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Die Welt · 1914-04-03 · 14 (3.4.1914) · p. 336

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
14 (3.4.1914)
Article
[Kommentar]
Date
1914-04-03
Page
336 (sequence 2)
Language
German
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33ö DIEXftELT Nr. 14 Ginzberg Achad Haam?“ von Josua Barsilai. — „Ein Träumer,“ Erinnerungen von M. Ussischkin. Wir behalten uns vor, auf die überaus anregende Publikation noch eingehend zurückzukommen. ln Nr. 20 der „Haachduth“, des Wochenblattes der palästinensischen Poale-iZion, bespricht N. Wegmann den Sieg des Hebräischen im jüngsten Sprachenkampfe. Der Artikelschreiber' sieht in dem Kampf für den hebräischen Charakter des Technikums eine Bewegung der jüdischen Massen, die sich — auch innerhalb der zionistischen Organisation — über die opportunistischen Rücksichten der schwächlichen „Führer“ hinweggesetzt und ihrem Willen Geltung verschafft haben. „Das hebräische Technikum bedeutet den Sieg der gesunden Instinkte eines freien und autonomen Nationalbewußtseins über den Knechtsinn der Assimilanten und über die unmännliche Zaghaftigkeit der „offiziellen“ Nationalisten.“ — D. Weißmann schließt seine sehr bemerkenswerte Artikelreihe über ein von ihm entworfenes und dem Zionistischen Actions-Gomite unterbreitetes Projekt zur Schaffung eines neuen Kreditsystems für die jüdischen Ansiedler in Palästina auf Grund der obligatorischen Lebensversicherung. — D. Ben-Gurjon setzt seinen Aufsatz über das neue Vilajetsgesetz in der Türkei fort. — Die vorliegende Nummer enthält ferner eine Darstellung des Konflikts der jüdischen Landarbeiter in S e - j e r a mit der Verwaltung der Agudath N’taim, einen interessanten Bericht aus der Kolonie Metulah und eine Anzahl literarischer Beiträge. Nr. 21 desselben Blattes enthält u. a. eine warmherzige Würdigung des vor Jahresfrist verstorbenen jungen hebräischen Schriftstellers Uri Nissan G n e s s i n von Nachman. M e i s e 1, einen Brief aus Saloniki, der die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Lage der dortigen jüdischen Be-» völkerung eingehend kennzeichnet, Bemerkungen von Prof. Balaud zu dem oben erwähnten Weißmannschen Projekt und eine Fortsetzung der Artikelserie über die neue Verwaltungsreform in der Türkei. ■IM WELTCHRONIK | , llllllllllllllllllllillllllllillllllllllllll Oesterreich Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiini Nach den Wiener Gemeindewahlen a.— Eine neue Erscheinung im politischen Leben der Wiener Juden, die Beachtung verdient: Sie kommen nach den letzten traurigen Wahlergebnissen zur Einsicht, daß die assimilatorischen Führer nach den Wahlen ihren jüdischen Wählern den Rücken kehren und "ihre eigenen Wege gehen. In einer liberalen Wählerversammlung in der Leopoldstadt erhoben zahlreiche antizionistische Redner die nämlichen Vorwürfe, die von bewußt jüdischer Seite und auch in diesen Blättern gegen Herrn Hofrat Kuranda und Dr. Ofner wiederholt vorgebracht wurden — nur daß sie sich viel drastischer ausdrückten _Es ereignete sich der in den „deutsch-israelitischen“ Kreisen Wiens unerhörte Fall, daß den genannten Herren und anderen „freiheitlichen“ Mandataren einstimmig die Mißbilligung ausgedrückt wurde. Wie weit der Ekel vor der üblichen Kaffeehauspolitik und Vetternwirtschaft, der Widerwille gegen das unnütze und unmoralische Verstecken des jüdischen Volkstums, gegen die klägliche Programmlosigkeit, gegen das Nach laufen hinter gemachten Größen um sich gegriffen haben, geht daraus hervor, daß in der Leopoldstadt mehr als 600 jüdische Wähler überhaupt nicht zur Wahlurne gingen. Möge aus dieser allgemeinen Mißstimmung endlich die Erkenntnis erwachsen, daß eine neue Aera bewußtjüdischer, modern nationaler Politik inauguriert werden muß. Die „Waidhofener Helden“ vor Gericht a.