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Die Welt · 1914-03-27 · 13 (27.3.1914) · p. 315

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
13 (27.3.1914)
Article
Ein Vierteljahrhundert jüdischer Gewerkschaftsbewegung in Amerika
Date
1914-03-27
Page
315 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 13 315 DiE^ELT amerikanische Zweig des jüdischen Volkes wäre nie zu einer Bedeutung im öffentlichen Leben Amerikas und im gesamten jüdischen Leben gelangt. Doch cs konnte nicht so bleiben. Wo so große Arbeitermassen beisammen sind, muß früher oder später der Oedanke der Organisation aufkommen. In diesem Sinne sind die großen wirtschaftlichen Organisationen der jüdischen Arbeiter Amerikas gewiß aus „historischer Notwendigkeit“ entstanden. Daß sie aber recht früh entstanden, daß die jüdische Gewerkschaftsbewegung in Amerika im Januar dieses Jahres schon das erste Vierteljahrhundert ihrer Existenz feiern konnte, ist ein Verdienst der „vereinigten jüdischen Gewerkschaften“ in New York. Vor 25 Jahren traten in New York aus Rußland gekommene jüdische Sozialisten zusammen und gründeten die „vereinigten jüdischen Gewerkschaften“, eine Körperschaft, deren Zweck es in erster Linie war, die jüdischen Arbeiter jler Gewerkschaftsbewegung zuzuführen und deren Kämpfe um bessere Lebensbedingungen zu unterstützen. Bei der Gründung der „Gewerkschaften“ bestanden in New York zwei jüdische Unions mit 40 Mitgliedern, gegenwärtig sind den Gewerkschaften 1C9 Unions mit fast 230 C00 Mitgliedern angeschlossen. Es sei ausdrücklich betont, daß die „vereinigten jüdischen Gewerkschaften“ ihre organisatorische Tätigkeit bloß auf die Stadt New York erstreckt haben; im ganzen Staate New York aber gibt es ca. $30 000 Organisierte die Juden mit eingerechnet! Man wird zugeben müssen, daß dies eine der grandiosesten Erscheinungen der Golus-Gcschichte ist. Die Gewerkschaftsbewegung hat das arbeitende amerikanische Judentum zum Selbstbewußtsein erzogen, hat es zu einer stolzen, ihrer Macht bewußten, im Kampfe geschulten Masse gemacht. Die gewaltigen Streiks der jüdischen Arbeiter in New York und die Kündigung des amerikanisch-russischen Handelsvertrages sind auf dieselben Wurzeln zurückzuführen. Die „vereinigten jüdischen Gewerkschaften“ standen an der Wiege dieser Gewerkschaftsbewegung, alle Unions wurden von ihnen ins Leben gerufen oder wenigstens mitbegründet, und noch heute spielt diese Körperschaft eine bedeutende Rolle als Vermittlerin zwischen den einzelnen Organisationen, als Stütze der schwächeren und Beraterin der mächtigen und insbesondere als Repräsentantin der organisierten jüdischen AUS DER BEWEGUNG »»»»»» Die zionistischen Landes- und Sonderverbände werden hiermit gebeten, alle - hre Ortsgruppen und Vereine zu veranlassen, die Zwischenfeiertage des Pessach-Festes zur Einziehung der Schekel des Jahres 9674 auszunutzen. Das Actions-Comit6. Die zionistischen Zeitungen aller Länder werden dringend ersucht, den Artikel „Schekel“ an der Spitze dieser Nummer, sowie obenstehende Notiz zum Abdruck zu bringen. Das Actions-Comitö. Die „Erklärung“ Vor einigen Wochen hat eine große Anzahl von jüdischen „Notabeln“ im Annoncenteil der großen deutschen Tageszeitungen eine gegen den Zionismus gerichtete Erklärung veröffentlicht, die durch die Stelle, wo sie publiziert war, und durch ihren Inhalt großes Aufsehen erregte. Zum erstenmal wandten sich Juden an die nichtjüdische Oeffentlichkeit, um andere Juden als schlechte Staatsbürger zu kennzeichnen. Es war kein Zufall, daß diese Erklärung in einem Augenblick erschien, wo eine kleine, aber führende Gruppe des liberalen Judentums in einem von ihr selbst herbeigeführten Angriffskriege gegen den Zionismus stand und wo ihre Chancen in diesem Kampfe schlecht waren. Daß die Führer dieses gegen uns gerichteten Kampfes sich in jenem