Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 12 (20.3.1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-03-20
- Page
- 289 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 12 289 Schutzmauer zu umgeben, am Grabe Maimonides einen Denkstein zu errichten, die im arabischen Privatbesitz befindlichen Nachbargrundstücke anzukaufen und dort ein jüdisches Stadtviertel „M a i m u n i“ sowie ein den Namen dieses großen Gelehrten tragendes talmudisches Lehrhaus zu erbauen. Auch soll ein Verlag „Maimonia“ zur Herausgabe talmudischer und jüdisch-wissenschaftlicher Schriften ins Leben gerufen werden. An der Spitze des Komitees steht der bekannte sephardische Gelehrte J. M. Toledano und der frühere Rabbiner in B e j a (Tunis) Jachja N a g a r i. Im Gegensatz zum Konsumladen von T e 1 - A vv i w, der in relativ kurzer Zeit einen Verlust von 3300 Frcs. hatte und deshalb geschlossen werden mußte, entwickelt sich der Konsumladen in Nachlath Benjamin befriedigend und hat im letzten Jahre einen Reingewinn von ca. 1003 Frcs. gebracht. Wie aus Jaffa mitgeteilt wird, läßt Mendel Beilis seine zwei Söhne die Tachkemonischule besuchen. Er will ihnen eine streng religiöse und modern-europäische Erziehung zuteil werden lassen. Dieser Tage wurde in Jaffa ein Verein „Karka“ begründet, der sich zum Ziele setzt, für seine Mitglieder Parzellen von je 25 Dun am in der Nähe einer jüdischen Kolonie oder, wenn möglich, in der Nähe Jaffas zu erwerben. WELTCHRONIK iiiimiiiiiiimiiiiimimiiimmmiiiimiiimiimiiiiimiiiimiiiiiiimimiii Sitzung des Profalascha- Komitees Am 8. März vereinigten sich zu Frankfurt a. M. auf Einladung des internationalen Profalascha-Komitees die angesehensten Führer der internationalen Profalascha-Bewegung, um die Reorganisation des Profalascha-Komitees und die zurzeit zu ergreifenden Schritte zu beraten. Der Versammlung präsidierten die Herren Oberrabbiner Dr. M a r g u 1 i e s, Florenz, und Julius Goldschmidt, Frankfurt a. M., beides Herren, die sich seit Jahren mit größter Opferwilligkeit in den Dienst der Profalascha-Sache gestellt haben. Die Versammlung, zu der eine Reihe von Vertretern aus Deutschland, Italien, Oesterreich und der Schweiz erschienen waren, nahm die ausführlichen Berichte des Herrn Oberabbiner Dr. Margulies und des Herrn Dr. Jacques F a i t - lowitsch entgegen; auch lagen die von Herrn Dr. Faitlowitsch edierten Briefe der Falaschas an die Glaubensgenossen der ganzen Welt sowie eine Reihe von Missionszeitschriften vor, aus denen sich ergibt, wie ängstlich die in Abessinien arbeitenden Missionare die Fortschritte der Profalascha-Arbeit des Komitees beobachten. Herr Oberrabbiner Dr. Margulies nahm Gelegenheit, die Geschichte der Profalascha-Bewegung bekannt zu geben und über die Ergebnisse der dritten Expeditionsreise des Herrn Dr. Faitlowitsch zu berichten, hierbei auch alle die Bedenken zu widerlegen, die gegen die Notwendigkeit einer Aktion zugunsten der Falaschas ausgesprochen worden sind. Es handele sich nicht in erster Linie darum, den Falaschas wirtschaftlich beizustehen, es müsse vielmehr dafür gesorgt werden, daß dieser versprengte Rest von Glaubensbrüdern nicht wehrlos und endgültig den christlichen Missionaren ausgeliefert und zum Christentum übergeführt werde; die früher auf 200 000-Seelen geschätzte Zahl der Falaschas sei in den letzten Jahrzehnten auf 70 000 bis 100 000 Seelen zurückgegangen, nachdem zahllose Falaschas, deren Hilferufe ungehört verhallt waren, den Angaben christlicher Missionare Gehör gaben, es gebe überhaupt keine Juden mehr in der weiten Welt, und sie seien die letzten, die noch zu dem Gotte Israels beteten. Heute sei dieser Tätigkeit der Missionare ein Damm entgegengesetzt; immerhin müsse Sorge dafür getragen werden, daß die Arbeit eine nachhaltige und erfolgreiche bleibe. Zu diesem Zweck habe Herr Dr. Faitlowitsch eine kleine Schule im Innern Abessiniens, in der Provinz Dembea, gegründet, der einer der in Florenz und Jerusalem erzogenen Falaschas, Jeremias Ghettie, vorsteht; weit wesentlicher sei aber die Erziehung