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Die Welt · 1914-03-13 · 11 (13.3.1914) · p. 257

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
11 (13.3.1914)
Article
Förderung der Landwirtschaft in Palästina
Date
1914-03-13
Page
257 (sequence 2)
Language
German
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Nr. II 257 DIE^ELT a) mit Stickstoffdünger; b) mit Kalisalzen; c) mit Phosphorsäure; d) mit physikalisch-chemisch wirkenden Düngern. Wie sehr der Boden Palästinas der Düngung bedarf, geht aus Mitteilungen hervor, die vor kurzem Keller von der Ackerbauschule Wilhelma bei Jaffa in dem angesehenen Fachblatt „Mitteilungen der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft“ Stück 27, 5. Juli 1913 mitteilt. Keller machte Düngungsversuche mit Gerste und fand, daß die Rentabilität durch Düngung bedeutend erhöht wurde. Rentabilität mit Dünger gaben nach Keller Düngungsversuche in Palästina, ausgeführt an der Ackerbauschule Wilhelma bei Jaffa. No. Frucht Düngung pro ha kg Ammo- Super- J phos- I Kali n,*k | phat Ertrag pro ha dz KömerJ Stroh Gegen ungedüngt mehr Francsproha 1 Gerste 80 i 80 80 1 8,5 | 12.5 34.10 160 i 80 80 | 16-! 23,5 145.20 3 240 80 80 17— 161.— 4 80; 160 80 1 14.- 16,'- 110.70 80 | 240 80 14,5! 17,— 114,80 6 80! 80 160 13,— 1 16,5 101,90 80 80 240 IS¬ 15.5 91,70 8 80; 80 320 IS— 15,— 64,— 80 80 160 14.5 16,5 105.— 10 160 80 160 16,5 22,5 152,- 11 160 i 160 80 22,5 28,5 263,- 12 angedüngt 4 6 — Düngungsversuche unter Weglassung eines Nährstoffes. 13 1 100 1 100 1 6.5 1 8,- 1 3,60 14 100 100 8,- 10.— 21.— 15 i ioo | 100 1 7.- 1 12,— 14,20 Also betrug die Rentabilitätssteigerung im Höchstfall Frcs. 263,— Wurde nur mit Phosphorsäure und Kali, nicht mit Stickstoff gedüngt, nur. „ 3,60 Wurde nur mit Stickstoff und Kali, nicht mit Phosphorsäure gedüngt, nur. „ 21,— Wurde nur mit Stickstoff und Phosphorsäure, nicht mit Kali gedüngt, nur. . . .. „ 14,20 Man sieht daraus mit überraschender Deutlichkeit, wie außerordentlich fördernd die Düngung gewirkt hat, und wie notwendig die Anstellung von ausgedehnten praktischen Versuchen über Rentabilität und Wirksamkeit von künstlichem Dünger im Orientboden ist. Allerdings muß von vornherein bemerkt werden, daß wir nur ein Jahr durchgeführte Düngungsversuche als wertlos betrachten, und daß erst derselbe Versuch mehrere Jahre in gleicher Weise ausgeführt werden muß, um einwandfreie Resultate zu erreichen. Die Anstellung eines exakten und einwandfreien Düngungsversuchs setzt große Umsicht und scharfe Beobachtungsgabe voraus, sonst werden Scheinresultate erreicht, die nur unnützes Geld kosten. Es ist dann mit den Resultaten, wie mit der Verwertung einer nicht bis zu Ende durchdachten Erfinderidee, die an dem kleinem „Haken" in der Ausführung versagt." Ich hatte auch die Errichtung einer agrikulturchemischen Kontrollstation (die die Handelsprodukte auf Gehalt prüft) vorgeschlagen. Ihre Notwendigkeit wird beleuchtet durch einen sehr lesenswerten Artikel in der deutschen landwirtschaftlichen Presse, „Landwirtschaftliches aus Kleinasien",*) wo es heißt: „Endlich trägt die Verfälschung landwirtschaftlicher Chemikalien zu den Mißerfolgen der türkischen Landwirtschaft bei. Von einigen Weltmarken abgesehen, werden alle in der Landwirtschaft verwandten Chemikalien, Pottasche, Kupfervitriol, Schwefel usw. seit Jahren verfälscht auf den hiesigen Markt gebracht, und der unglückliche Weinbauer zer- *) Deutsche landwirtschaftliche Presse 40, p. 726, Brief aus Smyrna. bricht sich verzweifelt den Kopf über das Verkommen seiner Weinstöcke, trotz Anwendung der gegebenen chemischen Mittel, wie Kupfervitriol. Was er als solches gekauft hat, war eben ein ganz anderes wirkungsloses, minderwertiges Zeug. Nicht anders wird es mit dem chemischen Dünger gehen, wenn dieser erst allgemeinere Verbreitung findet. Gegen