Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 13 (27.3.1914)
- Article
- Sitzung des Parteirates der Zionisten Galiziens
- Date
- 1914-03-27
- Page
- 317 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 13 317 DIE3^ELT - Ueber die letzte Sitzung des A. C. und die jetzige Lage der Bewegung berichtet Adolf Stand, ln der Diskussion hebt u. a. Dr. Hausmann (Lemberg) das verhältnismäßig langsame Tempo der zionistischen Palästinaarbeit hervor. Die Hauptsache sei, möglichst schnell Boden zu kaufen, auf diesem jüdische Arbeiter anzusiedeln und selbständig zu machen. Das Referat über die nächste Palästinaarbeit der galizischen Zionisten erstattet Dr. Leon Reich. Die galizische Palästina-Kommission hat ein besonderes galizisches Palästina-Informationsbureau geschaffen, welches jedem, der nach Palästina auszuwandern beabsichtigt, mit Rat und Tat beistehen soll. Die Sammlungen für das Schuhverk haben bereits beinahe 13 200 Kr. ergeben. Es sei nun vor allem nötig, einen Fonds zu schaffen, der gut vorbereiteten jungen Arbeitern die Auswanderung nach Palästina ermöglichen soll. Der Referent schlägt folgende Resolutionen vor: 1. Der Parteirat spricht seine Befriedigung über den mit Erfolg durchgeführten Schulkampf in Palästina aus, gibt seiner höchsten Anerkennung für das Judentum in Erez-Israel und für das E. A. C. der zionistischen Weltorganisation Ausdruck und fordert die galizischen Zionisten auf, mit ungeschwächter Energie zur Sicherstellung des hebräischen Schulwerkes in Palästina beizutragen. 2. Der Parteirat betrachtet als nächstes und wichtigstes Ziel der Palästinaarbeit in Galizien die Begründung einer Achusah-Gesellschaft und fordert alle Parteigenossen auf, die Achusah-Gründung möglichst zu unterstützen und so den Erfolg der Idee mit ihrem eigenen Privatinteresse zu verbinden. Es folgt nun eine lebhafte Diskussion,- worauf die Resolutionen und die während der Debatte gestellten Anträge zu Beschlüssen erhoben werden. Hierauf referiert Redakteur Moses Frostig über d i e kommenden Landtags wählen. Ohne die politische Tätigkeit, führt der Redner aus, sei die wirtschaftliche und kulturelle Arbeit unmöglich. Bei den kommenden Landtagswahlen solle sich die zionistische Partei beteiligen, sie solle ein Verständnis mit anderen jüdischen Parteien suchen, besonders aber mit den polnischen Parteien, um den Weg zu einem friedlichen 'Zusammenleben mit dem polnischen Volke zu finden. Der Referent legt folgende Resolutionen vor: 1. Der Parteirat fordert das Zentralkomitee auf, rechtzeitig die Vorbereitungen für die kommenden Landtagswahlen zu treffen. Insbesondere verlangt der Parteirat, daß das Zentralkomitee im Einverständnis mit den Ortorganisationen in Wahlkreisen, die als jüdische Wahlbezirke in Betracht kommen schon jetzt besondere zionistische Komitees organisiere, die sofort mit der vorbereitenden Agitations- und Organisationsarbeit einsetzen. 2. Der Parteirat fordert das Zentralkomitee auf, im entsprechenden Momente eine Sitzung des Parteirates einzuberute i, um ihm über das Ergebnis der Vorbereitungsarbeiten und besonders über unser Verhältnis zu anderen jüdischen und polnischen Parteien Bericht vorzulegen. 3. Der Parteirat verlangt, daß das Zentralkomitee im Namen des Parteirates schon in den nächsten Tagen ein Manifest über unsere Stellung in den kommenden Wahlen herausgebe. Nach einer eingehenden Diskussion werden die Resolutionen des Referenten angenommen. Behufs Gründung eines polnischen Tageblattes wurde ein Komitee aus den Gg. Bard, Frostig, Dr. Reich, Dr. Ringel, Dr. Rosmarin, Stand eingesetzt. