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Die Welt · 1914-03-13 · 11 (13.3.1914) · p. 267

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
11 (13.3.1914)
Article
Die Tätigkeit der Anglo-Palestine Company im Jahre 1913
Date
1914-03-13
Page
267 (sequence 1)
Language
German
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267 Nr. li LT Die Tätigkeit der Anglo-Palestine Company im Jahre 1913 (Von unserem Jaffaer Berichterstatter.) Die erste Hälfte des Jahres 1913 war in wirtschaftlicher Beziehung noch von der unsicheren politischen Lage stark beeinflußt. Die Fortsetzung des Balkankriegs, die gespannten Beziehungen zu Griechenland, die politischen Vorfälle in Konstantinopel — all diese und ähnliche Umstände ließen die ausländischen Bank- und Industriekreise auch in diesem Jahre kein Vertrauen zu der Stabilität der palästinensischen Verhältnisse fassen. Wenn gleichwohl der jüdische Kaufmann und Kolonist hierzulande — soweit die Kreditbeschaffung in Frage kam — diese kritische Lage kaum empfand, so darf die A. P. C. zum großen Teile das Verdienst dafür sich zuschreiben. Im Gegensatz zu ähnlichen Kreditinstituten, die hier in Palästina in erster Reihe oder gar ausschließlich rein geschäftliche Interessen verfolgen, blieb sich die A. P. C. ihrer Pflichten gegenüber dem j i s c h u b bewußt und verstand es auch, diese ihre Pflichten mit der Wahrung des geschäftlichen Interesses in Einklang zu bringen. Mit besonderem Nachdruck wurde mir von der Zentrale der A. P. C. versichert, daß bezüglich der Gewährung kurzfristiger Kredite — die ja die Haupttätigkeit der Bank bildet — niemals ein Ersuchen, welches sachlich begründet erschien, aus Geldmangel oder aus anderen Gründen abgewiesen worden war. Mit anderen Worten: hätte die Bank über weit größere Barbestände verfügt, so hätte das Geschäft der kurzfristigen Kredite dadurch keine Ausdehnung erfahren können. Einige Zahlen können das hier Gesagte erläutern. Der Umsatz auf beiden Seiten des Hauptbuches betrug 450 Millionen Francs im Jahre 1913 gegenüber 380 Millionen im Jahre 1912. lni Kontokorrent und Diskonto wurde der Kredit in Jaffa allein um 760 000 Frcs., d. h. um 23 °,o erhöht; in allen Filialen insgesamt um eine Million. Es waren Ausstände bei Abschluß der Bilanz für kurzfristige Kredite inklusive Vorschüsse auf Waren 7 712000 Frcs. im Jahre 1913, gegenüber 6 450 000 Frcs. im Jahre 1912. Im einzelnen setzen sich diese Beträge im letzten Jahre aus folgenden Posten zusammen: Kaufleute Kolonisten und deren Genossenschaften Kolonisationsgesellschaften, Vorschüsse für Bodenkauf Verbände der Orangenproduzenten Industrielle Unternehmungen Vorstände der Kolonien für gemeinnützige Zwecke Kulturelle u. philanthropische Institutionen 5 980 000 Frcs. 500000 „ 450 000 „ 300000 „ 340 ODO „ SO 000 „ 75 000 „ Diese Zahlen haben manchen Freunden der ländlichen Kolonisation zu einer scharfen Kritik an dem Wirken der A. P. C. Anlaß gegeben. Denn während die Kaufleute ca. 6 Millionen Frcs. erhalten, entfällt für das ländliche Kreditwesen in all seinen Schattierungen nicht viel mehr als 1300 000 Frcs., wozu allerdings noch die Beträge der Leihgenossenschaften und die langfristigen Kredite, die zum größten Teil für die ländliche Kolonisation aufgewandt worden sind, hinzukommen. Indessen, so sehr auch dieser Umstand auffallen mag, wird man den Leitern der A. P. C. dennoch weder Unkenntnis der ländlichen Kreditverhältnisse, noch eine besondere Vorliebe für die Städte vorwerfen dürfen. Die Leiter der A. P. C. versichern sogar auf das nachdrücklichste, daß sie für den Fortschritt des ländlichen Jischub das wärmste Interesse empfinden. Sie haben in dieser Beziehung auch einen neuen, interessanten Versuch gemacht, nämlich die Leihgenossenschaften in