— Die Ritter von der traurigen Gestalt, welche Juden und Judenstämmlingen Genugtuung für Beleidigung verweigern, mit der Begründung, daß Juden von Geburt aus „der Ehre bar“ sind, beginnen allmählich unser Mitleid zu erregen, so jämmerlich verhalten sie sich, wenn sie den angetanen Schimpf vor Gericht rechtfertigen sollen. Dieser Tage standen wieder drei dieser teutonischen Ehrabschneider vor den Gerichtsschranken. Sie hatten einen jungen Menschen erwiesenermaßen gröblich beleidigt und jhm jede Satisfaktion versagt, als sie erfuhren, daß seine Mutter wohl Christin, sein Vater aber ein Jude sei. Vor dem Richter stellten sich die Wackeren ahnungslos, erklärten sich nicht schuldig und taten sehr erstaunt, daß sich der Kläger durch die Weigerung, einem Nichtarier Satisfaktion zu geben, beleidigt fühle. Es spielte sich nun folgendes Zwiegespräch ab: Richter: Wenn nun der Kläger zufälligerweise Arier gewesen wäre, was wäre dann geschehen? — Angeklagter: >ann wäre die Angelegenheit wahrscheinlich zu einem Ausgleich gekommen. — Richter: Also Sie gleichen eine Ehrensache mit einem Nichtarier nicht einmal aus. Geben Sie doch offen zu, Sie stehen auf dem Standpunkte, daß ein Nichtarier nicht satisfaktionsfähig ist. — Angeklagter: Ich stehe auf dem Standpunkte: Mit einem Nichtarier mache ich mir nichts zu schaffen. — Richter: Ich höre nicht, was ich von einem Studenten erwartet hätte, nämlich eine offene, klare Verantwortung. Das feige und klägliche Zusammenklappen der Beleidiger, die für ihre Handlungsweise nicht einzustehen wagen, war mit diesen Worten richtig gekennzeichnet. Die Herren waren gerichtet — bevor sie noch das Gericht verurteilt hatte. Die Ausländerfrage an den Hochschulen a.- Wieder hat das für die jüdische Studentenschaft aus dem Osten so gefährliche Gespenst der „Ausländerfrage“ in zwei österreichischen Hochschulstädten ihr Haupt erhoben. An der Wiener Universität und an der Brünner deutschen technischen Hochschule. An der medizinischen Fakultät zu Wien sollen von Ausländem fürderhin bloß Studierende aus den Balkanländern inskribieren dürfen, und in Brünn hat die deutsche Studentenschaft, vom Professorenkollegium unterstützt, Protest gegen die „russische Invasion“ erhoben. Man weiß, daß diese Maßnahmen und Proteste vor allem die ostjüdischen Hörer treffen, die solange von Hochschulstadt zu Hochschulstadt weiter wandern und ruhelos umherirren werden, bis das jüdische Volk auf dem Boden Palästinas seiner Jugend eine jüdische Universität errichtet. Hauptversammlung des jüdischen Handlungsgehilfenverbandes a.— Sonntag, den 29. März, fand in Wien die diesjährige (4.) Hauptversammlung des jüdischen Handlungsgehilfenverbandes statt, auf welcher die westösterreichischen Ortsgruppen Bielitz, Boskowitz, Brünn, Freistadt, Göding, Graz, Mähr. - Ostrau, Orlau, Proßnitz, Tesche n, Ung. - Hradisch und Wien durch 38 Delegierte vertreten waren. Dem der Tagung von der Verbandsleitung unterbreiteten Rechenschaftsberichte entnehmen wir, daß im Berichtsjahre 6 Ortsgruppen zugewachsen sind und an 5 Orten Jugendsektionen gebildet wurden. Die Organisation ist trotz der Wirtschaftskrise von 520 auf 723 Mitglieder gestiegen. Rechtsschutz und Stellenvermittlung haben sich in den einzelnen Ortsgruppen gut entwickelt (die Wiener Rechtsschutzsektion allein intervenierte in 16 wichtigen Fällen) und es wurden Stellenlosen-Unterstützungen bewilligt, deren Summe im Verhältnisse zu dem Verbandsbudget beträchtlich ist. Die Delegierten der einzelnen Zweiggruppen ergänzten den Bericht der Verbandsleitung. In der Generaldebatte bemängelte Del. Kohn, daß anläßlich der Zählkandidatur bei den Handlungsgehilfen wählen die bewußt-jüdische Note nicht genügend nachdrücklich betont wurde, ferner, daß der Verband die „Oesterreichische Wochen- 3506032149769098293917844884

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