Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 12 (20.3.1914)
- Article
- Sederschüsseln
- Date
- 1914-03-20
- Page
- 293 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 12 293 DIES^ELT Sederschüsseln ans Batik-Metall mit und ohne Silbereinla^en empfiehlt der Bczalel den verehrten Gesinnungsgenossen /um bevorstehenden Peßachfest. Adresse für Bestellungen und Geldsendungen: Verein Be za lei E. V., Berlin W. 15, Bleibtreustr. 31/35. Oesterreich Vortrag von Dr. Levin in Gablonz Herr Ür. Schmarja Lev in kam am 11. März nachmittags in Gablonz an. Gegen Abend fand im kleinen Hotelsaal eine Begrüßung statt, an der sich offiziell eine Deputation der Kultusgemeinde mit dem Präsidenten Herrn Kommerzialrat Adolf Schindler an der Spitze, beteiligte. Dieser hielt im Namen der Kultusgemeinde und der Mitglieder der Loge eine überaus herzliche Begrüßungsansprache an Herrn Dr. Levin. Anwesend waren auch die sämtlichen Mitglieder des Vorstands des „Zionistischen Vereins Theodor Herzl für Gablonz und Umgegend“ und einige Damen der Mädchen-Sektion des Vereins. Die am Abend abgehaltene Versammlung war außerordentlich stark besucht. Die ganze jüdische Gemeinde hatte sich versammelt und es waren sämtliche Repräsentanten der Kultusgemeinde und Vertreter der Presse erschienen. Der Obmann des Vereins, Herr Ludwig Hovtasch, eröffn ete die Versammlung und begrüßte den verehrten Gast, worauf Herr Dr. L e v i n das Wort nahm. Sein Vortrag über „Die Tragödie des Judentums“ übte auf die Anwesenden tiefe Wirkung, die sich in stürmischen Ovationen auslöste. Nach einer kurzen Pause wurden einige Anfragen an den Redner gerichtet, der sie in ebenso sachlicher, wie wirkungsvoller Weise beantwortete. Herr Dr. Levin reiste am folgenden Tage nach Reichenb e r g weiter. Sein Vortrag hat für den Verein in Gablonz einen großen moralischen Erfolg bedeutet, der zweifellos Früchte tragen wird. Generalversammlung des zionistischen Zentralvereins in Wien a. - Am 16. März fand die diesjährige Generalversammlung statt. Der vom Vereinspräsidenten, Herrn Ludwig Batö, erstattete, mit großem Beifall aufgenommene Rechenschaftsbericht konstatiert, daß sich im letzten Jahre die Mitgliederzahl fast verdoppelt hat. Vor dem Kongresse wurden ungefähr SO Agitationsversammlungen in Wien abgehalten und in zahlreichen Bezirken, insbesondere in Mariahilf und Favoriten, Bezirksorganisationen gegründet. Die Neuwahlen hatte folgendes Ergebnis: Ludwig Batö (Obmann), Dr. Friedmann, Geller, Dr. Reik, Nebenzahl, Dr. Stein, Waltuch, Dr. Weiner. Das Mitglied des Großen Actions-Comites Herr Ob.-Ing. Stricker erstattete ein eingehendes Referat über die letzte A.-C.-Sitzung, an das sich eine lebhafte Debatte knüpfte. Saaz. Am 14. März fand die konstituierende Versammlung des Jüdischen Volks Vereins in Saaz statt. Den Abend leiteten Ansprachen der Herren Grünfelder und Prof. Stern ein. Vom Zionistischen Distriktskomitee in Prag war Herr Dr. Ernst Gütig entsendet worden, der in beifällig aufgenommenen Worten die Anwesenden zu intensiver zionistischer Arbeit aufforderte. Die Wahlen hatten folgendes Resultat: Obmann: Moritz Grünfelder; Obmannstellvertreter: Dr. Julius Suschicky; 1. Schriftführer: Karl Herrmann; 2. Schriftführer: Emanuel Hajek; Kassierer: Moritz Abeies; Bibliothekar: Prof. Dr. Simon Stern; Beisitzer: Leopold Glaser. Josef Fluß, Dr. Hugo Loevv, Moriz Reis, Siegfried Glaser, Moriz Glaser in Posteiberg, Moriz Löwv in Podersam; Revisoren: Alfred Windt, Heinrich Löbl. Den Abend beschlossen Rezitationen Rosenfeldscher Gedichte durch Prof. Stern und Prof. Langendorf. Eine über Appell des Herrn Herrmann eingeleitete Sammlung für den N.