Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 15 (10.4.1914)
- Article
- Allgemeine Konferenz der jüdischen Landarbeiter in Galiläa
- Date
- 1914-04-10
- Page
- 359 (sequence 2)
- Language
- German
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- Haifa 3× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
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Nr. 15 359 t>IE2^ELT von Siedlungen, bei denen es sichergestellt ist, daß die Siedler selbst arbeiten werden, ist zu begrüßen. In der ersten Zeit sollen diese Siedlungen genossenschaftlich arbeiten. Der N. F. soll Boden und Häuser erwerben, während für die Inventarbeschaffung ein Darlehen von einer andern Gesellschaft auf Grund solidarischer Haftung aufgenommen werden soll. Die Arbeiterorganisation in Galiläa spricht den Wunsch aus, daß der N. F. ein gewisses Areal für Arbeitersiedlungen erwerben möge. Bei der Einrichtung dieser Siedlungen soll der Arbeitervorstand im Sinne der Organisation behilflich sein. Der Jerusalemer Gouverneur über die jüdische Kolonisation in Palästina Die arabische Zeitung „11-lkdam" in Kairo nimmt in letzter Zeit, im Gegensatz zu den führenden arabischen Zeitungen Aegyptens, eine feindselige Haltung gegen die Juden ein. Vor kurzem bereiste der Direktor dieser Zeitung Palästina und hatte Unterredungen mit einigen Beamten, denen er in langen Tiraden die Gefährlichkeit des Zionismus und die Notwendigkeit von Ausnahmegesetzen gegen die Juden auseinandersetzte. Er fand aber in den maßgebenden Kreisen des Landes durchaus kein Verständnis für seine edlen Bemühungen. So antwortete ihm der Gouverneur von Jerusalem, M a g i d B e y, folgendermaßen : „Sie wissen wohl, daß die Augen der Juden aller Länder auf Palästina gerichtet sind, wo im Altertum ihre Vorfahren lebten. Es gibt jetzt zwei Strömungen innerhalb der Judenheit: Die eine will, daß die verfolgten jüdischen Massen nach Amerika auswandem, die andere will die Juden in Palästina kolonisieren, um ihren Volksstamm und unser Land zu neuem Leben zu erwecken. Darin liegt nichts Schädliches. Wüßten die Einheimischen von diesem Volke zu lernen, so würden sie sich Tel-Awiw und die anderen jüdischen Kolonien zum Muster nehmen. Das Gesetz verbietet keineswegs die Niederlassung fremder Untertanen in irgendeinem ottomanimanischen Gebiete. Die Konstantinopeler Zentralregierung ist bestrebt, die Eintracht zwischen den verschiedenen Volksstämmen und Rassen zu fördern und ihnen keine Hindernisse in den Weg zu legen. Ich meinerseits gebe mir alle mögliche Mühe, die Völker dieses Landes einander näherzubringen und sie auf dem Boden des ottomanischen Reichsgedankens zu vereinigen. Ich habe zu diesem Zwecke auch Tel-Awiw und andere jüdische Niederlassungen besucht. Ich hoffe zuversichtlich, mit Gottes Hilfe dieses Ziel zum Segen des Vaterlandes erreichen zu können." Haifa er Chronik Die Haifaer hebräische Mittelschule ist seit dem Eintreffen des neuen Direktors, Herrn Dr. Biram aus Berlin, in frischer Entwicklung begriffen. Trotz der großen äußeren Schwierigkeiten ist der Unterricht bereits vorzüglich organisiert, und die Disziplin der Schüler wie die Arbeitsfreudigkeit der Lehrer machen den denkbar besten Eindruck. Die Anstalt ist die erste Schule von konsequentem Real- Typus. Die technischen Fertigkeiten und die Naturwissenschaften bestimmen ihren Charakter. Die Schule muß und wird für das jüdische Haifa dieselbe Bedeutung gewinnen, wie das hebräische Gymnasium für Jaffa. Sie soll ein Anziehungspunkt vor allem für jüdische Schüler aus Europa werden, ob sie nun das Technikum zu besuchen gedenken oder nicht. Im Laufe dieses Jahres werden zwei neue Klassen, die sechste und siebente, eröffnet, so daß schon in etwa zwei Jahren die Schule völlig ausgebaut sein kann. Der Besuch des Barons Edmund Rothschild aus Paris wird in Haifa bleibende Zeichen hinterlassen. Der Baron hat der jüdischen Gemeinde den Bau einer Synagoge zugesagt, die ein neues Zentrum für die bisher zerstreute jüdische Siedlung werden kann. Von noch weittragenderer Bedeutung ist es, daß Frau Baronin Rothschild Terrain und Baukosten für ein jüdisches Krankenhaus in Haifa gespendet hat. Es ist bereits