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Die Welt · 1914-04-10 · 15 (10.4.1914) · p. 360

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
15 (10.4.1914)
Article
Palästinareise des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel
Date
1914-04-10
Page
360 (sequence 2)
Language
German
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360 Nr. 15 DIE3&ELT Aus Jerusalem wird ferner telegraphisch berichtet: Botschafter Morgenthau, der im Aufträge seiner Regierung eine Studienfahrt durch Palästina und Syrien unternimmt, traf am 3. April mit seiner Frau und Tochter in Jerusalem ein. Die Behörden bereiteten ihm einen festlichen Empfang. Mr. Morgenthau empfing zahlreiche Abordnungen der jüdischen Gemeinden und Wohlfahrtsanstalten. Von hier wird der amerikanische Botschafter nach Hebron reisen. Kleine Nachrichten Dem Berichte der Bibliothek „Schaare Zion“ in Jaffa entnehmen wir, daß dort im letzten Jahre zirka 9000 Bücher ausgeliehen wurden, darunter 7600 hebräische, 740 russische, 460 französische, 120 deutsche, 31 jiddische. Die Einnahmen betrugen zirka 5000 Frs., darunter Mitgliedsbeiträge 916, Subventionvon Tel-Awiw 800, Subvention des Odessaer Komitees 800 Frcs. Es werden in diesem Frühjahr eine Anzahl Reisegesellschaften sephardischer Juden aus Marokko, Saloniki, Aegypten, Buchara usw., sowie einzelne angesehene Juden aus verschiedenen Ländern in Palästina erwartet. Auch in diesem Jahre wird die Chagigah in Rechob o t h mit einer landwirtschaftlichen Ausstellung verbunden Herr Nahum S o k o 1 o w, Mitglied des E. A. C., weilt seit Ende März in Palästina. Im fast vollendeten Technikum klangen am festlichen Tisch hebräische Lieder. Heute spielten wir auf grünem Rasen vor einer vielköpfigen Zuschauermenge mit \ Schülern und Turnern; jetzt besuchen wir die jüdischen Arbeiter in ihrem Heim. Morgen geht es weiter, in Reih und Glied, ins Innere unseres Landes. Säuglingsfürsorge in Jerusalem Nach Berichten aus palästinensischen Aerztekreisen war die Kindersterblichkeit, besonders unter den Jemeniten, auch im letzten Jahre erschreckend groß. Diese traurige Erscheinung zeitigt im Lande ähnliche Folgen wie der Geburtenrückgang in manchen europäischen Ländern: die Bevölkerungszunahme erscheint letzten Endes durch Einwanderung von auswärts bedingt. Um diesem Hauptübel der Kolonisation zu steuern, versuchte man, maßgebende Kreise für das Problem zu interessieren. Dieser Versuch war bereits von» Erfolg begleitet: von einem bekannten Philanthropen ist der Grund zur Schaffung einer Fürsorgestelle für Bekämpfung zunächst der Säuglingssterblichkeit in Jerusalem gelegt worden. Um dieses Werk bereits in nächster Zeit und in großzügiger Weise zu verwirklichen, wird ein Kuratorium geschaffen, dem einzelne Organisationen, die Mittel zur Verfügung stellen, und eventuell einzelne Stifter angehören; das Kuratorium soll die Mittel schaffen, um die systematische Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit in Palästina unverzüglich in Angriff nehmen zu können. Die Vorarbeiten sind soweit gediehen, daß mit der Tätigkeit in Jerusalem noch in diesem Jahre begonnen werden wird. Von den Mitgliedern des Actions-Comites ist Herr Julius Simon mit Herrn Sokolow zusammen nach Palästina gekommen, die Herren B. Goldberg und M o t z k i n werden in den nächsten Tagen erwartet. Auch die Herren Josef Co wen, Direktor des J. C. T., und Kurt Blumenfeld Redakteur der „Welt“, werden das Peßachfest diesmal in Erez Israel verleben. In diesen Tagen begibt sich ferner zu einem längeren Studienaufenthalt besonders m den Kolonien Herr E. M. Lilien nach Palästina, der das Land schon zweimal bereist hat. Das erstemal, als es sich um die Begründung des Bezalel handelte, zum zweitenmal, um Studien für das große Bibelwerk zu machen, von dem ein Teil — 3 Bände — bekanntlich bereits erschienen sind. Die diesjährige Reise ist den Studien für die Fortsetzung dieses Werkes gewidmet, dessen Schulausgabe schon in mehr als 400 Schulen eingeführt wurde. Zweite Palästina-Wanderfahrt jüdischer Turner und Studenten (Von einem Teilnehmer.) Haifa, 21. März 1914. r. k.