-F. ergab ein ansehnliches Resultat. Mähr.-Ostrau- Der Jüdische Volksverein „Zion“ hielt am 14. März seine V. Ordentliche Generalversammlung ab. Der vom Obmanne, Gg. S ü ß m a n d 1, erstattete Rechenschaftsbericht wurde beifällig zur Kenntnis genommen und dem Ausschüsse das Vertrauen votiert. Ebenso wurde der Bericht des Gg. Krieger über die Kassagebarung und die Nationalfonds-Bewegung, welch letztere eine namhafte Steigerung im abgelaufenen Jahre aufzuweisen hat und Mähr.- Ostrau an erste Stelle des Distriktes bringt, einstimmig genehmigt und dem Kassierer das Absolutorium erteilt. Die Mitgliedsbeiträge wurden in der bisherigen Höhe bemessen. Bei den vorgenommenen Wahlen in den Ausschuß des Vereins wurden die bisherigen Mitglieder, Gg. Gg. Dr. Färber, Dr. Huß, Kraus, Krieger, Löwv, Nacher, Süßmänn, Wechsberg, Dr. Winterstein wiedergewählt, ferner die Gg. Gg. Dr. Altbach, Jacques Krieger und Dr. Tramer neu gewählt. Rumänien Braila. Herr Dr. M. Geyer aus Lemberg hielt hier kürzlich vor einer tausendköpfigen Zuhörerschaft einen zweistündigen Vortrag über den Zionismus und das hebräische Schulwerk in Palästina. Es wurde einstimmig eine Resolution gefaßt, die dem Actions-Comite das Vertrauen der hiesigen Gesinnungsgenossen und die Billigung seines Vorgehens im palästinensischen Schulstreit ausspricht. Für das hebräische Schulwerk wurde im Anschluß an die Versammlung eine größere Sammlung eingeleitet. FEUILLETON iiiiiiiiiiiiiminmmiimimiiiiimm Berthold Auerbach Von Dr. M. Scherlag „Das Judentum wird und kann alle höheren Bedürfnisse des Menschen aller Zeiten befriedigen, somit der jetzigen Form der Wissenschaft weder widerstehen wollen noch können. Die Einung des Glaubens und Wissens ist dem Judentum nicht Zeitbedürfnis, sondern dauerndes Gesetz.“ Diese Auffassung vom Judentum hegte Auerbach als feuriger Student, dessen Vorbilder Gabriel Riesser und Baruch Spinoza waren. Und er blieb sich Zeit seines Lebens selbst treu, behielt trotz seiner pantheistisch gefärbten Weltanschauung immer die hohe Auffassung vom Judentum. Darin unterschied er sich wesentlich von Heine und Börne. Die Erklärung hierfür finden wir in seiner Jugenderziehung und seiner ganzen Veranlagung, keineswegs aber in seinen Anschauungen über das Verhältnis des Judentums zum Deutschtum. Darin glich er den verblendetsten Jüngern Mendelssohns; er war eben mit Leib und Seele der Assimilation verschrieben. Nur daß er sich die Anpassung mehr als eine ideelle, kulturelle vorstellte, während Heine und Börne die letzten Konsequenzen zogen. Freilich, der Stein, der einmal ins Rollen gekommen ist, läßt sich nicht aufhalten. So ist, wenn ich nicht irre, ein Enkel des treuen Berthold Auerbach schon Christ. Das Leben erweist sich stets stärker als noch so gutgemeinte ideologische Konstruktionen. Aber auch schon an sich selbst mußte Auerbach erfahren, daß er mit seinen assimilatorischen Bestrebungen eigentlich Sisyphusarbeit verrichtet hatte. Nicht lange fraß an ihm die Enttäuschung: er starb bald nach dem Auftreten des Antisemitismus. Als ob der erst hätte auftreten müssen! Er war ja schon früher immer dagewesen. Heine, der 5555555555555555EX555555