Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Article
- Die Orangenernte in Palästina
- Date
- 1914-04-03
- Page
- 334 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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334 . — --- ■— DIE^ELT — - — — - Nr. 14 und ihre Tätigkeit hat sich bewährt. Die deutsche Gesellschaft will in erster Linie den deutschen Markt gewinnen, und es ist nicht zu bezweifeln, daß ihr dies auch gelingen wird, da die Jaffaer Orange nicht nur wohlschmeckender, sondern auch haltbarer ist, als die italienische und spanische. Junge Orangenbäume erzeugen außerordentlich große und saftige Orangen; von diesen gehen im Januar viele Kisten an den kaiserlichen Hof von Berlin ab. Internationale Bautätigkeit in Jerusalem Die kriegerischen Ereignisse der letzten zwei Jahre hatten in Jerusalem einen fühlbaren Stillstand in der Bautätigkeit? hervorgerufen. Nunmehr, da wieder ruhigere Zeiten gekommen sind, wird auch in allen Kreisen die Bautätigkeit wieder rege. Für das französische Generalkonsulat soll ein neues Gebäude mit einem Aufwand von 425 000 Francs errichtet werden. Die Italiener planen den Bau eines großen Spitals mit schöner Kirche. Die Griechen bauen jetzt schon Schulen und erneuern ihr Kloster in der Nähe der Grabeskirche, desgleichen den Palast ihres Patriarchen. Eine Neubelebung erfährt endlich der Bahnbau. An der Verbindungsbahn zwischen der Hedschasbahn und Jerusalem über Nablus (das alte Sichern) wird bereits tüchtig gearbeitet. Man erwartet, daß diese Zweiglinie schon im nächsten Jahr in Betrieb gesetzt wird. \ Aus den galiläischen Kolonien Jessod-Hamaala. Hier wie in Mischmar Hajarden kamen bis zum letzten Jahre Fälle von Schwarzwasserfieber vor. Noch vor zwei Jahren waren innerhalb kurzer Zeit in beiden Kolonien fünf Opfer dieser Seuche zu beklagen. Jüdische Arbeiter hatten sich daher von diesen Kolonien ferngehalten. Im vorigen Jahre nahm nun Dr. Hillel Joffe aus Sichron- Jakob hier den Kampf gegen das Fieber energisch auf. Zu diesem Zwecke hat er mit seiner Frau zirka einen Monat hier geweilt. Die tägliche Verteilung des Chinin wurde geregelt, ebenso andere Maßnahmen hygienischer Natur getroffen. Unterstützt wurde Dr. Joffe von den beiden Aerzten in den obergaliläischen Kolonien: Dr. M a 1 k i n und Dr. S o 1 o d a r. Dieses verdienstliche >Verk war von bestem Erfolg gekrönt. Im letzten Jahre gab es fast keinen Fieberkranken, jedenfalls keinen, dessen Krankheit einen ernsten Charakter hatte. In unserer Kolonie sind auch jetzt eine Anzahl jüdischer Landarbeiter beschäftigt. Wie überall im Lande, übt auch hier der jüdische Arbeiter einen wohltätigen Einfluß auch auf den Nachwuchs der Kolonie aus. Es ist anzunehmen, daß sich im kommenden Wirtschaftsjahre die Zahl der jüdischen Arbeiter vergrößern wird. Kinereth. In der hiesigen Mädchenlehrfarm arbeiten ca. 20 Mädchen. Vor kurzem ist eine Lehrerin für Haushaltung sowie eine Lehrerin für Hebräisch engagiert worden. Die Leiterin, Frau Dr. Meisel-Schochat, erteilt den Unterricht in Botanik. Alle diese Gegenstände werden in Abendkursen gelehrt, während der Tag der praktischen Arbeit gewidmet ist. Betanja. Hier arbeiten ca. 20 jüdische Landarbeiter, die eine Arbeiterküche eingerichtet haben. Für Arbeiterfamilien werden kleine Wohnhäuser gebaut. Jede Familie wird, ein Wohnzimmer, eine Küche und zwei Dunam Land zur Anlage eines Gemüsegartens erhalten. — In letzter Zeit fand hier eine Konferenz der Poale-Zion in Untergaliläa statt, zu der Delegierte aus Daganja, Kinereth, Jibnael, Po - riah, Beth-Gan, Sarona (bei Tiberias), Sejera, Merc h a w j a usw. erschienen waren. Jibnael. Hier wie in der benachbarten Siedlung Beth- Gan haben die Kolonisten in diesem Jahre je 15 Dunam mit Mandelbäumen bepflanzt, während weitere 15 Dunam im nächsten Jahre bepflanzt werden sollen. — Von der Rinderpest, die in den Siedlungen der Jordanniederung in den letzten Monaten großen Schaden angerichtet hat, sind wir verschont geblieben. Immerhin sind jetzt die Preise für Kühe sehr heruntergegangen. — Im letzten Jahre sind hier drei neue Häuschen mit insgesamt sechs Wohnungen für Jemeniten gebaut worden. — Wir haben jetzt in unserer Kolonie eine Lesehalle eingerichtet, die jeden Abend und