Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 15 (10.4.1914)
- Article
- Ritualmordhetze in Frankreich
- Date
- 1914-04-10
- Page
- 362 (sequence 2)
- Language
- German
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362 Nr. 15 die3$EELT hat, fand das Gerücht leicht Glauben und die geheimnisvollen Reisenden „mit Bärten“ waren auch schnell erfunden. Unter den wenigen Blättern, welche diese Geschichte in Paris verbreiteten, befand sich auch das klerikale „Echo de Pari s", auf dessen Titelblatt als Direktor, Administrator und Chefredakteur die Gebrüder Simond (früher S i - m o n) prangen. Eine solche Gelegenheit, die „gute Gesinnung" zu bezeugen, wollten sich die Herren natürlich nicht entgehen lassen! Ganz nach russischer Methode führt die „Libre Parole" ihre Kampagne von Purim bis Peßach gegen die „blutdürstigen“ Juden. Das Blatt verkündet seinen Lesern folgende hochernste Mahnung: „Dieses Jahr, 1914, fällt der 14. Nissan, der erste Tag des jüdischen Osterfestes, auf den 11. April: das ist gerade der heilige Samstag, der Tag vor unserem heiligen Osterfeste. Es ist also für die Juden, unsere Feinde, ein sehr feierliches Osterfest, welches ihnen eine noch stärkere dämonische Wut gibt als gewöhnlich. In den Ländern, wo ihnen die Straflosigkeit ungefähr gesichert ist, kann man den Katholiken nicht genug anempfehlen, über ihre Kinder zu wache n.“ ^BHiailiiiiiMllHlllüilllilHllillliiilHillli England | mim ftum amen. Jüdische Massenauswanderung Die Enttäuschung und Erbitterung der jüdischen Bevölkerung, der die Regierung trotz wiederholten Versprechungen die Möglichkeit zur Erlangung der Bürgerrechte vorenthält, wächst immer mehr an. Namentlich diejenigen jungen Leute, die an dem letzten Feldzug gegen Bulgarien teilgenommen haben und denen die Naturalisation ungeachtet der feierlichen Zusagen der Regierung verweigert wird, befinden sich in verzweifelter Stimmung. Infolgedessen hat eine neue Auswanderungsbewegung unter den Juden, ähnlich der vom Jahre 1900, eingesetzt. Tausende von jüdischen Reservisten haben sich zu militärisch organisierten Trupps vereinigt, die das Land zu Fuß verlassen, um nach Amerika auszuwandern. Die erste Auswanderergruppe ist am 1. April von Jassy aus aufgebrochen. Die Bewegung nimmt von Tag zu Tag einen größeren Umfang an. |llllllllllllllliniliniiilliniiill| Serbien |iiiiiiii[iiiiiiiiiiiiiiiiiii| Reise des Großrabbiners Eine Palästina-Landkaufsgesellschaft in England Der Order of Ancient Maccabeans hat eine Bodenerwerbsgesellschaft für Palästina mit einem Kapital von •£ 52 000 und £ 10 000 Hypotheken ins Leben gerufen. Die Gesellschaft will durch Ansammlung kleiner Teilzahlungen die Mittel zum Kauf ländlicher Grundstücke in Palästina aufbringen, die entweder von den Aktienbesitzern selbst oder von dazu angestellten Personen bewirtschaftet werden sollen. Man hofft, daß das Aktienkapital (£ 52 000) der Gesellschaft genügen wird, um ein größeres Landgebiet im Distrikt M o d i n, der Heimat der Makkabäer, anzukaufen und es zu Ansiedlungszwecken bearbeiten zu lassen. Die Obligationen (10 000 £) sollen Freunden der Gesellschaft, die nicht selbst Land erwerben wollen, die Möglichkeit geben, sich an dem Unternehmen zu beteiligen, und die Obligationen samt dem entsprechenden Zinsbetrag sollen am Ende des vereinbarten Termins zurückgezahlt werden. Das zu erwerbende Land soll in Parzellen von je zwei