Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 11 (13.3.1914)
- Article
- Zionismus und Ito in Ungarn
- Date
- 1914-03-13
- Page
- 265 (sequence 2)
- Language
- German
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265 Nr. 11 blES^KELT iin Wortlaut. Es ist daraus ersichtlich, daß an den Beschuldigungen unserer Gegner kein wahres Wort ist. Nach einer kurzen Skizzierung des Wesens und der Geschichte unserer Bewegung wird in der zionistischen Denkschrift darauf hingewiesen, daß das Gutachten der Landeskanzlei, worin diese sich gegen die Legalisierung unserer Statuten aussprach, unter anderem folgendes ausführt: „Die Führer der zionistischen Partei entzweiten sich später, und es entstanden zwei Parteien, der Führer der einen wurde Zangwill, der der anderen Wolffsohn. Die erstere, die Partei der sogenannten Territorialisten, wünscht die heimatlos gewordenen Juden in den nordamerikanischen und afrikanischen Kolonien Englands zu kolonisieren, die andere wünscht die aus ihrer Heimat vertriebenen Juden und die, welche in ihrer Heimat nicht länger leben wollen, ausschließlich in Palästina zu sammeln und unterzubringen." Es ist daraus ersichtlich, daß die israelitische Landeskanzlei einen Unterschied zwischen diesen beiden Richtungen nur bezüglich des zu besiedelnden Territoriums finden konnte. Wenn nun jetzt die führenden Persönlichkeiten der Landeskanzlei der Ito als Mitglieder beitreten, so ergibt sich daraus, daß sie auch bezüglich des Zionismus ihre Meinung geändert haben. Daß dies tatsächlich der Fall ist, wird durch einen Brief des ehemaligen Sekretärs und jetzigen Vizepräsidenten der Landeskanzlei, Dr. Fran^ Mezey, an die „Zsidö Szemle" nachgewiesen. Bezüglich der Ito müsse aber angenommen werden, daß die Legalisierung ihrer Statuten von der Landeskanzlei befürwortet wird. „Wenn sich die Angelegenheit so verhält, bitten wir Ew. Exzellenz, die Ziele und Bestrebungen der Ito mit unseren Bestrebungen und mit unseren Statuten zu vergleichen, das befürwortende Gutachten der Israelitischen Landeskanzlei in Sachen der Statutengenehmigung der Ito auch hinsichtlich unserer Organisation in Betracht ziehen zu wollen und die Angelegenheit unserer Statuten mit der Angelegenheit der Statuten der Ito nach einheitlichen und gleichen Prinzipien zu behandeln.“ Man sieht, daß unsere Landesorganisation bloß gleiches Recht, und keine Bevorzugung der einen Organisation verlangte. Dies genügte aber dem magyarisch-itoistischen Oberhaupte, um ein Wutgeheul anzustimmen und sich in maßlosen Beschimpfungen zu ergehen. Die früher ausgesprochenen Bedenken der Landeskanzlei werden sodann in unserer Denkschrift nochmals Punkt für Punkt entkräftet, und es wird darauf hingewiesen, daß die gleichen — jedoch ganz grundlosen -- Bedenken auch gegen die Ito vorgebracht werden könnten. So wurde beanstandet, daß die Zionisten keine ständige Zentrale im Inlande haben. Demgegenüber ist in dem Statutenentwurf festgelegt, daß der Sitz der zionistischen Landesorganisation in Budapest ist, nur die Zentrale der Weltorganisation befindet sich in Deutschland. Ebenso ist aber der Sitz der „magyarischen Ito“ in Budapest, während die Zentrale der Bewegung sich in London befindet. Es wurde auch geltend gemacht, daß die Zionisten ungarische Gelder nach dem Auslande senden. Demgegenüber beruft sich unser Memorandum darauf, daß der Mitgliedsbeitrag der „magyarischen Ito" höher ist, als der zionistische Schekel. Auch diese Gelder gehen aber nach dem Auslande. Das Hauptargument der Landeskanzlei war, daß der Zionismus eine „politische" Bewegung ist. Es war nicht schwer zu beweisen, daß auch die Ito eine politische Tätigkeit entfaltet. Sehr wirkungsvoll wird auch darauf hingewiesen, daß der Zionismus sich auf ein Siedlungswerk stütze, dessen wirtschaftlicher Aufschwung durch die beigelegten Berichte der verschiedenen Konsulate bezeugt wird. Da auch in Ungarn neuerdings auf Anknüpfung von Handelsbeziehungen zum Orient nachdrücklich hingearbeitet wird, sei es leicht zu begreifen, daß die Förderung des palästinensischen Siedlungswerkes auch Ungarn nur Nutzen bringen könne. Dies der kurz gefaßte Inhalt des Memorandums, das infolge der permanenten Verdächtigungskampagne der Ito-Geschäftsführer ganz gegen unseren Willen statt gleiches Recht für beide