am Sabbat den ganzen Tag geöffnet ist. — Der Turnverein „Makkabi" entwickelt sich befriedigend. Oefter turnen seine Mitglieder gemeinsam mit dem „Makkabi" von P o r i a h, das drei Viertel Stunden von hier entfernt ist. Mesha. Unsere am Fuße des Tabor gelegene Kolonie hat sich in den letzten Jahren erheblich vergrößert. Die neuen Ansiedler, die zum Teil die älteren ablösen, bringen größere Barmittel und oft auch mehr Arbeitseifer und Unternehmungsgeist mit. — Im letzten Jahre fanden hiesige Kolonisten mit ihren Gespannen Verdienst in der benachbarten neuen Siedlung Sarona. Leider hat die Mäuseplage viel Schaden angerichtet. Sejera. Seit einiger Zeit sind in der hiesigen Farm, die jetzt von der „Agudath N’taim" verwaltet wird, die jüdischen Landarbeiter mit der Verwaltung in Konflikt geraten und haben die Arbeit niedergelegt. — Von der Mäuseplage ist unsere Siedlung, die bergigen und felsigen Boden hat, fast ganz verschont geblieben. Sarona. Hier arbeiten ca. 20 jüdische Landarbeiter. Die Bewachung besorgen zwei Wächter des „Haschomer". Eine Arbeiterküche wurde eingerichtet. Teil-Adas. Die hiesige aus neun Mitgliedern bestehende Arbeitergruppe wurde vom „Haschomer" organisiert. Außer ihnen sind noch ca. 15 Arbeiter bei den Bauarbeiten usw. beschäftigt. Merchawja. Hier wurde ein Turnverein „Makkabi" begründet, dem 30 Mitglieder beitraten. — Bei dem Pflanzungsbau wird eine größere Zahl jüdischer Arbeiter beschäftigt. Sichron-Jakob. Hier haben die Schullehrer Abendkurse für Hebräisch und Rechnen eingerichtet. — Der von der I. C. A. unlängst in der Nähe von Sichron erworbene Boden wurde in diesem Jahre einer Gruppe von zehn jungen Leuten aus unserer Kolonie zur Bewirtschaftung übergeben. Jedes Mitglied bezieht 60 Frcs. monatlichen Lohn. Chedera. Wir haben leider einen traurigen Todesfall zu verzeichnen. Der Arbeiter Jizchak R o s 1 a, der vor drei Monaten im Gan-Sch’muel in einer dunklen Nacht angeschossen wurde, ist nach qualvollen Leiden dieser Tage gestorben. Er war hier einige Jahre als Landarbeiter tätig und stets um die allgemeinen Angelegenheiten der Arbeiter bemüht. Namentlich hat er sich um die hiesigen Jemeniten sehr verdient gemacht. — Die hiesigen Jemeniten sind in die vom Jüdischen Na^- tionalfonds für sie erbauten zwanzig Häuschen bereits eins gezogen. Jeder Familie wurden U'2 Dunam für Gemüsebau zugewiesen. Moderne Seuchenbekämpfung in Palästina Ueber dieses Thema sprach in der Sitzung der Berliner Medizinischen Gesellschaft vom 25. März Ministerialdirektor Dr. Kirchner. Gemeinsam mit Prof. Dr. Nocht aus Hamburg hatte er voriges Jahr im Aufträge der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Palästina das heilige Land bereist und gab nun eine interessante Schilderung der dortigen sanitären Verhältnisse. An der Hand eines Planes von Jerusalem beschrieb er die Wohnungsverhältnisse der heiligen Stadt, in deren Nähe eine Reihe blühender, zweckmäßig angelegter jüdischer Kolonien liegen, zu deren Gründung die Juden zu beglückwünschen seien. Die zahlreichen jüdischen Schulen und die Technische Hochschule in Haifa sind von großer kultureller Bedeutung. Ausführlich besprach Kirchner die Arbeit von Prof. M ü h 1 e n s, der in dem von der Deutschen Gesellschaft begründeten Laboratorium durch großangelegte Blutuntersuchungen das überaus zahlreiche Vorkommen der tropischen Malaria feststellen konnte. Der Grund für die Ausbreitung der Malaria ist die schlechte Wasserversorgung. Sie geschieht fast nur durch Zisternen, von denen etwa 6000 in Jerusalem vorhanden sind, die aber häufig sehr wenig einwandfrei angelegt sind. Zur Bekämpfung der Malaria hat man einerseits die Zisternen assaniert und andererseits die Kranken prophylaktisch behandelt. Die Erfolge sind in der kurzen Frist schon sehr gute gewesen. Die Arbeiten geschehen jetzt durch das internationale Gesundheitsamt in Jerusalem, zu dem sich die Deutsche Gesellschaft, der Verein jüdischer Aerzte und Naturforscher und die von dem amerikanisch-jüdischen Philanthropen Nathan Straus errichtete Anstalt vereinigt haben. Neben dem Typhus sind es insbesondere das Rückfallfieber, das Maltafieber, die Orientbeule, die Lepra, Ruhr, Tollwut und namentlich die ägyptische Augenkrankheit, deren Bekäm-