den Kolonien in Dorfbanken und Agenturen der A. P. C. umzuwandeln. Wenn dennoch der Kredit für die Kolonien nicht viel mehr als ein Viertel von dem der Städte ausmacht, so wird das wohl zum größten Teil in den augnblicklich beschränkten Möglichkeiten des ländlichen Jischub seinen Grund haben. Im übrigen braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden, daß auch der städtische Jischub von großer Bedeutung ist. Erst kürzlich, auf dem Wiener Kongreß, hat -r )r. A. R u p p i n in seinem Referat auf die Zusammenhänge zwischen den Kolonien und den Städten, namentlich den neuen Stadtvierteln, aufmerksam gemacht. Einen erfreulichen Fortschritt weisen die Leihgenossenschaften auf. Die Zahl ihrer Mitglieder hat sich im Jahre 1913 von 1833 auf 2289 erhöht, ihr Kredit um 120 030 Frcs., also um ca. 20vergrößert. In diesem Jahre entstanden neun neue Leihgenossenschaften, und zwar in T i b e r i a s , Kolonie Kinereth, Chedera, Pethach-Tikwah, Kfar Saba, Nachlath Jehudah, B’er Jakob, Ekron und A i n - G a n i m. In den beiden letztgenannten Kolonien handelt es sich um die Förderung der Milchwirtschaft, die jetzt gut vonstatten geht. Namentlich in Ekron knüpfen die Kolonisten große Hoffnungen an diesen für sie neuen Erwerbszweig. Sie haben schon in diesem ersten Jahre gute Einkünfte erzielt. Ueber den vielfachen Nutzen, den die Milchwirtschaft dem Landmann bringt, braucht man wohl heute nicht viel Worte zu verlieren. Hoffentlich wird die A. P. C. auf diesem Wege beharrlich fortschreiten. ln diesem Jahre hat die A. P. C. eine neue Filiale in Tiberias eröffnet, die sich sehr befriedigend entwickelt, wenn auch das erste Geschäftsjahr noch mit einem kleinen Verlust abgeschlossen hat. Alle übrigen Filialen entwickeln MM Zöglinge des neuen hebräischen Mädchenheims in Jerusalem sich ebenfalls stetig und befriedigend. Die Depositen in Jaffa und den Filialen sind von 6 750 000 Frcs. im Jahre 1912 auf 8 400 000 Frcs. im Jahre 1913 gestiegen. — Alles in allem bietet die Tätigkeit der A. P. C. auch im Jahre 1913 ein Bild soliden Aufstiegs. Elektrische Straßenbahn In Jerusalem Wie bereits mitgeteilt, hat das französische Bankhaus Perrier in Paris eine auf 40 Jahre lautende Konzession erhalten zum Bau einer Trambahn von Jerusalem nach Bethlehem, zur elektrischen Beleuchtung der Stadt und zur Anlage einer Wasserleitung. Jetzt berichten Jerusalemer Zeitungen folgende Einzelheiten: Der Vertrag zwischen der Stadt Jerusalem und der Banque Perrier in Paris wurde am 27. Januar unterzeichnet und gleichzeitig wurde dem Unternehmer vom Gouverneur des Mutessariflik Jerusalem, Medjid Schefket Bey, die Konzession zur Ausführung der Arbeiten erteilt. Diese Konzession umfaßt: 1. Den Bau einer elektrisch betriebenen Straßenbahn mit durch Motoren betriebener Kraftstation. Die Konzession zu einer Wasserkraftanlage wurde von der Regierung verweigert. 2. Eine elektrische Lichtanlage für den Bezirk der Stadt Jerusalem. 3. Die Wasserversorgung Jerusalems. Ob hierzu die Quelle Aira Fauar oder Ain Arub das Wasser liefern wird, ist hoch nicht entschieden. Wahrscheinlich wird jedoch die Wahl auf die wasserreiche Ain Fauar fallen, obgleich diese über 590 m tiefer liegt als Jerusalem, wodurch enorme Pumpenanlagen erforderlich werden, während die Leitung von Ain Arub einiges Gefälle hätte. Mit den Arbeiten an der Straßenbahn soll vier Monate nach Unterzeichnung des Vertrages begonnen werden und nach weiteren 1 > L Jahren müssen die Arbeiten beendet sein. Es handelt sich hierbei um vier obligatorische Hauptlinien, die vom Jaffatore ausgehen und zum jüdischen Hospital Schaare-Zedek, zum Syrischen Waisenhaus, zum Hause des Mufti und nach Betlehem führen. Außerdem sind einige fakul-

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