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Die Welt · 1914-04-17 · 16 (17.4.1914) · p. 386

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
16 (17.4.1914)
Article
Jerusalemer Chronik
Date
1914-04-17
Page
386 (sequence 1)
Language
German
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386 DIE^ELT Nr. 16 PALÄSTINA-RUNDSCHAU Jerusalemer Chronik (Vonunserem Berichterstatter) Wir haben hier jetzt eine „ Fleischfrage4 *, die nicht uninteressant ist. In der hiesigen aschkenasischen Gemeinde besteht ein Waad Haschechita, der eigentlich nur als „Ritualkommission“ gedacht ist und über das Kaschruth zu wachen hat. Er ist aber in Wirklichkeit ein Waad der „unbegrenzten Möglichkeiten“. Die rituelle Kontrolle verursacht hier selbstverständlich nicht viel Mühe; mehr als mit dieser seiner eigentlichen Aufgabe befaßt sich der Waad jedoch mit finanziellen Operationen. Als jetzt wieder eine neue Transaktion durchgeführt werden sollte, entstand eine stärkere Bewegung in der Bevölkerung. In der hiesigen Presse und in öffentlichen Anschlägen wurde gegen den Waad Haschechita agitiert und vor allem die Rechnungsablegung für die letzten drei Jahre gefordert. Diese Forderung betrachteten die betreffenden Herren als eine persönliche Beleidigung. Immerhin entschlossen sich die Perus chim zur Publizierung einer Teilrechnung für die letzten zwei Jahre. Aus dieser und den anderen Publikationen ist zu ersehen, daß hier bei den Aschkenasim wöchentlich im Durchschnitt ca. lOü Stück Großvieh geschlachtet werden. Die Abgaben, die dabei geleistet werden, betragen im Jahre ca. 120 000 Frcs. Davon erhalten die Schochtim ca. 30 000 Frcs., während ca. 90 00u Frcs. für Kontrolle usw. ausgegeben werden I Auf diese Weise wird das Fleisch unsinnig verteuert. Bedenkt man, daß y/10 der Fleischkonsumenten in unserer Stadt die ärmsten der Armen sind, so wird man erst dieses System richtig einzuschätzen wissen. Eine Besserung wird erst dann zu schaffen sein, wenn die produktiven Elemente der Bevölkerung sich zu einer „steuerzahlenden Gemeinde“ zusammenschließen und mit dieser Lotterwirtschaft gründlich aufräumen werden. — Wie alljährlich, kommen auch in diesem Jahre zu Peßach eine Anzahl wohlhabender Familien aus der Buchara, um hier die Feiertage zu verleben. Einige Familien werden sich hier dauernd niederlassen. Der vom hiesigen Chacham Baschi ernannte Waad für die sephardische Gemeinde hat seine Tätigkeit begonnen. Die Mitglieder; Rechtsanwalt Elija Faragi, Eljaschar, Chasan und K a m c h i haben sich bereit erklärt, zweimal wöchentlich zusammenzukommen und die Anliegen der Gemeindemitglieder zu erledigen. Diese Woche sind im Aufträge des Jaffaer Vereins „Agudath Hamagen“ die Herren Dr. Metmann und A. Almalech hierher gekommen, um die Stellung der jüdischen Wählerschaft zu den bevorstehenden Parlamentswahlen zu besprechen. Es wurde zu diesem Zwecke nach einer längeren Beratung ein Wahlkomitee eingesetzt. Von den neuen hebräischen Schulen Der Lehrerkörper der hebräischen Knabenschule in Jerusalem hat folgende Grundsätze für die Schule aufgestellt: 1. Die hebräische Knabenschule ist eine religiösnationale Erziehungsanstalt. 2. Der Bibelunterricht beginnt vom dritten Unterrichtsjahre ab. Im Anschluß an den Pentateuch werden Auszüge aus den Kommentatoren Raschi, Raschbam u. a. m., je nach Alter und. Reife der Schüler, vorgetragen. 3. Die Bibel wird in der Schule ungekürzt gelehrt. 4. Talmud wird in den letzten drei Schuljahren fünf Stunden wöchentlich unterrichtet. 5. Die hebräische Sprache und Literatur wird in dem Ausmaß gelehrt, daß die Schüler selbständig einen hebräischen Aufsatz schreiben können. 6. Der Unterricht in einer fremden Sprache beginnt im zweiten Semester des dritten Jahrgangs. Er wird sieben Stunden wöchentlich erteilt. Die Lehrkräfte sind aus dem betreffenden europäischen Lande zu engagieren. Arabisch wird in den letzten vier Jahren vier Stunden wöchentlich gelehrt. 7. Allgemeine Wissensfächer werden in hebräischer Sprache nach dem Programm einer städtischen Bürgerschule unter- Auch die Mittelschule in Haifa wird jetzt endgültig ihr Programm feststellen. — Im Jerusalemer hebräischen Lehrerseminar haben dieser Tage sechs Schüler das Studium beendet, darunter drei aus Rußland, zwei Palästinenser und einer aus Galizien. Bei dem herrschenden Mangel an Lehrern werden sie gewiß bald ihre Lehrtätigkeit aufnehmen können. Eine Friedensstlmme Die Jerusalemer Loge der „B’ne Brith“ hat, analog dem Vorgehen der Hauptloge, in der Jerusalemer Presse einen Aufruf zur Mäßigung im Schulkampfe erlassen. Die „Hacheruth“ veröffentlichte den Aufruf ohne Kommentar. Dagegen erklärt das Organ des Herrn Ephraim Cohn in einer „Anmerkung der Redaktion“, daß es vom Kampfe nicht lassen werde, da die Begründer der neuen Schulen öffentlich verkündeten, daß sie das traditionelle Judentum gänzlich aus den Schulen ausmerzen wollen!! Es scheint, daß in diesen Kreisen die Ratlosigkeit aufs höchste gestiegen ist, wenn man zu solchen Erdichtungen seine Zuflucht nimmt. Aus den Städten Hebron. Hier wird von einigen fanatischen Moslims eine Boykottbewegung gegen die Juden propagiert. Der hiesige Chacham Baschi ist diesem Treiben energisch entgegengetreten und hat sich auch mit führenden Jerusalemer Persönlichkeiten dieserhalb in Verbindung gesetzt. Gaza. Ein Sephardi aus Kurk-Kalina, der sich hier niedergelassen hat, geht daran, hier die Erzeugung von Käse in größerem Maßstabe zu betreiben. — Dank dem Entgegenkommen des Odessaer Palästinakomitees kann unsere kleine Gemeinde auch in diesem Jahre eine hebräische Schule unter- Haifa. Die hiesigen Juden haben einen größeren Betrag für die türkische Flotte gesammelt. Zweite Palästinawanderfahrt jüdischer Turner und Studenten*) (Von einem Teilnehmer.) II. Jaffa, 4. April 1914. r.k.— Von Haifa zogen wir durch Merchawjah, über Mes’cha, Jemma, Poria nach Kinereth an das Gestade des herrlichen Genezareth-Sees. ln D a g a n j a waren wir, im alten T i b e r i a s , in den prächtigen Pflanzungen von M i g - dal; dann gings nach Rosch-Pinah, nach S a f e d hinauf, wo nur Menschen und Esel hingelangen, und wiederum nach Haifa zurück, das uns nunmehr schon unerhört europäisch vorkam. Dann gingen wir in Eilmärschen über S i c h r o n , Chederah, Pethach-Tikwah nach Jaffa. *) Vgl. Nr. 15 der „Welt“. 534823002302010201000201

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