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Die Welt · 1914-03-27 · 13 (27.3.1914) · p. 314

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
13 (27.3.1914)
Article
Die Ritualmordaffäre von Fastow
Date
1914-03-27
Page
314 (sequence 2)
Language
German
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314 Nr. 13 DIE :elt affäre, solange sie nicht erledigt ist, die Juden im ganzen Süd weste n Rußlands in unausgesetztem Schrecken erhält. Massenausweisungen in Russisch-Polen In der Ortschaft Stszemeszic (Gouvernement Petrikau) sind 200 jüdische Familien plötzlich ausgewiesen worden. Dabei wurde die Frist für den Aufenthalt so kurz bemessen, daß die Ausgewiesenen außerstande sind, ihre Geschäfte zu liquidieren und auch den wohlhabenderen Familien gänzlich? Verarmung droht. Die bedauernswerten Opfer der unmenschlichen russischen Verwaltungspraxis haben sich nun durch Vermittlung des Petrikauer Rabbiners an den Gouverneur mit der Bitte um Verlängerung der Frist gewandt. Der Erfolg des Gesuches ist sehr zweifelhaft. Bulgarien |ii Staatliche Subvention für die jüdischen Schulen r.— Dank den Bemühungen des Großrabbiners von Bulgarien hat die bulgarische Regierung einige wichtige Beschlüsse bezüglich des Schulunterrichts der jüdischen Jugend gefaßt: Erstens wurde im Staatsbudget vom Jahre 1014 ab ein bestimmter Beitrag für die jüdischen Schulen des Landes festgesetzt. Zweitens wird vom nächsten Schuljahr ab in den Schulplan der Regierung der obligatorische jüdische Religionsunterricht für die Schüler der staatlichen Schulen aufgenommen. Bisher erhielten die jüdischen Schulen von den Stadtgemeinden Subventionen von 40 bis 50 Frcs. jährlich. Zum ersten Male figuriert jetzt im Staatsbudget ein bestimmter Betrag als Beihilfe für die jüdischen Schulen. lij Griechenland |i illllllillllllllllilllllilllllllliillllf Zur Lage der Juden in Saloniki (Von unserem Berichterstatter.) r.— In Saloniki ist es am 14. März zu einem ernsten Zusammenstoß zwischen griechischen und jüdischen jungen Leuten gekommen, der beweist, daß die Differenzen zwischen Griechen und Juden keineswegs, wie wiederholt behauptet wurde, überbrückt worden sind. Als kürzlich die Mitglieder einiger jüdischer Gesellschaften sportliche Gedungen im Freien abhielten, wurden sie von Zöglingen der griechischen Schule Noucas in gröblichster Weise beschimpft, belästigt und ohne jeglichen Grund tätlich beleidigt, wobei ein Mitglied des Turnvereins „Makkabi** am Arm und ein anderes an der Hand verletzt wurde. Da sich die jüdischen Sportgesellschaften sämtlich durch diesen Angriff verletzt fühlten, sagten sie auf Veranlassung des „Makkabi** und der Association Juive Franco-Allemande zum Zeichen des Protestes ein Match, in dem sie sich mit der griechischen Gesellschaft „L’Hercule“ messen sollten, auf unbestimmte Zeit ab. Die griechische antisemitische Zeitung „Le Pharos*1, die jeden Vorwand benutzt, um die Juden anzugreifen, veröffentlichte daraufhin einen Bericht, in dem gesagt wurde: „die Impertinez einiger Israeliten und ihre unverzeihliche Frechheit hätten alle Grenzen überschritten. . . . Die Sache hat die Unsren (die Griechen) mit Recht erregt, und sie haben volle Berechtigung gehabt, ihnen (den Juden) den Schädel einzuschlagen . . . Bei dieser Gelegenheit können wir nur wiederholen, daß unsere Toleranz gegen undankbare und unerzogene Fremdlinge, die in unserem griechischen Staate leben, nunmehr ihre Grenze erreicht hat . . .