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Die Welt · 1914-03-27 · 13 (27.3.1914) · p. 316

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
13 (27.3.1914)
Article
B. Borochows Tournee in England
Date
1914-03-27
Page
316 (sequence 2)
Language
German
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316 Nr. 13 ÖIE3$KELT Reise nach England für die dortige Landespartei von ungeheurem Nutzen sein wird. Die Jubiläumsfeiern zu Ehren des „Jüdischen Arbeiters“ In allen Städten und Städtchen Galiziens und der Bukowina, in welche der Strahl proletarischer und nationaler Aufklärung gedrungen ist, ist das zehnjährige Jubiläum des „Jüdischen Arbeiters“ in würdiger Weise gefeiert worden. Auch nicht-poale-zionistische Organisationen haben durch ihre offizielle Beteiligung ihre Sympathie bezeugt. Die schöne Extraausgabe ist vollständig verkauft worden. Die „Jugendlichen“ Seit mehreren Jahren besteht in Oesterreich eine poalezionistische Jugendbewegung. Dieser Organisation gehören die Lehrlinge und Praktikanten an. Sie ist autonom, hat eine eigene Leitung, die von der Jugendkonferenz gewählt wird, steht aber mit der Partei in sehr engen freundschaftlich-organisatorischen Beziehungen. In fast allen Orten, in denen poale-zionistische Organisationen existieren, gibt es auch Jugendvereine. Diese Vereine entfalten eine segensreiche Tätigkeit. Sie sind dem jugendlichen Proletarier zugleich Heim und Schule, sie erziehen ihn zum Denken und zum Kampfe um menschliches und nationales Recht. Es wird in diesen Vereinen eine stille, bescheidene Arbeit geleistet, die von unschätzbarer Bedeutung für die ganze Bewegung ist. Hunderte von jüdischen Arbeitern, die nicht das Glück hatten, eine Schule zu besuchen, haben hier die Kenntnis des Schreibens und Lesens erworben, Tausende verdanken der Jugendbewegung die Kenntnis des Jiddischen in Wort und Schrift. In unzähligen Vorträgen, literarischen Abenden, gemütlichen Zusammenkünften, Ausflügen, Kursen belebt und erhöht die Jugendorganisation d,as Dasein der kaum mündigen Arbeiter. Die tätigsten und verläßlichsten Anhänger verdankt die Partei der Jugendbewegung. Die Jugendbewegung ist, wie bereits erwähnt, zentralisiert. Das Landeskomitee „Jugend“ in Lemberg überwacht und kontrolliert die Arbeit im ganzen Lande, steht den Organisationen mit Rat und Tai bei, gibt ein eigenes Monatsblatt „Die jüdische Arbeiterjugend“ heraus und führt die gemeinsamen Aktionen der ganzen Bewegung durch, wie z. B. den Kampf um den Tagesunterricht und die jüdische Unterrichtssprache in den Gewerbeschulen. Durch die ökonomische Krise in Galizien wurde auch die Jugendbewegung sehr empfindlich abgeschwächt. Sehr viele jugendliche Arbeiter sind ausgewandert, andere hatten keine Beschäftigung, einzelne Vereine . stellten ihre Tätigkit ein, es fehlten finanzielle Mittel. Die „Jüdische Arbeiterjugend“ mußte ihr Erscheinen einstellen. , Nun aber hat der Aufstieg wieder begonnen. In diesem Monat ist die „Arbeiterjugend“ wieder erschienen, und zwar bedeutend vergrößert. Das Weitererscheinen des Blattes ist gesichert. Oesterreich Dr. Schmarja Levin in Böhmen s. Die am 12. März in Reichenberg veranstaltete Versammlung nahm einen Verlauf, welcher die kühnsten Erwartungen übertraf und uns außerordentlich befriedigte. Einen solchen moralischen Erfolg haben wir noch nie errungen, eine so entschiedene Genugtuung ist den hiesigen Führern der zionistischen Bewegung zum ersten Male zuteil geworden. Wir sind alle so begeistert und beglückt, daß wir unserer freudigen Erregung kaum Herr werden können. Der Vortrag vereinigte in dem schönen, großen Saale des ersten Hotels unserer Stadt eine Zuhörerschaft von ungefähr 300 Personen, eine Zahl, die bei einer jüdischen Versammlung nie zuvor für möglich gehalten w orden wäre. Dr. L e v i n sprach über „Die Tragödie des Judentums“ und seine geistreichen Ausführungen wurden mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolgt. Bemerkenswert ist, daß unser glänzender Vorkämpfer vom Obmanne des Zionistischen Volksvereins „Theodor Herzl“ in Reichenberg, Herrn Emil Deutsch, welcher die Versammlung leitete, in hebräischer Sprache begrüßt wurde, ferner, daß alle Kreise der Reichenberger Judenschaft im Publikum vertreten waren. Von auswärts waren Vertreter aus unseren Nachbarstädten Gablonz und Warnsdorf erschienen. Auch