ein Platz unweit des Technikums in Aussicht genommen, und sobald die Sicherung des Budgets, um die sich Dr. Auerbach zurzeit bemüht, gelungen ist, soll mit dem Bau begonnen werden. Baronin Rothschild hat selbst 6000 Frcs. als jährliche Subvention bewilligt. Der Wali von Beirut, der sich auf einer Inspektionsreise befindet, besuchte kürzlich Haifa, und von hier aus auch die Landwirtschaftliche Versuchsstation in A 11 i t. Aus allen Gesprächen, die er bei diesen Gelegenheiten führte, ging sein lebhaftes Interesse und seine besondere Sympathie für die jüdische Kolonisation hervor, der er jede mögliche Förderung zusagte. Bau eines neuen Zollamtes in Jaffa Anfang März d. Js. weilte der Oberzolldirektor von Beirut in Jaffa, um die Zustände am dortigen Zollamt, die schon lange als reformbedürftig gelten, durch den Augenschein kennen zu lernen. Er will nun, nachdem er sich von der Unhaltbarkeit der jetzigen Verhältnisse überzeugt hat, energisch dafür eintreten, daß schon in den nächsten Monaten der Bau eines neuen Zollamtes in Angriff genommen wird. Zu diesem Zwecke schlägt er die Auffüllung des sogenannten Bootshafens vor, um auf diese Weise große Terrains für die neuen Gebäude zu gewinnen. Erneute Jemeniteneinwanderung In den letzten Tagen sind neue jemenitische Einwanderungsgruppen in Jaffa eingetroffen und haben in der Baracke, die der Jüdische Nationalfonds voriges Jahr hier erbaute, Unterkunft gefunden. Sie kommen aus S a n a a, der Hauptstadt des Jemen. Nach ihren Angaben sind nach dem Peßachfeste noch weitere große Trupps zu erwarten. Als Grund geben sie die Verschlechterung der ökonomischen Lage an. Leider ist es bis jetzt noch nicht gelungen, für die einwandernden Jemeniten genügend Wohnungen zu bauen. Die Wohnungsfrage wird wieder aktuell werden und der Sommer müßte gehörig ausgenützt werden! Der Verein junger Jemeniten in Jaffa hat im letzten Jahre für die geistige Hebung seiner Mitglieder vieles geleistet. Vor einigen Wochen gab der Verein in der Aula des hebräischen Gymnasiums einen Abend, der sich durch seinen echt orientalischen Anstrich sehr vorteilhaft von den ähnlichen Veranstaltungen abhob. Auch im Turnerischen waren die Leistungen sehr befriedigend. Diese jungen Jemeniten, die ein Leben harter Arbeit führen, sind merkwürdig flink und geschmeidig. Es ist noch ein gut Stück Naturkraft in ihnen. Der erzielte Reingewinn des Abends wurde ihrem Fonds für die Erbauung eines Vereinshauses zugewiesen. Der Verein zählt jetzt vierzig Mitglieder. Vierzig Jaffaer Jemenitenfamilien haben einen Häuserbauverein mit dem Zweck gegründet, auch in Jaffa ein sauberes Jemenitenviertel zu erbauen. Konzert in Merchawja Unsere Siedlung mit ihren SO jüdischen Arbeitern steht gegenwärtig hinsichtlich der Arbeiterzahl an der Spitze der galiläischen Kolonien. Auf der Arbeiterkonferenz in Poriah wurde über die Arbeiter von Merchawja geklagt, daß sie die Aufgaben der Arbeiterorganisation vernachlässigen. Diese Klage war nicht ganz unberechtigt. Unsere Arbeiter, die zum Teil Galizier sind, sind in gewissem Sinne versammlungsmüde und finden ihre seelische Befriedigung in der Arbeit auf den Feldern der herrlichen Ebene Jisreel. Daß aber auch die Arbeiter in Merchawja keine Banausen sind, bewies das Konzert, welches Frl. B entwich aus London am IS. März auf Er-* suchen des Herrn Agr. Dyk hier gegeben hat. Alles lauschte andächtig den herrlichen Tönen der Geige. In der Pause wurden bekannte Volkslieder gesungen, am Schluß folgte ein Reigentanz aller Anwesenden. Solche Veranstaltungen sind bei uns nichts ganz seltenes. So wechselt hier ernste, schwere Arbeit mit geistigen „Erfrischungen" ab. Palästinareise des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel Der amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Mr. Henry M o r g e n t h a u, ist zu mehrwöchigem Aufenthalt nach Palästina gereist. Mr. Morgenthau, der bekanntlich Jude ist, besuchte vorige Woche in Begleitung des Herrn Dr. Arthur R u p p i n das jüdische Stadtviertel T e 1 - A w i w sowie die Kolonie Pethach-Tikwah. Er äußerte sich ungemein befriedigt über das jüdische Kolonisationswerk in Palästina, dessen eifrige Förderung er versprach.