Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Article
- Hauptversammlung des jüdischen Handlungsgehilfenverbandes
- Date
- 1914-04-03
- Page
- 337 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316625-3316639-3353165--60010-3353260- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 14 DIE3EKELT: 337 schrift“ als Ankündigungsstelle benütze, trotzdem dieses Organ bei den erwähnten Wahlen den jüdischen Handlungsgehilfen in den Rücken gefallen sei. Del. Deutsch beklagt, daß die zionistischen Handlungsgehilfen, soweit sie nicht im Verbände organisiert sind, bei den Wiener Gehilfenwahlen abseits standen, ja zum Teile die gegnerische Liste wählten. Die Hauptforderung des Wahlkampfes sei gewesen: Proportionalwahlen als Ausfluß der nationalen Gewerkschaft. Die bewußt-jüdischen Handlungsgehilfen seien jedem Hurranationalismus abhold. Der deutschnationale „Herrschernationalismus“ dürfe von den Nationaljuden nicht imitiert werden. Del. Strauß findet, daß die zionistische Leitung nicht im vollen Maße die Bedeutung der jüdischen Gewerkschaftsbewegung für die zionistische Weltbewegung würdige. Anderseits müsse aber auch der Verband mehr als bisher Gelegenheit nehmen, innerhalb der zionistischen Organisationen für die bewußt-jüdische gewerkschaftliche Vereinigung der Handlungsgehilfen zu werben. Das Eintreten in die Gehilfenwahlen und der Erfolg dürften nicht unterschätzt werden. Der gegenwärtige Gehilfenobmann Pick, hinter welchem eine mächtige Partei stehe, habe bei seiner erstmaligen Kandidatur nur um wenige Stimmen mehr erhalten als diesmal der bewußt-jüdische Kandidat. Der abtretenden Leitung wurde einstimmig das Absoluter! um erteilt. In der Nachmittagssitzung erstatteten die Herren Karl Fried (Proßnitz) und Samuel Strauß (Wien) das Organisationsreferat. Die infolge der erfreulichen Ausbreitung der Organisation nötig gewordene Einteilung in Kreise wurde akzeptiert. Zu erwähnen sind noch die Referate über die Stellenvermittlung und die Jugendorganisation, welche von den Herren Bernhard Grünhut und Hans Ger st 1 gehalten wurden. Zum Obmanne der Verbandsleitung wurde Herr Siegfried Keßler (Wien) wiedergewählt. Zionistischer Wahlsieg in Tarnopol (Von unserem galizischen Berichterstatter) w.— Die Zionisten in Tarnopol haben einen erfreulichen Wahlsieg zu verzeichnen. Bei den am 24. März stattgehabten Wahlen in den Kultusrat wurden die Gg. Gg. Dr. Wilhelm Landau, Samuel M a r g u 1 i e s und Dr. Israel Waldmann gewählt. Alle drei sind seit vielen Jahren erprobte Zionisten, Dr. Israel Waldmann ist einer der Begründer der zionistischen Bewegung in Podolien, Mitglied des Zentralkomitees der Gesamtorganisation. Dem Erfolge kommt mehr als eine bloß örtliche Bedeutung zu. Zählt ja Tarnopol zu den größten Städten des Landes, die eine namhafte jüdische Bevölkerung aufweisen. Die Bevölkerung zu. gewinnen erforderte eine aufreibende, langandauernde Arbeit, der sich in den letzten Jahren die Verbindung „Bar-Kochba“ und in erster Reihe Dr. Israel Waldmann unterzog. Bereits die Kultuswahlen nach dem Reichsratswahlkampfe im Jahre 1907 brachten eine Errungenschaft, es gelang einige Zionisten in die Kultusstube zu bringen. Wenn dann, vor allem infolge der Haltung der Ruthenen, der Ausgang der Reichsratswahlen im Jahre 1911 und der Gemeinderatswahlen im Jahre 1912 unsere Stellung wieder schwächten, so haben die jüngsten Kultusratswahlen den unbestreitbaren Beweis erbracht, daß die Zionisten auch in der schwer zu gewinnenden Judenheit Tamopols zu einer Macht geworden sind. Deutschland Schweiz l!:!!!!ii!l!!!!!i:!;ii;i!:ii!!iii!!illllll!llllll!l! Januar bis 31. Dezember 1913, erstattet von J. Bollag-Feuchtwanger, entnehmen wir folgende Angaben: Im Jahre 1913 sind über Basel 74 560 (1912: 60 575) Personen ausgewandert; davon waren 9458 (Vorjahr 5482) Juden. Auf unserem Bureau sprachen 1127 Personen vor, von denen 844 nach den Vereinigten Staaten, 188 nach Canada, 58 nach Argentinien, 3 nach Chile und 36 nach Paris und London gingen, denen wir Schiffahrtskarten und Bahnbilletts im Betrage von über 110 000 Franken besorgten und die wir, soweit