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Die Welt · 1914-04-10 · 15 (10.4.1914) · p. 366

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
15 (10.4.1914)
Article
Bezalel-Teppiche
Date
1914-04-10
Page
366 (sequence 2)
Language
German
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366 DIE^ELT- - - - -. - -. Nr. 15 hunderten in den Familien die Kunst der Teppichknüpferei gepflegt wird, mußte dieser Vorsprung in Jerusalem in verhältnismäßig kurzer Zeitx eingeholt werden, und ich muß betonen, daß jetzt nach Verlauf von sieben Jahren eine Anzahl Teppiche entstanden sind, die den erstklassigen orientalischen Fabrikaten ebenbürtig sind. Ich will hier nicht untersuchen, woran es gelegen hat, daß die ersten Bezalel-Teppiche zum Teil durch ein wenig einschmeichelndes Aussehen den Beschauer in eine traurige Stimmung versetzen mußten. Wahrscheinlich lag dies zum Teil schon an dem Bestreben, einen jüdischen Stil zu entwickeln, der natürlich nicht in einigen Jahren zu erringen ist, .sondern sich allmählich von selbst ergeben muß. Es war deshalb richtig, an Hand der besten Produkte des Orients die Knüpfarbeit vorzunehmen, und ich gebe gern zu, daß durch diese Vorbilder das Beste bereits erreicht worden i s t. Ich will einige Stücke herausgreifen, die ganz besonders durch Anlage in der Zeichnung und durch ihr Farbenkolorit auffallen und die ein Schmuckstück in jedem Hause bedeuten. Besonders fällt ein Kirman-Teppich (270:290), von welchem sich das Original im Londoner Museum befindet, durch die gefällige Anordnung und sorgfältigste Durcharbeitung der einzelnen Teilchen in der Anlage und Verteilung der Zeichnung auf. Die Farbenstimmung ist über ein persisches Kupfer gehalten, dessen Farbenton, wie bei den alten Kunstprodukten, auf alle Farben übergeht, wodurch eine sehr schöne Wirkung erzielt ist. Auch wird jeder Fachmann angenehm überrascht sein, mit welch feinem Geschmack die Anordnung der einzelnen Farbenkolorits durchdacht ist. Ein zweiter Teppich, dessen Kante eine schöne klare Sinezeichnung mit vielen interessanten Einzelheiten besitzt, weist auf eine geschickte Hand in der Anlage hin und» enthält einen in der Farbe vortrefflich getroffenen persisch-roten Unifond, der sich recht ruhig von der reich gezierten Kante abhebt. Bei einem anderen Teppich, der nach einem antiken Schirwan-Vorbilde gearbeitet ist, sagt die geschmackvolle Farbenzusammenstellung und die gute geometrische Verteilung außerordentlich zu. Hier ist ein stumpfes Blau die vorherrschende Farbe, die wiederum durch sämtliche Details und Farbentöne hindurchgeht, so daß auch hier wieder die künstlerische Stimmung getroffen ist. In dieser Weise habe ich noch eine Anzahl Teppiche beurteilen können und erwähne hier noch einen in einer Magen David-Zeichnung gehaltenen durchgemusterten Teppich, der die eigenen Ideen des Bazalel enthält und darin bereits gute Eigenschaften des antiken persischen Teppichs aufweist. Wahrscheinlich wird sich mit der Zeit ein eigener Bezalel- Stil entwickeln, der das Kostbare der Farbenharmonie des antiken orientalischen Teppichs mit der im Lande wurzelnden Darstellungsform der Natur und Geschichte vereinigt. Hinsichtlich der Technik ist zu bemerken, daß. dieselbe vollendet ist; die Knüpferei ist exakt, die Weberei sehr sorgfältig gehandhabt worden, so daß die Teppiche eine gute Auflage haben und sich vorteilhaft gegen die persischen Produkte bezüglich des Faltenschlagens und derkrummen Formen abheben. Die Farben selbst (Alizirinfarben) sind an Echtheit und Haltbarkeit den Anilinfarben, mit denen die modernen marktfähigen Produkte des Orients hergestellt werden, weit überlegen. Ich kann es aus diesen Gründen nur warm empfehlen, sich die verhältnismäßig kleine Anzahl herausgekommener Stücke zu sichern, um so mehr, da auch die Preisgestaltung durch Ausschaltung des Zwischenhandels eine sehr vorteilhafte ist. Ich bin überzeugt, daß jeder, der einen derartigen Bezalel-Teppich erwirbt, eine ständige Freude daran haben "wird. Nur dadurch ist auch die Möglichkeit gegeben, daß sich immer weitere Volkskreise in Palästina mit diesem kunstgewerblichen Haus- und Hand-Betrieb befassen. Die Teppich-Knüpferei ist nicht nur eine der Eigenheiten des Orients, sondern, wie ich mich überzeugt habe, sind auch die Juden durch ganz besondere Fähigkeiten dazu prädestiniert, dieses Kunstgewerbe in Massen zu