einige Nichtjuden waren gekommen, um Levin zu hören, kurz, es war ein durchschlagender Erfolg. Vor ganz wenigen Jahren war der Zionismus in Reichenberg nahezu unbekannt, unsere Stadt galt als eine uneinnehmbare Trutzburg der Assimilation. Gestern aber trat es deutlich in Erscheinung, daß sich auch bei uns ein Umschwung vollzogen hat, daß der Zionismus nicht nur existiert, sondern wirklich lebt und gedeiht und zu einem Faktor geworden ist, mit dem man wie anderwärts fortan rechnen muß, mag dies nun gern oder gezwungen geschehen. Allerdings kam für keinen Einsichtigen diese Erscheinung überraschend, denn die Wendung ist nicht eine plötzliche, sondern das Resultat langwieriger und zielbewußter Aufklärungsarbeit. Der Zionistenverein ist der rührigste und tätigste jüdische Verein Reichenbergs geworden, besonders in der letzten Zeit löste eine Veranstaltung die andere ab. Ueber das Schulwerk sprach Herr Dr. Hugo Herrmann (Berlin), im Rahmen des von der Prager Kulturkommission angeregten Vortragszyklus vorläufig die Herren Prof. Stern (Trautenau), Max Alt mann (Bar Kochba-Prag), Dr. Hugo Bergmann (Prag), und die Fortsetzung dieser Vortragsreihe und andere Veranstaltungen werden vorbereitet. Für die hebräischen Schulen sammelten wir 231 Kr., aber es wird bei dieser Summe nicht bleiben. Wir organisieren jetzt eine intensivere Tätigkeit für diesen Zweck. Die in Reichenberg für den Zionismus geleistete Arbeit ist schwer richtig einzuschätzen. Man muß den Widerstand gekannt haben, den es zu überwinden galt, die Hemmnisse, welche beseitigt werden mußten, um hier gerecht urteilen zu können. Der Löwenanteil an diesem Siege gebührt den Herren Emil Deutsch, Alfred Rabl und Peter Schnabel, die durch selbstlose Hingabe, rastlose Arbeit und bewunderungswürdige Energie, nicht zuletzt auch durch ihre seltene Opferwilligkeit, dem Zionismus in unserer Stadt, zum Siege verhalten. Am 17. März sprach Dr. Levin 'in T e p 1 i t z vor einer außerordentlich gut besuchten Versammlung. Sehr viele Leute, die nie zu einer zionistischen Versammlung kommen, waren erschienen. Das Publikum folgte mit größter Aufmerksamkeit der eineinhalbstündigen Rede Dr. Levins. Unter dem Eindrücke seiner Darlegungen hatte ein Appell des Vorsitzenden, Dr. Emil Margulies, den Erfolg, daß 800 Kr. für den Schulfonds zusammenkamen. Die Sammlung ist aber noch nicht abgeschlossen. Am folgenden Tage hielt Dr. Levin einen Vortrag in S a a z. Diese Stadt wurde erst vor kurzer Zeit und mit größter Mühe für den Zionismus zugänglich gemacht. Nun haben wir dort einen ungeahnten Erfolg zu verzeichnen. Dr. Levin sprach so packend und fortreißend, daß das Publikum in die höchste Begeisterung geriet. Der eine Abend hat uns diese Stadt gesichert. Die ganze Stadt sprach am nächsten Tage von dieser dort noch nie erlebten Versammlung; viele, die bisher unsere schärfsten Gegner waren, sind uns sichtlich nahegekommen. „Blau-Weiß“ Der österreichische Bund „Blau-Weiß“ für jüdisches Jugendwandern, der seinen Sitz in Wien hat, wurde in jüngster Zeit durch die Konstituierung neuer Ortsgruppen in I g I a u, Prag und Reichenberg verstärkt. Ueberaus erfreulich sind die Erfolge der Bestrebungen des Blau-Weiß-Bundes in Wien selbst. Allenthalben in der näheren und weiteren Umgebung Wiens begegnet man den Wanderzügen jüdischer Jünglinge und Mädchen. In den Oster-Ferialtagen unternehmen einzelne Gruppen unter Leitung ausgebildeter Führer und Führerinnen mehrtägige Wanderungen in den Wienerwald. Sarajevo. Am 18. März fand die konstituierende Generalversammlung des Jüdischen Turnvereins statt, zu welcher mehrere Begrüßungstelegramme und Briefe einliefen, darunter eines von unserem hervorragenden Gg. Dr. Max Nordau. Die Verlesung seines Briefes rief stürmischen Beifall hervor. Es wurde beschlossen, die hebräische Kommandosprache einzuführen und einen Turnhallen- und Gerätefonds zu gründen. Galizien (Von unserem galizischen Berichterstatter) Sitzung des Partetrates der Zionisten Galiziens Am 15. März, von 9^ Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, mit einer kurzen Unterbrechung, hat bei Beteiligung von beinahe 40 Zentralkomitee- und Parteirat-Mitgliedem in Lemberg der Parteirat der Zionisten Galiziens unter Vorsitz des Präsidenten Stand seine erste Sitzung abgehalten.

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