Organisationen, vorläufig leider bloß gleiches Unrecht erzielen konnte. Wir sind übrigens neugierig, wie das neue Gutachten der Israelitischen Landeskanzlei ausfallen wird. Jüdisches Studentenelend Aus Budapest wird uns berichtet: Unter den vielen Uebelständen, an denen die ungarische Judenschaft krankt, ist wohl das Elend der jüdischen Studenten einer der unerquicklichsten. Die jüdische Kleinbürgerschaft will, ohne materiell genügend gerüstet zu sein, ihren Nachwuchs einer akademischen Laufbahn zuführen, daher der verhältnismäßig sehr hohe Prozentsatz der jüdischen Schüler in den Mittelschulen und der jüdischen Studenten an den Hochschulen. Da jedoch diese jungen Leute größtenteils selber für ihr Fortkommen zu sorgen haben, sind sie in ihrem Studiengang gehemmt. Vor drei Jahren wurde unter den Studenten in Budapest eine statistische Rundfrage veranstaltet, die ein überaus düsteres Bild ergab. Obwohl in den Fragebogen die Frage der Religion und der Nationalität sorgsam gemieden wurde, war es den Kennern der Verhältnisse sofort klar, daß das traurige Bild leider vornehmlich ein Bild der jüdischen Studentenverhältnisse ist. Die statistischen Aufnahmen bewiesen, daß der größere Teil der Studenten mit materiellen Sorgen zu kämpfen hat, durch schlechtbezahlte Bureauarbeiten, durch Stundengeben und andere Nebenbeschäftigungen seinen Lebensunterhalt erwirbt, die Studien vernachlässigen muß, trotzdem aber — selbst um den Preis der Gesundheit — das akademische Studium nicht aufgibt. Das Betrübendste ist, daß die indifferente jüdische Gesellschaft die Unhaltbarkeit dieser Zustände nicht empfindet, so daß die selbstbewußte jüdische Studentenschaft die Initiative zur Besserung der Lage selbst ergreifen mußte. Vor drei Jahren leitete die Hochschulvereinigung „Makkabäa" eine Aktion zur Errichtung einer jüdischen Studentenmensa ein. Es gelang, den Ungarisch-Israelitischen Landeskulturverein für diesen Plan zu gewinnen, unter dessen Aegide dann die Mensa eröffnet wurde. In den Räumlichkeiten der Mensa erhalten täglich etwa 400 jüdische Studenten zum Teil ganz unentgeltlich oder zur Hälfte des Preises einen jüdischen Mittagstisch. Diesem Beispiel folgte auch der junge und überaus rührige Verein jüdischer Techniker „Bar Kochba", dem es gelang, seine Bemühungen bereits nach einigen Monaten intensiver Arbeit von Erfolg gekrönt zu sehen. Es gelang ihm vornehmlich, die führenden Kreise der jüdischen Gemeinde in B u d a (Ofen) zu interessieren, die zur Erhaltung der Mensa einen speziellen Verein gründeten und die Lokalitäten, in denen sich auch die Räume des „Bar Kochba" befinden, bereits am 2$. Februar im Rahmen einer harmonisch und würdig verlaufenen Feier, ihrer Bestimmung übergaben. — Wir beglückwünschen unsere aufrechte jüdische Studentenschaft zu ihrer Arbeit. Mögen ihr noch recht viele Erfolge beschieden sein! Italien iiiiüiiiililüiiiiiiiiiiiiiüiiiliiiiliüiiiiiiiii Die dritte Tagung der jüdischen Jugend Italiens Rom, 22. Februar. Heute nachmittag, um 3 Uhr, wurde im großen Saale der Gemeindebibliothek die dritte Tagung der jüdischen Jugend Italiens eröffnet, die drei Tage dauern wird. An der Eröffnung nahmen — außer den vielen jungen Leuten, die von allen Seiten Italiens hier zusammengekommen sind — auch viele Mitglieder der römischen Gemeinde mit ihren Damen teil. Alle italienischen Zeitungen und einige ausländische waren vertreten. Als erster Redner sprach der Vorsteher der römischen Gemeinde, Comm. Angelo S e r e n i, der die Kongreßteilnehmer mit warmen Worten begrüßte. Rabb. Dr. Sacerdoti begrüßte den Jugendkongreß in seiner Eigenschaft als Gemeinderabbiner. Es sei bedeutungsvoll, daß in Rom, wo zuerst der Ruf nach vollständiger Vernichtung Israels erscholl, sich die Jugend Israels vereinige, um die jugendliche Renaissance des jüdischen Volkes zu feiern. Angelo Aristide A I a t r i (Rom) verlas die zahlreichen Begrüßungsschreiben und -Telegramme aus allen Städten Italiens, darunter die Sympathiekundgebungen fast aller jüdischen Gemeinden Italiens, der Rabbiner, der „Federation italienischer Zionisten", der zionistischen Gruppen, der „ Pro-Cultura- Ebraica"-Vereine usw. Die Verlesung der Briefe des „Zionistischen Zentralbureaus" und der Leitung des „Jüdischen Nationalfonds“ rief besonders stürmischen Beifall hervor.