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Die Welt · 1914-03-13 · 11 (13.3.1914) · p. 256

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
11 (13.3.1914)
Article
David Frischmann
Date
1914-03-13
Page
256 (sequence 2)
Language
German
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256 Nr. 11 DIESapLT müde zu wiederholen — weshalb er denn auch als „Pessimist" verschrien wird. Dies ist er jedoch nur in bezug auf Gegenwartserscheidungen, während er von einem tiefen Glauben an die Zukunft des Volkes und sein Emporwachsen über die Häßlichkeit und Disharmonie seiner jetzigen Lebensformen beseelt ist. Frischmann gehört zu jenen positiven Pessimisten, die die treibende Kraft für jeden geistigen Fortschritt einer nationalen Gemeinschaft bilden. Er will die Unzufriedenheit in uns nähren, uns aus beschaulicher Selbstgefälligkeit aufrütteln, damit' wir im rastlosen Ringen um die Erlösung des nationalen Genius nicht erschlaffen, uns keinen verhängnisvollen Selbsttäuschungen hingeben. — Und in mancher Dämmerstunde, wenn das Empfinden von der Inkongruenz zwischen Ideal und Wirklichkeit ihn besonders stark ergreift, da überkommt Frischmann eine stille, tiefe Trauer, die sich in elegischer Wehmut kundgibt. Dann stehen wir vor der tragischen Offenbarung des immerhin einsamen Poeten, der sein und seines Volkes herbes Geschick beklagt. Verschwunden ist plötzlich der unbarmherzige Spötter und Satiriker, und ein kindlich schlichtes Dichtergemüt leuchtet uns entgegen, das um1 seinen Glauben ringt. — Frischmann ist all die Jahre her, obgleich im Mittelpunkte des literarischen Lebens stehend, im Grunde ein Einsamer geblieben. Er schwimmt stets gegen den Strom. In den Chorus der Begeisterten und Hoffnungsfroher, vermag er nicht einzustimmen. Nur einmal war er wie verwandelt — als er in Palästina weilte. Da schienen die Furchen seiner Seele sich zu glätten. Der Anblick der hebräisch sprechenden Kinder, des aufblühenden neujüdischen Lebens hatte es ihm angetan. Hier hat sich die Wirklichkeit dem Ideal genähert. Frischmanns Schilderungen von seiner palästinensischen Reise zeigen, w o dem Judenschmerz Linderung winkt. Förderung der Landwirtschaft in Palästina Nachwort zu meinen 12 Leitsätzen Von Dr. Menko Plaut (Abteilungsvorsteher a. d. Kgl. landw. Versuchsstation) Ich habe in meinen 12 Leitsätzen (s. „Welt“ 1913, Nr. 26) die Ziele gekennzeichnet, die eine umfassende landwirtschaftliche Kolonisation im Auge haben muß, wenn in möglichst kurzer Zeit durch Hebung des Bodenwertes und der Größe des Ertrages pro Flächeneinheit das Land sich Kapital und die Notwendigkeit einer Industrie schaffen soll. Die Förderung der Landwirtschaft ist die erste Aufgabe einer grundlegenden Kolonisation. Die Einführung einer intensiveren Bewirtschaftung ist die Vorbedingung für ihr Wurzelschlagen. Sagt doch schon Friedrich der Große in einem am 5. Dezember 1775 an Voltaire gerichteten Brief. „Indes ist die Landwirtschaft die erste Kunst von allen, und ohne sie gäbe es keine Kaufleute, keine Höflinge, keine Könige, Dichter und Philosophen. Wer seine Ländereien verbessert, der macht Eroberungen von der Barbarei." Daß die in der Arbeit geforderten Maßnahmen nicht über Nacht kommen würden, daß sie Jahre oder Jahrzehnte zur Verwirklichung brauchen, ist klar. Die vielen Zuschriften, die ich zu den Vorschlägen erhalten habe, erkennen die Notwendigkeit derselben an, doch klingt in verschiedenen derselben der Zweifel an der Möglichkeit der Durchführung. Eine derselben lautet: „Es ist über allen Zweifel erhaben, daß die organisatorischen Maßnahmen, die Sie vorschlagen, eine conditio sine qua non für eine Bewirtschaftung Palästinas sein müssen, wenn sie in der internationalen Weltwirtschaft und auch im Lande selbst zu etwas kommen will. Aber ich