zuerst Deutsch, dann Jüdisch. Das Publikum bereitete dem Redner stürmische Ovationen. Bulgarien Zu unserer Notiz „Staatliche Subvention für die jüdischen Schulen in Bulgarien“ in Nr. 13 der „Welt“, schreibt uns das Landeskomitee der Bulgarischen Zionisten, daß die Unterstützung der jüdischen Schulen in Bulgarien nicht von Dr. Ehrenpreis erwirkt wurde, sondern daß schon vor vier Jahren vom demokratischen Unterrichtsminister Huschanotf die Unterstützung der fremden Schulen durch den Staat, die Kreise oder die Städte zum Gesetz gemacht wurde. Auf Grund dieses Gesetzes sei es den zionistischen Schulvorständen gelungen, von einzelnen Stadtbehörden die Subventionierung der jüdischen Schulen zu erwirken. So erhalten z. B. die jüdischen Schulen in Sofia 15 000 Frcs., in Rustschuk 4000 Frcs. jährliche Subvention (nicht aber 50—60 Frcs. jährlich). Infolge der Bemühungen des Präsidenten des Landeskomitees der Bulgarischen Zionisten, des früheren Gemeinderates Nissim Daniel, sei sogar berechtigte Aussicht, daß die Subvention für die Rustschuker jüdischen Schulen auf 6000 Frcs. steigen werde. Wenn der Staat also wirklich die Subventionierung der jüdischen Schulen übernähme, so werde sofort die Subventionierung seitens der städtischen Behörden in Fortfall kommen, 'und es bleibe in diesem Fall noch abzuwarten ob die staatliche Unterstützung die Höhe der städtischen erreichen werde. Die Frage des obligatorischen Religionsunterrichtes für jüdische Schüler an bulgarischen Lehranstalten sei so alt wie Bulgarien als Staat, und es sei bezeichnend, daß es Dr. Ehrenpreis erst nach dreizehnjähriger Wirksamkeit gelungen sei, diese selbstverständliche Forderung durchzusetzen. »«»mm SPRECHSAAL ■■■■iii Wir erhalten folgendes Schreiben: Löbliche Redaktion! Es wirft ein eigentümliches Licht auf die in unserer hebräischen Literatur herrschenden Zustände, daß die ersten zwei Bände von Achad Haams „Al paraschath derachim“ seit Jahren vergriffen sind und noch immer nicht neu aufgelegt wurden. Ein so wichtiges, epochales, zentrales Werk unserer nationalen Entwicklung dürfte doch wahrlich gerade in den Jahren der stärksten nationalen Bewegung nicht vom Büchermarkt verschwinden und dadurch der jungen, nachrückenden Generation, der es eine Quelle der Kraft sein könnte, unzugänglich bleiben. Ich möchte Sie daher bitten, im Sprachsaal Ihres Blattes der Anregung Raum zu geben, daß so bald wie möglich eine Neuauflage dieser zwei Bände veranstaltet wird; vielleicht ist das 25 jährige Schriftstellerjubiläum Achad Haams der willkommene Anlaß. Es ist sicherlich eine billige Forderung, daß uns Achad Haam nicht vorenthalten werde. Hoffentlich nimmt sich jemand der Sache an. Für die Aufnahme dieser Zeilen bestens dankend bin ich mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruß Robert Weltsch. Prag, 26. März 1914.