Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 13 (27.3.1914)
- Article
- Chad Gadja [Rezension]
- Date
- 1914-03-27
- Page
- 318 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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318 DIE [E LT —- Nr. 13 Rührung ergreift uns, wenn S. J. Agnon seine beiden einsamen Menschen am Sedertisch zusammenführt. Im Hause eines verschämten Armen läßt J. L. Perez den Propheten Elia als Zauberkünstler auftreten und Festgenüsse spenden, welche nicht der vierten Dimension angehören, und in „Melameds Hoffnung“ von B i a 1 i k zittert Liebe und Schmerz des in der Ferne für Weib und Kind darbenden Lehrers. Martin Buber malt uns im „Seder des Unwissenden44 die Herzenseinfalt, welche sich vor Gott getrost neben die Weisheit stellen darf. Ins dunkle Mittelalter führt uns Heines ,.Rabbi von Bacharach“. Wir lesen mit Ergriffenheit, wie die kaukasischen Juden zu Peßach den „Boten aus Jerusalem“ empfangen, wir erfahren, wie die Samaritaner ihr Lamm opfern auf dem Berge Garisim und die Juden Jemens „echod mi jodea“ und „chad gadja“ singen wie wir auch. Und unmittelbar nachdem wir die köstlichen großmütterlichen Erinnerungen von Paul ine Wengeroff genossen, wie ..Peßach in Rußland vor siebzig Jahren44 gehalten wurde (und wohl auch heute noch vielfach gehalten wird), läßt uns J. Heilbrunn an der Chagigah in Rechoboth teilnehmen, dieser eigenartigen Nationalfeier des palästinensischen Jung- Einen besonderen Schmuck des Buches bilden die alten Hagadahs entnommenen Kupferstiche und Holzschnitte; das Material hierzu hat J. H. Wagner aus dem Schatz seiner reichhaltigen Bibliothek zur Verfügung gestellt. Die Illustrationen sind zum Teil von rührender Naivität, zum anderen Teil überraschen sie durch eine gewisse Ungezwungenheit der künstlerischen Gestaltung. Es ist bedauerlich, daß gerade dieser Zweig jüdischen Kunstsinnes, der in den Hagadahs vergangener Jahrhunderte vielversprechende Blüten trieb, schließlich in Klischee und Schablone erstarrt ist. Ueber Charakter und Herkunft der dem Buche zugrundeliegenden literarischen Quellen und des Bilderschmuckes gibt der Herausgeber in einem besonderen Anhang erwünschten Aufschluß; ein Wörterverzeichnis erleichtert dem des Hebräischen Unkundigen das Verständnis. Für die wohl bald notwendig werdende - zweite Auflage des „Peßachbuches“ seien einige Anregungen gegeben. Es wäre wünschenswert, eine kurze, in populärer Sprache gehaltene Skizze des Auszuges beizufügen, wie er sich im Rahmen der ägyptischen und vorderasiatischen Geschichte darstellt. Auch dürften in einem modernen Peßachbuch neben Kaukasiern, Karäern und Samaritanern die F alaschas nicht unerwähnt bleiben; vielleicht wird der verdienstvolle Dr. Faitlovitsch bereit sein, einen hierauf bezüglichen Beitrag zur Verfügung zu stellen. Einige Inkorrektheiten und Druckfehler sind in der Neuauflage zu tilgen. Statt „jedes Häuflein in der ganzen Gemeinde Israel“ (S. 7) ist zu übersetzen „die ganze Versammlung der Gemeinde Israels4'; „Erew raw“ (S. 11) ist nicht „Gesindel44 zu übertragen, sondern nach .seinem ursprünglichen Sinn „Mischvolk44. Ebenda muß es statt „an einem Tage44 heißen „an demselben Tage44, und lei schimurim ist als „Nacht der göttlichen Obhut44 wiederzugeben, nicht „diese Nacht wird dem Ewigen gehalten44. Das ungeschickte „Darum so stand er bei44 (S. 19) darf nicht bleiben. Die von Mizrajim aber „verläumdeten uns44 (S. 23) ist in „mißhandelten uns44 abzuändern; an Stelle des unschönen „ersäuft“ (S. 22) ist das wortgetreuere „versenkt44 zu setzen. Der Ausdruck „Volkswerde44 (S. 44) ist unverständlich; statt „Jajim“ (S. 51) muß es natürlich „Jajin44 heißen. Die wissenschaftliche Notiz im Anhang zum Artikel „Peßach in Jerusalem zur Römerzeit4- (S. 92) wäre besser schon im Text einzuschalten, weil sonst der Leser leicht einen römischen Originalbericht vermuten könnte. Im Anhang ist außerdem der sachlich irreführende und auch grammatisch fehlerhafte Satz (S. 218): . . das Peßachfest, wie es die Bewohner von Sichern (Samaritaner), eine merkwürdige jüdische Gruppe . . ., noch heutigen -Tages feiert44 (sic) entsprechend umzugestalten. Nicht alle Einwohner von Sichern sind Samaritaner, und diese können auch nicht gut als jüdische Gruppe angesehen werden. - - In der drittletzten Zeile (S. 229) ist 77 statt 75 zu lesen. Diese kleinen Schönheitsfehler werden in der neueren Auflage, die sicherlich noch durch manchen interessanten Beitrag bereichert werden kann, leicht zu tilgen sein und können den Genuß an dem Werke nicht beeinträchtigen. Alles in allem ist „Chad Gadja“ ein Festgeschenk, wie wir es uns zu Peßach nicht schöner wünschen können. Dem Herausgeber und seinen Mitarbeitern unser herzlicher Dank! Nathan ben Mordechai. Im Verlage von J. Kaufmann in Frankfurt a. Main ist soeben ein Buch „Erez Israel4erschienen, das Nah um Goldmanns Reisebriefe aus Palästina gesammelt enthält. Wir behalten uns ein näheres Eingehen auf die interessante Schrift vor. »mm SPRECHSAAL Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! Der in Nr. 12 der „Welt44 veröffentlichte Artikel „Der dritte Kongreß der jüdischen Jugend Italiens44 gibt mir, soweit er sich mit meiner Person befaßt, zu folgender Berichtigung Veranlassung: 1. Es ist unwahr, daß ich „alle großen jüdischen Organisationen von der Alliance bis zur zionistischen einer scharfen Kritik unterzogen44 hätte. 2. Es ist unwahr, daß ich „besonders am Zionismus viel auszusetzen44 hatte. Eine Aeußerung, daß dieser „von Gottesleugnern4 geschaffen sei und geleitet werde44, habe ich weder dem Wortlaut noch dem Sinne nach getan. 3. Wahr ist vielmehr, daß ich in meinem Referate, dessen Verlesung ca. 59 Minuten in Anspruch genommen hat, weder den Zionismus noch irgendeine andere Organisation direkt oder indirekt auch nur mit einem Worte angegriffen habe. Rom, den 22. März 1914. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Heinrich Eisemann. Schluß des redaktionellen Teiles Bel der Administration „Die Welt“ sind eingegangen: Für das Jüdische Museum, Jerusalem: B. Orloff JL 3.—, H. Braude JL 2.— . . . zus. JL 5.— Für das Mikrobiologische Institut: „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut" Siegmund Kpplor, Wien K. 2.— — JC 1.68: Paul Diamant, Wien K. 2.— M. 1 68; Prof. Kellner, Wien 3L 1.— JC - .81: Johann Kromenozky, Wien K 10— — JL 8.40; Ing. Josef Seidener, Wien K. —.60 — M—.42; Heinrich Lederer, Wien K. — 50 — M —42; Leo Woi<*, Wi«n K 1.- — M —.84; Oswald Weiss, Wien K.2.— — JL 1.68; Juli..s Wciss. Wien K. 1.- M —.84; Dr. Elkan Woiss, Wien K.2.— M 1.68; Emannel Lockspeiser, Boryslaw K. 1.— — JL —.84; Kais. Rat Emil Broch, Tnmow K.— 50 — JC —.42; Kais. Rat C. Hirsch, Wien K.5.— — JL 4.20; Heim ich Bard, Lemberg K. 6. — — JL 5.04; Fiscliel Kugelst ein, Metz JL —.r 0; Simon Gerstenhaber JC —.l0: Josei Frankel JL —50; Jona Holdnor JL —.20;Isak Großmann wÄ —.25; Simon Thau, M«rtz«Ä —.25; Akadem. Verein jüdischer Mediziner, Wien Kr. 2.— — JL 1.68; Leopold Munk, Wien K. 100 — JL 84.—; Verein „Hatikwah“ Rndautz JL Dr. Aschner, Ujpest JL 84.—; Jiid. nat. akad. Verein „Enmnah“, Czcrnowitz K. 1.— JL — >4. OER SUS OER ZEIT