Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 12 (20.3.1914)
- Article
- Der dritte Kongress der jüdischen Jugend Italiens
- Date
- 1914-03-20
- Page
- 292 (sequence 2)
- Language
- German
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292 DIEX&ELT Nr. 12 haltung! Können wir unserem Untergang gleichgültig gegenüberstehen? Der moderne jüdische Geist, welcher in der letzten Zeit erwacht ist, hat mit einem kategorischen Nein geantwortet: seine Antwort ist der Zionismus, die Regeneration durch die Rückkehr nach Palästina. Die Erhaltung unseres Volkes in seiner Reinheit ist nur in Palästina möglich. Wer in Palästina gewesen ist, weiß, daß es das einzige Land ist, in dem die Assimilation unmöglich ist und in dem allein ein freies, ehrliches jüdisches Leben möglich ist. Der Redner gibt ein fesselndes Bild vom Aufblühen des jüdischen Lebens in Palästina und schließt: Die Stellungnahme der italienischen Juden muß eine zwiefache sein: Solidarität mit den "übrigen Juden der ganzen Diaspora und Bekämpfung der Assimilation in Italien selbst. Und als Konsequenz: eine aktive, tätige Anteilnahme an der Kolonisation Palästinas. (Allgemeiner, langanhaltender Beifall.) Nach langer leidenschaftlicher Diskussion wird schließlich fast einstimmig eine von Ayö, Krinkin und G 1 i c e n - stein unterschriebene Resolution angenommen, in der gesagt wird, daß die einzige Plattform für eine gemeinschaftliche Arbeit der Juden aller Tendenzen die Palästinaarbeit sei und sich deshalb die in Rom versammelte Jugend verpflichte, mit ihrem ganzen Enthusiasmus die Kolonisation in Palästina zu fördern. Dienstag vormittags referiert Adv. Alfonso Pacific! (Florenz) über eine „O rganisation der jüdischen Jugend Italien s". Nach einer durchaus stürmischen, aufgeregten Diskussion wurde folgendes angenommen: 1. Die Organisation der jüdischen Jugend in Italien mit dem Namen „G iovane 1 s raele“ ist konstituiert: sie hat als Zweck die Verbreitung der hebräischen Sprache und Kultur und der Kenntnis der jüdischen Tradition und Palästinas. 2. Es wird eine Kommission gewählt, bestehend aus den Herren Adv. Alfonso Pacific!, Dr. Artom und Umberto Cohen, die das Statut entwerfen sollen und die Kasse verwalten werden. Das Statut wird dem nächsten Kongreß vorgelegt werden. 3. Zum allgemeinen Schriftführer der Organisation wird Dr. E. Artom (Ferrara) ernannt. Dienstag nachmittags spricht Dr. Elia S. Artom (Ferrara) über „D ie Gefahren derAssimilatio n*1. Adv. Angelo Süll am referiert über die traurige Lage der Juden in Tripolitarien und liest einige Dokumente vor, die beweisen, daß die italienischen Behörden in Tripolis sich seit einiger Zeit feindselig gegenüber unseren afrikanischen Glaubensgenossen verhalten. Er verlangt ein promptes Einschreiten des Gemeindebundes. Nach einer leidenschaftlichen Diskussion wird die Sache dem Schriftführer des Gemeindebundes Cav. Ansehno Colombo übergeben, der verspricht, eine Untersuchung vorzunehmeii und die nötigen Schritte bei der Zentralregierung zu machen. Damit wird der Kongreß geschlossen. Als Ort für den nächsten Kongreß wird einstimmig Livorno gewählt. Am Montagabend fand ein Bankett zu Ehren der Kongreßgäste statt. Dabei wurde die „Hatikwah" mit einer schönen italienischen -IJebersetzung von Rabb. Dr. Armando Sorani (Reggio) verkauft. Der Erlös von ungefähr 330 Eres, ist für das palästinensische Schulwerk bestimmt worden. Griechenland Palästinafahrt von Saloniker Juden r. — Die Gesellschaft Bene Sion organisiert für den kommenden Frühling eine Reisegesellschaft von Saloniker Juden, die sich nach Palästina begeben will. Eine Reihe von Teilnehmern an dieser Gesellschaftsreise verfolgt den Zweck, die Verhältnisse des Landes genau zu studieren, um sich eventuell dort niederzulassen. Den Anstoß hierzu haben die schlechte allgemeine Lage und die wirtschaftliche Krise in Saloniki gegeben. Amerika ganze Angelegenheit bis zur nächsten Kongreßperiode verschieben würde. Allem Anschein nach werden sich jedoch