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Die Welt · 1914-03-13 · 11 (13.3.1914) · p. 266

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
11 (13.3.1914)
Article
Die dritte Tagung der jüdischen Jugend Italiens
Date
1914-03-13
Page
266 (sequence 2)
Language
German
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266 Nr. 11 DIE^ELT Der erste Referent Cav. Prof. Anselmo Colombo sprach über die „Jüdischen Gemeinden und die Jugend.'* Er führt etwa folgendes aus: Seit der französischen Revolution ist eine immer stärkere Entnationalisierung der jüdischen Gemeinden eingetreten, die aus nationalen zu konfessionellen Gemeinden entartet sind. Erst unserer Zeit ist es gegeben worden, zum reinen Judentum zurückzukehren. — Was sind nun die Aufgaben einer jüdischen Gemeinde? Der Gemeindevorstand hat nicht nur das Vermögen der Gemeinde zu administrieren, sondern muß vorzugsweise für die Aufrechterhaltung und das Gedeihen des jüdischen Geistes in seiner Ganzheit sorgen. Die italienische Gemeinde muß in engster Solidarität mit der ganzen jüdischen Gemeinschaft stehen, da die jüdische Weltanschauung keine starken Spaltungen zuläßt. Gerade die italienischen Gemeinden, die sich einer so großen Freiheit erfreuen, müssen den russischen und rumänischen Juden, die unter einem schweren Joche seufzen, ihre brüderliche Hand reichen. Die nationale Palästinasehnsucht hat ihren Grund im Tiefsten unserer Seele, sie ist zu allen Zeiten religiös durch den Messianismus ausgedrückt worden. Es ist also närrisch, im Namen der Religion gegen den Palästinismus zu kämpfen. Er möchte aber — wie unser großer Theodor H e r z 1 — eine Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland. Die moderne jüdische Gemeinde darf sich diesen Forderungen eines bewußten Judentums nicht verschließen. Sie muß ihren Hauptzweck darin erblicken, neben der Aufrechterhaltung der Tradition hebräische Sprache, Kultur und Geschichte unter ihren Mitgliedern zu fördern. Hier liegt das Arbeitsfeld für die bewußt-jüdische Jugend, die den Gemeinden den richtigen Weg zeigen kann. Er hofft, daß die Herstellung der seit langem geplanten gesetzlichen Zentralisation der jüdischen Gemeinden, für die er kämpft, die Verwirklichung der Forderungen des bewußten Judentums leichter machen werde. An das mit Beifall aufgenommene Referat schließt sich eine lebhafte Diskussion, in der unsere Gesinnungsgenossen Adv. S e n i g a g 1 i a, Ayo, Pacific! u. a. das Wort ergreifen und eifrig für eine nationale Arbeit eintreten. Adv. Angelo S u 11 a m (Venedig) bedauert, daß der Referent die traurige Lage der Juden in Tripolitanien und der Cyrenaika nicht einmal gestreift habe. Unsere tripolitanischen Glaubensgenossen hätten in der letzten Zeit viel von den italienischen Behörden zu leiden, dafür könne er dem Kongreß zuverlässige Daten geben. Er verlangt deshalb, die Tagung möge eine ihrer nächsten Sitzungen dieser traurigen Frage widmen. Der Vorschlag wird angenommen und die Diskussion dieser Frage auf übermorgen Vertagt. — Prof. Felice Momigliano (Turin) erkennt die Verdienste des Zionismus an und drückt seine wärmste Sympathie für die Kolonisationsfähigkeit in Palästina aus. Er Wünscht aber, daß man über der praktischen Betätigung den ideellen Gehalt des Judentums nicht vergessen solle. Prof. Colombo hat das Schlußwort. Er spricht seine Zufriedenheit aus, daß die Mehrheit des Kongresses für die nationalen Hoffnungen des Judentums Verständnis gezeigt hat. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution wird mit großer Mehrheit angenommen. Morgen kommen die eigentlichen zionistischen und religiösen Bestrebungen zur Sprache. (Schluß folgt.) PALÄSTINA- RUND SCHAU itiiiiumiimiiiiiiinimiiiiiiiimiiiiiiimmiiiiiniiiiiiiiiiimiiiumiiimimimiiimiiimiiiimmiiimtmiaiiiuitiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiuimiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiimmr Baron Edmund Rothschild in Palästina (Von unserem Berichterstatter.) Die letzten Tage standen ganz im Zeichen des Besuches von Baron Rothschild. Das jüdische Palästina hat Monate der größten Aufregung und eines scharfen, von außen hineingetragenen Kampfes hinter sich. Aber die Reise Edmund Rothschilds durch die Kolonien und die Städte zeigte wieder eine geeinigte Judenheit, einig in der