— Vorgestern früh sind wir unter den Klängen des „Poh be-erez“ in die Straßen Jaffas einmarschiert. Hinter uns liegt der Abschied in München, den uns die Veranstalter der Fahrt, die Jiddische Turnerschaft, der B. J. C. und das K. Z. V., bereiteten. Es folgte die wechselvolle Fahrt 5 durch die Tauern und die — bei etwas bewegter See — in anderrn Sinne auch wechselvolle Fahrt nach Aegypten. In T riest und Kairo wurden wir festlich empfangen und bewirtet, in Kairo folgten wir einer Einladung der U. O. B. B. in ihre Räume zu einer Festsitzung. Mit besonderem Dank sei der aufopfernden Tätigkeit einiger Gesinnungsgenossen gedacht, die uns — wie es auch in Triest geschah — unermüdlich als Führer und Berater zur Seite standen. Schon beim Betreten des Syriendampfers ahnt man, daß man sich jüdischem Gebiete nähert, und hier, trotz kreuz- und halbmondgeschmückter Türme, trotz des bunten Gewimmels der Araber, fühlen wir uns im jüdischen Lande. Nach kurzem Aufenthalt in Tel-Awiw, wo wir dem hebräischen Unterricht im Gymnasium beiwohnten, fuhren wir nach Haifa weiter. Wir sind nun mitten drin im jüdischen Leben, keiner hatte erwartet, es so prägnant und geschlossen zu finden, und mancher möchte so gerne schon jetzt hier bleiben und mittun. iiiuiuiiiiiiiiiiiii REVUE DER PRESSE |niiiiniinnii:iiiiii Die beiden zionistischen Blätter Frankreichs, die nur monatlich erscheinen, haben zu den beiden Parisern Versammlungen, über die wir in voriger Nummer berichteten, noch nicht Stellung nehmen können. Ueber den Hauptgegenstand der Kontroverse, den Sprachenkampf in Palästina, äußern sich diese Blätter u. a. wie folgt: „Der Jid in Paris“ schreibt im Leitartikel seiner jüngsten Nummer: . . Eine überaus erfreuliche Erscheinung, die der künftige Historiker unserer Renaissancebewegung mit goldenen Lettern verzeichnen wird, ist der mächtige Widerhall, den unser Kampfruf in der jüdischen Gasse gefunden hat. Selten hat eine Angelegenheit so lebhaftes Interesse bei den Juden aller Erdteile hervorgerufen. Selten manifestierte sich so deutlich die kulturelle Interessengemeinschaft der Juden. Die Juden von Palästina, von Amerika und von ganz Europa bis in die entlegensten Gouvernements Rußlands, Antizionisten und Jiddischisten, waren mit uns gegen den Hilfsverein. Dies ist der größte Erfolg der zionistischen Arbeit. Unsere Führer dürfen überzeugt sein, daß das Herz der jüdischen Volksmassen ihnen herzlich entgegenschlägt und daß unser Volk immer Folge leistet, wenn man es für klar umschriebene Ziele anruft.“ In der Märznummer des „Echo Sioniste“ behandelt M y r i a m den Kampf mit dem Hilfsverein in einem „F anatismus“ überschriebenen Artikel. Es heißt da u. a.: „Mit der Erneuerung des jüdischen Lebens auf allen Gebieten beginnt ein neuer Geist durch die Massen zu wehen, ein Geist der Kritik, der für die jüdische Oeffentlichkeit das Recht der Kontrolle der Angelegenheiten des Volkes verlangt. Diesen „revolutionären“ Ansprüchen setzen unsere philanthropischen Oligarchien, große und kleine, überall einen nervösen Widerstand entgegen. Wir hatten neulich ein charakteristisches Beispiel in dem Konflikt, der wegen des Technikums in Haifa ausgebrochen war. Die eifrigsten Verteidiger der Rechte des Hebräiscfiten waren natürlich die Palästinenser selbst, treu unterstützt von der zionistischen Organisation und fast von der gesamten jüdischen Presse. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung, die sich diesmal mit einer bei noch nie gesehenen Wucht manifestierte, mußten die „Herren der Stunde“

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