Augenblicke einer antizionistischen Körperschaft anschlossen, die sie bisher ihrer Mitarbeit nicht gewürdigt hatten, läßt die „Erklärung“ als ein zur Unterstützung des Hilfsvereins unternommenes Manöver erscheinen. Der Streit des Hilfsvereins mit dem Zionismus ist inzwischen beigelegt worden; nicht durch den Sieg einer der beiden Parteien, sondern weil die Mehrheit des Kuratoriums des Technikums sich die sachlichen Forderungen der Zionisten zu eigen machte. Die „Erklärung“ hat somit ihren nächsten Zweck verfehlt. Aber sie hat eine Bedeutung über jenen Augenblick hinaus. Männer von Namen und Bedeutung, wie Cohen und Nathan, setzten sich in der Form der „Erklärung“ für den Hilfsverein ein; allein sie verschrieben sich zugleich dem antizionistischen Komitee, jener Körperschaft, die ein rein negatives Ziel verfolgt, die nicht aufbauen, sondern nur zerstören will; die nur ein Ideal kennt: die ideale Bewegung les Zionismus zu vernichten. Darum sind auch ihre Mittel nur zerstörende. Die „Erklärung“ hat dem Zionismus nicht eschadet; aber dem Juden turne. Vielmehr hat sie dem Zionismus genützt; aber wir bedauern einen Vorteil, den wir aus Gnem dem Gesamtjudentume zugefügten Schaden ziehen. Wir haben geantwortet. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat mehr als 80 Versammlungen einberufen, in denen unser Programm zur öffentlichen Diskussion gestellt wurde. Die Unterzeichner der „Erklärung“ haben in dieser Aussprache das Wort nicht ergriffen. Hier hätten sie ja bloß zu Juden sprechen können, und die hätten den wahren Wert jener Beschuldigung allzu rasch durchschaut. Es mag auch sein, daß sie ihrer Tat nicht froh wurden. Denn eine ganze Reihe angesehener Männer von jüdischem Gefühl, wenn sie auch Gegner des Zionismus sind, sprachen sich in schärfster Weise, in den Versammlungen und sogar von der Kanzel herab, gegen die „Erklärung“ aus. Unsere Versammlungen waren eine machtvolle Kundgebung: unsere Organisation in Deutschland ist stark und mächtig, sie hat ein Ideal, sie hat die Zukunft. Aus der poale-zionistischen Bewegung Jubiläumsvorbereitungen in Amerika L?. 1.— Die poale-zionistische Landespartei in Amerika wird zu Ende dieses Jahres das Fest ihres zehnjährigen Bestandes feiern. Die Partei hat gleich nach ihrem Entstehen eine schwere Krise durchgemacht. Die territorialistische Spaltung hat ihr den größten Teil ihrer Vereine und Mitglieder geraubt, die in das neubegründete Lager der S. T. (Sozialisten - Territorialsten) übergingen. Es ist ein wunderbares Zeugnis für die Existenzberechtigung des poale-zionistischen Gedankens, daß die Partei nicht nur in kurzer Zeit wieder zu ihrem ursprünglichen Stande gelangt ist, sondern seit damals in steter Entwicklung begriffen ist. Parteisekretär Ehrenreich befindet sich eben jetzt auf einer sehr erfolgreichen Agitationsreise, der die Stärkung der bereits vorhandenen und die Entstehung neuer Organisationen zu verdanken ist. Insgesamt sind in der letzten Zeit 10 neue Vereine gegründet worden. Vergleicht man diese Tatsachen mit der tristen Lage der S. T.-Bewegung, dann muß man zugeben, daß die Krise des Territorialismus der Partei keinen dauernden Schaden gebracht hat. Die Vorbereitungen für das Jubiläum sind schon begonnen. Unter anderem ist die Herausgabe eines Sammelbuches geplant, das der Geschichte der Partei und den Problemen des jüdischen Sozialismus gewidmet sein soll. B. Borochows Tournee in England Die jüdische Presse Englands bringt sehr erfreuliche Berichte über die Erfolge B. Borochows in England. Bis nun hat Borochow die Städte London, Leeds und Manchester besucht. Ueberall sind mehrere große Meetings abgehalten worden, in denen Borochow vor tausendköpfigen Mengen sprach. Es ist kein Zweifel, daß Herrn Borochows 01535348014848484853534853235323

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