meine, heute fehlt für eine solche Organisation poch das Objekt. Es mögen noch so schöne Ansätze in dem alten Lande vorhanden sein, zu einer solchen großzügigen und weitschauenden Konsolidierung gehört doch quantitativ eine ganz andere Materie, wie sie jetzt vorhanden ist. Es steckt in Ihren Leitsätzen zu viel Z u k u n f t." Da meine Vorschläge nach genauen und der landwirtschaftlichen Praxis entnommenen Erwägungen entstanden sind und alles andere als Zukunftsmusik bedeuten sollen, so möchte ich doch im folgenden die Möglichkeit der Durchführung noch etwas beleuchten. Dem deutschen Juden sind die Grundzüge landwirtschaftlicher Organisation trotz vielfachem Handel mit landwirtschaftlichen Produkten fremd. Gehören doch die Führer und geistigen Leiter von Landwirtschaftskammem, Genossenschaften und landwirtschaftlichen Vereinen, sowohl politisch wie gesellschaftlich, zu Kreisen, die ihm im allgemeinen verschlossen bleiben. Dank der Tatkraft eines Max Eith, des Begründers der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, ist der Gedanke der Notwendigkeit landwirtschaftlicher Organisation dem kleinsten Bauer, als Mitglied seines landwirtschaftlichen Vereins, in Fleisch und Blut übergegangen. Die Macht und der Segen der landwirtschaftlichen Vereine, der Landwirtschaftskammern und der Versuchsstationen haben in den letzten 30—40 Jahren eine Erhöhung der Ernteerträge um das Vielfache herbeigeführt. Wie stark die Zunahme der Ernteerträge durch Düngung und Züchtung in Deutschland ist, geht aus einer Zusammenstellung hervor, die ich einem Vortrag des Vorsitzenden der Gesellschaft zur Förderung deutscher Pflanzenzucht des Herrn Kühle, Gunsleben, entnehme*): Es wurden in Deutschland geerntet im Durchschnitt der Weizen pro Hektar 1585—1890 . . . . 15,1 dz 1905—1910 .... 20 „ Es betrug die Mehrernte in dieser Zeit pro Hektar in Doppelzentnern für: Weizen.... 4,9 dz Roggen . . . . 4,9 „ Gerste . . . . 4,5 „ Hafer.5,1 „ Kartoffeln . . 37,2 „ Es ist das ein alljährlicher Zuwachs am deutschen Nationalvermögen von ca. 1450 Millionen Mark**). So hat intensiver Landwirtschaftsbetrieb gewirkt. Wann werden die Länder des Orient so erschlossen sein? Man sieht wohl im Laienpublikum den Erfolg des Bauern, weiß aber nicht, daß vielleicht kein Stand so mit der Wissenschaft zusammenarbeitet, - wie der viel angefeindete Bauernstand. Seine sämtlichen Produkte (Dünger, Saatgut usw.) unterliegen im Kauf und Verkauf dem Urteil des Sachverständigen der Versuchsstationen, und erst nach dem begutachtenden Urteil werden die Preise der Ware festgesetzt. Heinrich L o e w e sagt in seinem Aufsatz „Hochschulsorgen": „Ist doch jedes großzügige Werk bis zu seiner Vollendung ein Stück Utopie.“ Daß die Forderungen der Leitsätze keine Utopie sind, soll an einigen Beispielen gezeigt werden. Im § 2 wurde die Errichtung einer landwirtschaftlichen Kulturabteilung durch den Nationalfonds gefordert. Ich selbst hielt ursprünglich die Organisation für die Aufgabe der Palästina Land Development Company, doch teilte ich auf Veranlassung der Redaktion dem Nationalfonds, die diesen als Instanz für geeigneter hielt, zu. Diese meine Ansicht deckt sich mit der von Dr. Nawratzki, der in seinem grundlegenden Buch „Die jüdische Kolonisation in Palästina", München, 1913, p. 323 ff., die Leitsätze ganz zum Abdruck bringt. Der Kulturabteilung war als Aufgabe 5 zugewiesen die Anstellung von Düngungsversuchen: *) S. Bericht über die 28. Wanderversammlung der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Jahrbuch der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft Bd. 28, p. 488. **) Abzuziehen wären ev. die Düngungskosten, doch waren die Düngerstätten (Kalilager usw.) früher unbenutzt, also wertlos.

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