Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 13 (27.3.1914)
- Article
- Von der landwirtschaftlichen Mittelschule in Pethach-Tikwah
- Date
- 1914-03-27
- Page
- 311 (sequence 1)
- Language
- German
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:r. 13 ÖIE2&ELT 31 1 iiiinnuiiiiiiiiiiiii PALÄSTINA-RUNDSCHAU ■illlUllllllillllllllll 1 ...;.J,l Von der landwirtschaftlichen Mittelschule in Pethach-Tikwah (Von unserem Berichterstatter.) Seit Ende 1912 besteht bekanntlich in Pethach-Tikw a h eine landwirtschaftliche Mittelschule, die sich gut entwickelt. Die Schülerzahl hat sich seit der Eröffnung verdoppelt. Sie beträgt jetzt 35 und besteht zur Hälfte aus Kindern der Kolonie, zur anderen Hälfte aus auswärtigen (meist russischen) Schülern. Dem theoretischen Unterricht in der Schule ist die Hälfte des Tages gewidmet; während der anderen Tageshälfte arbeiten die Schüler praktisch bei einzelnen Kolonisten oder auf dem Areal, das zur Schule gehört, unter Anleitung eines Lehrers. Es wurden verschiedene Versuche mit chemischen Düngstoffen durchgeführt. Von besonderem Wert ist das chemische Laboratorium, das die Schule durch die Vermittlung der Herren J. L. Q o 1 d - b e r g und Neuschul in Wilna aus dem Nachlasse des Dr. Finn erhalten hat. Die Boden- und Düngeranalysen kommen nicht bloß der Schule, sondern auch der Kolonie zugute. Das Odessaer Palästina-Komitee, das die Anstalt subventioniert, hat in diesem Jahre seine Beihilfe auf 1530 Eres, erhöht. Der Wiener jüdische Kolonisationsverein hat nachträglich für das abgelaufene Schuljahr 500 Eres, bewilligt und wird voraussichtlich auch in diesem Jahre mit einem namhaften Betrag zur Erhaltung der Schule beitragen. Es wäre zu wünschen, daß auch die anderen jüdischen Palästinagesellschaften und auch einzelne Freunde des palästinensischen Kolonisationswerkes dieser Pflanzstätte des landwirtschaftlichen Wissens ihre werktätige Sympathie zuwenden. Es sei hier erwähnt, daß an dieser Schule das Hebräische ausschließliche Unterrichtssprache ist. ln den nächsten zwei Jahren sollen der Anstalt noch weitere zwei Klassen angegliedert werden. Wenn ihr die nötige Förderung nicht versagt bleibt, so wird es ihrem treuen und umsichtigen Leiter, dem Agronomen Dr. Elieser Pickholz, gewiß gelingen, sie bald auf eine ansehnliche Höhe zu bringen. Verwaltungssorgen in den Kolonien ln einem längeren Aufsatz in der „Hacheruth“ behandelt M. S m i 1 a n s k y den jetzigen Zustand der Selbstverwaltung in den Kolonien und konstatiert, daß zumindest in den größeren Kolonien die jetzige Form der Verwaltung reformbedürftig ist. Wie bekannt, steht an der Spitze einer jeden Kolonie ein W a a d, d. h. ein in der Generalversammlung der Kolonie gewählter Vorstand, der die Geschäfte der Kolonie iin Ehrenamte besorgt. Nun haben aber schon die rein finanziellen und administrativen Geschäfte der größeren Kolonien einen solchen Umfang angenommen, daß sie nicht mehr in ein paar Stunden wöchentlich erledigt werden können. So hält beispielsweise der Waad der Kolonie Pethach-Tikwah in der Regel dreimal wöchentlich Sitzungen ab, die meist bis nach Mitternacht dauern. Die Folge davon ist, daß gerade viele der erfahrenen Kolonisten die Uebernahme eines Mandates ablehnen und darum ungeeignete Leute gewählt werden müssen, was natürlich wieder zur Unzufriedenheit mit dem Wirken der Waadim führen muß. Es ist dabei zu berücksichtigen, daß bei den eigentümlichen Verhältnissen des Landes der Waad einer Kolonie sich auch mit Aufgaben zu befassen hat, die in andern Bändern von staatlichen und;rovinziellen Behörden durchgeführt werden. Als ein besonderes Uebel betrachtet es S m i 1 a n s k v , •aß eine