von geeigneten Lehrern innerhalb des Landes und die Errichtung von Schulen in allen größeren Niederlassungen der Falaschas. Herr Oberrabbiner Dr. Margulies richtete den eindringlichsten Appell an die Versammelten, die Zentrale der Bewegung nach Deutschland und insbesondere nach Frankfurt zu verlegen und das große Werk nicht unvollendet liegen zu lassen. Herr Dr. Jacques Faitlowitsch ergänzte die Ausführungen des Herrn Oberrabbiners Dr. Margulies und gab einen eingehenden und klaren Bericht über seine dritte Expedition im Jahre 1913. In der folgenden Diskussion, an der sich die Herren Prof. Dr. Chajes, Triest, Justizrat Dr. Apfel, Köln, Landgerichtsrat Stern, Stuttgart, die Herren Stiel und Simon, Köln, Bollag- Feuchtwanger, Basel, Julius Goldschmidt, Dr. Sondheimer, Rabbiner Dr Nobel, Rabbiner Dr. Horowitz, Rabbiner Dr. Lazarus, Dr. Feuchtwanger und Rechtsanwalt Horovitz, Frankfurt a. M. beteiligten, in der außerdem schriftliche Vorschläge der Herren Prof. Mittwoch und Dr. Elbogen, Berlin, Vorlagen, wurde insbesondere festgestellt, daß für die verschiedenen Schulbauten ein Baufonds von 50 000 Frcs. aufgebracht werden müsse, daß im übrigen ein jährliches Budget von etwa 30 000 bis 35 000 M. sicherzustellen ist. Von größeren Organisationen waren in der Sitzung der Hilfsverein der Deutschen Juden durch Herrn Salomon Epstein, Frankfurt a. M., das Zionistische Actions-Comite durch Herrn Fritz Sondheimer und die Agudas Jisroel durch Herrn Dr. Feuchtwanger, Frankfurt a. M. vertreten; auch diese Organisationen brachten ihre Sympathie und ihren Willen zur Mitarbeit an dem großen Werk zum Ausdruck. Es wurde beschlossen, Herrn Dr. Faitlowitsch um weitere Mitarbeit an dem Profalascha-Werk zu bitten, mit der Aufgabe insbesondere, dank seiner Beziehungen zu der Falascha-Bevölkerung, das Band mit den Falaschas fester zu knüpfen, die Schule, sobald die finanzielle Basis sichergestellt ist, weiter zu fördern und einzurichten und propagandistisch tätig zu sein; auch die Anstellung eines Generalsekretärs wurde beschlossen. Zum Sitz der Zentrale wurde Frankfurt a. M. gewählt. Nachdem Herrn Oberrabbiner Dr. Margulies das Ehrenpräsidium übertragen war, übernahm Herr Julius Goldschmidt, Frankfurt a. M., der schon lange Jahre den tatkräftigsten Anteil an der Profalascha-Bewegung nimmt, das Amt des ersten Vorsitzenden des Internationalen Komitees. Im übrigen wurden in den geschäftsführenden Vorstand die Herren Dr. Sondheimer, Frankfurt am Main, Landgerichtsrat Stern, Stuttgart, Moritz Stiel, Köln, Salomon Epstein, Frankfurt a. M., Bollag-Feuchtwanger, Basel, Prof. Chajes, Triest, Stadtältester Wiener, Kattowitz, Prof. Mittwoch und Dr. J. Ginsberg, Berlin, sowie Rechtsanwalt Horovitz und Prof. Dr. Bondi, Frankfurt a. M. gewählt. Die endgültige Konstituierung des geschäftsführenden Vorstands, des Ausschusses und des Zentralkomitees wird demnächst er- Es wird nun Sache der Glaubensgenossen aller Länder sein, darüber zu entscheiden, ob das unter den günstigsten Auspizien begonnene Werk weitergeführt werden kann, oder ob die ohnehin dezimierte Judenheit es geschehen lassen will, daß ein nach Zehntausenden zählender Bruchteil unserer Gemeinschaft uns endgültig verloren geht, weil die Judenheit nicht gewillt ist, die Hilferufe dieser versprengten Brüderschar zu hören. Das internationale Profalascha-Komitee bittet um Gründung von Lokalkomitees an allen Orten, wo solche noch nicht bestehen, um Zeichnungen zum Baufonds, um Spenden und um Beitritt als Mitglied. Alle Mitteilungen sind an Herrn Julius Goldschmidt, Frankfurt a. M., Friedberger Anlage 12, oder an Herrn Rechtsanwalt Horovitz, Frankfurt a. M., Zeil 123 (Zeilpalast), zu richten. Geldsendungen wollen an den Schatzmeister der Zentrale, Herrn Salomon Epstein, Frankfurt a. M., Uhlandstraße 39 oder unter der Adresse des Genannten auf das Konto „Profalascha“ der Pfälzischen Bank, Frankfurt a. M., Depositenkasse, Zeilpalast, übermittelt werden. 000200020202000002020202020202010223004801 232300484848534823532348535353480100010200 7975208136551656858