Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 13 (27.3.1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-03-27
- Page
- 312 (sequence 1)
- Language
- German
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312 &IE2qKELT Kleine Nachrichten Mittwoch, am 11. März, verunglückte in Jaffa der türkische Flieger Nuri B e y auf seinem Eindecker „Gelal ed Din“. Beim Aufstieg nahm er den Kurs gegen das Meer, machte aber anscheinend eine zu rasche Drehung und fiel ca. 500 m vom Strand ins Meer. Nuri Bey wurde bald ins jüdische Krankenhaus gebracht, wo er nach zwei Stunden verschied. An der Trauerfeier beteiligten sich alle Schichten der jüdischen Bevölkerung. Die Behörden haben dafür insbesondere dem Hebräischen Gymnasium und dem Turnverein „Makkabi“ ihren Dank ausgesprochen. Aus diesem Anlaß wurden alle Purimfeiern abgesagt. Der Chacham Baschi von Jerusalem hat für ein Jahr ein provisorisches Komitee der sephardischen Gemeinde eingesetzt, welches aus folgenden Herren besteht: Bankier Valero, Direktor Dr. L e v y, Richter Amon, Rechtsanwalt Feraggi, Kamchi, Rabbiner Eljaschar, Mejuchas, Chasan und P a n i s e 1. Für das nächste Jahr sollen Wahlen vorbereitet werden. Die bald zu erbauende Landstraße Jaffa — Gaza wird über Rischon le-Zion und Ness-Zionah führen und eine Zweigstraße nach Rechoboth erhalten. Diese drei Kolonien verpflichteten sich, nach Fertigstellung der Strafte 5800 türkische Pfund beizusteuern. Auch die Instandsetzung der Landstraße Jaffa —Nablus soll eifrig in Angriff genommen werden. Nr. 13 Die Kolonie Pethach-Tikwah ist im Begriffe, ein lokales Bankinstitut zu eröffnen, welches gewissermaßen als Filiale der A. P. C. fungieren wird. Der bekannte hebräische Schriftsteller und Leiter der hebräischen Knabenschule in Jaffa, Herr A. S. Rabinowitz, feierte dieser Tage seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlaß haben seine Verehrer beschlossen, eine Auswahl seiner Schriften herauszugeben. ln letzter Zeit treffen hier viele jüdische Touristen aus Europa und anderen Weltteilen ein, die über Peßach hier bleiben wollen. Dem bekannten Palästina-Archäologen, Prof. J. Sellin, ist es gelungen, die Stätte der biblischen Stadt Sichern (Sch’chem) genau zu bestimmen. Die von ihm geleiteten Ausgrabungen an dieser Stelle haben interessante Funde zutage gefördert. Die jüdische Aerztegesellschaft in Palästina veröffeiS^IcIrt einen offenen Brief an die jüdischen Aerzte in Europa, in dem diese gewarnt werden, unbemittelte lungenkranke Personen nach Palästina zu senden, wie dies in letzter Zeit mehrfach vorgekommen ist. Wohl sei das sonnige palästinensische Klima sehr heilkräftig, doch seien die Wohnungs-, Nahrungs- und allgemeinen Lebensverhältnisse in den Städten einstweilen derart, daß der Aufenthalt lungenkranken Personen, die nicht über reichliche Mittel verfügen, keineswegs empfohlen werden kann. REVUE DER PRESSE Hi [(liüii'lilllülliiiiilüillilllllil „Hapoel HazaTr“, das Organ der gleichnamigen jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina, veröffentlicht unter der Ueberschrift „Jithron Ha’aboda“ (Die Vorzüge eigener Arbeit) eine sehr interessante Artikelreihe, die an Hand einer eingehenden Schilderung der wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Verhältnisse in den verschiedensten europäischen und amerikanischen Gebieten den Nachweis führt, daß niemals der landwirtschaftliche Großbetrieb und die Kapitalkraft der reichen Grundbesitzer allgemeinen Wohlstand zu erzeugen und ein Land ökonomisch emporzuheben vermag, sondern einzig und allein die Arbeitskraft der kleinbäuerlichen Massen und der ländlichen Lohnarbeiter. Dies wird u. a. in Nr. 15/17 durch eine historische Darstellung der unheilvollen kapitalistischen Kolonialpolitik Spaniens und ihrer schädlichen Rückwirkung auf die