dem Waad übergeordnete Instanz nicht besteht "d daher gegen gelegentliche Fehlgriffe des Waad keine wrufung eingelegt werden kann. Zum Schluß macht er fol- .nde Vorschläge zur Beseitigung der jetzigen Uebelstände: L Besoldung der Personen, die die Verwaltungsangelegenheiten Kr Kolonien besorgen; 2. Errichtung einer oberen Instanz nrch den Verband der Kolonien, an die man sich in strittigen Fällen wenden kann; und 3. Ausdehnung des Wahlrechtes auf alle Erwachsenen, auch auf die Familien, die keine Steuern zahlen. Von dieser Maßregel erwartet Smilansky eine Vermehrung der tätigen Kräfte. Trachomkonferenz der Aerzte Palästinas. Dienstag, den 31. März d. J., beginnt in Jerusalem die von Herrn D.\ Elias Auerbach (Haifa) vorgeschlagene und von der Jaffaer jüdischen Aerztegescllschuft inaugurierte erste Trachomkonferenz der Aerzte Palästinas. Zweck derselben ist Gewinnung der Ärzteschaft für den Kampf gegen das endemische Trachom, Zusammenfassung und Sichtung des vorhandenen statistischen Materials, Einigung über eine Reihe von Fragen, betreffend einheitliche Statistik, Diagnose und therapeutisches Vorgehen, Aufklärung der Bevölkerung usw. Die Konferenz dauert drei Tage und findet im Anschluß an das Jewish Health Bureau in dessen Räumen statt. Die klinischen Demonstrationen und Operationen werden in der Augenklinik „Lema'an Zion“ abgehalten werden. Eine Reihe wichtiger Referate und Demonstrationen sind angekündigt und bereits zu einem Programme geordnet. Aus den galiläischen Kolonien Metula. Bereits im vorigen Jahre hat hier die Administration der 1. C. A. sechs neue Pächter angesiedelt. In diesem Jahre sind wieder vier Pächter hinzugekommen. Durch die neuen Siedler ist ein frischer Zug in die Kolonie gekommen. Der arabische Pflug, der bisher hier alleinherrschend war, weicht jetzt teilweise dem europäischen. Die jungen Siedler sind fleißig bei der Arbeit und wissen auch die Bewachung der Felder besser zu regeln. Auch das öffentliche Leben der Kolonie ist reger geworden. Noch eine Maßregel der Administration, die in letzter Zeit beschlossen wurde, wird der Kolonie sehr förderlich sein. Die Quelle, die die Siedlung mit Wasser versorgt, ist etwa eine halbe Wegstunde entfernt. So müssen die Kolonisten täglich nach Schluß der Arbeit die Quelle aufsuchen, wo jeder warten muß, bis der Vordermann seinem Lasttier Wasser aufgeladen hat. Jetzt wird die Administration eine Wasserleitung anlegen. Auch die Anlage ausgedehnter Pflanzungen sieht bevor, auf denen jüdische Arbeiter Beschäftigung finden werden. Ferner soll der Sitz des Kaimakams von Jededa nach unserer Kolonie verlegt werden. Das Fehlen eines Tierarztes macht sich hier stark bemerkbar, zumal es in ganz Obergaliläa keinen Tierarzt gibt. In den Sommermonaten wird unsere Kolonie, die am Fuße des Hermon gelegen ist und ein gesundes, kühles Kiima hat, von vielen Gästen aus den palästinensischen Städten besucht. Mischmar Haiarden. Die Administration der I C. A. hat im Voranschlag für dieses Jahr ca. 20 000 Frcs. als Kredite für Anlage von Baumpflanzungen vorgesehen. Rosch-Pinah. Auch in unserer Kolonie werden neue k .- mittelte Ansiedler den Plantagenbau in größerem Maßstabe aufnehmen. Daganja. Die hiesige Gutswirtschaft des Jüdischen Nationalfonds hatte im abgelaufenen Wirtschaftsjahr einen Reingewinn von .1734,50 Frcs. Derselbe fällt zur Hälfte der Arbeitergenossenschaft und zur andern Hälfte dem Jüdischen Nationalfonds zu. Es ist zu hoffen, daß bei Aufnahme von Pflanzungsbau und Milchwirtschaft die Einnahmen erheblich steigen werden. Migdal (Medschdel). Im letzten Jahre sind hier ca. 10 jüdische Arbeiter, zumeist Sephardim aus Tiberias, beschäftigt worden.