** Der „Pharos** hat einen ganzen Roman zusammengedichtet, der die gröbsten Lügen und Verdächtigungen gegen die gesamte jüdische Bevölkerung enthält und die Anbahnung des so notwendigen Einverständnisses zwischen Griechen und Juden wiederum gefährdet. Seine größte Niedertracht besteht darin, daß er eine Bevölkerungsgruppe von 80 000 Seelen, die seit mehr als fünf Jahrhunderten in Saloniki 'wohnt, als „Fremdlinge** behandelt. Die jüdische Bevölkerung von Saloniki blickt infolge dieser Vorgänge mit Besorgnis in die Zukunft. Der Gemeinderat hat eine außerordentliche Sitzung einberufen, um zu den Angriffen des „Pharos** Stellung zu nehmen. Ferner hat der Großrabbiner Jakob Meir eine Unterredung mit dem Generalgouverneur Repulis gehabt und ihn ersucht, Maßregeln gegen derartige Vorgänge zu ergreifen. M. Repulis hat versprochen, die Veröffentlichung eines offiziellen Dementi zu veranlassen und der Wiederholung solcher Angriffe vorzubeugen, was jedoch leere Versprechungen sind. Der „Makkabi**, der eingesehen hat, daß nur Selbsthilfe zum Ziel führen kann, hat die 'jüdischen Sportvereine ersucht, einen Beleidigungsprozeß gegen den „Pharos** anzustrengen, wozu jedoch die übrigen Vereine sich aus Furcht vor den etwaigen Folgen nicht bereit gefunden haben. Die wirtschaftliche Lage der Juden in Saloniki verschlechtert sich ebenfalls außerordentlich, hauptsächlich durch den Verlust des Hinterlandes und durch die neue Bahn nach Athen. Der Anschluß der griechischen Bahnen an das mazedonische Schienennetz hat den Hauptzweck, den mitteleuropäischen Verkehr nach dem Orient über den Piräus und Athen zu leiten. Hierdurch verliert Saloniki die größte Chance, die es zur Türkenzeit hatte, und manche sehen bereits die Stadt zum Range eines bloßen Fischerdorfes herabsinken. Die Auswanderung ist daher beständig im Wachsen begriffen. iniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Türkei Gründung einer islamitischen Universität in Medina Nach Meldungen der arabischen Presse werden die Vorbereitungsarbeiten für die neue islamitische Universität überall energisch betrieben. In der kaiserlichen Irade wird der neuen Hochschule die Aufgabe zugewiesen: „die vornehmen Wahrheiten der Religion des Islams zu lehren und zu verbreiten**. Aber auch Landwirtschaft und Technik sollen dort wissenschaftlich gepflegt werden. Das Zentralkomitee, welches aus Türken und Arabern besteht, hat seinen Sitz in Konstantin o p e 1, während der Verwaltungsrat in Medina domiliziliert. Der Unterricht wird in arabischer Sprache erteilt werden, und die Zeugnisse werden die gleiche Gültigkeit haben wie die aller anderen türkischen Universitäten. Das türkische Wakufministerium bewilligt der neuen Universität eine jährliche Subvention von 10 000 türk. Pfund, und außerdem stellt die türkische Regierung für den Bau und die erste Einrichtung 80 000 türk. Pfund zur Verfügung. Es wird auch in allen islamitischen Ländern für die neue Hochschule, die ganz frei von christlichem Einfluß sein soll, eifrig gesammelt. [iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Amerika Ein Vierteljahrhundert jüdischer Gewerkschaftsbewegung in Amerika b.L— Zu den interessantesten und bedeutsamsten Erscheinungen des jüdischen Lebens in Amerika gehört ohne Zweifel die mächtige jüdische Gewerkschaftsbewegung, die Hunderttausende von Arbeitern umfaßt. An den Mitgliederzahlen der jüdischen „Unions** kann man erst deutlich die große ökonomische Umwälzung ermessen, die die Emigrationsbewegung mit sich bringt. Das war nicht immer so. Die ersten jüdischen Einwanderer in Amerika waren Peddler, Kleiderhändler usw. Erst mit dem Beginne der großen Emigration nach den ersten Pogromen der achtziger Jahre beginnt die Entstehung des modernen jüdischen Proletariats in Nordamerika. So gewaltige Menschenmassen konnten unmöglich als Peddler und sonstige unproduktive Elemente ihr Brot finden. Gerade zu jener Zeit entwickelte sich in der Kleiderarbeit eine weitgehende Arbeitsteilung, die die Arbeit sehr vereinfachte. Die jüdischen Emigrantenmassen drangen bald in diese Arbeitszweige ein. Man kann sich vorstellen, daß die Unternehmer nicht aus lauter Menschenliebe so vielen Juden auf einmal Beschäftigung gaben. Die Juden waren eben die billigsten Arbeitshände. Sie waren froh, für den elendsten Lohn Arbeit zu finden, um nicht mit Weib und Kind Hungers zu sterben. Wäre aber dieser Zustand für die Dauer so geblieben, so hätte das ein Unglück für das ganze Volk bedeutet. Der 48010201010100000200480000 99999999999934

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