ergreifen. Oesterreich Die diesjährige Palästina-Frühjahrsfahrt Der Erfolg, den bisher die Aktion für unser hebräisches Schuhverk in Palästina aufweist, ist ein beredtes Zeugnis für das immer steigende Interesse, das gegenwärtig Palästina entgegengebracht wird. Nicht minder beweisend hierfür ist der rege Verkehr nach Palästina, der durch unser Wiener Palästma- Informationsbureau in hervorragendem Maße gefördert wird. In den letzten Wochen gingen durch Vermittlung des Bureaus mehrere Gruppen nach Palästina, um das Land unserer Zukunft aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Besonders erwähnenswert ist die große Gesellschaftsfahrt, die am 3. April von Triest aus erfolgte. Die erste Gesellschaftsreise, welche der Wiener Zionistische Zentralverein im Jahre 1907 veranstaltete, zählte ca. 30 Teilnehmer, die Reisen in den folgenden Jahren erfreuten sich nur einer geringen Beteiligung. Erst im vorigen Jahre zeigte sich eine erfreuliche Besserung, welche in nicht geringem Grade auch darauf zurückzuführen ist, daß das Bureau nicht mehr nur die Schiffahrt vermittelt, sondern auch für einen planmäßigen gemeinsamen Aufenthalt in Palästina Vorsorge trifft und es den Teilnehmern ermöglicht, mit geringen Kosten und in kurzer Zeit das Land und dessen jüdische Institutionen kennen zu lernen. Der systematischen Propaganda des Bureaus und der intensiven Mitwirkung einiger hervorragender Gesinnungsgenossen ist es zu verdanken, daß an der diesjährigen Fahrt sich die stattliche Anzahl )von 96 Personen beteiligt. Es soll noch hervorgehoben werden, daß die Mehrheit der Anteilnehmer in Palästina Eigentum zu erwerben beabsichtigt. Aktion des jüdischen Volksvereines für die Hausierer Die trostlose Lage der Wiener jüdischen Hausierer und ihre schlechte Beratung seitens Unberufener hat den jüdischen Volksverein für die Leopoldstadt veranlaßt, eine gesonderte Aktion einzuleiten, einen Darlehensfonds ins Leben zu rufen, für welchen bereits namhafte Beträge gespendet ' wurden, und sein Rechtsschutzbureau den Hausierern für ihre Zwecke zur Verfügung zu stellen. Jüngst fand eine Hausiererversammlung statt, die aus ihrer Mitte einen viergliedrigen Beirat der Hausierer für den Ausschuß des jüdischen Volksvereines wählte. Der größte Teil der Hausierer, die an der Versammlung teilnahmen, trat dem jüdischen Volksvereine für die Leopoldstadt bei. Gründung eines jüdischen Orchesters Neben dem im Herbste gegründeten Wiener jüdischen Gesangsverein, der unter bewährter Leitung gute Fortschritte macht, hat sich neuestens innerhalb der Mensa academica Judaica ein jüdischer Orchester verein gebildet, der in einem Aufrufe auf die Wichtigkeit des Unternehmens hinweist und vor allem die musikkundige jüdischakademische Jugend zum Beitritte auffordert. Schauturnen der Wiener jüdischen Turnerschaft Die Verbreitung der jüdischen Tumbewegung übertrifft alle Erwartungen. In den letzten Wochen fanden in Wien drei große Turnveranstaltungen statt. Der I. Wiener jüdische Turnverein hielt sein Schauturnen in den Sophiensälen vor einem Massenpublikum von 1SÖ0 Teilnehmern ab. Die Leistungen der Turner und Turnerinnen wurden von Fachkennem als erstklassig bezeichnet. Herr Dr. Werner hielt eine zündende Ansprache, die großen Beifall auslöste. Das Turnfest des „Jüdischen Turnvereins Favoriten" fand im großen Saale des Arbeiterheimes statt und war von ungefähr 1000 Personen besucht. Jubelnde Zustimmung erscholl, als Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren, hebräische Lieder singend, in den Saal zogen und treffliche Geräteübungen ausführten. Der „JüdischeTurnvereinLeopoldstad t", eine Neugründung des jüdischen Handlungsgehilfenverbandes, veranstaltete anläßlich seiner 1. Generalversammlung ebenfalls ein erfolgreiches Schauturnen im Bezirke. Obmännerkonferenz der Zionisten Böhmens Am 16. März fand im Jüdischen Vereinsheim in Prag eine von allen zionistischen Vereinen zahlreich beschickte Tagung der Zionisten Böhmens statt, in der das Mitglied des Engeren Actions-Comites, Herr Dr. Schmarja L e v i n, ausführlich über die gegenwärtige Situation in der Bewegung, den vor kurzem beendeten Sprachenkonflikt in Palästina, den Kampf gegen die Zionisten in Deutschland und die Aufgaben und Richtlinien der zukünftigen Arbeit sprach. Die Ausführungen Dr. Levins gaben manche wertvolle Auf-

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