Acre eingeteilt und diese an die Aktionäre vergeben werden. Der Aktienbetrag (£ 50), schließt die Kosten für die Bearbeitung und Bepflanzung der einzelnen Parzellen ein, und im übrigen sorgt die Gesellschaft für die Verwaltung derjenigen Terrains, deren Besitzer sie nicht selbst zu verwalten beabsichtigen. Man hofft, daß eine große Anzahl von Palästinafreunden — Zionisten und Nichtzionisten — sich für das Unternehmen werktätig interessieren wird. Das Direktorium hat sein Bureau in London, 226—231, Gresham House, Old Broad Street, wo auch nähere Auskünfte erteilt werden. (Von unserem Berichterstatter.) r.— Dr. Alcalay, der Großrabbiner von Belgrad und ganz Serbien, hat soeben eine Reise durch die neuen serbischen Gebiete angetreten, um sich über die Lage der jüdischen Gemeinden in den annektierten Städten zu informieren, sie zu reorganisieren und dem Kultusminister einen Bericht zu erstatten. Auf seiner Durchreise durch Saloniki hat er dem Berichterstatter einer jüdischen Zeitung ein Interview gewährt und ihm gesagt, daß er beabsichtige, die etwa 20000 Juden, die in den neuen Gebieten, hauptsächlich in Monastir, Uesküb, Istip und Pristina wohnen, zu neuen Gemeinden zu organisieren und an deren Spitze Oberrabbiner zu stellen, die vom Staat besoldet werden sollen. In seinem Bericht wird er die Bildung eines Zentral-Konsistoriums empfehlen, an dessen Spitze der Oberrabbiner von Serbien stehen soll. Dieses Konsistorium soll mit der Regierung in Verbindung stehen und sich in Gemeindeangelegenheiten mit dieser beraten. Im Hinblick auf die Notlage der jüdischen Gemeinden in den annektierten Städten hat sich der Oberrabbiner an die Wohltätigkeitsgesellschaften in Europa gewandt und eine Summe von 100 000 Frcs. von diesen erhalten. Erneuern Sie m»iiim»«UW»m Rußland iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiBiiiiiij Pogromagitation in Kiew. Am 22. März haben die Mitglieder des Kiewer Doppeladlers am Grabe Justschinskis eine Messe veranstaltet und eine große Menge, etwa tausend Verbändler, herangelockt. Da bedrohliche Kundgebungen befürchtet wurden, kam eine starke Polizeiabordnung zur Stelle und ließ auch den Führer des versammelten Pogromgesindels, den Studenten G o 1 u b e w, seine begonnene Pogromrede nicht halten. Die Judenfeinde in Kiew agitieren 'in den letzten Wochen mit ungewöhnlicher Energie für einen Pogrom und werden nur durch die Polizei einigermaßen in Schranken gehalten. Seit der Affäre Justschinski und insbesondere seit dem Fastower Fall ist Kiew zu einem Tummelplatz der gefährlichsten Pogrompropaganda geworden, und es erscheint zweifelhaft, ob die laue Abwehr der lokalen Behörden genügen wird, um schwere Ausschreitungen zu verhindern. sofort Ihr Abonnement, da Sie sonst keine Garantie für die pünktliche Zustellung der Nummern im nächsten Quartal haben. Die Ueberweisung der Abonnementsbeträge aus Deutschland und Oesterreich - Ungarn erfolgt kostenlos mittels Postschecks, die wir sämtlichen Beziehern, deren Abonnement abläuft, direkt zugesandt haben. Aus dem Auslande überweist man Beträge an uns am einfachsten per Postanweisung, wo dies nicht möglich ist, per Scheck auf europäische Banken oder in Briefmarken. Reklamationen bei unpünktlicher Zustellung der Blätter in Deutschland richte man nicht an uns, sondern immer an das Postamt des Bestellbezirkes. Verlag „Die Welt“ BERLIN W 15, Sächsische Str. 8. 5415640