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Präsident Stand schloß die Tagung mit ernsten Worten, die die Wichtigkeit der verhandelten Gegenstände und die Befriedigung über den Eifer aller Teilnehmer, unserer großen Sache zu dienen, hervorhoben. Ungarn Personalnachricht Unser bekannter Gesinnungsgenosse Advokat Dr. Nison Kahan in Budapest, Vorsitzender des Vereins „Makkabaea“, hat sich mit Frl. Gizi Munk aus Budapest verlobt. Kolozsvär. (Klausenburg). Der jüdische Jugendverein „Esra" an der Universität zu Kolozsvär veranstaltete am 1. März d. J. in der Aula der Universität, welche dem Vereine bereitwilligst zur Verfügung gestellt wurde, einen gelungenen Palästinaabend. Der Abend wurde mit einer Ansprache des Universitätsdozenten Rabbiner Dr. Mathias Eisler eingeleitet. worauf ein Prolog deklamier wurde. Es folgte nun ein Lichtbildervortrag des Präsidenten der zionistischen Landesorganisation Herrn Ing. B. B e r e g i, der über das neue Palästina sprach. Der Veranstaltung wohnte fast die gesamte jüdische Intelligenz bei und folgte den Ausführungen mit großem Verständnis. Die Hälfte des Erträgnisses widmete der Verein dem Hebräischen Schulwerk in P a - Türkei Histadruth Zionith Ottomanith Der erste zionistische Verein in der Türkei ist gegründet: Die Regierung hat das Statut bestätigt, aus welchem wir nachstehend die Hauptpunkte hervorheben. Der erste Paragraph enthält den Namen der Gesellschaft: Histadruth Zionith Ottomanith, nebst der türkischen Uebersetzung. Der zweite und dritte Paragraph spricht von den Zwecken der Gesellschaft und den Mitteln, durch welche diese Zwecke erreicht werden sollen. Danach bezweckt die Gesellschaft, die Niederlassung der Juden in der Türkei zu erleichtern, die Entwicklung der in Palästina einwandernden Juden und der dort ansässigen jüdischen Bevölkerung zu fördern, die Kenntnis der hebräischen Sprache und der jüdischen Geschichte zu verbreiten und das Gemeinschaftsgefühl der Juden zu stärken. "Zu diesem Zwecke veranstaltet die Gesellschaft Vorträge und Diskussionen, gibt Druckschriften heraus, unterstützt die jüdische Einwanderung und die jüdischen Schulen und beschäftigt sich mit allen Fragen, welche das Leben der Juden in der Türkei betreffen. Der Jahresbeitrag beträgt mindestens ein halbes türkisches Pfund, auch nimmt die Gesellschaft Spenden für alle ihre Zwecke an. Die Gesellschaft hat das Recht, mit anderen Organisationen, welche die gleichen Bestrebungen verfolgen, in Verbindung zu treten, sowie im ganzen Gebiet der Türkei Zweigvereine zu eröffnen. Dies sind die wichtigsten Bestimmungen des Statuts, und die Gesellschaft wird in nächster Zeit ihre Tätigkeit beilliiiilllilllilinij Bücherbesprechungen j»«»» Chad Gadia. Das Peßachbuch. Herausgegeben von Hugo Herrmann. Berlin 1914. Jüdischer Verlag. Das Peßachbuch! ein stolzer Titel. Aber bei der Vielseitigkeit des Inhalts und der Schönheit der Ausstattung will er uns gar nicht so anspruchsvoll erscheinen. Das Buch enthält eine glückliche Auslese von dem Mannigfaltigen, was von Peßach gesungen und gesagt worden ist. Historiker und Aesthet, Ethnologe und Zionsfreund, Verehrer der Antike und Modernist, sie alle werden auf ihre Rechnung kommen, und auch der literarische Gourmet darf mit den Kostproben zufrieden sein. Wie das Böcklein auf der Titelvignette — ein Glicensteinsches Motiv — mutwillige Sprünge macht, so herrscht buntes Kreuz und Quer in der Folge der Beiträge, und das Publikum wird, wie Sulamith, fröhlich mitgehen. Um die ernsthaften Schilderungen des Peßachrituals aus Bibel und Talmud schlingen die Midraschim ein blühendes Rankenwerk. Die alte, liebe Hagadah wird in ihren Hauptstücken übersetzt, und Z1 o c i s t i gibt dazu eine historischgenetische Abhandlung, welche tief in die Kammern der jüdischen Volkspsyche hineinleuchtet. — Unmittelbar aber redet Sehnen und Hoffen, Frömmigkeit und Freiheitsliebe Israels aus den teils originalen, teils trefflich übersetzten Beiträgen älterer und jüngerer jüdischer Autoren, die einen vielfarbigen Blumenteppich köstlicher Stimmungen um uns ausbreiten. — Wir werden jung „Mit dem Frühling" von Sch. Ben-Zion, lachen herzlich über den Tausch der Bücher und Ehegatten in der Erzählung von Mendele M ocher Sforim, und