sie bedürftig waren, mit dem Nötigsten versahen. Die argentinische Regierung ordnete im Berichtsjahre eine schärfere Handhabung der bestehenden Emigrationsgesetze an; Personen, die das 55. Altersjahr überschritten hatteri und sich nicht darüber ausweisen konnten, daß ihre ganze Familie sich bereits in Argentinien befinde, oder daß sie dort das Bürgerrecht besäßen, wurden zur Lieberfahrt nicht zugelassen. Ebenso erging es mit Krankheiten behafteten Personen. Es ist daher ganz unerläßlich, immer wieder darauf hinzuweisen, daß emigrierende Personen Ln ihrer Heimat ärztlich untersucht werden, um sie vor großem Schaden zu behüten. Durch die außerordentlichen strengen Absperrungsmaßregeln, die das deutsche Reich zugunsten seiner Schiffahrtsgesellschaften an allen seinen Grenzen für jene Emigranten getroffen hat, welche die deutschen oder die deutsch-kon-r zessionierten Linien nicht benützen, treffen jede Woche Auswanderer hier ein, denen des großen Umweges wegen, den sie machen mußten, das für die Fahrt zum Hafen erforderliche Geld fehlte. Durch das stets hilfsbereite Entgegenkommen unserer Freunde waren wir immer in der Lage, diesen Hilfsbedürftigen beizuspringen, und wir hoffen, daß wir auch in Zukunft in dieser glücklichen Lage sein werden. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii l^ckuC marK iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiilill Jahrhundertfeier der Emanzipation der dänischen Die Juden Dänemarks begehen diese Woche feierlich die hundertste Jahreswende ihrer Emanzipation. Am 29. März d. J. sind es nämlich 100 Jahre geworden, seit ihnen durch ein Dekret des Königs Friedrich VI. die Bürgerrechte verliehen worden sind. Aus diesem Anlaß gibt die Dänemark-Loge des Ordens B’nei B'rith eine Festschrift heraus, und die jüdische Gemeinde in Kopenhagen veranstaltete eine Gedenkfeier in der Synagoge mit anschließendem Bankett. Es sollen auch wohltätige Stiftungen zur Erinnerung an den denkwürdigen Tag errichtet UallCn lilllllllllllilllllllllllllllliiillllüilllllltlllli Chemnitz. Von absolut zuverlässiger Seite wird uns mitgeteilt, daß im Stadtbezirk Chemnitz die Einwanderung und Seßhaftmachung neu zuziehender ausländischer Juden sehr erschwert ist. Diese Maßnahmen der Chemnitzer Polizeidirektion sind in Berücksichtigung der Wünsche einer bestimmten inländischen Bevölkerungsschicht getroffen, die sich in ihrem Wirtschaftsleben durch den weiteren Zuzug ausländischer Juden bedroht fühlt. Die Auswanderung über Basel Dem Bericht des Auskunftsbureaus für jüdische Auswanderer in Basel über seine Tätigkeit vom 1. Der König von Italien und der Jugendkongreß 1.— König Viktor Emanuel hat eine Deputation des Jugendkongresses, der vor kurzem in Rom tagte, in Audienz empfangen. Der König unterhielt sich mit den Herren mehr als eine halbe Stunde und erbat sich ausführliche Nachrichten über die Arbeiten der Tagung, für die er «Worte warmer Sympathie hatte. Dabei kam er von selbst auf die Lage der Juden in Rußland zu sprechen und besonders auf die jüdischen Studenten, die gezwungen sind, nach dem Auslande zu gehen und von denen viele in der letzten Zeit an den italienischen Universitäten Aufnahme suchen, da man ihnen in den andern Ländern die Gastfreundschaft versagt. (Einige ausländische Zeitungen hatten fälschlich gemeldet, daß auch Italien eine gewisse „Prozentnorm“ für ausländische Studierende einführen will. Diese Nachrichten wurden offiziell dementiert.) Ferner wurde bei dieser Gelegenheit auch die Lage der Juden in Tripolitanien und der Cyren a i k a eingehend besprochen. Wie sich unsere Leser erinnern werden, hat diese Frage auf dem Jugendkongreß zu einer leidenschaftlichen Diskussion geführt, die durch die Enthüllungen des Adv. Angelo S u 11 a m (Venedig) über eine „antijüdische Politik“ der Kolonialbehörden veranlaßt wurden. Auch die jüdischen Gemeindeverhältnisse und das jüdische Schulwesen in Italien wurden berührt. Wie man versichert, hat sich der König über alle jüdische Fragen überaus informiert gezeigt; er hat wieder einen Beweis für sein Verständnis und 01020189000102020001 0201000202020023020101020002