Liebe zum Lande, einig im Streben nach einer jüdischen Zukunft. Man schilt das jüdische Volk hartnäckig. Es gibt aber auch kein dankbareres Volk! Wo immer wirkliche Verdienste, wirkliche Hingebung an die Gesamtheit und ihre Zukunft vorliegen, da ist der Jude der erste, diese Verdienste dankbaren Sinnes anzuerkennen. Vergessen waren bei diesem Besuche alle Differenzen, die im Getriebe des Alltags unsere Reihen parteiisch zerklüfteten. Rabbiner und Lehrer, Kaufmann und Arbeiter, Pflanzer und Handwerker — alle eilten sie herbei, um dem ehrwürdigen Greis, der nun zum viertenmal Erez Israel besuchte und der all die Jahre her täglich an Erez Israel gedacht hatte, ihren herzlichsten Willkommensgruß, ihr innigstes , J e c h i Habaron!" entgegenzurufen. Baron Edmund Rothschild traf in Jerusalem Dienstag, am 17. Februar, mit dem Abendzug ein. Die „Hacheruth" hatte seine Ankunft durch Extrablätter der Bevölkerung mitgeteilt, und tausende und abertausende strömten zum Bahnhof hinaus. Lehrer und Schüler sämtlicher hebräischen Schulen, der Schulen der Alliance, des „Bezalel", verschiedener Talmud-Thorahs usw. waren ebenfalls erschienen. (Nur die Hilfsvereinsschulen beteiligten sich weder hier noch in Jaffa an den Ehrungen, die dem „Nadivv Hajadua" bereitet wurden.) Vertreter der Behörden, des französischen Konsulats, des Chachambaschi, des aschkenasischen Rabbinats und verschiedene Institutionen warteten ebenfalls auf die Ankunft des Zuges. Inzwischen hatte sich die Bevölkerung auf den Hügeln, die links von der Chaussee liegen, postiert, während die Schuljugend auf beiden Seiten der Chaussee Spalier bildete. Für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgte hier — wie auch in Jaffa — der Turnverein „Makkabi", dessen Mitglieder in ihrer blauweißen Turnertracht und mit türkischen und nationalen Fahnen erschienen waren. Unbeschreiblich war der Jubel, als der Baron den Zug verließ und nach der Stadt fuhr. Ganz besonders war er von dem Aufmärsche der Turner und von den Begrüßungsliedern der Tausende von Schülern und Schülerinnen gerührt. Der Baron besuchte den Gouverneur und den französischen Konsul, die den Besuch bald erwiderten. Dann empfing Baron Rothschild den Besuch der sephardischen und aschkenasischen Rabbiner, eine Abordnung aus Hebron, sowie der Beamten Rothschildscher Institute in Jerusalem. Eine Abordnung der hebräischen Schulen, die aus den Herren Ben-J ehudah, Schiller, Dr. Waitz, Dr. Segal, Dr. Junowitz und J. Ethan bestand, überbrachte die Grüße der nationalen Schulen. Baron Rothschild sagte zu dieser Abordnung: „Ich kenne die hebräische Kulturbewegung. Selbstverständlich bildet der Jischub die Voraussetzung aller Kulturarbeit. Ich werde mich sehr freuen, wenn die hebräische Kultur bald auf einer des jüdischen Volkes würdigen Höhe stehen wird." Von dieser Abordnung sowohl wie von anderen wurden ihm vom „Bezalel" hergestellte künstlerisch ausgeführte Adressen überreicht. Auch am Mittwoch empfing und machte Baron Rothschi'd verschiedene Besuche. Am Donnerstag wollte er im Wagen über Nablus nach Sichron-Jakob fahren. In letzter Stunde gab er aber des ungünstigen Wetters wegen diese Reise auf. Er benutzte daher die Eisenbahn zur Rückkehr nach Jaffa. Für die armen Jerusalemer Moslims spendete Baron Rothschild 10 ODO Frcs., für die Jaffaer 5000 Frcs. Außerdem schenkte er den Gendarmen, die ihn in Jerusalem begleiteten, sowie anderen Arabern größere Beträge. Herr Ephraim Cohn versuchte, Baron Edmund Rothschild zum Besuche der Hilfsvereinsschulen in Jerusalem zu veranlassen. Auch in Jaffa waren die Parteigänger des Hilfsvereins bemüht, Baron Rothschild gegen die hebräische Bewegung zu beeinflussen. Diese Liebesmühe war jedoch vergeblich . . . Das Odessaer Komitee hat beschlossen, aus Anlaß des vierten Besuches des Baron Rothschild in Palästina eine Land- Arbeiterkolonie auf seinen Namen zu gründen. Um das Technikum Aus Anlaß der neuen Beschlüsse des Kuratoriums fand am Dienstag, den 24. Februar, im Jerusalemer Beth-Am eine öffentliche Versammlung statt zur Würdigung des Sieges der hebräischen Sprache. Ansprachen hielten: Ben-Jehudah, Schiller, Dr. Junowitz, Silmann, Schermann, Alexander, Ben -Aar, Rafael i und Dr. Schimoni. 020201020100010202005353

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