diese Hoffnungen nicht erfüllen. Der einzige versöhnliche Zug des Entwurfs ist die Ausnahmebestimmung zugunsten solcher Auswanderer aus fremden Ländern, die „n u r deshalb ausgewandert sind, weil sie religiösen Verfolgungen entfliehen wollten". Durch die Einfügung des Wortes „nur" bleibt die Entscheidung dem Ermessen der Einwanderungsbeamten überlassen, und es wird damit der persönlichen Willkür ein weiter Spielraum gewährt. Präsident Wilson ist dem Gesetz gegenüber ablehnend gesinnt. Man glaubt jedoch, daß auch er, falls der Entwurf in seiner jetzigen Gestalt im Senat durchgeht, ihm die Bestätigung nicht versagen wird. In den einwanderungsfreundlichen Kreisen versucht man nunmehr, auf die Streichung des Wortes „nur" in der oben angeführten Bestimmung zu dringen. aimmiiiiniinmiiiiiiiiiimiiiiiitiiiiiiiiiiumiiiiiiHiiiiiitnitinininiiiimiiiniiimiiiiiiiiiiiiniiiinnmiiiuunnniiuminiiniiis || AUS PER BEWEGUNG || Berichtigung In unserem Bericht über die Sitzung des Großen Action s- Comites (Nr. 10, S. 231) hatten wir mitgeteilt, daß sich in der Debatte über den Schulkampf alle Redner mit der Politik des E. A. C. einverstanden erklärten und daß einstimmig eine Resolution angenommen wurde, in der das Große A. C. seiner Freude über die würdige und erfolgreiche Verteidigung der hebräischen Sprache in Palästina Ausdruck gibt, die palästinensische Judenheit zu ihrer Haltung beglückwünscht und alle vom E. A. C. getroffenen Maßnahmen zur Förderung unseres Schulwerks billigt. Wir berichtigen hiermit, daß Herr Jean Fischer-Antwerpen, Mitglied des Großen Actions-Comites, sich bei der Abstimmung der Stimme enthalten hat, nachdem er die Gründe entwickelt hatte, die es ihm unmöglich machten, für die Resolution zu stimmen. Jüdischer Kulturfonds „Kedem“ Spenden-Ausweis Dr. E. W. Tschlenow, Jahresbeitrag.Ai. 53. Zur Förderung der hebräischen Sprache und Kultur in Palästina ist bekanntlich de* Jüdische Kulturfonds ,,K e d e in" ins Leben gerufen worden, für den Herr M. Feldstein in Warschau den Betrag von 40 000 M. gestiftet hat. Nachdem der Fonds nunmehr behördlich legalisiert ist, tritt er demnächst an die Verwirklichung seines umfassenden Programms heran. In erster Reihe unternimmt er es, dem so lebhaft empfundenen Mangel an Lehrbüchern für die. hebräischen Schulen in Palästina abzuhelfen, wozu er mit der berufenen palästinensischen Lehrerorganisation in Verbindung getreten ist. Ferner beginnt der „Kedem"' mit der Herausgabe einer Zeitschrift für die wissenschaftliche Erforschung der hebräischen Sprache. Diese Zeitschrift, der namhafte Gelehrte ihre ständige Mitarbeit zugesichert haben, wird in Jerusalem unter Mitwirkung des „W aad Halascho n", der hebräischen Sprachkommission, erscheinen, die dank der Unterstützung seitens des „Kedem"' ihre Tätigkeit wesentlich erweitern und ausgestalten wird. Bei der Größe und Wichtigkeit der Aufgaben, zu deren Durchführung der Jüdische Kulturfonds „Kedem" berufen ist, bedarf er der aktiven Förderung (durch einmalige Spenden oder jährliche Beiträge) seitens aller bewußtjüdischen Kreise, die von der Bedeutung des neujüdischen Palästinawerkes durchdrungen sind. Die Adresse des Jüdischen Kulturfonds „Kedem" lautet: Berlin W15, Sächsische Straße 8. Das neue Einwanderungsgesetz Das vom Repräsentantenhause angenommene Einwanderungsgesetz liegt nunmehr dem Senat zur Beratung vor, und 'man nimmt an, daß dieser die Vorlage in ihrer gegenwärtigen Fassung bestätigen wird. Die Gegner des Entwurfs hatten bisher gehofft, daß der Senat die Bestimmung des Bildungsnachweises aufheben würde, oder daß man die Vom Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds Seit dem 12. März d. J. befindet sich das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds im Hansahaus, Köln. Die nunmehrige Adresse für alle Briefe und Geldsendungen lautet : Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds, zu Händen des Herrn Justizrat Dr. M. I. Bodenheime r, Köln, Hansahaus, Friesenplatz. 399999999999 C$$5://:::^^