diesen Betrug ist eine strenge amtliche Kontrolle aller landwirtschaftlichen Chemikalien vorzuschlagen. Was in Europa in dieser Hinsicht für notwendig erachtet wird, ist für die Türkei einfach u n - e rlä ß 1 i ch." Daß eine Düngung außerordentlich segensreich wirken kann, zeigen die oben erwähnten Versuche von Keller und auch die auf Veranlassung von Auhagen angestellten Gründungsversuche. Aber eine Anwendung von künstlichem Dünger ohne Kontrolle der Materialien ist sinnlos. Denn dann erhalten die Abnehmer an Stelle von hochprozentigen Düngesalzen wertloses Zeug, dem niemand ohne Untersuchung ansehen kann, ob es gefälscht ist oder nicht. Der Briefschreiber aus Smyrna klagt dann weiter über die Insektenplage. „Seit 20 Jahren verwüsten Heuschrecken unsere Wilajets, ohne daß wirksame Maßregeln gegen sie ergriffen wären." Auch bei uns in Deutschland ist der Schutz gegen die Insekten weit (man denke an die gewaltigen Schäden in der Landwirtschaft durch die Blattläuse in dem Trockenjahr 1911) noch völlig ungenügend. Professor Escherich in Tharandt hat vor kurzem daraufhin auf einer Studienreise die amerikanischen Einrichtungen untersucht; dort ist eine große Zahl Staatsentomologen damit beschäftigt, Mittel gegen die Schäden der Insektenwelt ausfindig zu machen. Also auch auf diesem Gebiet wartet der Arbeit. In einem Artikel „Ist die Schaffung einer Zuckerindustrie in der Türkei möglich?“ (Deutsche Zuckerindustrie 1913, Nr. 31) kommt Gustav Herlt, Konstantinopel, zum Schluß, daß ein Zuckerrübenbau in Palästina vorläufig nicht lebensfähig sei, obwohl die Türkei ein reiner Ackerbaustaat sei mit fruchtbarem Boden, günstigem Klima und noch viel unbebautem Land. Warum? Man höre die Gründe, die ein mit den türld;chen Verhältnissen Vertrauter anführt. „Die Rückständigkeit der Landbevölkerung macht den Zuckerrübenbau unmöglich. Die türkischen Bauern sind sehr bequeme Herrschaften und überlassen die meiste Arbeit in ihrem Betriebe dem lieben Gott. Wenn sie den Acker ein bißchen ausgekratzt und den Samen hineingestreut haben, kümmern sie sich weiter nicht mehr darum, bis es Zeit zur Ernte wird. Da sie sich nicht gern bücken, schneiden sie von den Halmen eigentlich nur die A e h r e n ab und lassen das Stroh stehen. Gedroschen wird mit dem Dreschschlitten, worauf der Büffelreiter sitzt. Obwohl die Kartoffeln in Kleinasien gut gedeihen, macht ihr Anbau doch keine Fortschritte, wahrscheinlich ist den Bauern das Stecken und Hacken zu umständlich. Futterrüben sind ganz unbekannt, das Vieh muß sich sein Futter selbst suchen, und nur im Winter erhält es etwas Heu, damit es nicht verhungert." Wir wollen vor allem, daß rationelle Landwirtschaft getrieben wird, und daß der jüdische Bauer sich nicht den türkischen zum Vorbild nimmt; dann wird seine Getreideernte, sein rationell gefüttertes Vieh den Einheimischen zur Nacheiferung anspornen. Wieviel ist zu tun, um die Viehzucht in die Höhe zu bringen, wie leicht wäre es auf dem Kalkgestein Palästinas die kalkliebenden Futterpflanzen Luzerne, Rotklee usw. zu üppigem Wachstum zu bringen! Es ist interessant, die landwirtschaftlich-palästinensischen Kolonisationsbewegungen im Vergleich zu setzen zur europäischen. Welche Mittel europäische Regierungen für die Kultivierung gänzlich vernachlässigter, aber erst urbar zu machender Gebiete anwenden, geht z. B. aus der Zahl der landwirtschaftlichen Versuchsstationen hervor, die binnen kurzem von Deutschland unter den schweren und gefährlichen tropischen Verhältnissen neu als erste Kolonisationsschritte errichtet wurden. Es besteht eine (kleine) Versuchsstation in Palästina, dagegen ist vorhanden*): *) Siehe: Der Tropenpflanzer 1913, p. 369, Der landwirtschaftliche Dienst und das landwirtschaftliche Versuchswesen in den deutschen Schutzgebieten.

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