Wirtschaftsverhältnisse des Mutterlandes belegt und es wird im Gegensatz dazu auf die günstigen Zustände in der Provinz Katalonien hingewiesen, wo immer der landwirtschaftliche Kleinbetrieb selbstarbeitender Bauern und Tagelöhner vorherrschte. Aehnlich lägen die Verhältnisse in den von Polen bewohnten östlichen Provinzen Preußens und auf den adeligen Gütern in Rußland. In Nr. 19 weist der Verfasser auf den außerordentlichen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung der Negerbevölkerung in den Vereinigten Staaten hin. Die Volkszählung im Jahre 1900 hat ergeben, daß über 95 000 Farmen im Besitze von Negern sind; weitere 349 000 Farmen haben Neger gepachtet und bewirtschaftet. Die redliche physische Arbeit, die es der schwarzen Bevölkerung Amerikas ermöglicht hat, beweglichen und unbeweglichen Besitz in solchem Umfange zu erwerben, hat sie auch an geistigen Besitztümern aller Art reich gemacht. In den 16 Staaten, deren Gebiet vorwiegend von Negern bewohnt wird, besuchen 916 000 Kinder die Volksschulen; es gibt dort ferner ISO Mittel- und höhere Schulen mit 43 000 Schülern, IS Universitäten und Colleges, zahlreiche Kunstschulen und technische Lehranstalten. Unter den Negern gibt es 21 000 Lehrer und Lehrerinnen, 3000 Aerzte, Zahnärzte und Anwälte, 1260 Agronomen, 2000 Schauspieler und Schauspielerinnen, 4000 Musiklehrer und Komponisten, Hunderte von Kunstmalern, Journalisten, Gelehrten und Schriftstellern. Wüßte man nicht, daß noch vor einem Menschenalter sämtliche Neger in den Vereinigten Staaten materiell und geistig in äußerster Armut lebten, man würde es kaum für möglich halten, daß sie im Laufe von fünfzig Jahren es mit "Hilfe fleißiger körperlicher Arbeit so weit bringen konnten. Von den übrigen Beiträgen der Nr. 19 des „Hapoel Haza'ir44 erwähnen wir einen Bar-Jochai gezeichneten Artikel, der eine sehr radikale „Absage“ an das Cheder und alle Bestrebungen, es zu reformieren, enthält. Der Verfasser ist aus nationalen und allgemeinmenschlichen Erwägungen ein unversöhnlicher Gegner der religiösen Schule in allen ihren Formen und meint: „Unsere moderne hebräische Schule darf nicht auf der Grundlage der ,religiösen Anmut4 des Cheders aufgebaut werden. Seine Grundlagen müssen vielmehr sein: Luft, Freiheit und Arbeit.44 — Jakob Rabbinowitz behandelt die Differenzen zwischen der Kolonie Rechoboth und der Wächterorganisation „Haschomer44 und ist ein Gegner von Repressivmaßnahmen, die von Freunden des Haschomer gegenüber der Kolonie Rechoboth vorgeschlagen worden sind. - S. B e n - Z i o n setzt seine treffliche Uebertragung von Heines „Atta Troll44 fort. Das Heft bringt ferner ausführliche Berichte über das Leben in den Kolonien Rechoboth. Neß-Zionah und Daganja, eine reichhaltige Wochenchronik u. a. In Nr. 29 derselben Zeitschrift werden an leitender Stelle die Ergebnisse der vor kurzem abgehaltenen zwölften Jahres konferenz der Organisation „Hapoel Hazair44 besprochen. Jakob Rabbino witz behandelt in einem längeren Artikel die Tätigkeit der Agudath N’taim in Palästina und ihr Verhalten inbezug auf die Beschäftigung jüdischer Landarbeiter das in letzter Zeit zu heftiger Kritik Anlaß geboten hat Ein literarisch-kritischer Aufsatz von A. A. Kabak beschäftigt sich mit den Leistungen der aus Galizien stammen den jungen hebräischen Schriftstellergarde wie Abraha r; ben Jizchak, Ascher B a r a s c h, R. Benjamin. Disendruck, S. J. Agnon; er verspricht sich von diese': jungen Kreis sehr viel für die Entwicklung des modernen hebräischen Schrifttums. Hervorgehoben sei ferner aus der" Inhalt dieses Heftes die liebliche Idylle „Im Walde zu Chedera von David Schimonowitz, die interessante Revue de: spaniolisch-jüdischen Presse von A. Almalech und die Berichte aus den palästinensischen Kolonien und Städten. 0202024823532301485348482353235348